Hund schreckt seit Wochen ständig panisch hoch, ist dauerhaft unruhig, kann kaum noch Schlafen.

andiama

Neues Mitglied
Liebe Fellnasenbesitzer!



Wir sind seit vielen Wochen schrecklich verzweifelt und versuchen nun auf diesem Weg Hilfe und Rat zu finden.



Unser Hund Kearon ist jetzt 13 Jahre. Er ist ein mittelgroßer Jagdhundmischling aus Teneriffa.



Natürlich ist er schon recht alt und hat daher schon länger ein paar Wehwehchen, unter anderem Arthrose in den Vorderbeingelenken, ein kleines Geschwür am Augenlid und auch seine Nierenwerte sind nicht ganz in Ordnung, was wir selbstverständlich bei seiner Ernährung beachten.



Im Frühling dieses Jahres begannen erste Verhaltensänderungen. Nachts war er manchmal unruhig und ist ab und an aufgestanden und umhergelaufen. Das kam dann etwa 1-2 Mal pro Monat vor, wurde jedoch immer häufiger.

Irgendwann ist dieses Verhalten auch tagsüber aufgetreten. Hinzu kam, dass er sehr schreckhaft aufgesprungen ist. Nach und nach hat sich dieses panische Aufschrecken immer häufiger gezeigt und wurde zunehmend von Zittern, gekrümmten Rücken und eingeklemmten Schwanz begleitet. Entweder ist er dann immer hilfesuchend und völlig verstört zu uns gekommen oder er ist in einen anderen Raum gewechselt.

Diese Symptomatik passiert sowohl, wenn er tief und fest schläft, als auch aus einer bereits vorhanden Anspannung. Er sitzt dann manchmal schon zum Sprung bereit im Körbchen, hat die Ohren nach hinten gelegt und scheint nur darauf zu warten, dass „ES“ wieder passiert und ihn quält.



Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass er schon immer ein extrem schlechter Esser war. Futter war für ihn eher weniger Lust, sondern eher notwendiges Übel aufgrund von sehr großem Hunger.

Seit ca. 3 Jahren füttern wir ihn daher immer mindestens ein Mal am Tag während des Spaziergangs. Draußen klappt es in der Regel deutlich besser, vor allem natürlich, wenn andere Hunde in der Nähe sind.

Man konnte schon längere Zeit beobachten, dass er beim Fressen immer wieder Pausen macht und in sich hineinhorcht.

Ich versuche mal den Regelfall einer Fütterung grob zu beschreiben:

- Rufen unsererseits

- starkes Motivieren und Zusprechen zum Futter zu kommen

- meist stehen oder setzen wir uns alle drei um den Napf herum (denn würde einer von uns weggehen, würde er das Futter nicht anrühren)

- er zeigt meist einen unsicheren Blick, schleicht ganz vorsichtig zum Futter, schnüffelt, leckt etwas daran

- erneutes Motivieren, Aufmuntern, Zusprechen

- er nimmt einen Haps oder auch zwei und dies ganz vorsichtig und oftmals mit einer leicht angewiderten Attitüde

- dann Pause, in sich Hineinhorchen

- nach erneuter Motivation, wieder der ein oder andere Haps

- diese Abfolge setzt sich dann fort

- oft bleibt Futter übrig, obwohl die Mengen nicht riesig sind und im Großen und Ganzen unter der Mengenangabe für seine Größe/Gewicht liegen

- manchmal rülpst er nach ein paar Bissen, was ihm anscheinend Erleichterung verschafft

- gelegentlich stukt er auch beim Fressen mit einem Hinterbein nach Hinten, als würde ihm beim Fressen etwas Zwicken



Es kommt aber auch durchaus vor, dass er wie ein ganz normaler Hund frisst, aber das ist inzwischen eher selten.



Seit dem er nun diese Anfälle mit der dazugehörigen, nahezu permanenten Unruhe, hat, frisst er noch viel schlechter, manchmal auch nur winzige Häpchen aus der Hand.

Außerdem möchte er auch kaum noch etwas trinken. Gerade in der Wohnung trinkt er im Prinzip gar nicht mehr.

Wir nehmen jetzt immer eine Wasserflasche mit, die wir draußen in einen Napf füllen, machen Halt bei Wassernäpfen von Geschäften und haben draußen im Hof einen Wassernapf aufgestellt.



Ich würde behaupten, dass wir in Bezug auf Essen und Trinken nahezu alles ausprobiert haben, was es an Tipps undTricks gibt: Trockenfutter, Nassfutter, Selbstgekochtes, Rohes, abgestandenes Wasser, ungesalzene Brühe zum Trinken, Tropfen Milch oder Heidelbeeren im Wasser, erhöhte Spezialnäpfe, viele kleine Mahlzeiten, Näpfe in verschiedenen Zimmern, etc.



Auch an Untersuchungen beim Tierarzt bleibt nicht mehr viel: Zähne gecheckt, Blut abgenommen, Ultraschall von den Nieren, Verdauungsorganen, sowie vom Herzen.



Wir waren bei mehreren Ärzten um uns Rat zu hohlen, folgende Vermutungen wurden geäußert:

1. Demenz

2. quälende stechende Kopfschmerzen, aufgrund des erhöhten Harnwerts



Er bekommt nun schon seit einiger Zeit Karsivan zur besseren Durchblutung des Gehirns. Aber auch in diesem Wochen gab es neben guten Tagen, viele furchtbar schlechte Tage. Daher finden wir es unwahrscheinlich, dass seine Schreckanfälle, Angst und Unruhe von einer Demenz kommen.

Er ist auch nicht orientierungslos, vergesslich oder inkontinent.



Zur Beruhigung wurden uns folgende drei Mittel schon mitgegeben: Relaxan, Adaptil sowie Zylkene. Aber um ehrlich zu sein, kann man dort auch keinen wirklichen Erfolg sehen.



Wir haben auch schon mal mehrere Tage Schmerzmittel gegeben, aber auch dann zeigte sich keine Verbesserung des Zustandes.



