Kromfohrländer: Der sensible Herzensbrecher aus dem Siegerland
Kurzinfos & Steckbrief
Der Kromfohrländer ist ein echtes Unikat in der Hundewelt. Als eine der jüngsten deutschen Hunderassen besticht er nicht durch eine jahrhundertelange Jagdtradition, sondern durch seine reine Bestimmung als anpassungsfähiger Begleit- und Familienhund. Mit seinem charmanten Mix aus weißer Grundfarbe und braunen Flecken, seinem aufgeweckten Blick und seiner tiefen Loyalität hat er sich eine treue Fangemeinde erobert. Er gilt als „Ein-Personen-Hund“, der sich eng an seine Familie anschließt, Fremden gegenüber jedoch eine vornehme Zurückhaltung wahrt. Ob rauhaarig mit frechem Bart oder glatthaarig mit eleganter Befederung - der „Kromi“ ist ein Charakterhund durch und durch.
- Herkunftsland: Deutschland
- FCI-Standard: Gruppe 9 (Gesellschafts- und Begleithunde) / Sektion 10 / Nr. 192
- Größe: 38 cm bis 46 cm (Rüden und Hündinnen)
- Gewicht: Rüden 11-16 kg | Hündinnen 9-14 kg
- Zuchtverband: RZV Kromfohrländer
Geschichte: Vom „Peter“ aus dem Siegerland zur anerkannten Rasse
Die Entstehungsgeschichte des Kromfohrländers liest sich fast wie ein Märchen. Alles begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Siegerland. Die Begründerin der Rasse, Ilse Schleifenbaum, nahm einen struppigen Hund namens „Peter“ auf, den amerikanische Soldaten zurückgelassen hatten. Dieser Hund, vermutlich ein Vorfahre der heutigen Griffons, paarte sich mit einer Foxterrier-Hündin namens „Fiffi“.
Das Ergebnis dieser Liaison waren Welpen, die in ihrem Aussehen und Wesen so bemerkenswert einheitlich und angenehm waren, dass man beschloss, daraus eine neue Rasse zu begründen. Der Name leitet sich von der Gemarkung „Krom Fohr“ (krumme Furche) nahe dem Wohnort der Züchterin ab. Bereits 1955 wurde der Kromfohrländer international anerkannt. Er ist damit eine der wenigen Rassen, die primär als reiner Haushund und Begleiter gezüchtet wurden, ohne dass die Jagd im Vordergrund stand.
Erscheinungsbild: Vielfalt in Weiß-Braun
Der Kromfohrländer ist ein mittelgroßer, wohlproportionierter Hund. Das Markanteste an ihm ist die optische Aufteilung in zwei Haarvarianten, die innerhalb der Rasse völlig gleichwertig nebeneinanderstehen.
Die zwei Fellvarianten:
- Rauhaar: Diese Variante besitzt eine dichte, raue Textur und den typischen, charmanten Bart. Das Haar am Fang ist länger, was ihm ein sehr ausdrucksstarkes Gesicht verleiht. Das Haar auf dem Rücken ist meist härter als an den Seiten.
- Glatthaar: Hier ist das Fell weich, dicht und liegt eng am Körper an - ganz ohne Bart. Besonders schön sind bei dieser Variante die „Fahnen“ an der Rute und die Befederung an den Rückseiten der Läufe.
Farben und Zeichnung: Die Grundfarbe ist immer ein strahlendes Weiß. Die Abzeichen variieren von Hellbraun über Rotbraun bis hin zu einem kräftigen Dunkelbraun. Besonders geschätzt wird die symmetrische Maske im Gesicht mit einer weißen Blesse, die bis zur Stirn oder zum Nacken reicht. Auch ein „Sattel“ auf dem Rücken ist häufig zu sehen.
Wesen: Sensibel, treu und ein wenig reserviert
Das Wesen des Kromfohrländers ist von einer hohen Sensibilität geprägt. Er ist kein Hund für grobe Worte oder harte Erziehungsmethoden. Er möchte seinen Menschen gefallen, braucht aber eine feinfühlige Führung. Er gilt als sehr temperamentvoll und lernwillig, was ihn zu einem idealen Partner für aktive Menschen macht.
