Kastration beim Hund - Vorteile, Nachteile, Risiken & Alternativen

Die Kastration bzw. Sterilisation ist einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe bei Hunden. Viele Tierärzte empfehlen sie routinemäßig, doch neuere Studien zeigen: Es gibt keine pauschale Empfehlung. Die Entscheidung hängt stark von Rasse, Alter, Geschlecht, Lebensumständen und Zuchtabsicht ab. Hormone wie Testosteron und Östrogen spielen eine zentrale Rolle für körperliche Reife, Knochenstruktur und sogar psychische Stabilität. Ein frühzeitiger Entzug kann langfristige Folgen haben.
Warum wird überhaupt kastriert?
Gründe reichen von der Vermeidung ungewollten Nachwuchses über Verhaltensprobleme (z. B. starkes Markieren, Läufigkeitsstress) bis hin zu medizinischen Indikationen (z. B. Pyometra bei Hündinnen, Hodentumore). In Deutschland wird die Kastration zum Glück nicht mehr so oft im Welpen- oder Junghundalter durchgeführt - denn genau hier liegen die größten Risiken.
Vorteile der Kastration
- Kein ungewollter Nachwuchs → Beitrag gegen Überpopulation
- Deutliche Reduktion von Mammatumoren bei Hündinnen (besonders bei Kastration vor erster Läufigkeit)
- Kein Läufigkeitsstress, keine Scheinträchtigkeit
- Reduziertes Risiko für Pyometra, Hodentumore, Perianaltumore
- Oft weniger geschlechtsspezifisches Verhalten (Markieren, Aufreiten, Weglaufen)
- Bei bestimmten Rassen potenziell längere Lebenserwartung (Studien gemischt)
Nachteile & Risiken
- Erhöhtes Risiko für Osteosarkom (Knochenkrebs) - besonders bei Frühkastration (bis zu 3–4-fach bei manchen Rassen)
- Höheres Risiko für Gelenkerkrankungen (HD, Kreuzbandriss, Ellbogendysplasie) verzögerte Schließung d. Wachstumsfugen
- Veränderung des Fellkleids (Kastratenfell)
- Erhöhtes Risiko für Übergewicht
- Mögliche Harninkontinenz bei Hündinnen
- Psychische Auswirkungen: Weniger emotionale Stabilität, verstärkte Ängstlichkeit
- Bei traumatisierten Tierschutzhunden oft Verschlechterung von Angst & Unsicherheit
Die Rolle der Hormone - körperlich & geistig
Testosteron und Östrogen sind weit mehr als „nur“ Fortpflanzungshormone. Sie steuern die Schließung der Wachstumsfugen (deshalb Frühkastration → längere, aber oft instabilere Knochen), beeinflussen Muskelmasse, Fellstruktur und Stoffwechsel. Besonders kritisch: Diese Hormone wirken auch im Gehirn - sie fördern Serotonin- und Dopamin-Aktivität und geben emotionale Stabilität. Fällt dieser „hormonelle Anker“ früh weg, kann die psychische Reifung stocken: Ängstlichkeit, Unsicherheit oder übersteigerte Vorsicht nehmen zu: gerade bei sensiblen oder traumatisierten Hunden (z. B. Tierschutzhunden) ein echtes Problem. Insbesondere eine frühe Kastration nimmt den Hunden den wichtigen Einfluss der Hormone und damit einen wichtigen Entwicklungsschritt.
Rechtliche Lage: Was sagt das Tierschutzgesetz?
Viele Hundehalter wissen nicht, dass eine Kastration laut § 6 des deutschen Tierschutzgesetzes streng genommen ein Amputationsverbot darstellt. Das vollständige oder teilweise Entfernen von Organen eines Wirbeltieres ist verboten, sofern keine medizinische Indikation vorliegt. Eine Kastration „aus Bequemlichkeit“ ist rechtlich nicht vorgesehen. Zulässig ist sie jedoch zur unkontrollierten Fortpflanzungshilfe oder wenn tierärztliche Gründe (wie Tumore oder Gebärmutterentzündungen) den Eingriff notwendig machen.
Kastration der Hündin: Gesundheit vs. Entwicklung
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Hündinnen sterilisiert und Rüden kastriert werden. Tatsächlich ist die Kastration bei beiden Geschlechtern der Standard. Bei der Hündin steht oft die Verhinderung der Läufigkeit und ungewollter Trächtigkeiten im Vordergrund.
