Das Aufwachsen mit einem vierbeinigen Freund ist für Kinder eines der wertvollsten Geschenke. Studien zeigen, dass Kinder, die mit Hunden groß werden, oft über eine höhere soziale Kompetenz verfügen, empathischer sind und ein gestärktes Immunsystem haben. Doch die Harmonie zwischen Kind und Hund ist kein Selbstläufer. Sie basiert auf gegenseitigem Respekt, klar definierten Regeln und der unermüdlichen Aufsicht durch die Eltern.

In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über die wichtigsten Sicherheitsregeln, die Körpersprache von Hunden und wie Sie die Weichen für eine lebenslange Freundschaft zwischen Ihrem Nachwuchs und Ihrem Haustier stellen.
Die Rolle der Eltern: Verantwortung lässt sich nicht delegieren
Es ist der wichtigste Grundsatz überhaupt: Für das Verhalten des Hundes und die Sicherheit des Kindes sind zu jedem Zeitpunkt die Erwachsenen verantwortlich. Ein Kind (egal in welchem Alter) kann die Verantwortung für ein Lebewesen mit eigenem Willen und Instinkten nicht vollumfänglich tragen. Hauptverantwortlich für ein angenehmes Zusammenleben sind allein die Eltern.
Was Eltern unbedingt beachten sollten
- Niemals ohne Aufsicht: Dies ist die goldene Regel. Die meisten Beißvorfälle passieren im häuslichen Umfeld mit dem eigenen Hund, wenn die Aufsichtsperson nur kurz den Raum verlässt. Egal wie lieb, freundlich und zuverlässig Ihr Hund ist - Kinder können unbeabsichtigt Schmerz oder Erschrecken auslösen. Wer Hund und Kind zusammen alleine lässt, handelt unverantwortlich.
- Hunde sind Lebewesen, kein Spielzeug: Vermitteln Sie Ihrem Kind von Tag eins an, dass der Hund Empfindungen hat. Er ist kein Plüschtier, das man herumträgt, verkleidet oder an dessen Ohren man zieht. Achten Sie darauf, dass der Hund mit Respekt behandelt wird.
- Die heilige Rückzugsmöglichkeit: Jeder Hund benötigt einen festen Platz (Körbchen, Decke oder Box), der für das Kind absolut tabu ist. Wenn der Hund sich dorthin zurückzieht, darf er nicht gestört werden.
- Körpersprache verstehen: Kennen und achten Sie auf die Signale Ihres Hundes. Wenn er züngelt, gähnt oder den Kopf abwendet, zeigt er Stress. In solchen Momenten müssen Sie ihn aus der Situation „herausholen“, bevor die Eskalationsstufe steigt.
- Ruhe bei Ressourcen: Beim Fressen und Schlafen sollte der Hund immer seine absolute Ruhe haben. Ressourcenverteidigung ist ein Urinstinkt, der bei Störung zu gefährlichen Situationen führen kann.
- Erziehung ist Elternsache: Für die Ausbildung und Erziehung des Hundes sind nur Sie verantwortlich. Kinder können zwar in das Training einbezogen werden (z. B. unter Anleitung Leckerlis geben), aber die Führung übernimmt der Erwachsene.
Biologie und Psychologie: Hintergründe zum Verhalten
Ein weit verbreiteter Mythos ist der des „geborenen Kinderhundes“. Die Realität ist jedoch komplexer.
- Keine Rassegarantie: Kein Hund kommt kinderfreundlich oder kinderfeindlich auf die Welt! Jede Rasse kann kinderfreundlich sein. Dies ist eine Frage von Sozialisation, Erziehung, Haltung und dem täglichen Umgang.
- Grenzen respektieren: Sicher dulden viele Hunde anfangs geduldig kleine Tollpatschigkeiten von Kindern. Aber alles hat Grenzen! Warten Sie niemals, bis diese Grenzen erreicht sind, sondern greifen Sie präventiv ein.
- Beschwichtigungssignale lernen: Informieren Sie sich ausreichend über sogenannte „Calming Signals“. Diese feinen Signale senden Hunde aus, um Konflikte zu vermeiden. Wer sie lesen kann, verhindert Unfälle.