Eine Besonderheit ist seine Reserviertheit gegenüber Fremden. Ein ausgewachsener Kromfohrländer wird selten stürmisch auf Unbekannte zulaufen. Er beobachtet lieber erst einmal aus der Distanz. Hat er jedoch jemanden in sein Herz geschlossen, ist seine Treue grenzenlos. Oft schließt er sich einer Person im Haushalt besonders eng an. Sein Jagdtrieb ist im Vergleich zu anderen Terriern oder Vorstehhunden eher gering ausgeprägt, was entspannte Spaziergänge in der Natur erleichtert - auch wenn man die Terrier-Vorfahren nie ganz vergessen darf.
Haltung: Ein aktiver Lebensstil ist Pflicht
Obwohl er im Haus ein ruhiger Mitbewohner ist (sofern er ausgelastet wird), ist der Kromfohrländer ein aktiver Hund. Er liebt es, Zeit mit seinen Menschen im Freien zu verbringen.
Worauf es bei der Haltung ankommt:
- Bewegung und Spiel: Tägliche ausgiebige Spaziergänge sind wichtig. Er ist ein toller Begleiter beim Wandern und liebt interaktive Spiele.
- Hundesport: Durch seine Agilität und Intelligenz ist er prädestiniert für Agility, Flyball oder Trick-Dogging.
- Wachsamkeit: Er ist ein aufmerksamer Wächter, der Besucher zuverlässig meldet, ohne dabei ein aggressiver Beißer zu sein.
- Stadttauglichkeit: Er kann gut in einer Wohnung gehalten werden, solange er geistig und körperlich gefordert wird. Er neigt jedoch dazu, draußen Reize sensibel zu verarbeiten.
Erziehung: Mit Sanftmut zum Erfolg
Die Erziehung erfordert Geduld. Da der Kromfohrländer so sensibel ist, reagiert er auf Druck oft mit Rückzug oder Sturheit. Positive Verstärkung und ein konsequenter, aber liebevoller Rahmen sind der Schlüssel. Da er Fremden gegenüber reserviert ist, ist eine gute Sozialisierung im Welpenalter extrem wichtig, damit er lernt, unbekannte Situationen souverän zu meistern.
Gesundheit: Ein Auge auf die Genetik
Wie bei vielen Rassen mit kleiner Zuchtbasis gibt es auch beim Kromfohrländer gesundheitliche Aspekte, die man kennen sollte.
- Digitale Hyperkeratose: Eine Verhornung der Pfotenballen (Corny Feet), die jedoch durch gezielte Zuchtauswahl minimiert wird.
- Immunsystem: Gelegentlich treten Autoimmunerkrankungen auf.
- Augen: Katarakte (Grauer Star) können vorkommen.
- Pflege: Der Glatthaar ist sehr pflegeleicht; der Rauhaar muss regelmäßig gebürstet werden, um den Bart sauber zu halten und lose Haare zu entfernen.
Häufige Fragen (FAQ) zum Kromfohrländer
Ist der Kromfohrländer für Anfänger geeignet?
Bedingt. Seine Sensibilität und die Reserviertheit gegenüber Fremden erfordern Fingerspitzengefühl. Wer bereit ist, sich intensiv mit Hundeverhalten auseinanderzusetzen, findet in ihm einen tollen Ersthund.
Hat er Jagdtrieb?
In der Regel ist der Jagdtrieb gering. Es gibt jedoch Individuen, bei denen das Terrier-Erbe stärker durchkommt. Ein kontrollierbarer Jagdtrieb ist meist mit etwas Training gut handhabbar.
Ist er ein Familienhund?
Ja, er ist sehr kinderlieb und treu. Er braucht jedoch einen Rückzugsort, wenn es ihm im Trubel zu viel wird.
Bildergalerie: Kromfohrländer
Hier finden Sie Impressionen dieser einzigartigen deutschen Rasse:









