Keine Kommentare

Cão de Castro Laboreiro: Der unbestechliche Wächter aus den Bergen Portugals

Cão de Castro Laboreiro stehend

Cão de Castro Laboreiro: Unabhängiger Wächter

Kurzinfos & Steckbrief

Der Cão de Castro Laboreiro (CCL) ist eine der ältesten und seltensten Hunderassen der Iberischen Halbinsel. Benannt nach dem Dorf Castro Laboreiro im Norden Portugals, ist dieser Hund ein Relikt aus einer Zeit, in der das Überleben der Hirten und ihres Viehs direkt vom Mut ihrer vierbeinigen Beschützer abhing. Er ist kein klassischer Hütehund, sondern ein waschechter Herdenschutzhund, der darauf spezialisiert ist, Wölfe und Viehdiebe gleichermaßen in die Flucht zu schlagen.

  • Herkunftsland: Portugal
  • FCI-Standard: Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer - Molosser - Schweizer Sennenhunde) / Sektion 2.2 / Nr. 170
  • Größe: Showdogs: 55-64 cm | Arbeitshunde: bis zu 85 cm
  • Gewicht: Showdogs: 25-40 kg | Arbeitshunde: ab 45 kg aufwärts
  • Besonderheit: Extrem eigenständig; charakteristisches Wolfs- oder Berg-Fell

Geschichte: Ein Überlebenskünstler aus der rauen Bergwelt

Die Wurzeln des Cão de Castro Laboreiro liegen tief im Peneda-Gerês-Nationalpark im Norden Portugals. In dieser kargen, felsigen Region lebten die Menschen über Jahrhunderte in relativer Isolation. Die Hunde mussten nicht nur das Vieh bewachen, sondern auch Haus und Hof der Hirten schützen. Der Wolf war in dieser Gegend nie ausgerottet, was zur Selektion eines Hundes führte, der physisch stark, mental extrem belastbar und absolut unerschrocken war.

Interessanterweise hat sich die Rasse in zwei Richtungen entwickelt: Während die nach FCI-Standard gezüchteten Showdogs in Größe und Gewicht moderat bleiben, findet man in den Bergen noch heute die ursprünglichen Arbeitshunde. Diese sind oft deutlich massiver und können eine Schulterhöhe von bis zu 85 cm erreichen, um es physisch mit jedem Raubtier aufnehmen zu können. Außerhalb Portugals ist die Rasse bis heute kaum bekannt und gilt als echter Geheimtipp für Kenner ursprünglicher Herdenschutzhunde.


Erscheinungsbild: Die Camouflage der Berge

Der CCL ist ein kräftiger, molosserartiger Hund, der jedoch eine für seine Größe erstaunliche Agilität besitzt. Sein Körperbau ist gut ausbalanciert und wirkt sehr robust.

Fellbeschaffenheit und die faszinierende „Bergfarbe“:

  • Fellstruktur: Es existieren kurz- und langhaarige Varianten. Das kurze Haar ist etwa 5 cm lang, liegt glatt an und besitzt eine dichte Unterwolle. An Kopf und Ohren ist es feiner und weicher, während es an den Gesäßbacken und der Rute deutlich länger ausfallen kann.
  • Die Farbe: Die am meisten geschätzte Farbe ist die sogenannte „Bergfarbe“. Es handelt sich um ein komplexes Stromungsmuster auf grauem Grund, das Schattierungen von Gelb, Rot, Braun und Schwarz enthält. Ein typisches Merkmal sind Haare, die drei verschiedene Farben aufweisen (von Kiefernuss bis Mahagoni). Daneben gibt es wolfsgraue Varianten (lobeiro escuro/claro). Ein kleiner weißer Brustfleck ist erlaubt.
  • Augen und Ausdruck: Sein Blick ist ernst, aufmerksam und zeugt von großem Selbstbewusstsein.


Wesen: Unabhängigkeit statt Kadavergehorsam

Wer einen Hund sucht, der freudig auf jedes Kommando wartet, wird mit dem Cão de Castro Laboreiro nicht glücklich. Dieser Hund besitzt keinerlei „will-to-please“. Er wurde darauf selektiert, über Tage hinweg eigenständig Entscheidungen zu treffen und seine Herde ohne menschliche Anweisung zu schützen. Er agiert strategisch, ruhig und extrem wachsam.

