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Bardino (Perro de Ganado Majorero): Der gestromte Hüter Fuerteventuras

Bardino Majorero gestromt

Der Bardino: Stolzer Hirtenhund der Kanaren

Kurzinfos & Steckbrief

Der Bardino, offiziell als Perro de Ganado Majorero bekannt, ist ein lebendes Kulturgut der Insel Fuerteventura. Dieser charakterstarke Arbeitshund ist weit mehr als nur ein Hütehund; er ist ein Symbol für die raue Schönheit der Kanarischen Inseln. Mit seiner einzigartigen Stromung und seinem unbestechlichen Wesen ist er ein treuer Gefährte für Menschen, die Ursprünglichkeit und Eigenständigkeit schätzen.

  • Herkunftsland: Spanien (Fuerteventura)
  • FCI-Status: Nicht FCI-anerkannt (National anerkannt durch die RSCE)
  • Größe: Rüden 57-63 cm | Hündinnen 55-61 cm
  • Gewicht: Rüden 30-45 kg | Hündinnen 25-35 kg
  • Besonderheit: Doppelte Afterkrallen und die einzigartige grünlich-graue Stromung ("Verdino")

Geschichte: Der "Majorero" - Ein Erbe der Ureinwohner

Die Geschichte des Bardino ist untrennbar mit der Kanareninsel Fuerteventura verbunden. Der Name "Majorero" leitet sich von "Maxorata" ab, dem alten Namen der Insel. Bereits die Ureinwohner, die Guanchen, hielten große, wehrhafte Hunde, um ihr Vieh vor Raubtieren und Dieben zu schützen. Nach der Eroberung durch die Spanier vermischten sich diese Hunde mit den mitgebrachten Hirtenhunden der Siedler.

Über Jahrhunderte war der Bardino der unersetzliche Helfer der Ziegenhirten. Er musste unter extremen Bedingungen - Hitze, karge Landschaften und Wasserknappheit - zuverlässig arbeiten. In den 1970er Jahren drohte die Rasse durch Einkreuzungen fremder Hunde fast zu verschwinden. Dank einer Gruppe engagierter Naturschützer und Züchter auf den Inseln wurde der Bestand gesichert. Heute gilt er als eine der ursprünglichsten Hunderassen Spaniens, auch wenn die offizielle Anerkennung durch die FCI noch aussteht.


Erscheinungsbild: Robustheit und die Farbe "Verdino"

Der Bardino ist ein mittelgroßer bis großer Hund von rustikaler, fast drahtiger Statur. Er wirkt kräftig, aber niemals plump oder schwerfällig. Sein Körperbau ist funktional und auf Ausdauer in schwierigem Gelände ausgelegt.

Die optischen Alleinstellungsmerkmale:

  • Die Stromung: Einzigartig in der Hundewelt ist die Stromung des Bardinos. Das Fell ist oft tiefschwarz mit einer grau-beigen oder fast grünlich schimmernden Stromung. Dieser Effekt wird im Spanischen als "Verdino" (von verde = grün) bezeichnet.
  • Doppelte Afterkrallen: An den Hinterläufen besitzt der reinrassige Bardino fast immer doppelte Wolfskrallen. Diese sind ein Zeichen seiner ursprünglichen Herkunft und halfen seinen Vorfahren vermutlich bei der Trittsicherheit im vulkanischen Gestein.
  • Das Fell: Es ist kurz, sehr dicht und glänzend. Es bietet Schutz vor der intensiven Sonne und ist extrem pflegeleicht.
  • Rute: Interessanterweise weisen viele Bardinos eine genetisch bedingt etwas kürzere Rute auf, die oft säbelförmig getragen wird.


Wesen: Ausgeglichenheit trifft auf unbestechliche Wachsamkeit

Bardino Majorero gestromt

Der Bardino: Stolzer Hirtenhund der Kanaren

Der Bardino ist ein Hund von großer innerer Ruhe und Charakterstärke. Als ehemaliger Herdenschutz- und Hütehund ist er es gewohnt, Situationen erst einmal ruhig zu beobachten, bevor er handelt. Er ist kein nervöser Hund, aber er entgeht nichts.

Seinen Bezugspersonen gegenüber ist er außergewöhnlich anhänglich, sanft und treu. Er sucht den engen Kontakt zur Familie und gilt als sehr geduldig im Umgang mit Kindern. Fremden gegenüber zeigt er jedoch die typische Reserviertheit eines Wächters. Er verteidigt Haus, Hof und Familie instinktiv und mutig, ohne dabei ein unkontrollierter Kläffer zu sein. In der Regel ist er mit anderen Haustieren sehr verträglich, sofern er gut sozialisiert wurde.


Haltung: Ein Partner für aktive Naturliebhaber

Der Bardino ist ein sehr anpassungsfähiger Hund, der sich in verschiedenen Lebensumständen wohlfühlt, solange eine Grundvoraussetzung erfüllt ist: Enger Familienanschluss. Er ist kein Hund für die reine Außen- oder Zwingerhaltung.

Was ein Bardino braucht:

  • Bewegung: Er braucht tägliche, ausgedehnte Spaziergänge. Als ausdauernder Wanderer ist er ein toller Begleiter für Outdoor-Fans.
  • Geistige Auslastung: Da er ein intelligenter Arbeitshunde-Typ ist, möchte er gefordert werden. Suchspiele, Apportieren oder kleine Aufgaben im Garten lasten ihn mental aus.
  • Platz: Ein Haus mit einem sicher eingezäunten Garten ist ideal, da er gerne draußen liegt und sein "Revier" im Blick behält. Eine Stadtwohnung ist möglich, sofern der Ausgleich im Grünen stimmt.


Erziehung: Souveränität statt Drill

Einen Bardino zu erziehen, bedeutet, einen Partner zu gewinnen. Er besitzt eine natürliche Autorität und eine gewisse Unabhängigkeit. Er lernt schnell, hinterfragt aber Kommandos, wenn er sie für unsinnig hält oder sein Mensch keine Souveränität ausstrahlt.

Die Erziehung sollte konsequent, aber liebevoll sein. Auf harte Methoden reagiert der charakterstarke Bardino mit Sturheit oder Rückzug. Wer sein Vertrauen gewinnt, erhält einen Hund, der fast "gedankenlesend" mit seinem Besitzer zusammenarbeitet. Eine frühe Sozialisierung ist wichtig, um seinen Schutzinstinkt in kontrollierte Bahnen zu lenken.


Gesundheit und Pflege: Ursprünglich und robust

Als ursprüngliche Rasse ist der Bardino gesundheitlich sehr stabil. Er ist nicht durch Überzüchtung belastet und gilt als sehr genügsam.

  • Fellpflege: Das kurze Fell ist extrem pflegeleicht. Gelegentliches Bürsten reicht aus, um lose Haare zu entfernen.
  • Vorsorge: Wie bei allen größeren Hunden sollte auf Hüftgelenksdysplasie (HD) geachtet werden. Aufgrund seiner Herkunft ist er recht hitzebeständig, sollte aber im deutschen Winter vor extremer Nässe und Kälte im Liegebereich geschützt werden.
  • Afterkrallen: Die doppelten Krallen an den Hinterbeinen sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden, damit der Hund nicht hängen bleibt.
  • Lebenserwartung: Ein Bardino wird oft 12 bis 14 Jahre alt.


Häufige Fragen (FAQ) zum Bardino

Ist der Bardino ein Kampfhund?
Nein. Der Bardino ist ein klassischer Hüte- und Hirtenhund. Er steht in keinem deutschen Bundesland auf der Rasseliste, obwohl er aufgrund seiner Stromung optisch manchmal mit solchen Rassen verwechselt wird.

Warum hat er doppelte Afterkrallen?
Dies ist ein genetisches Erbe seiner Vorfahren. Es wird vermutet, dass sie den Hunden früher mehr Halt im schwierigen, vulkanischen Gelände Fuerteventuras gaben.

Ist er für Anfänger geeignet?
Bedingt. Er ist zwar charakterlich ausgeglichen, braucht aber eine konsequente Führung und Verständnis für seine Wachsamkeit. Engagierte Anfänger können mit ihm glücklich werden, wenn sie bereit sind, Zeit in die Erziehung zu investieren.


Bildergalerie: Bardino Majorero

Eindrücke der faszinierenden Inselhunde:

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9 Gedanken zu „Bardino“

    • Ich würde ihn auch nicht als Anfängerhund bezeichnen. Aber die Beschreibungen mancher Hunderassen lesen sich wie Werbebroschüren für Autos oder so. Also sehr treffend sind sie nicht immer und letztlich hängt es auch immer vom Menschen ab was er draus macht. Es gibt Menschen die den besten Hund der Welt zum Psycho machen können.

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  1. Wenn Ihr wirklich etwas über die Hunderasse Bardino erfahren wollt, solltet Ihr einfach das Buch:
    Bardino…eine andere Hundewelt voller Streifen
    lesen.
    Dort findet Ihr wirklich alle Informationen über diese tolle Hunderasse. Auch Erfahrungsberichte echter Bardino-Halter könnt Ihr dort lesen. Ein tolles und überaus ehrliches Buch

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    • In der Tat, ein fantastisches etwas anderes Buch über Bardinos die auch etwas anders sind. Jedenfalls anders als meine vorherigen Hunde. Von unserem Hund ist auch eine Geschichte drin. Es ist eine großartige Rasse. Unser ist ein Bardino-Schäfermix mit etwas Windhund drin. Er war anfangs sehr ängstlich, hat sich aber großartig entwickelt. Er ist sehr sensibel, wachsam und territorial und extrem anhänglich. Fremden gegenüber eher misstrauisch. Auch ich kann das Buch nur empfehlen.

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  2. Habe seit 10 Jahren eine Bardina, mußte allerdings 3Jahre suchen, um eindeutig festzustellen, daß das ein Bardino ist. Allerdings ist sie dunkelbraun bis graugrün, wenn die Sonne drauf scheint. Ich muß unbedingt erzählen, daß das bisher der tollste Hund ist, den ich je hatte. Selbst mit 12 hat sie noch keine Alterserscheinungen. Sie wird zur Kindererziehung, Welpenerziehung eingesetzt und behütet mich wie ihren Augapfel. Als ich sie aus dem Tierheim mitnahm, konnte sie gar nichts und war nur aus Angst zusammengesetzt.. Ich bin schon auf der Suche nach einem Zweithund dieser Rasse.

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    • Hallo Doris,

      wir bekommen ab Mitte Dezember, also in 3 Wochen, auch eine Bardina aus dem Tierschutz, die Hündin ist 2 Jahre jung, noch ängstlich, aber sie soll eine total liebe Maus sein, wir freuen uns schon sehr auf sie. Sie soll auch mit Rüden und Hündinnen verträglich sein. Sie kommt aus Kroatien und lebt dort seit 1,5 Jahren in einem Tierheim. Bisher haben wir noch keine Erfahrungen mit dieser Hunderasse, aber Deine Zeilen machen uns großen Mut. Wir mussten dieses Jahr unsere alten Hunde einschläfern lassen, sie waren alt und krank. Seit 3,5 Monaten haben wir wieder einen Hund aus dem Tierheim, aber hier aus Düsseldorf. Es ist ein 9-jähriger Schnauzer-Mix, ursprünglich kommt er aus Rumänien und lebte dort lange Zeit in einem Tierheim.
      Wir hoffen doch sehr dass die beiden sich verstehen werden, denn unser Rüde ist sehr traurig dass er nun niemanden mehr zum spielen hat, er ist auch sehr verträglich mit anderen Hunden. Also wir freuen uns schon sehr dass wir demnächst wieder 2 Hunde haben.

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    • Bardino ’s
      Bekommst du z.b. in fuerteventura
      Da kommen sie her

      Du kannst sie auch über einen Tierschutzverein in Deutschland beziehen

      Ich selbst habe eine Bardino Dame
      Lebe aber auch auf fuerteventura

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      • Ca de Bestiar ist seine Ursprungsbezeichnung. Denn tatsächlich ist er ein Schäferhund, der bis nach Südamerika von den Spaniern exportiert wurde und als reiner Arbeits- und Hütehund gehalten wurde. Es gibt ihn kurzem und mit langem Fell.

  3. Diese Art von Hund gibt es sehr häufig bei uns in Bolivien.
    Wir haben einen als Mischling bekommen mit der Info, der Vater wäre ein Boxer Canario ??? Jedoch ähnelt er sehr diesem Hund hier auf dem Foto. Allerdings scheint er ein wenig hochbeiniger und hat einen Ringelschwanz Diese Farbe ist hier sehr verbreitet.

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