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Gelbbacke: Der unermüdliche „Workaholic“ unter den Altdeutschen Hütehunden

Gelbbacke Altdeutscher Hütehund schwarz-loh

Gelbbacke: Intelligent, robust und arbeitswillig

Kurzinfos & Steckbrief

Die Gelbbacke ist kein gewöhnlicher Rassehund, sondern ein „Schlag“ aus der Gruppe der Altdeutschen Hütehunde. Vor allem in Mittel- und Ostdeutschland beheimatet, ist sie ein lebendiges Denkmal der Schäfereigeschichte. Ihr markanter Name leitet sich von den lohfarbenen Abzeichen im Gesicht ab. Die Gelbbacke ist ein hochspezialisierter Arbeitshund, der für seine Intelligenz, Härte und Ausdauer geschätzt wird. Heute gilt dieser Schlag als vom Aussterben bedroht und wird fast ausschließlich von Kennern und praktizierenden Schäfern geführt.

  • Herkunftsland: Deutschland
  • FCI-Status: Nicht FCI-anerkannt (Arbeitsschlag)
  • Größe: ca. 55 cm bis 60 cm
  • Gewicht: ca. 22 kg bis 30 kg (funktionaler Arbeitstyp)
  • Besonderheit: Enormer Arbeitswille und ausgeprägte Eigenständigkeit

Geschichte: Ein Erbe der Wanderschäferei

Die Gelbbacke gehört zu den Altdeutschen Hütehunden, einer Gruppe von Schlägen, die bereits existierten, bevor der moderne Deutsche Schäferhund züchterisch vereinheitlicht wurde. Während mancherorts die Gelbbacke auch als "Altdeutscher Schäferhund" bezeichnet wird, unterscheidet sie sich deutlich vom Show-Hund des modernen Typs. Sie ist ein reiner Gebrauchs- und Arbeitshund, der über Jahrhunderte von Schäfern rein nach Leistung selektiert wurde.

Besonders in den neuen Bundesländern war und ist die Gelbbacke weit verbreitet. Da die traditionelle Wanderschäferei in Deutschland jedoch immer seltener wird, schrumpft auch der Bestand dieser Hunde drastisch. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) führt die Altdeutschen Hütehunde daher auf ihrer Roten Liste. Gemeinsam mit den anderen mitteldeutschen Schlägen, dem "Schwarzen" und dem "Fuchs", bildet sie eine genetische Einheit, die durch enorme Robustheit und Arbeitsintelligenz besticht.


Erscheinungsbild: Vielfalt im Dienst der Funktion

Bei der Gelbbacke gibt es kein strenges „Schönheitsideal“ wie bei FCI-Rassen. Das Aussehen folgt der Funktion. Dennoch gibt es typische Merkmale, die diesen Schlag sofort erkennbar machen.

Fell, Farben und Strukturen:

  • Die Farbgebung: Namensgebend sind die lohfarbenen (gelblichen) Abzeichen auf der schwarzen Grundfarbe. Diese „Backen“ ziehen sich von der Schnauze bis zur Wange. Oft finden sich auch lohfarbene Flecken über den Augen (Vieräugl) und an den Läufen sowie an der Brust.
  • Das Haarkleid: Meist tritt die Gelbbacke als Langstockhaar auf, was ihr ein urwüchsiges Aussehen verleiht. Es kommen jedoch auch stockhaarige oder sogar rauhaarige Exemplare vor. Das Fell ist stets dicht, wetterfest und schützt den Hund vor Regen, Kälte und Dornen.
  • Genetik: Interessanterweise können in einem Wurf von Gelbbacken auch Schwarze oder Füchse fallen, da die mitteldeutschen Schläge untereinander verpaart werden, um die Arbeitsleistung und den Genpool zu erhalten.


Wesen: Hochintelligent, hart und eigenständig

Das Wesen der Gelbbacke ist auf maximale Effizienz an der Herde ausgelegt. Sie ist ein extrem arbeitswilliger, temperamentvoller und lernfähiger Hund. Da Schäferhunde bei der Arbeit oft weit entfernt vom Hirten eigenständig Entscheidungen treffen müssen, besitzt die Gelbbacke eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit.

Diese Hunde sind "hart" - sowohl gegen sich selbst als auch in der Durchsetzung gegenüber wehrhaftem Vieh. Sie sind keine Hunde für Menschen, die einen leichtführigen Befehlsempfänger suchen. Eine Gelbbacke hinterfragt Dinge, wenn sie keine Arbeit hat. In der Hand eines fähigen Führers zeigt sie sich jedoch als loyal, unbestechlich und von einer fast magischen Auffassungsgabe. Fremden gegenüber ist sie meist distanziert und wachsam.