Innerhalb seiner Familie zeigt er sich freundlich, treu und sanftmütig. Er baut eine tiefe Bindung zu seinen Menschen auf und respektiert auch andere im Haushalt lebende Tiere. Fremden gegenüber ist er jedoch von Natur aus misstrauisch und distanziert. Er beobachtet genau und greift nur ein, wenn er eine tatsächliche Bedrohung erkennt. Sein Bellen ist meist tief und sonor - ein deutliches Signal für jeden Eindringling, dass das Territorium besetzt ist.


Erziehung: Eine Partnerschaft auf Augenhöhe

Die Erziehung eines Cão de Castro Laboreiro erfordert viel Fingerspitzengefühl. Jede Form von Gewalt oder Zwang führt bei diesem Hund zum kompletten Vertrauensverlust und wird nicht toleriert. Er braucht einen Halter, der ihm mit Respekt und liebevoller Konsequenz begegnet.

Wichtige Erziehungspfeiler:

  • Motivation: Man muss den Hund davon überzeugen, dass es sinnvoll ist, eine Aufgabe auszuführen. Er arbeitet nicht für den Gehorsam an sich, sondern für seinen Partner.
  • Selbstständigkeit: Man muss akzeptieren, dass dieser Hund eigenständig denkt. In kritischen Situationen wird er immer so handeln, wie er es für richtig hält.
  • Sozialisierung: Eine frühe Gewöhnung an verschiedene Menschen, Geräusche und Situationen ist lebensnotwendig, um den natürlichen Misstrauen in kontrollierbare Bahnen zu lenken.


Haltung: Kein Hund für die Großstadt

Ein Cão de Castro Laboreiro in einer Stadtwohnung zu halten, wäre für das Tier eine Qual. Er braucht Platz, frische Luft und ein Territorium, das er bewachen darf. Ein großes Grundstück in ländlicher Umgebung ist für diese Rasse ideal.

Anforderungen an die Haltung:

  • Familienanschluss: Trotz seiner Eigenständigkeit ist er kein Hund für die Zwingerhaltung. Er braucht den engen Kontakt zu seinem „Rudel“ und möchte im Haus dabei sein.
  • Auslastung: Er benötigt keine stundenlangen Joggingrunden, aber regelmäßige Patrouillengänge und mentale Herausforderungen. Er ist ein intelligenter Beobachter, der gerne draußen liegt und seine Umgebung scannt.
  • Pflege: Der Pflegeaufwand ist minimal. Gelegentliches Bürsten reicht völlig aus. Er ist ein „Naturprodukt“, das keine speziellen Pflegeartikel benötigt.


Gesundheit: Robust wie Granit

Aufgrund seiner jahrhundertelangen Selektion in einer harten Umgebung ist der Cão de Castro Laboreiro ein extrem gesunder und robuster Hund.

  • Erbkrankheiten: Rassetypische Erbkrankheiten sind kaum bekannt. Bei den massiven Arbeitshunden sollte - wie bei allen Riesenrassen - auf Hüftgelenksdysplasie (HD) geachtet werden.
  • Anpassungsfähigkeit: Er kommt mit Hitze ebenso gut zurecht wie mit klirrender Kälte.
  • Lebenserwartung: Trotz seiner Größe erreicht er oft ein Alter von 10 bis 13 Jahren.


Häufige Fragen (FAQ) zum CCL

Ist der Castro Laboreiro für Anfänger geeignet?
Nein. Sein starker Schutztrieb und seine Unabhängigkeit erfordern einen erfahrenen Halter, der die Körpersprache von Herdenschutzhunden lesen kann.

Ist er gefährlich für Besucher?
Ein gut sozialisierter Hund wird Besucher in Anwesenheit seiner Besitzer dulden. Er bleibt jedoch reserviert und wird seine Familie niemals aus den Augen lassen.

Kann er als Zweithund gehalten werden?
Ja, er ist in der Regel sehr sozial gegenüber Hunden, die zum eigenen Haushalt gehören. Bei fremden Hunden auf dem eigenen Territorium ist er jedoch sehr dominant.


Bildergalerie: Cão de Castro Laboreiro

Einblicke in das Leben der portugiesischen Hirtenhunde:

Besten Dank für die Rassebeschreibung und Bilder an www.castro-laboreiro.de

Copyright

Alle Texte auf dieser Webseite (hundeseite.de) sind urheberrechtlich geschützt. Eine Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Nutzung jeglicher Inhalte ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung ausdrücklich untersagt.

Schreibe einen Kommentar