Prävention von Gesäugetumoren und Pyometra
Häufig wird die Kastration zur Vorbeugung von Mammatumoren (Gesäugetumoren) empfohlen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass dieser Schutzeffekt am größten ist, wenn die Kastration sehr früh erfolgt. Nach der zweiten Läufigkeit sinkt der präventive Nutzen gegen Brustkrebs jedoch auf ein Minimum. Ein weiterer medizinischer Grund ist die Vermeidung einer Pyometra (eitrige Gebärmutterentzündung), die bei älteren, unkastrierten Hündinnen lebensbedrohlich werden kann.
Das Risiko der Frühkastration
Von einer Frühkastration (vor der ersten Läufigkeit) wird heute meist abgeraten. Hormone wie Östrogen sind nicht nur für die Fortpflanzung da, sondern steuern auch die körperliche und geistige Reife. Frühkastrierte Hündinnen bleiben oft auf dem emotionalen Stand eines Junghundes stehen, zeigen eine verzögerte Skelettentwicklung (längeres Wachstum der Röhrenknochen) und können eine lebenslange Unsicherheit im Sozialverhalten zeigen.
Kastration des Rüden: Verhalten und Erziehung
Beim Rüden ist oft der Wunsch nach „mehr Umgänglichkeit“ der Auslöser. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Kastration ersetzt keine Erziehung.
Was sich ändert - und was nicht

Nur hormonell motiviertes Verhalten wird durch die Kastration beeinflusst. Dazu gehört das Jaulen bei läufigen Hündinnen in der Nachbarschaft, das übermäßige Markieren oder das Streunen. Aggressionen gegen andere Rüden bessern sich nur dann, wenn sie rein hormonell bedingt sind. Ist die Aggression jedoch erlernt oder aus Unsicherheit entstanden, kann eine Kastration das Problem sogar verschlimmern, da das stärkende Testosteron wegfällt.
Soziale Folgen: Mobbing unter Hunden
Ein oft unterschätzter Nachteil ist das veränderte Sozialgefüge. Kastrierte Rüden riechen für ihre Artgenossen „neutral“ oder ähnlich wie eine Hündin. Dies kann dazu führen, dass sie von unkastrierten Rüden nicht mehr ernst genommen, gemobbt oder bedrängt werden (Aufreiten), was für den betroffenen Hund massiven Stress bedeutet.
Vor- und Nachteile im Überblick
Vorteile
- Keine Fortpflanzung: Sicherer Schutz vor ungewolltem Nachwuchs.
- Hormonelle Ruhe: Wegfall von Scheinträchtigkeiten bei Hündinnen und hormonellen Stress bei Rüden.
- Gesundheit: Vorbeugung von Hodenkrebs, Gebärmuttervereiterungen und bestimmten Analadenomen.
Nachteile
- Operationsrisiko: Jede Vollnarkose und jeder Baucheingriff birgt Risiken.
- Inkontinenz: Besonders größere Hündinnen (z. B. Boxer, Dobermänner) können nach der Kastration harnträufelnd werden.
- Fellveränderungen: Das sogenannte „Welpenfell“ (übermäßiges Unterwollwachstum) kann auftreten, besonders bei Rassen wie Spaniels oder Settern.
- Stoffwechsel: Kastrierte Hunde neigen zu Übergewicht, da der Energiebedarf sinkt, während der Appetit oft steigt.
Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation
In der Alltagssprache werden die Begriffe oft vermischt, medizinisch sind sie jedoch grundverschieden:
| Merkmal | Kastration | Sterilisation |
|---|---|---|
| Eingriff | Entfernung der Keimdrüsen (Hoden/Eierstöcke) | Durchtrennung der Samen- oder Eileiter |
| Hormone | Produktion wird eingestellt | Produktion bleibt erhalten |
| Verhalten | Sexualverhalten verschwindet meist | Sexualverhalten bleibt unverändert |
| Fruchtbarkeit | Unfruchtbar | Unfruchtbar |
Alternativen: Der Kastrationschip (Hormonchip)
Für Rüdenbesitzer, die sich unsicher sind, bietet der sogenannte Suprelorin-Chip eine reversible Alternative. Er wird wie ein Transponder unter die Haut gesetzt und unterdrückt die Testosteronproduktion für sechs bis zwölf Monate. So kann man „testen“, wie sich der Hund verhalten würde, wenn er kastriert wäre, ohne einen endgültigen chirurgischen Eingriff vorzunehmen.
Wann ist Kastration trotzdem sinnvoll?