Irgendwie haben wir das Gefühl seine Nahrungsprobleme hängen mit dem anderen zusammen. Denn es scheint, als würde sich die Symptomatik 1-2 Stunden nach dem Füttern verstärken.

Er zeigt übrigens keine weiteren Anzeichen, dass mit der Verdauung etwas nicht stimmt: ständiges Schlecken/Schlucken, Erbrechen, auffälliger Kot, etc.



Ich vermute, dass aus meinem bisherigem Text noch nicht wirklich herauskam, wie sehr uns diese Situation zermürbt.

Wir lieben unseren Hund so sehr und würden einfach alles für ihn machen. Er ist aber nun schon seit Wochen nicht mehr der alte. Im Prinzip ist er ein völliges Wrack, kann nicht mehr Schlafen, ist total abgemagert und verstört.

Natürlich quält uns auch der Schlafmangel, aber das Schlimmste ist sein Blick! Kennt ihr das, wenn es an Silvester laut kracht und euer Wuffi euch völlig verzweifelt und hilfesuchend mit ganz ganz großen Augen anstiert? So schaut unser Hund fast nur noch. Seinen Rücken krümmt er oft, klemmt ganz doll den Schwanz ein und zittert wie Espenlaub. Das tut alles so schrecklich weh!



Hätten wir irgend eine Diagnose (z.B. ganz schreckliche Nierenwerte, Magentumor), ich würde ihn SOFORT von seinem Leiden erlösen. Aber so stehen wir vollkommen im Dunkeln, schöpfen jedes Mal ganz große Hoffnung an guten Tagen und fallen dann wieder in ein um so größeres Loch, wenn es erneut bergab geht.



Weitere Untersuchungen wie Magenspiegelung, MRT würden natürlich eine Narkose voraussetzen und wenn es tatsächlich einen Befund gibt, dann würden uns die Ärzte aufgrund seines Alters und der Nierenwerte vermutlich eh von einer OP abraten.



Also meine Fragen an euch:



1. Hat irgend jemand da draußen noch eine Idee, was ihn so unendlich quälen könnte?

2. Hat jemand sogar Erfahrung mit einem ähnlichen Fall?

3. Was würdet ihr an unserer Stelle tun?





Das war ein langer Text. Ich hoffe, dass ich dennoch keine wichtigen Infos vergessen habe.



Liebe Grüße,



Claudia
 

Rolf

Mod-Admin
Teammitglied
Oha, das liest sich wirklich nicht gut, Claudia. Gut, dass Ihr verschiedene tierärztliche Meinungen eingeholt habt. Doch, ungefähr kann ich nachempfinden, wie Ihr Euch fühlt. Ihr seid in keiner schönen Situation mit Eurer Fellnase. Vor Allem wünsche ich Euch ganz viel Kraft.

Wenn er aus Teneriffa kommt, könnte er an einer dieser schlimmen Mittelmeerkrankheiten leiden, die sich sehr massiv bei den Symptomen äussern/zeigen. "Mittelmeerkrankheiten" gibt es so als Diagnose nicht, aber die Symptome. Hier eine Info zu Mittelmeerkrankheien bei Hunden: http://www.erste-hilfe-beim-hund.de/cgi-php/rel00a.prod/joomla/Joomla_1.6/index.php/mittelmeerkrankheiten

Vielleicht schaut Isabel bald hier vorbei - in meinen Augen ist sie eine Expertin in Sachen Mittelmeerkrankheiten bei Hunden. Sie wird Dir besser helfen können als ich, aber ich denke, dass ein erster Schritt getan ist.

Alles Gute für Euch und Eure Fellnase.
 
Zuletzt bearbeitet:

Wossi

Sehr aktives Mitglied
Liebe Fellnasenbesitzer!



Wir sind seit vielen Wochen schrecklich verzweifelt und versuchen nun auf diesem Weg Hilfe und Rat zu finden.



Unser Hund Kearon ist jetzt 13 Jahre. Er ist ein mittelgroßer Jagdhundmischling aus Teneriffa.



Natürlich ist er schon recht alt und hat daher schon länger ein paar Wehwehchen, unter anderem Arthrose in den Vorderbeingelenken, ein kleines Geschwür am Augenlid und auch seine Nierenwerte sind nicht ganz in Ordnung, was wir selbstverständlich bei seiner Ernährung beachten.



Im Frühling dieses Jahres begannen erste Verhaltensänderungen. Nachts war er manchmal unruhig und ist ab und an aufgestanden und umhergelaufen. Das kam dann etwa 1-2 Mal pro Monat vor, wurde jedoch immer häufiger.

Irgendwann ist dieses Verhalten auch tagsüber aufgetreten. Hinzu kam, dass er sehr schreckhaft aufgesprungen ist. Nach und nach hat sich dieses panische Aufschrecken immer häufiger gezeigt und wurde zunehmend von Zittern, gekrümmten Rücken und eingeklemmten Schwanz begleitet. Entweder ist er dann immer hilfesuchend und völlig verstört zu uns gekommen oder er ist in einen anderen Raum gewechselt.

Diese Symptomatik passiert sowohl, wenn er tief und fest schläft, als auch aus einer bereits vorhanden Anspannung. Er sitzt dann manchmal schon zum Sprung bereit im Körbchen, hat die Ohren nach hinten gelegt und scheint nur darauf zu warten, dass „ES“ wieder passiert und ihn quält.



Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass er schon immer ein extrem schlechter Esser war. Futter war für ihn eher weniger Lust, sondern eher notwendiges Übel aufgrund von sehr großem Hunger.

Seit ca. 3 Jahren füttern wir ihn daher immer mindestens ein Mal am Tag während des Spaziergangs. Draußen klappt es in der Regel deutlich besser, vor allem natürlich, wenn andere Hunde in der Nähe sind.

Man konnte schon längere Zeit beobachten, dass er beim Fressen immer wieder Pausen macht und in sich hineinhorcht.

Ich versuche mal den Regelfall einer Fütterung grob zu beschreiben:

- Rufen unsererseits

- starkes Motivieren und Zusprechen zum Futter zu kommen

- meist stehen oder setzen wir uns alle drei um den Napf herum (denn würde einer von uns weggehen, würde er das Futter nicht anrühren)

- er zeigt meist einen unsicheren Blick, schleicht ganz vorsichtig zum Futter, schnüffelt, leckt etwas daran

- erneutes Motivieren, Aufmuntern, Zusprechen

- er nimmt einen Haps oder auch zwei und dies ganz vorsichtig und oftmals mit einer leicht angewiderten Attitüde

- dann Pause, in sich Hineinhorchen

- nach erneuter Motivation, wieder der ein oder andere Haps

- diese Abfolge setzt sich dann fort

- oft bleibt Futter übrig, obwohl die Mengen nicht riesig sind und im Großen und Ganzen unter der Mengenangabe für seine Größe/Gewicht liegen

- manchmal rülpst er nach ein paar Bissen, was ihm anscheinend Erleichterung verschafft

- gelegentlich stukt er auch beim Fressen mit einem Hinterbein nach Hinten, als würde ihm beim Fressen etwas Zwicken



Es kommt aber auch durchaus vor, dass er wie ein ganz normaler Hund frisst, aber das ist inzwischen eher selten.



Seit dem er nun diese Anfälle mit der dazugehörigen, nahezu permanenten Unruhe, hat, frisst er noch viel schlechter, manchmal auch nur winzige Häpchen aus der Hand.

Außerdem möchte er auch kaum noch etwas trinken. Gerade in der Wohnung trinkt er im Prinzip gar nicht mehr.

Wir nehmen jetzt immer eine Wasserflasche mit, die wir draußen in einen Napf füllen, machen Halt bei Wassernäpfen von Geschäften und haben draußen im Hof einen Wassernapf aufgestellt.



Ich würde behaupten, dass wir in Bezug auf Essen und Trinken nahezu alles ausprobiert haben, was es an Tipps undTricks gibt: Trockenfutter, Nassfutter, Selbstgekochtes, Rohes, abgestandenes Wasser, ungesalzene Brühe zum Trinken, Tropfen Milch oder Heidelbeeren im Wasser, erhöhte Spezialnäpfe, viele kleine Mahlzeiten, Näpfe in verschiedenen Zimmern, etc.



Auch an Untersuchungen beim Tierarzt bleibt nicht mehr viel: Zähne gecheckt, Blut abgenommen, Ultraschall von den Nieren, Verdauungsorganen, sowie vom Herzen.



Wir waren bei mehreren Ärzten um uns Rat zu hohlen, folgende Vermutungen wurden geäußert:

1. Demenz

2. quälende stechende Kopfschmerzen, aufgrund des erhöhten Harnwerts



Er bekommt nun schon seit einiger Zeit Karsivan zur besseren Durchblutung des Gehirns. Aber auch in diesem Wochen gab es neben guten Tagen, viele furchtbar schlechte Tage. Daher finden wir es unwahrscheinlich, dass seine Schreckanfälle, Angst und Unruhe von einer Demenz kommen.

Er ist auch nicht orientierungslos, vergesslich oder inkontinent.



Zur Beruhigung wurden uns folgende drei Mittel schon mitgegeben: Relaxan, Adaptil sowie Zylkene. Aber um ehrlich zu sein, kann man dort auch keinen wirklichen Erfolg sehen.



Wir haben auch schon mal mehrere Tage Schmerzmittel gegeben, aber auch dann zeigte sich keine Verbesserung des Zustandes.



Irgendwie haben wir das Gefühl seine Nahrungsprobleme hängen mit dem anderen zusammen. Denn es scheint, als würde sich die Symptomatik 1-2 Stunden nach dem Füttern verstärken.

Er zeigt übrigens keine weiteren Anzeichen, dass mit der Verdauung etwas nicht stimmt: ständiges Schlecken/Schlucken, Erbrechen, auffälliger Kot, etc.



Ich vermute, dass aus meinem bisherigem Text noch nicht wirklich herauskam, wie sehr uns diese Situation zermürbt.

Wir lieben unseren Hund so sehr und würden einfach alles für ihn machen. Er ist aber nun schon seit Wochen nicht mehr der alte. Im Prinzip ist er ein völliges Wrack, kann nicht mehr Schlafen, ist total abgemagert und verstört.

Natürlich quält uns auch der Schlafmangel, aber das Schlimmste ist sein Blick! Kennt ihr das, wenn es an Silvester laut kracht und euer Wuffi euch völlig verzweifelt und hilfesuchend mit ganz ganz großen Augen anstiert? So schaut unser Hund fast nur noch. Seinen Rücken krümmt er oft, klemmt ganz doll den Schwanz ein und zittert wie Espenlaub. Das tut alles so schrecklich weh!



Hätten wir irgend eine Diagnose (z.B. ganz schreckliche Nierenwerte, Magentumor), ich würde ihn SOFORT von seinem Leiden erlösen. Aber so stehen wir vollkommen im Dunkeln, schöpfen jedes Mal ganz große Hoffnung an guten Tagen und fallen dann wieder in ein um so größeres Loch, wenn es erneut bergab geht.



Weitere Untersuchungen wie Magenspiegelung, MRT würden natürlich eine Narkose voraussetzen und wenn es tatsächlich einen Befund gibt, dann würden uns die Ärzte aufgrund seines Alters und der Nierenwerte vermutlich eh von einer OP abraten.



Also meine Fragen an euch:



1. Hat irgend jemand da draußen noch eine Idee, was ihn so unendlich quälen könnte?

2. Hat jemand sogar Erfahrung mit einem ähnlichen Fall?

3. Was würdet ihr an unserer Stelle tun?





Das war ein langer Text. Ich hoffe, dass ich dennoch keine wichtigen Infos vergessen habe.



Liebe Grüße,



Claudia
 

Wossi

Sehr aktives Mitglied
Hallo Claudia,

da ist gestern was falsch gelaufen beim Zitieren, tut mir leid.
Ich kann es nun nicht mehr ändern.

Es kam jedenfalls sehr gut rüber, wie verzweifelt ihr seid und das kann ich sehr gut verstehen.
Der Tipp von Rolf scheint zumindest eine Möglichkeit zu sein.
Vielleicht kann Isabel dazu was sagen.

Wir drücken jedenfalls alle Pfoten und Daumen.
 

Isabel

Foren-Guru
Oh je, Claudia, das klingt nicht gut und auch ich kann sehr gut nachvollziehen, wie sehr Ihr mit ihm leidet.
Die Symptome hören sich erst einmal nicht unbedingt nach einer der Mittelmeerkrankheiten an.

Wie lange ist denn Euer Hund schon bei Euch? Sicher doch schon länger, oder?

Bei den Symptomen würde ich spontan an eine Bauchspeicheldrüsenentzündung denken. Aber ich denke mal, daß das die Tierärzte schon mit als erstes gecheckt haben.

Wir drücken auch unsere Pfoten und Daumen.
 

Hundefee008

Mitglied
Liebe Fellnasenbesitzer!



Wir sind seit vielen Wochen schrecklich verzweifelt und versuchen nun auf diesem Weg Hilfe und Rat zu finden.



Unser Hund Kearon ist jetzt 13 Jahre. Er ist ein mittelgroßer Jagdhundmischling aus Teneriffa.



Natürlich ist er schon recht alt und hat daher schon länger ein paar Wehwehchen, unter anderem Arthrose in den Vorderbeingelenken, ein kleines Geschwür am Augenlid und auch seine Nierenwerte sind nicht ganz in Ordnung, was wir selbstverständlich bei seiner Ernährung beachten.



Im Frühling dieses Jahres begannen erste Verhaltensänderungen. Nachts war er manchmal unruhig und ist ab und an aufgestanden und umhergelaufen. Das kam dann etwa 1-2 Mal pro Monat vor, wurde jedoch immer häufiger.

Irgendwann ist dieses Verhalten auch tagsüber aufgetreten. Hinzu kam, dass er sehr schreckhaft aufgesprungen ist. Nach und nach hat sich dieses panische Aufschrecken immer häufiger gezeigt und wurde zunehmend von Zittern, gekrümmten Rücken und eingeklemmten Schwanz begleitet. Entweder ist er dann immer hilfesuchend und völlig verstört zu uns gekommen oder er ist in einen anderen Raum gewechselt.

Diese Symptomatik passiert sowohl, wenn er tief und fest schläft, als auch aus einer bereits vorhanden Anspannung. Er sitzt dann manchmal schon zum Sprung bereit im Körbchen, hat die Ohren nach hinten gelegt und scheint nur darauf zu warten, dass „ES“ wieder passiert und ihn quält.



Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass er schon immer ein extrem schlechter Esser war. Futter war für ihn eher weniger Lust, sondern eher notwendiges Übel aufgrund von sehr großem Hunger.

Seit ca. 3 Jahren füttern wir ihn daher immer mindestens ein Mal am Tag während des Spaziergangs. Draußen klappt es in der Regel deutlich besser, vor allem natürlich, wenn andere Hunde in der Nähe sind.

Man konnte schon längere Zeit beobachten, dass er beim Fressen immer wieder Pausen macht und in sich hineinhorcht.

Ich versuche mal den Regelfall einer Fütterung grob zu beschreiben:

- Rufen unsererseits

- starkes Motivieren und Zusprechen zum Futter zu kommen

- meist stehen oder setzen wir uns alle drei um den Napf herum (denn würde einer von uns weggehen, würde er das Futter nicht anrühren)

- er zeigt meist einen unsicheren Blick, schleicht ganz vorsichtig zum Futter, schnüffelt, leckt etwas daran

- erneutes Motivieren, Aufmuntern, Zusprechen

- er nimmt einen Haps oder auch zwei und dies ganz vorsichtig und oftmals mit einer leicht angewiderten Attitüde

- dann Pause, in sich Hineinhorchen

- nach erneuter Motivation, wieder der ein oder andere Haps

- diese Abfolge setzt sich dann fort

- oft bleibt Futter übrig, obwohl die Mengen nicht riesig sind und im Großen und Ganzen unter der Mengenangabe für seine Größe/Gewicht liegen

- manchmal rülpst er nach ein paar Bissen, was ihm anscheinend Erleichterung verschafft

- gelegentlich stukt er auch beim Fressen mit einem Hinterbein nach Hinten, als würde ihm beim Fressen etwas Zwicken



Es kommt aber auch durchaus vor, dass er wie ein ganz normaler Hund frisst, aber das ist inzwischen eher selten.



Seit dem er nun diese Anfälle mit der dazugehörigen, nahezu permanenten Unruhe, hat, frisst er noch viel schlechter, manchmal auch nur winzige Häpchen aus der Hand.

Außerdem möchte er auch kaum noch etwas trinken. Gerade in der Wohnung trinkt er im Prinzip gar nicht mehr.

Wir nehmen jetzt immer eine Wasserflasche mit, die wir draußen in einen Napf füllen, machen Halt bei Wassernäpfen von Geschäften und haben draußen im Hof einen Wassernapf aufgestellt.



Ich würde behaupten, dass wir in Bezug auf Essen und Trinken nahezu alles ausprobiert haben, was es an Tipps undTricks gibt: Trockenfutter, Nassfutter, Selbstgekochtes, Rohes, abgestandenes Wasser, ungesalzene Brühe zum Trinken, Tropfen Milch oder Heidelbeeren im Wasser, erhöhte Spezialnäpfe, viele kleine Mahlzeiten, Näpfe in verschiedenen Zimmern, etc.



Auch an Untersuchungen beim Tierarzt bleibt nicht mehr viel: Zähne gecheckt, Blut abgenommen, Ultraschall von den Nieren, Verdauungsorganen, sowie vom Herzen.



