Deutsch Langhaar: Der braune Försterhund mit dem sanften Gemüt

Der Deutsch Langhaar
Der Deutsch Langhaar: Ein Allrounder für Wald, Feld und Wasser
Der Deutsch Langhaar, oft ehrfurchtsvoll als der „alte deutsche Jagdhund“ oder „Försterhund“ bezeichnet, ist ein Inbegriff für Vielseitigkeit und Ruhe unter den Vorstehhunden. Während andere Jagdhunderassen oft durch Nervosität oder extremen Vorwärtsdrang auffallen, besticht der DL durch seine sprichwörtliche Gelassenheit und seine „innere Ruhe“. Er ist ein klassischer Allrounder: Ob bei der Arbeit nach dem Schuss, beim Vorstehen im Feld oder bei der anspruchsvollen Wasserjagd - der Deutsch Langhaar erledigt seine Aufgaben mit einer konzentrierten Gründlichkeit. Sein edles Erscheinungsbild mit dem namensgebenden langen, meist braunen Fell macht ihn zudem zu einem der optisch ansprechendsten Jagdhunde. Doch er ist nicht nur ein harter Arbeiter; in der Familie zeigt er sich als sensibler, treuer und äußerst kinderlieber Gefährte, der eine sehr enge Bindung zu seinen Bezugspersonen pflegt.
- Herkunftsland: Deutschland
- FCI-Standard: Gruppe 7 (Vorstehhunde) / Sektion 1.2 / Nr. 117
- Größe: Rüden 60-70 cm | Hündinnen 58-66 cm
- Gewicht: ca. 30 kg bis 35 kg
- Besonderheit: Hervorragende Wasserarbeit; sehr ausgeglichenes Temperament („der Ruhepol“).
Geschichte: Die Bewahrung einer alten Tradition
Der Deutsch Langhaar gehört zu den ältesten deutschen Vorstehhunderassen. Seine Ahnen finden sich in den mittelalterlichen Vogel- und Habichtshunden sowie den alten Stöberhunden. Während im 19. Jahrhundert viele deutsche Rassen durch die Einkreuzung englischer Pointer „schneller“ gemacht wurden, blieb die Zucht des Deutsch Langhaar weitgehend eigenständig und bewahrte den schweren, ruhigen Typ des alten deutschen Jagdhundes.
1879 wurden in Hannover die ersten Rassekennzeichen festgelegt. Ein bedeutender Meilenstein war die Entscheidung, den Deutsch Langhaar primär auf die Farbe Braun zu selektieren (schwarz-weiße Hunde wurden später als eigenständige Rasse, der Große Münsterländer, geführt). Ziel der Zucht war und ist ein leistungsstarker, wetterharter und charakterlich gefestigter Hund für die vielseitige Revierpraxis. Der Deutsch Langhaar hat sich über die Jahrzehnte hinweg seinen Platz als unverzichtbarer Helfer in den Händen von Jägern und Förstern bewahrt und wird bis heute fast ausschließlich nach strengen Leistungsprüfungen gezüchtet.
Aussehen: Kräftige Eleganz in Braun
Der DL ist ein großer, kräftiger und muskulöser Hund, der dennoch nicht plump wirkt. Seine Linienführung ist harmonisch und strahlt Adel aus.
Fell, Farben und Anatomie:
- Das Haarkleid: Das Fell ist etwa 3-5 cm lang, schlicht glatt oder leicht wellig und fest anliegend. Besonders markant ist die „Fahne“ an der Rute sowie die „Fransen“ an den Rückseiten der Vorder- und Hinterläufe (Hosen). An den Ohren ist das Haar ebenfalls lang und bildet schöne Locken.
- Farbvarianten: Die Hauptfarbe ist Braun. Es gibt ihn einfarbig Braun, Braun mit weißen oder geschimmelten Abzeichen (Brust/Pfoten) sowie als dunklen oder hellen Braunschimmel (mit größeren braunen Platten).
- Der Kopf: Der Kopf ist langgestreckt und wirkt sehr edel. Der Fang ist kräftig mit einem sanften Stopp. Die Augen sind braun, möglichst dunkel, und blicken klug und gutmütig.
- Körperbau: Er hat einen geraden, festen Rücken und eine tiefe Brust, was ihm die nötige Ausdauer für die schwere Arbeit im Schilf oder im tiefen Schnee verleiht.
Wesen & Charakter: Der Fels in der Brandung
Was den Deutsch Langhaar von vielen anderen Vorstehhunden unterscheidet, ist seine Nervenstärke. Er gilt als der „Philosoph“ unter den Jagdhunden. Er lässt sich so schnell durch nichts aus der Ruhe bringen, was ihn im jagdlichen Einsatz besonders wertvoll für die Arbeit nach dem Schuss macht, wo Konzentration und Besonnenheit gefragt sind.
