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Großer Münsterländer: Der edle Allrounder unter den Vorstehhunden

Großer Münsterländer Jagdhund im Feld

Der Große Münsterländer

Kurzinfos & Steckbrief

Der Große Münsterländer ist ein Paradebeispiel für deutsche Jagdhundezucht. Er gilt als einer der vielseitigsten Jagdgebrauchshunde überhaupt. Mit seinem markanten schwarz-weißen Langhaarfell und seinem wachen, intelligenten Blick vereint er Kraft, Ausdauer und eine tiefe Verbundenheit zu seinem Führer.

  • Herkunftsland: Deutschland (Münsterland)
  • FCI-Standard: Gruppe 7.1.2 (Kontinentale Vorstehhunde) / Nr. 118
  • Größe: Rüden 60-65 cm | Hündinnen 58-63 cm
  • Gewicht: ca. 30 kg
  • Besonderheit: Entstanden aus der schwarz-weißen Farbvariante des Deutsch Langhaar

Geschichte: Ein Schattendasein führt zur Eigenständigkeit

Die Geschichte des Großen Münsterländers ist eng mit der des Deutsch Langhaar verknüpft. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts galten beide als eine Rasse. Doch im Jahr 1909 traf der Deutsch-Langhaar-Verband eine weitreichende Entscheidung: Die Farbe Schwarz wurde aus dem Standard ausgeschlossen, da man fälschlicherweise annahm, schwarz-weiße Hunde hätten einen zu starken Anteil an englischen Settern oder Pointern.

Besonders im Münsterland gab es jedoch viele Jäger, die genau diese schwarz-weißen Schläge aufgrund ihrer hervorragenden Arbeitsleistung und Härte schätzten. Sie weigerten sich, ihre Hunde aufzugeben. Im Jahr 1919 wurde schließlich der „Verein für die Reinzucht des langhaarigen schwarz-weißen Münsterländer Vorstehhundes“ gegründet. Damit war der Große Münsterländer offiziell geboren - eine Rasse, die heute für ihre Standfestigkeit und Vielseitigkeit weltberühmt ist.


Erscheinungsbild: Kontrastreich und wetterfest

Der Große Münsterländer wirkt edel, sehnig und muskulös. Sein Körperbau ist funktional und auf Ausdauer ausgelegt. Er besitzt einen trockenen Kopf ohne schlaffe Lefzen, was ihm ein sehr aufgewecktes Aussehen verleiht.

Fellstruktur und Farben:

  • Das Haar: Typisches Langhaar, das dicht und glatt anliegt. Es ist nicht lockig oder abstehend, was im dichten Unterholz von Vorteil ist, da weniger Dreck hängen bleibt. Besonders schön ist die „Fahne“ an der Rute und die „Fransen“ an den Ohren (Behängen).
  • Farbschläge: Die Grundfarbe ist Weiß mit schwarzen Platten und Tupfen (Tüpfelung) oder Schwarzschimmel. Der Kopf ist in der Regel rein schwarz, oft mit einer weißen Schnippe oder Blesse, die ihm einen individuellen Charakter verleiht.


Wesen: Intelligent, gelehrig und wesensfest

Großer Münsterländer Jagdhund im Feld

Der Große Münsterländer ist ein Arbeitshund durch und durch, zeigt aber im privaten Bereich ein äußerst angenehmes, treues und anhängliches Wesen. Er gilt als sehr lernwillig und intelligent, was die Ausbildung erleichtert, aber auch fordert.

Die jagdlichen Stärken:

  • Vielseitigkeit: Er beherrscht die Arbeit „vor dem Schuss“ (Suchen und Vorstehen) ebenso meisterhaft wie die Arbeit „nach dem Schuss“ (Verlorenbringen und Schweißarbeit).
  • Wasserpassion: Kaum eine andere Vorstehhunderasse zeigt eine so ausgeprägte Freude an der Wasserarbeit. Er ist ein exzellenter Schwimmer und stöbert unermüdlich im Schilf.
  • Spurtreue: Seine große Fährtensicherheit macht ihn auch bei der Nachsuche auf Schalenwild zu einem wertvollen Helfer.


Haltung: Nur ein ausgelasteter Münsterländer ist glücklich

Es muss klar gesagt werden: Der Große Münsterländer ist in erster Linie ein Jagdgebrauchshund. Seine Haltung als reiner Familien- oder Begleithund ohne spezifische Aufgabe ist schwierig und oft nicht artgerecht. Viele Züchter geben ihre Welpen daher bevorzugt (oder ausschließlich) an Jäger ab.

Anforderungen an Nicht-Jäger: Wer diesen Hund dennoch als Familienhund halten möchte, muss ein enormes Pensum an Ersatzarbeit leisten. Mit einfachem Joggen oder Gassi gehen ist es hier nicht getan.

  • Dummytraining: Anspruchsvolle Apportieraufgaben im Gelände und im Wasser sind ein Muss.
  • Fährtenarbeit: Die Auslastung der Nase (Mantrailing oder Schleppenarbeit) ist essenziell für seine psychische Gesundheit.
  • Familienanschluss: Trotz seiner Härte bei der Arbeit ist er sensibel und braucht engen Kontakt zu seinem Rudel. Zwingerhaltung ist für diesen sozialen Hund ungeeignet.


Erziehung: Führung mit Herz und Verstand

Der Große Münsterländer ist führig, braucht aber eine klare Linie. Er ist kein Hund für Menschen, die Inkonsequenz mit Liebe verwechseln. Da er über eine gesunde Portion Selbstbewusstsein verfügt, wird er Schwächen in der Führung schnell erkennen und für sich nutzen.

Die Ausbildung sollte früh beginnen. Besonders die Impulskontrolle am Wild ist ein zentrales Thema. Wenn die Bindung zwischen Mensch und Hund stimmt, ist der Münsterländer jedoch extrem kooperativ und zeigt den sprichwörtlichen „Will to Please“. Er lernt schnell und speichert Gelerntes dauerhaft ab.


Gesundheit und Pflege

Dank der strengen Zuchtkontrollen durch den JGHV (Jagdgebrauchshundverband) ist der Große Münsterländer eine sehr robuste und gesunde Rasse. Dennoch gibt es rassetypische Aspekte:

  • Hüftgelenksdysplasie (HD): Ein Pflicht-Check für alle Zuchthunde, die Inzidenz ist bei kontrollierter Zucht sehr gering.
  • HUU (Hyperurikosurie): Ein Gendefekt, der zu Harnsteinen führen kann. Seriöse Züchter lassen ihre Hunde darauf testen.
  • Fellpflege: Das Langhaar muss regelmäßig gebürstet werden, besonders nach der Jagd oder dem Spaziergang im Unterholz, um Kletten und Zecken zu entfernen. Die Ohren sollten aufgrund der Haardichte regelmäßig auf Entzündungen kontrolliert werden.


Häufige Fragen (FAQ) zum Großen Münsterländer

Was ist der Unterschied zum Kleinen Münsterländer?
Trotz des ähnlichen Namens sind es zwei völlig eigenständige Rassen. Der Große Münsterländer ist nicht nur größer, sondern stammt genetisch vom Deutsch Langhaar ab, während der Kleine Münsterländer eher mit den Wachtelhunden verwandt ist.

Ist der Große Münsterländer kinderlieb?
Ja, er gilt als sehr geduldig und kinderfreundlich. Dennoch sollte man bedenken, dass er ein kräftiger, temperamentvoller Hund ist, der körperlich ausgelastet sein muss, um im Haus die nötige Ruhe zu bewahren.

Kann er alleine bleiben?
Nach entsprechendem Training ja. Er ist jedoch sehr personenbezogen und sollte nicht den ganzen Tag isoliert werden.


Bildergalerie: Großer Münsterländer

Impressionen der schwarz-weißen Jagdhelfer:

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