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Mastiff: Der sanfte Riese unter den Molossern

Der Mastiff: Ein Koloss mit edler Gelassenheit

Der Mastiff: Ein Koloss mit edler Gelassenheit

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Kurzinfos & Steckbrief

Der Mastiff, oft auch als English Mastiff bezeichnet, ist einer der massigsten und eindrucksvollsten Hunde der Welt. Als Urvater vieler molossoider Rassen blickt er auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück. Trotz seiner gewaltigen Statur, die Respekt und Ehrfurcht einflößt, verbirgt sich hinter seinem massigen Schädel ein Herz aus Gold. Er gilt als Inbegriff der Ruhe und Gelassenheit. In der modernen Welt hat sich der ehemalige Krieger und Wächter zu einem extrem sanftmütigen Familienmitglied entwickelt, das seinen Menschen gegenüber bedingungslos loyal ist. Wer den Platz und die Mittel für diesen Giganten hat, findet in ihm einen Partner von unvergleichlicher emotionaler Tiefe.

  • Herkunftsland: Großbritannien
  • FCI-Standard: Gruppe 2 (Pinscher, Schnauzer, Molosser) / Sektion 2.2 / Nr. 264
  • Größe: Rüden ca. 75 cm | Hündinnen ca. 69 cm (oft deutlich darüber)
  • Gewicht: 75 kg bis 90 kg (einzelne Rüden auch über 100 kg)
  • Besonderheit: Eine der schwersten Hunderassen der Welt; enorme Reizschwelle

Geschichte: Vom antiken Kriegshund zum edlen Hauswächter

Die Wurzeln des Mastiffs reichen weit in die Antike zurück. Bereits die Römer waren von den gewaltigen Hunden beeindruckt, die sie bei der Eroberung Britanniens vorfanden. Julius Cäsar selbst beschrieb diese Hunde als "Pugnaces Britanniae" und schickte sie nach Rom, um dort in der Arena gegen Löwen, Bären und Gladiatoren zu kämpfen. In seiner Heimat Großbritannien wurde der Mastiff über Jahrhunderte als unbestechlicher Wächter großer Ländereien und als Jagdhund auf Hochwild geschätzt.

Der Name "Mastiff" leitet sich vermutlich vom angelsächsischen Wort "masty" ab, was so viel wie "kräftig" bedeutet. Im Mittelalter war der Besitz eines solchen Hundes oft dem Adel vorbehalten. In den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts wäre die Rasse fast ausgestorben, da es unmöglich war, diese riesigen Tiere in Zeiten von Nahrungsknappheit zu ernähren. Nur durch den Import von Hunden aus Nordamerika konnte der Bestand in Europa wieder aufgebaut werden. Heute ist der Mastiff ein reiner Begleit- und Familienhund, der seinen Schutzinstinkt nur noch passiv durch seine schiere Anwesenheit ausspielt.


Erscheinungsbild: Ein Kraftpaket von monumentaler Größe

Der Mastiff ist ein großrahmiger, massiver Hund, der Kraft und Würde verkörpert. Sein Körperbau ist breit, tief und schwer, wobei der quadratische Kopf das markanteste Merkmal darstellt.

Fell und Farbvarianten:

  • Haarkleid: Das Fell ist kurz, glatt und liegt eng am Körper an. Es ist pflegeleicht, schützt aber aufgrund der Kürze weniger vor extremer Witterung als das Fell nordischer Hunde.
  • Farben: Der Standard erlaubt Farben wie Apricot, Silber, Falb oder Dunkelgestromt. Ein absolutes Muss ist die schwarze Maske an Fang, Nase und Ohren, die sich bis zu den Augenhöhlen erstrecken sollte.
  • Der Kopf: Der Schädel ist breit mit einer ausgeprägten Stirnfurche. Die V-förmigen Ohren hängen flach an den Wangen, und die Lefzen sind mäßig hängend, was dem Hund seinen charakteristischen, leicht melancholischen Ausdruck verleiht.


Wesen: Die Seele eines sanften Philosophen

English Mastiff liegend

Das Wesen des Mastiffs ist geprägt von einer außergewöhnlich hohen Reizschwelle. Es braucht sehr viel, um diesen Hund aus der Reserve zu locken. Er ist von Grund auf freundlich, weder ängstlich noch aggressiv. Seine Gelassenheit macht ihn zu einem angenehmen Mitbewohner, der trotz seiner Größe im Haus oft kaum auffällt.

Mastiffs besitzen einen natürlichen Schutztrieb, den sie jedoch souverän einsetzen. Sie müssen meist gar nicht bellen oder drohen; oft reicht es völlig aus, wenn sie sich ruhig zwischen ihre Familie und eine potenzielle Gefahr stellen. Gegenüber seinen Familienmitgliedern ist er extrem anhänglich und braucht engen körperlichen Anschluss. Ein Mastiff, der isoliert im Zwinger oder im Flur leben muss, würde seelisch verkümmern. Er ist ein sensibler Beobachter, der Stimmungen in der Familie sofort wahrnimmt.


Haltung: Platzbedarf und Verantwortung

Einen Mastiff zu halten, bedeutet vor allem: Planung und Platz. Dieser Hund passt nicht in eine kleine Stadtwohnung im vierten Stock ohne Aufzug. Er braucht Raum, um sich zu bewegen, und idealerweise ein ebenerdiges Zuhause.

Wichtige Aspekte der Haltung:

  • Bewegungsdrang: Der Mastiff hat einen eher mäßigen Bewegungsdrang. Er ist kein Hund für Marathonläufer oder Radfahrer. Dennoch sind tägliche, gemütliche Spaziergänge für seine Muskulatur und Gelenkgesundheit unerlässlich.
  • Platz im Haus: Alles an diesem Hund ist groß - vom Hundebett bis zum Futternapf. Auch das Auto muss für den Transport eines 80-kg-Hundes ausgelegt sein.
  • Kostenfaktor: Die Haltung eines Mastiffs ist teuer. Er benötigt große Mengen an hochwertigem Futter, und Tierarztkosten oder Medikamente werden oft nach Körpergewicht berechnet, was bei diesem Giganten schnell ins Geld gehen kann.
  • Sabber-Faktor: Aufgrund der Lefzenform neigt der Mastiff zum Sabbern. Ein Handtuch in Reichweite gehört zur Grundausstattung eines jeden Mastiff-Halters.


Erziehung: Liebevolle Konsequenz statt Drill

Die Erziehung eines Mastiffs erfordert Geduld und ein tiefes Verständnis für seine langsame, bedächtige Art. Er ist kein Hund für Kadavergehorsam oder schnellen Drill. Da er sehr kräftig ist, muss er von Welpenbeinen an lernen, ordentlich an der Leine zu gehen - ein ausgewachsener Mastiff, der zieht, ist kaum zu halten.

Bei liebevoller Erziehung und früher Sozialisierung ist er jedoch gut zum Gehorsam zu führen. Er möchte seinem Besitzer gefallen, braucht aber Zeit, um Kommandos zu verarbeiten. Er lernt durch positive Verstärkung und eine feste Bindung. Härte oder laute Worte verträgt seine sensible Seele nicht; er würde sich stur stellen oder verängstigt reagieren. Eine frühe Gewöhnung an andere Hunde und Menschen ist wichtig, damit seine natürliche Wachsamkeit nicht in übermäßiges Misstrauen umschlägt.


Gesundheit: Die Herausforderungen der Größe

Wie viele Riesenrassen hat auch der Mastiff mit spezifischen gesundheitlichen Themen zu kämpfen. Eine sorgfältige Auswahl des Züchters ist hier lebenswichtig.

  • Wachstum: Im Welpenalter darf der Mastiff nicht zu schnell wachsen. Eine kontrollierte Fütterung und die Vermeidung von Treppensteigen sind in den ersten 12 bis 18 Monaten entscheidend für gesunde Gelenke.
  • Gelenke: HD (Hüftgelenksdysplasie) und ED (Ellbogendysplasie) sind Themen, auf die seriöse Züchter streng prüfen.
  • Magendrehung: Wie alle großen Hunde ist er anfällig für Magendrehungen. Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag und Ruhe nach dem Fressen sind Pflicht.
  • Lebenserwartung: Leider ist die Lebenserwartung mit ca. 8 bis 10 Jahren deutlich geringer als bei kleineren Rassen.


Häufige Fragen (FAQ) zum Mastiff

Ist der Mastiff ein gefährlicher Listenhund?
In einigen Bundesländern oder Nachbarländern steht der Mastiff auf der Liste potenziell gefährlicher Hunde (Rasseliste). Informieren Sie sich vor der Anschaffung unbedingt über die lokalen Bestimmungen und Steuern.

Wie viel frisst ein Mastiff am Tag?
Ein ausgewachsener Mastiff benötigt je nach Aktivität und Futterart etwa 800 bis 1.000 Gramm hochwertiges Trockenfutter pro Tag, verteilt auf mindestens zwei Mahlzeiten.

Ist er als Ersthund geeignet?
Aufgrund seiner Gutmütigkeit ja, aber nur, wenn der Besitzer sich der Verantwortung und der physischen Kraft des Hundes bewusst ist und sich intensiv mit der Aufzucht von Riesenrassen beschäftigt.


Bildergalerie: Mastiff

Eindrücke der sanften Giganten aus Großbritannien:

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