In der Familie ist er ein absoluter Sympathieträger. Er ist anhänglich, sucht den Kontakt zu seinen Menschen und ist im Haus ein ruhiger, fast unauffälliger Mitbewohner. Sein Schutztrieb ist vorhanden, aber kontrolliert; er meldet Besucher, zeigt sich dabei aber selten aggressiv. Besonders hervorzuheben ist seine Geduld im Umgang mit Kindern. Trotz seiner jagdlichen Schärfe gegenüber Raubwild ist er im privaten Umfeld ein sanftmütiger Riese, der Streicheleinheiten über alles liebt.
Einsatzgebiete: Der Meister der Wasserarbeit
Der Deutsch Langhaar ist ein Gebrauchshund im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Einsatzspektrum ist breit gefächert:
- Wasserarbeit: Durch sein dichtes, wasserabweisendes Fell ist er prädestiniert für die Jagd am und im Wasser. Er stöbert ausdauernd im dichten Schilf und bringt zuverlässig erlegte Enten aus tiefem Gewässer.
- Arbeit im Wald und Feld: Er ist ein exzellenter Verlorenbringer und zeigt auf der Schweißfährte (Blutspur) eine ruhige und sichere Arbeit. Im Feld überzeugt er durch ein festes Vorstehen.
- Raubwildschärfe: Der DL verfügt über die notwendige Härte, um krankes Raubwild (wie Füchse) sicher zu binden.
- Stöbern: Er arbeitet laut und gründlich im dichten Unterholz, was ihn zum wertvollen Partner bei Drückjagden macht.
Haltung & Erziehung: Konsequenz mit Herz
Obwohl der Deutsch Langhaar als leichtführig gilt, darf man seine Ausbildung nicht unterschätzen.
- Auslastung: Ein DL gehört primär in Jägerhände. Ein Leben als reiner Familienhund ohne jagdliche oder vergleichbare Aufgaben (wie intensive Fährtenarbeit) würde seinem Wesen nicht gerecht werden. Er braucht die Arbeit für Kopf und Nase.
- Erziehung: Er lernt schnell und möchte seinem Führer gefallen. Eine Ausbildung mit viel Lob und klarer Struktur führt schnell zum Ziel. Auf harte Dressur reagiert der sensible Hund eher mit Sturheit oder Meideverhalten.
- Platzbedarf: Er braucht viel Bewegung in der Natur. Ein Haus mit Garten ist ideal, aber kein Ersatz für tägliche Reviereinsätze oder lange Spaziergänge in Wald und Flur.
Gesundheit & Pflege: Robustheit durch strenge Selektion
Dank der verantwortungsbewussten Zuchtvereine ist der Deutsch Langhaar eine sehr gesunde Rasse.
- Fellpflege: Das lange Fell ist überraschend pflegeleicht, sollte aber regelmäßig gebürstet werden, besonders nach der Jagd, um Kletten, Schmutz oder Grannen zu entfernen.
- Ohren: Die behängten Ohren sollten regelmäßig kontrolliert werden, da das feucht-warme Klima im Gehörgang Entzündungen begünstigen kann.
- Typische Krankheiten: HD (Hüftgelenksdysplasie) wird durch strenge Zuchtzulassungen minimiert. Gelegentlich treten Ektropium oder Entropium (Lidfehlstellungen) auf.
- Lebenserwartung: Ein Deutsch Langhaar wird bei guter Gesundheit meist 12 bis 14 Jahre alt.
Ein treuer Begleiter für Waldläufer
Der Deutsch Langhaar ist der perfekte Hund für den vielseitigen Jäger, der einen zuverlässigen Arbeitspartner und gleichzeitig einen gelassenen Familienhund sucht. Seine Kombination aus jagdlicher Passion, Wasserfreude und sozialer Verträglichkeit macht ihn zu einer der wertvollsten deutschen Jagdhunderassen. Wer einen DL führt, hat nicht nur einen Hund, sondern einen treuen Freund, der mit ihm durch „dick und dünn“ geht.
Häufige Fragen (FAQ) zum Deutsch Langhaar
Kann man den Deutsch Langhaar in der Wohnung halten?
Möglich ist es, sofern er den ganzen Tag draußen im Revier arbeitet. Dennoch ist er aufgrund seiner Größe und Naturverbundenheit eher ein Hund für ein Haus mit Garten.
Ist er als Ersthund geeignet?
Für einen jagdlichen Erstlingsführer ist er aufgrund seiner Ruhe und Gelehrigkeit sehr gut geeignet. Für Nicht-Jäger ist er aufgrund des starken Jagdtriebs eine große Herausforderung.
Was ist der Unterschied zum Kleinen Münsterländer?
Neben der Größe (der DL ist deutlich größer und schwerer) ist der Deutsch Langhaar meist ruhiger und besonnener in seinem Wesen, während der Kleine Münsterländer oft lebhafter und quirliger agiert.
Bildergalerie: Deutsch Langhaar
Der „alte Deutsche“ in Feld und Flur:
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