[Image of dog body language signals]
Was Kinder im Umgang mit Hunden lernen müssen
Um ein sicheres Umfeld zu schaffen, müssen Kinder den „Hundeführerschein“ im Alltag bestehen. Dies erfordert Geduld und ständige Wiederholung durch die Eltern.
Wichtige Lektionen für den Nachwuchs
- Respekt vor dem Lebewesen: Der Hund ist ein Freund, kein Untertan. Schlagen, Treten oder am Schwanz ziehen ist absolut verboten.
- Ruhephasen akzeptieren: Schläft der Hund, bleibt das Kind fern. Ein erschrockener Hund könnte im Reflex zuschnappen.
- Fressnapf-Tabu: Den Hund in Ruhe fressen lassen und niemals versuchen, ihm Futter oder Spielzeug wegzunehmen.
- Bedrängnis vermeiden: Umarmungen mögen die meisten Hunde nicht. Was für Menschen ein Zeichen von Liebe ist, empfinden viele Hunde als bedrohliches „Fixieren“.
- Distanz wahren: Nicht alle Hunde sind freundlich und möchten gestreichelt werden - das gilt für den eigenen, aber besonders für fremde Hunde.
- Streitfalle Raufereien: Kinder dürfen niemals versuchen, raufende Hunde zu trennen. Hier ist die Verletzungsgefahr durch umgeleitete Aggression extrem hoch.
Sicherheit im Alltag: Begegnungen mit fremden Hunden
Nicht nur im eigenen Haus, auch unterwegs lauern Gefahren, wenn das Kind nicht weiß, wie es sich fremden Tieren gegenüber verhalten soll.
- Die Erlaubnis einholen: Fremde Hunde niemals streicheln, ohne den Besitzer zuvor zu fragen. Ein „Nein“ des Besitzers muss ohne Diskussion akzeptiert werden.
- Drohsignale vermeiden: Fremden Hunden möglichst nicht starr in die Augen schauen, da dies als Drohung verstanden werden kann.
- Vorsichtige Kontaktaufnahme: Wenn der Besitzer es erlaubt, sollte das Kind nicht von oben auf den Kopf patschen. Besser: Den Hund zuerst schnüffeln lassen und ihn dann seitlich am Hals oder an der Brust kraulen.
- Kein Davonlaufen: Niemals vor einem Hund davonlaufen, egal wie groß die Angst ist. Rennen animiert den Jagdtrieb des Hundes. „Mach dich wie ein Baum“ - ruhig stehen bleiben, Arme an den Körper und den Blick abwenden.
Prävention: Warum Beißvorfälle entstehen
Oft heißt es nach einem Vorfall: „Das hat er noch nie gemacht“ oder „Es kam aus heiterem Himmel“. Experten wissen jedoch, dass fast kein Biss ohne vorherige Warnung geschieht. Das Problem ist meist eine fehlerhafte Kommunikation zwischen Mensch und Tier.
Hunde kommunizieren über eine Eskalationsleiter. Bevor sie beißen, knurren sie meist. Bevor sie knurren, zeigen sie Zähne. Und lange davor zeigen sie Stresssignale wie Augenweiß-Zeigen (Walfischauge), Ohren anlegen oder steifes Stehenbleiben. Eltern müssen diese Leiter kennen, um das Kind rechtzeitig aus der Situation zu nehmen.
Zusammenfassung und Ressourcen
Ein harmonisches Leben mit Kind und Hund ist eine Bereicherung für die ganze Familie. Es fördert die Verantwortungsbereitschaft und das Mitgefühl bei Kindern. Doch dieses Glück erfordert konsequente Arbeit an der Beziehung und die Einhaltung klarer Regeln.
Hier gibt es vom VDH eine sehr schöne Broschüre für Kinder zum Thema Umgang mit dem Hund, die Sie gemeinsam mit Ihrem Kind durchlesen können:
Broschüre VDH: Helfer auf vier Pfoten








