„Das hat man schon immer so gemacht“ - im Umgang mit unseren Vierbeinern halten sich hartnäckige Gerüchte oft über Jahrzehnte. Doch viele dieser vermeintlichen Weisheiten sind nicht nur veraltet, sondern können der Bindung zwischen Mensch und Hund sogar schaden. Wir räumen mit den bekanntesten Hundemythen auf.
„Der hat noch Welpenschutz, dem tut keiner was…“
Daran sollte man immer denken, wenn man mit seinem Welpen auf fremde Hunde trifft: Einen generellen Welpenschutz gibt es nicht. Diese biologische Hemmschwelle existiert meist nur innerhalb des eigenen Rudels oder Familienverbands. Ein fremder, schlecht sozialisierter Hund könnte den Welpen ernsthaft verletzen. Solche negativen Erfahrungen in der Prägephase können dazu führen, dass der Hund später bei Begegnungen unsicher oder ängstlich reagiert. Nur in einem „Hunderudel“ genießen die Welpen weitestgehend Narrenfreiheit.
„Wenn er in die Wohnung macht, muss man ihn nur mit der Nase in seine Exkremente drücken und schimpfen, dann lernt er das“
Das ist Unsinn! Der Hund lernt daraus sicher nicht, dass er nicht in die Wohnung machen darf! Er versteht gar nicht, warum man das jetzt mit ihm macht. Hunde können Strafe nur mit einer Handlung verknüpfen, wenn sie innerhalb weniger Sekunden erfolgt. Drückt man ihn später hinein, verunsichert es ihn wohl eher und zerstört massiv das Vertrauen.
„Eine Hündin muss einmal in ihrem Leben Welpen bekommen haben“
Leider ist dieses Märchen immer noch verbreitet! Warum sollte eine Hündin einmal Welpen bekommen haben? Es hat weder gesundheitliche noch psychische Folgen, wenn eine Hündin keine Welpen bekommt. Im Gegenteil: Eine Trächtigkeit und die Aufzucht der Welpen bedeuten enormen körperlichen Stress und medizinische Risiken für die Hündin.
„Von Käse wird der Geruchsinn eines Hundes schlechter“
Das ist natürlich Quatsch, Käse hat keinerlei Einfluss auf den Geruchsinn! Wie sollte der auch den Geruchsinn verderben? In Maßen ist Käse (sofern laktosefrei verträglich) sogar ein hervorragendes Super-Leckerli für das Training.
„Um einen Hund zu zeigen wer der Boss ist, muss man ihn auf den Rücken drehen/werfen (Alpharolle)“
Falsch! Diese „Methode“ sollte endlich der Vergangenheit angehören. Eine Unterwerfung kann man genauso wenig erzwingen wie Aufmerksamkeit. Das zerstört wohl eher das Vertrauen beim Hund. Ein souveräner „Rudelführer“ hat es nicht nötig, sich ständig behaupten zu müssen oder gar handgreiflich zu werden. Wahre Autorität entsteht durch Sicherheit und Vertrauen.
„Hundepsychologien/ Hundetrainer wissen immer genau was sie tun“
Diese Begriffe sind nicht geschützt, demnach kann sich jeder Hundetrainer nennen. Vorsicht ist geboten, man sollte sehr genau auf die Kompetenz und Zertifizierung (z.B. nach §11 TierSchG) eines Trainers achten und kritisch hinterfragen, mit welchen Methoden gearbeitet wird.
„Kastration hilft gegen Fehlverhalten“
Falsch! Es können sich nur Verhaltensweisen verändern, die mit den Sexualhormonen in Verbindung stehen oder von ihnen ausgelöst werden (z.B. extremes Markieren oder Jaulen bei Läufigkeit). Erziehungsprobleme, Angstaggression oder Jagdtrieb lassen sich durch eine Operation nicht korrigieren.
„1 Hundejahr entspricht 7 Menschenjahren“
Falsch! 1. Das Alter kommt stark auf die Größe des Hundes an. Kleine Hunde werden in der Regel älter als große Hunde. Gilt ein großer Hund schon ab ca. 7 Jahren als alt, ist es bei kleinen Hunden erst ab ca. 10 Jahren der Fall. 2. Eine Hündin kann ab 6 Monaten läufig werden - nach dieser Regel wäre sie jedoch erst 3,5 Menschenjahre alt, was biologisch nicht vergleichbar ist.
Die 3-3-3-Regel: Phasen der Eingewöhnung
Häufig erwartet man, dass ein Hund „sofort ankommen“ muss. Doch die Realität sieht anders aus. Die 3-3-3-Regel ist eine Faustformel, die beschreibt, wie lange ein Hund (besonders aus dem Tierschutz) braucht, um sich wirklich zu Hause zu fühlen:
Ankommen: Der Hund ist oft gestresst oder überwältigt. Er braucht Ruhe, um die ersten Reize zu verarbeiten.
Eingewöhnen: Er versteht den Tagesablauf, zeigt erste Charakterzüge und beginnt, Grenzen zu testen.
Vertrauen: Der Hund fühlt sich endlich sicher. Die Bindung ist gefestigt und er ist wirklich zu Hause angekommen.
Weitere verbreitete Mythen im Schnellcheck
- „Ein Hund, der wedelt, freut sich immer“: Wedeln bedeutet erst einmal nur hohe Erregung. Ein Hund kann auch aus Anspannung, Unsicherheit oder kurz vor einer Aggression wedeln.
- „Knochen sind gut für die Zähne“: Gekochte Knochen splittern und können lebensgefährliche Verletzungen verursachen. Nur rohe, geeignete Knochen unter Aufsicht füttern!
- „Eine trockene Nase bedeutet Krankheit“: Die Nase kann auch durch Heizungsluft oder nach dem Schlafen trocken sein. Nur ein Thermometer gibt Sicherheit über den Gesundheitszustand.