Wir waren bei mehreren Ärzten um uns Rat zu hohlen, folgende Vermutungen wurden geäußert:

1. Demenz

2. quälende stechende Kopfschmerzen, aufgrund des erhöhten Harnwerts



Er bekommt nun schon seit einiger Zeit Karsivan zur besseren Durchblutung des Gehirns. Aber auch in diesem Wochen gab es neben guten Tagen, viele furchtbar schlechte Tage. Daher finden wir es unwahrscheinlich, dass seine Schreckanfälle, Angst und Unruhe von einer Demenz kommen.

Er ist auch nicht orientierungslos, vergesslich oder inkontinent.



Zur Beruhigung wurden uns folgende drei Mittel schon mitgegeben: Relaxan, Adaptil sowie Zylkene. Aber um ehrlich zu sein, kann man dort auch keinen wirklichen Erfolg sehen.



Wir haben auch schon mal mehrere Tage Schmerzmittel gegeben, aber auch dann zeigte sich keine Verbesserung des Zustandes.



Irgendwie haben wir das Gefühl seine Nahrungsprobleme hängen mit dem anderen zusammen. Denn es scheint, als würde sich die Symptomatik 1-2 Stunden nach dem Füttern verstärken.

Er zeigt übrigens keine weiteren Anzeichen, dass mit der Verdauung etwas nicht stimmt: ständiges Schlecken/Schlucken, Erbrechen, auffälliger Kot, etc.



Ich vermute, dass aus meinem bisherigem Text noch nicht wirklich herauskam, wie sehr uns diese Situation zermürbt.

Wir lieben unseren Hund so sehr und würden einfach alles für ihn machen. Er ist aber nun schon seit Wochen nicht mehr der alte. Im Prinzip ist er ein völliges Wrack, kann nicht mehr Schlafen, ist total abgemagert und verstört.

Natürlich quält uns auch der Schlafmangel, aber das Schlimmste ist sein Blick! Kennt ihr das, wenn es an Silvester laut kracht und euer Wuffi euch völlig verzweifelt und hilfesuchend mit ganz ganz großen Augen anstiert? So schaut unser Hund fast nur noch. Seinen Rücken krümmt er oft, klemmt ganz doll den Schwanz ein und zittert wie Espenlaub. Das tut alles so schrecklich weh!



Hätten wir irgend eine Diagnose (z.B. ganz schreckliche Nierenwerte, Magentumor), ich würde ihn SOFORT von seinem Leiden erlösen. Aber so stehen wir vollkommen im Dunkeln, schöpfen jedes Mal ganz große Hoffnung an guten Tagen und fallen dann wieder in ein um so größeres Loch, wenn es erneut bergab geht.



Weitere Untersuchungen wie Magenspiegelung, MRT würden natürlich eine Narkose voraussetzen und wenn es tatsächlich einen Befund gibt, dann würden uns die Ärzte aufgrund seines Alters und der Nierenwerte vermutlich eh von einer OP abraten.



Also meine Fragen an euch:



1. Hat irgend jemand da draußen noch eine Idee, was ihn so unendlich quälen könnte?

2. Hat jemand sogar Erfahrung mit einem ähnlichen Fall?

3. Was würdet ihr an unserer Stelle tun?





Das war ein langer Text. Ich hoffe, dass ich dennoch keine wichtigen Infos vergessen habe.



Liebe Grüße,



Claudia
Das hört sich wirklich nicht gut an :(....Alles gute und schnelle Besserung wünsche ich der Fellnase lg
 

bluedragongirl

Foren-Legende
Kann es sein das dieses Angst verhalten durch ein (altes) Trauma ausgelöst wird? Jemand hat mir auch mal verzählt das ihr Hund auf einmal Angst hatte Mittags/Nachmittags raus zu gehn. Da eben bei dem Hund nichts gefunden wurde, meinte der Behandelte TA das der Hund evt. unter ein Trauma leidet, das eben noch unentdeckt war.

Das Traumatische Erlebnis kann vorher statt gefunden haben und lange Zeit unentdeckt bleiben. bis es durch ein bestimmtes Geräusch, Geruch, Handlung hervorgerufen wird.

Die andere Therio wäre gewesen, so ähnlich wie bei Menschen, das ältere Menschen wieder ein Kriegstrauma bekommen, wenn z.B eine Propellermaschine vorbeifliegt, obwohl sie vorher wussten das bei einer Propellermaschine keine Gefahr mehr ausgeht. Aber ich denke, das geht wieder Richtung Alzheimer.



Hoffe eure Fellnase kann geholfen werden.
 

andiama

Neues Mitglied
Hallo,

zunächst: ganz lieben Dank für die unglaublich lieben und schnellen Antworten und gleichzeitig ein großes SORRY für meine späte Rückmeldung, aber hier ist einfach Land unter :(!

Wir sind am Mo noch einmal zu einem neuem Tierarzt gegangen. Nach langen Gesprächen haben wir uns darauf geeinigt noch einmal eine ganz ausführliche Blutuntersuchung als Schritt 1 zu machen (Nieren, Rheuma, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, usw.).
Bisher haben wir noch keine Ergebnisse, vermutlich morgen oder übermorgen.

Bis dahin geben wir weiterhin Karsivan, aber haben Zylkene abgesetzt. Das Schmerzmittel haben wir aus Sicht der Tierärztin zu kurz getestet und geben nun wieder eine halbe Onsior pro Tag.

Er trinkt wieder ganz gut und auch beim Fressen gibt es mindestens eine Mahlzeit von 3, bei welcher er richtig toll frisst.

Wir denken inzwischen auch, dass er mit ziemlicher Sicherheit zumindest unter beginnender Demenz leidet. Gleichzeitig sind wir sicher, dass es aber noch etwas anderes gibt, was ihm zu schaffen macht.