Haltung: Nur für Profis oder ambitionierte Sportler

Die Gelbbacke ist absolut kein Anfängerhund und schon gar kein Hund für die Stadt. Wer eine Gelbbacke hält, ohne eine Schafherde zu besitzen, übernimmt eine enorme Verantwortung. Dieser Hund braucht eine Aufgabe, die ihn täglich sowohl körperlich als auch geistig bis an seine Grenzen fordert.

Anforderungen an die Auslastung:

  • Hüten & Treiben: Die ideale Beschäftigung ist und bleibt die Arbeit am Vieh.
  • Hundesport: Wenn keine Herde vorhanden ist, muss die Gelbbacke im Hochleistungssport geführt werden. Agility, Obedience, Mantrailing oder Rettungshundearbeit sind Möglichkeiten, ihre Intelligenz zu kanalisieren.
  • Bewegung: Reine Spaziergänge an der Leine sind für diesen Hund eine Beleidigung. Er braucht weite Läufe und konzentrierte Fährtenarbeit.
  • Raumbedarf: Ein Haus mit großem Grundstück, auf dem der Hund auch seine wachsame Seite ausleben darf, ist dringend empfohlen.


Erziehung: Führung durch Kompetenz

Die Erziehung einer Gelbbacke erfordert Respekt und Souveränität. Da der Hund sehr intelligent ist, erkennt er Inkonsequenz sofort und übernimmt die Führung. Er braucht einen Partner, der ihm klare Aufgaben stellt und ihn geistig führt. Harte Drill-Methoden sind bei diesem stolzen Arbeitsschlag kontraproduktiv und zerstören das Vertrauen.

Wichtig ist eine frühe und umfassende Sozialisierung, da die Gelbbacke sonst ihren Kontrolltrieb auf Jogger, Fahrräder oder Autos übertragen könnte. Wer jedoch die Sprache der Hütehunde versteht und die Gelbbacke als Partner auf Augenhöhe behandelt, gewinnt einen Gefährten, der durch seine unerschöpfliche Einsatzbereitschaft beeindruckt.


Gesundheit: Die Robustheit der Natur

Da die Gelbbacke nie nach modischen Kriterien gezüchtet wurde, gilt sie als außergewöhnlich robust und gesund. Erbkrankheiten, wie sie bei vielen überzüchteten Rassen vorkommen, sind hier extrem selten.

  • Pflege: Das Fell ist pflegeleicht und selbstreinigend. Gelegentliches Bürsten reicht aus, während des Fellwechsels sollte man jedoch täglich zur Bürste greifen.
  • Lebenserwartung: Eine Gelbbacke wird bei guter Auslastung oft 13 bis 15 Jahre alt und bleibt meist bis ins hohe Alter fit und arbeitsfähig.


Häufige Fragen (FAQ) zur Gelbbacke

Ist die Gelbbacke ein Familienhund?
Bedingt. Nur in einer Familie, die extrem aktiv ist und den Hund wie einen Hochleistungssportler auslastet. Als reiner Begleiter im Alltag wird sie unglücklich und kann Verhaltensprobleme entwickeln.

Woher bekomme ich eine Gelbbacke?
Es gibt keine klassischen "Hobbyzüchter". Man findet Welpen meist über die Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde (AAH), die großen Wert auf die Erhaltung der Arbeitseigenschaften legt.

Ist sie mit anderen Hunden verträglich?
Meistens ja, sie ist jedoch sehr dominant und ernsthaft in ihrer Kommunikation. Eine klare Sozialisierung ist hierbei der Schlüssel.


Bildergalerie: Gelbbacke

Impressionen dieses charakterstarken Hütehundschlags:


Vielen Dank an Claus für die Bilder!

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2 Gedanken zu „Gelbbacke“

  1. hallo bin erfahrener hundeführer habe zur zeit einen boarder 12 jahre habe die rasse goldbacke gesehen und gefallen an ihr gefunden habe schon einiges über sie gelesen möchte diese hunde gern mal in natura kennen lernen wer weiss wo ich einen züchter finde würde mich sehr über eure antworten freuen komme aus der plz 785**

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    • Lass die Finger weg es ist eine sehr schwierige Rasse schön ist sie keine frage aber man braucht nerven wie drahtseile manche oder viele sind so eigenständig also nicht erziehbar deswegen stehen sie oft im ebay für ein Apfel und ein eigenes weil der Mensch überfordert ist

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