Trotz aller Risiken: Bei unkastrerten Hunden aus unkontrollierter Vermehrung (z. B. nicht-professionelle Zucht, Tierschutzimporte) entsteht oft Leid durch Überpopulation, Straßenhunde-Nachwuchs oder schlechte Sozialisierung. In solchen Fällen ist eine Kastration ethisch oft die bessere Wahl - besser als ungewollter Nachwuchs, der nicht optimal aufwächst. Bei Rüden mit starkem geschlechtsspezifischem Verhalten (z. B. permanentes Markieren in der Wohnung) oder Hündinnen mit wiederkehrender Scheinträchtigkeit kann sie ebenfalls Linderung bringen. Immer individuell abwägen - idealerweise erst nach Abschluss der Pubertät (Rüden 12–24 Monate, Hündinnen nach 1.–2. Läufigkeit).
Individuell entscheiden
Es gibt keine Einheitslösung. Frühe Routinekastration ist aus meiner Sicht kritisch zu sehen - die langfristigen Risiken (Krebs, Gelenke, Psyche) überwiegen bei vielen Hunden die Vorteile. Lass dich nicht zu einer schnellen Entscheidung drängen. Sprich mit einem erfahrenen Tierarzt, der rassespezifische Studien kennt, und beobachte deinen Hund genau. In vielen Fällen ist eine gut geführte Erziehung die bessere Alternative zur OP. Leidet ein Hund aber massiv unter seinen Hormonen, so ist eine Kastration manchmal doch die bessere Lösung.
Wie habt ihr euch entschieden, Kastration ja oder nein? Und bereut ihr eure Entscheidung? Diskutiert dazu gern in den Kommentaren. ✍️
Quellen:
- Studien zu Osteosarkom-Risiko bei Frühkastration (z. B. Rottweiler, Doggen - diverse Vet-Journals & Uni-Auswertungen 2010–2025)
- Neuere Übersichtsarbeiten zu Gelenkerkrankungen & Hormonwirkung (z. B. VetCompass, UC Davis, Sustainable Vet 2024–2026)
- Neurobiologische Aspekte (Serotonin/Dopamin-Interaktion) - Schweizer Hunde Magazin & verwandte Arbeiten
- Praxisberichte zu Kastratenfell & Fellveränderungen (diverse Foren, Hundefriseure & Tierarzt-Praxen DE 2020–2026)










Durch eine Kastration beim Hund kann es sogar zu einer Inkontinenz führen.
Eine Hundehalterfreundin hat Ihrem Hund ein Hormonstäbchen einsetzen lassen.
Der Hund hat auch ein sehr ausgeprägtes Revierverhalten gezeigt und hat auf andere Rüden immer Agressiv reagiert. Leider kam es auch schon zu Beißereien. In diesem Fall bin ich der Meinung, dass hier was gemacht werden muss. Der Hund kann ja sonst nur an der Leine laufen. Um die Folgen einer Kastration zu testen hat sie das Hormonstäbchen ausprobiert. Und ich muss sagen, dass der Hund und die Halterin von diesem Versuch sehr profitieren. Der Hund ist wie ausgewechselt. Absolut tiefenentspannt.
In einigen Fällen scheint eine Kastration wirklich eine gute Sache zu sein.
Ich möchte mir gerne einen Hund anschaffen aber ich kann. Mich nicht zwischen einem rüden und einer hündin entscheiden. Was soll. Ich also. Machen
Dein Kommentar
Ja, definitv! Denn eine chemische Kastration verhindert ja nicht die Spermaproduktion! Weder eine chemische noch eine operative Kastration hindern den Rüden am Sexualakt. Kastrierte Rüden zeigen lediglich stark eingeschränktes Interesse (sie werden nicht über den Gartenzaun springen, nur weil sie eine läufige Hündin wittern), tänzelt eine läufige Hündin jedoch ständig um einen kastrierten Rüden herum (z.B. gemeinsames Spazierengehen mit einer heißen Hündin), wird der ein oder andere kastrierte Rüde irgendwann aufsitzen! Ich habe schon mehrfach erlebt dass auch operativ kastrierte Rüden decken, sich verhaken etc. (alles wie beim unkastrierten Rüden), der Vorteil ist aber, dass sie nicht mehr zeugen können. Der Sinn einer chemischen Kastration erschließt sich mir nicht so ganz (es sei denn, der Hund leidet unter einer vergrößerten Prostata und soll parallel zur operativen Kastration von seinem Leiden schnell erlöst werden). Abgesehen davon, dass diese Hormonbehandlung krebserregend ist, bleibt der Hund doch zeugungsfähig! Eine Kastration beim Rüden ist eine völlig unbproblematische OP, wozu dann also eine nur halb so effektive (und gesundheitsgefärdende) Lösung, wie die chemische Kastration?