Ich meine, dass er bei seiner "Einreise" (da war er 10 Monate alt) auf die typischen Mittelmeerkrankheiten getestet wurde. Zudem wussten auch alle behandelnden Tierärzte von seiner Herkunft und haben aber nichts in diese Richtung geäußert.

Ein Trauma könnte er sehr wohl aus seiner Zeit als Straßenhund davongetragen haben, das ist gut möglich. Vielleicht bringt die Demenz solche Sachen wieder ans Licht :(.

Jedenfalls hoffen wir sehr, ihm noch ein paar schöne Tage/Wochen und Monate bereiten zu können, allerdings nur unter der Bedingung, dass es ihm jetzt relativ zügig wieder besser geht.

Ganz liebe Grüße,

Claudia
 

andiama

Neues Mitglied
Hallo zusammen,


ich weiß gar nicht so recht wie ich anfangen soll! :(


Es fühlt sich so schrecklich und endgültig an das alles jetzt Schwarz auf Weiß geschrieben zu sehen:


Wir haben unseren über alles geliebten Kearon am Montag-Abend einschläfern lassen.


Momentan befinden wir uns im Tal der Tränen und sind einfach am Boden zerstört.


Am Donnerstag und Freitag letzter Woche ging es ihm auf einmal wieder unglaublich schlecht.

Seine Panikattacken wurden noch häufiger und extremer. Alle paar Minuten ist er panisch aufgesprungen und weggerannt. Hat furchtbar gezittert und wollte sich einfach nur irgendwo verstecken (unterm Sessel, unter der Toilette, unter der Bettdecke, ...).

Besonders schlimm war jetzt die Tatsache, dass er sich überhaupt nicht mehr beruhigen ließ, auch nicht durch Streicheln und Zureden.

Wir haben die Sekunden gezählt, in denen er wirklich ruhig dalag, es waren nie mehr als 10 Sekunden.

An den beiden Tagen hat er nur sehr wenig geschlafen. Wenn dann war es vermutlich nur ein Erschöpfungsschlaf.

Am Samstag-Morgen sind wir dann wieder zur Tierärztin und haben sie gefragt, ob es überhaupt noch Hoffnung gäbe oder ob wir ihn nicht lieber erlösen sollten. Sie hat dann gesagt, dass es aus ihrer Sicht nur noch einen letzten Strohhalm gibt: ein sehr starkes Psychopharmaka (Selegilin).

Wir haben sie gefragt, ob dann aus ihm ein Zombie wird und sie hat verneint. Außerdem wollte ich wissen, ob sie es tatsächlich auch probieren würde, wenn es ihr Hund wäre. Sie hat es bejaht und so haben wir uns entschieden diesen letzten Versuch zu wagen.


Für die schnelle Hilfe hat sie uns dann noch Adaptil Akut mitgegeben.


Der restliche Samstag war nicht wirklich besser und insbesondere der So-Abend war ganz furchtbar.


Nach diesen Stunden habe ich plötzlich eine ganz große Veränderung in mir gespürt, die sogar schon vor dem Tierarztbesuch am Samstag begonnen hat. Ich hatte den festen und finalen Entschluss gefasst, nicht mehr weiter hoffen und probieren zu wollen, sondern zu handeln und diesem Grauen ein Ende zu setzen.


Das Problem war nur, dass ich meinen immer optimistischen Freund noch überzeugen musste, denn es war ja UNSER Hund.

Ich bin dann zum Glück auf eine wundervoll geschriebene Broschüre im Netz gestoßen:
http://www.tierarztpraxis-moers.de/mediapool/78/781775/data/Brosch_re_Euthanasie_Hund_Druckb_gen_Ablage.pdf


Ich habe ihn dann gebeten diese in Ruhe zu lesen.

Danach habe ich ihn angebettelt, Kearon überall am Körper zu streicheln (damit ihm noch einmal bewusst wird wie abgemagert er schon war) und anschließend habe ich gesagt, dass er ihm ganz tief in die Augen schauen soll (um seine Traurig- und Hilflosigkeit zu begreifen).

In diesem Moment ist auch bei ihm der Groschen gefallen. Er hat schrecklich losgeheult und mir zugestimmt, dass wir ihn schnellstmöglich erlösen sollten.


Wir haben dann noch einige Stunden heulend dagesessen und versucht einen „Plan“ für den kommenden (für uns bisher schwersten) Tag im Leben zu entwerfen.


Unsere Tochter war seit einigen Tagen schon krank und konnte nicht zur Schule, daher mussten wir uns vor allem einen Plan für sie ausdenken. Wir wussten, dass sie bei der Einschläferung auf keinen Fall dabei sein wollte und hätten es auch nicht erlaubt (sie ist erst 8 und eine ganz sensible Seele).

Wir haben dann beschlossen sie für den Nachmittag bei ihrer allerbesten Freundin unterzubringen. Dort würde sie Trost finden und abgelenkt sein.


Danach haben wir besprochen, ob wir Kearon zu Hause oder beim Tierarzt einschläfern lassen und haben uns aber nach langem Hin und Her für die Arztpraxis entschieden, unter anderem weil er fremde oder mehr oder weniger Fremde Menschen (wir hatten ja immer wieder neue Tierärzte konsultiert) in seinem zu Hause immer als recht bedrohlich empfunden hat.


Wir haben diskutiert, ob wir ihn Begraben oder Einäschern, ob wir ihn selbst zur Einäscherung fahren oder abholen lassen, ob wir eine letzte Abschiednahme wollten und was wir dann schließlich mit der Asche machen.


Nach vielen Stunden haben wir dann den Versuch gewagt, ob Kearon nicht doch noch einmal schläft und tatsächlich hat er dann nochmal 3-4 Stunden geschlafen.


Als er gegen 5 Uhr wieder unruhig wurde, haben wir es uns im Wohnzimmer gemütlich gemacht und begonnen ihn zu streicheln und zu massieren.

Als unsere Tochter dann wach war, hat mein Freund einen letzten schönen Spaziergang im Park gemacht. Dort hat er auch gut gefressen und noch einmal eine Adaptil Akut bekommen.

Ich war in der Zeit mit meiner Tochter beim Arzt.

Als wir wieder alle daheim waren, haben wir es uns alle vier wieder ganz gemütlich im Wohnzimmer gemacht mit Kerzen und Musik. Mindestens einer von uns hat ihn dann immerzu gekrabbelt und gekuschelt. Er hat es sehr genossen und wirkte tatsächlich entspannt.


Nachts hatten wir uns geschworen an diesem letzten Tag für ihn ganz stark zu sein und nicht zu weinen. Besonders unsere Tochter hat das tatsächlich möglich gemacht. Jedes Mal, wenn unsere Stimme brach oder Tränen in die Augen stiegen, hat sie Grimassen gemacht und uns an das Versprechen erinnert.


Gegen 15 Uhr musste sich unsere Kleine von ihrem felligen Bruder verabschieden und mein Freund hat sie dann weggebracht.


Während er nicht da war, habe ich meine Gitarre rausgeholt und ein kleines Konzert für Keari gegeben, denn er hat es immer abgöttisch geliebt, wenn ich ein wenig geklimpert und gesungen habe. Auch das fand er wunderschön und blieb entspannt.


Als mein Freund zurückkam blieb für uns noch eine letzte halbe Abschiedsstunde, aber wir blieben weiterhin „fröhlich“ und haben versucht schöne Erinnerungen auszukramen. Schließlich war er ein letztes Mal draußen pieseln.

Ich habe meinen Freund und Kearon auf dem Weg von diesem letzten Gang vom Fenster aus beobachtet und dies ist eines der Bilder, das sich ganz fest eingebrannt hat.

Wir haben ihm sogar erfolgreich noch ein paar Hühnchenfleischstückchen gefüttert. Er hat sich dabei sogar richtig gefreut.


Schließlich sind wir mit dem Auto los in Richtung Praxis. Ich hätte im Vorfeld fest getippt, dass ich auf der Fahrt zusammenbreche, aber auch da blieben wir beide stark.


Angekommen im Warteraum wurde es nun zunehmend schwieriger die Beherrschung zu wahren. Leider hat Keari von Beginn an ziemlich gezittert. Vermutlich hat er einfach unsere Angst gerochen und unsere Herzen rasen gehört :(.


Hinzu kam ein Mann, der mit seinem Welpen an uns vorbeilief. Er schaute uns in die Augen und sagte: „Viel Kraft! Ich habe das auch vor drei Monaten durchgemacht.“ Nach diesen Worten kamen natürlich die Tränen, aber wir haben sie ganz schnell weggekämpft.


Ich habe dann die Ärztin gebeten, kurz allein mit ihr zu sprechen.

Ich wollte ganz genau den Ablauf wissen und habe ihr vor allem meine großen Ängste geschildert.

Obwohl uns nur der eine Abend zum Informieren übers Einschläfern blieb, haben wir ganz furchtbare Geschichten gelesen und hatten einen riesigen Bammel, dass es irgendwelche „Komplikationen“ gab.

Wir hatten von Tieren gelesen, die sich unglaublich gewehrt haben, die schrecklich jammerten und bellten oder auch fürchterliche Krämpfe bekamen oder auch scheinbar schon schliefen und dann sich plötzlich wieder bewegten und versuchten aufzustehen.

Aber sie überzeugte mich, dass ich mir keine Sorgen machen brauchte und es ganz schnell und friedlich ablaufen würde.


Wir hatten Kearis neue Lieblingsmatratze aus seinem Körbchen mitgenommen und auch sein Eichhörnchen-Kuschelkissen. Damit sind wir dann hinten in den Raum des Grauens.


Er war jetzt schon arg unruhig, aber wir blieben stark und hielten ihn ganz doll fest und redeten ihm lieb zu.


Nun kommt der Teil, mit dem ich unglaublich hadere und der mich einfach nicht loslässt :(!


Die Ärztin nahm sein Pfötchen und sagte, dass er aber sehr schlecht zu sehende Venen hat.

Immer wieder sah sie sich beide Pfötchen an, was Kearis und unsere Aufregung natürlich weiter steigerte.

Schließlich stach sie das erste Mal zu, ohne Erfolg. Sie versuchte es ein zweites Mal und jetzt jaulte Kearon ganz fürchterlich und herzzereißend auf.

Sie probierte es an der anderen Pfote, aber es klappte wieder nicht. Dann schickte sie eine Helferin nach dem Rasierer. Wir warteten verzweifelt.

Nach dem Rasieren stach sie erneut ein, immer noch kein Erfolg. Nun schickte sie die Helferin nach einer anderen Nadelgröße.

Es vergingen so unglaublich schreckliche Minuten!

Dann machte sie wieder einen Versuch und probierte nun auch schon das Narkosemittel reinzuspritzen, aber es klappte irgendwie wieder nicht.


Ich konnte es dann einfach nicht mehr aushalten und musste mich wegdrehen. Ich habe dann wimmernd auf seinem Bauch/Rücken gelegen und mich in seinen Po gekrallt. Auch bei meinem Freund setzte nun totale Hilflosigkeit ein. Ich hatte das Gefühl, dass er gleich ausrasten würde. Aber die Ärztin hat selbst gejammert und die ganze Zeit gesagt, dass ihr das jetzt unglaublich leid täte, vermutlich hat ihn das abgehalten sie anzuschreien.


Schließlich hat es funktioniert und er ist laut meinem Freund nach ganz wenigen Sekunden weggesackt und eingeschlafen.


Ich konnte es ja leider nicht sehen und hab dann immer wieder gefragt, ob er jetzt tot ist, ob es wirklich ganz ganz sicher ist.


Sie hat ihn dann zwei Mal relativ kurz hintereinander abgehört und jedes Mal gesagt, dass da nichts mehr ist.


Dann kam alles bei mir raus: der Verlustschmerz und der Schmerz über diese letzten Minuten. Wir haben noch eine halbe Stunde dort im Raum verbracht und geheult wie die Schlosshunde.