Dein Kommentar
Aggression hat nichts mit Kastration zu tun, es gibt lediglich eine sexuell motivierte Kastration die nach der Kastration etwas eingedämmt sein kann. Verhaltensauffälligkeiten beim Hund (insbesondere Aggressionen) haben nie etwas mit einer Kastration zu tun. Die Kastration eines erwachsenen Hundes hat keinerlei Auswirkungen auf das Sozialverhalten des Tieres! Lediglich auf das Sexualverhalten!
Definitiv nein! Wenn die Eierstöcke entfernt wurden (Kastration) ist es völlig ausgeschlossen, dass eine Hündin läufig werden kann!
Wenn deine Hündin tatsächlich NACH der OP noch läufig wurde, dann fürchte ich, man hat bei ihr nur eine Sterilisation vorgenommen, bei der Sterilisation werden nur die Eileiter durchtrennt, d.h. die Hündin produziert weiterhin Hormone und wird auch wird weiterhin läufig, sie kann lediglich nicht mehr trächtig werden.
Daher ist die Sterilisation imho auch eine völlig absurde Maßnahme bzw. OP, denn sie bringt dem Hund rein gar nichts!
Hierzulande werden Hündinnen daher in aller Regel kastriert, es reicht dabei die kleine Kastration (Entfernung der Eierstöcke), eine große Kastration (Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter) ist imho nur notwendig, wenn es Probleme mit der Gebärmutter gibt (krankhafte Veränderungen etc.)
Eine kleine Kastration stellt die Hormonproduktion ein, die Hündin wird nicht mehr läufig und leidet nicht mehr unter den permanenten Hormonschwankungen. Außerdem wird das Krebsrisiko minimiert.
Unser Rüde hat seit ca. 4Monaten einen Hormonchip. Er ist etwas ruhiger und umgänglicher geworden. Heiße Hündinnen haben ihn nicht interessiert, bis heute. Seine beste Freundin war in den empfangsbereiten Tagen der Hitze und hat ihn immer animiert. Er ist ja auch nur ein „Mann“ und gab dem Wunsch nach. Nun haben wir Sorge, dass sie gedeckt ist. Besteht die Möglichkeit?
Liebe Grüße
aus Magdeburg
Mir wurde gesagt das ein Kastrierer Rüde dann quasi wie von den Hormonen wie eine Hündin ist. Oder so ähnlich stimmt das?
LG
Hallo Rebel,mein Schäferhund (der leider nicht mehr lebt) zeigte erste Veränderungen nach ca einem Jahr.Er hätte den ganzen Tag fressen können.Er bekam aber nicht mehr an Futter als vorher und wurde nach ca 3 Jahren trotzdem ein Dickerchen.Die Aggressionen wurden weniger gegenüber Rüden,aber dafür wurde er auch Hündinen feindlich gesinnt.Es gibt immer Vorteile und Nachteile.Viel Glück mit deinem Hund! Gruss Birgit
hallo mein rüde wurde vor kurzem kastriert. wann kann man mit ersten veränderungen rechnen wie zb. das er mehr frisst, weniger aggression gegenüber rüden zeigt usw. mir ist klar das es warscheinlich bei jedem hund anders ist aber würd mich interessieren wann so ca sich etwas verändern könnte??
vielen dank
meine hündin ist im dez. 2009 kastriert worden. sie ist seitdem bereits zweimal läufig geworden mit blutungen. der tierarzt meint, dies könne schon einmal passieren. stimmt dies?
Hallo,
unsere Labradorhündin geb. am 24.06.2009 hat ihre
letzte Hitze vom 05.11.2010 -26.11.2010 gehabt.
Wann ist der günstigste Termin für eine Kastration.
Viele Dank
Hartmut Barz
Es wird immer „allgemein“ von Kastration der Hünding gesprochen. Aber was meint man generell damit? Wird dann auch die Gebärmutter entfernt? Mein TA sagte mir, dass mittlerweile die Gebärmutter NICHT mehr mit einfernt werden muß. Auch das Riskiko von Tumoren wäre mit der Entfernung der Eierstöcke ausgeschaltet. Stimmt das? Was wird empfohlen?