Ich wollte unbedingt auf den Abholer warten, um zu sehen, wer das ist, der Kearon jetzt abholt. Glücklicherweise war es ein unglaublich netter, wahnsinnig einfühlsamer Typ. Wir haben ihn dann gemeinsam auf einer Trage zum Transporter gebracht.


Auf dem Weg nach draußen hat sich die Ärztin noch einmal ganz aufrichtig entschuldigt.


Der Heimweg war natürlich der Horror und natürlich ebenso der Abend und erst recht die Nacht. Ich denke, darüber muss ich nicht viel schreiben! Die Erkenntnis, dass er jetzt wirklich nie wieder kommt und allein schon die vielen Dinge in der Wohnung, die an ihn erinnern, stürzen einen in ein endloses schwarzes Loch.


Am nächsten Tag war uns sehr mulmig zumute vor der Abschiednahme, aber sie war im Nachhinein eine richtige Entscheidung. Sogar unsere Tochter ist mit in den Raum gekommen. Ich hatte nachts noch ein paar Trauergedichte rausgesucht, die ich dann bei Kerzenschein vorgelesen habe. Sicher, er war kalt und steif, was schrecklich war, aber man konnte ihn doch noch mal streicheln, küssen und ihm vor allem ein paar letzte Worte ins Ohr sagen.


Bis wir die Urne abholen konnten, mussten wir noch fast 2 Stunden rumbringen. Also sind wir zurück in die Stadt und haben einen Blumenladen gesucht. Jeder von uns hat sich eine schöne Blume ausgesucht, die wir zusammen mit der Asche an seinem Lieblingsspaziergangssee hinterlassen wollten.


Als wir dann die Urne in der Hand hielten und am See angekommen waren, wurde uns bewusst, dass sein größter Wunsch immer war, dass er bei uns ist, also haben wir uns doch noch im letzten Moment gegen das Verstreuen entschieden und nur die Blumen an seiner absoluten Lieblingsstelle hinterlassen.


Zuhause haben wir die Urne in sein Körbchen gestellt, zusammen mit einer elektrischen Kerze. Irgendwie hatten wir die richtige Entscheidung getroffen und diese Urne half uns tatsächlich ein bisschen das Gefühl zu haben, dass er doch noch ein wenig bei uns ist.


Natürlich haben wir weiter geweint und geweint, Fotos und Videos angeschaut, viele Geschichten erzählt, usw.


Tatsächlich ist nun auch schon eine kleine Verbesserung eingetreten, was vor allem an folgenden Sachen liegt, die wir uns ständig sagen:


1. Er hatte ein langes Leben, obwohl er schon vor seinem ersten Geburtstag in der Tötungsstation saß.

2. Er hatte in den 12 Jahren bei uns (abgesehen von den letzten 2 -3 Monaten) ein schönes und glückliches Leben.

3. Wir alle hatten einen langen und bis zur Ankunft beim Tierarzt wundervollen letzten Abschiedstag.

4. Wir hatten das Glück ihn zu finden und sind so dankbar für unsere gemeinsame Zeit.


Auch der letztliche Zeitpunkt des Einschläferns, erscheint uns nun im Nachhinein als der Richtige.

Es war nicht zu früh, so dass wir uns vorwerfen müssten, nicht wirklich probiert zu haben es abzuwenden.

Aber es war auch nicht zu spät, denn rein theoretisch hätte ja noch Hoffnung bestanden bzw. es gab bis zuletzt keine eindeutige ärztliche Diagnose und er hatte ja in den 2-3 Monaten immer wieder Phasen, wo es ihm gut ging.


Was ich allerdings einfach nicht überwinde, sind seine letzten schrecklichen Minuten. Es ist wie ein Trauma für mich und ich weiß nicht, wie ich dieses bewältigen kann.

Sein schreckliches Jaulen höre ich Tag und Nacht wie einen Tinitus. Auch der Gedanke, dass wir eben selbst dann so verzweifelt und ängstlich auf ihn gewirkt haben müssen, lässt mich nicht los.

Zudem hatte ich mir fest vorgenommen Blickkontakt mit ihm zu halten. Wir haben uns immer ganz viel angeblinzelt und das wollte ich auch in seinen letzten Sekunden tun!


Ich bin nicht gläubig, aber in solchen Lebenssituationen, denkt ja so ziemlich jeder an den Himmel und an Gott, etc.

Also ich frage mich jedenfalls immer wieder, warum dieser liebe tolle Kerl erst so eine schreckliche Kindheit haben musste, so eine wahnsinnig fiese und hinterhältige Krankheit zum Ende und vor allem diese grauenvollen letzten Minuten in Todesangst???!!!


Sorry, für diesen langen Text. Es ist ja schon eine halbe Kurzgeschichte! Eine schrecklich traurige Kurzgeschichte!

Aber ich denke, dass mir das Aufschreiben und Teilen sehr bei der Trauerbewältigung hilft.


Liebe Grüße an euch alle und danke!



PS: Bitte schreibt keine Kommentare, was wir doch hätten besser machen können, weil es uns einfach noch trauriger machen würde und wir uns dann furchtbare Vorwürfe machen würden. Außerdem würde es nun ja auch nichts besser machen, weil leider nichts mehr ungeschehen gemacht werden kann.
 

Rolf

Mod-Admin
Teammitglied
In meinen Augen habt Ihr alles richtig gemacht. Und ja, so ein grosser Verlust tut richtig weh. Ich wünsche Euch von ganzem Herzen viel Kraft, das Geschehene mit Eurer Fellnase zu verarbeiten und zu überstehen. Und - unsere Fellnasen gehen niemals endgültig - in unseren Herzen sind sie immer bei uns.
 

bluedragongirl

Foren-Legende
fühl dich gedrückt, solche Entscheidung ist nie leicht, auch wenn es leider oftmals das beste für das geliebte Haustier ist.
 

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