Maremmano Abruzzese: Der weiße Ritter der italienischen Berge
Kurzinfos & Steckbrief
Der Cane da Pastore Maremmano-Abruzzese, wie er in seiner Heimat Italien offiziell heißt, ist weit mehr als nur ein großer weißer Hund. Er ist ein lebendiges Denkmal der italienischen Kulturgeschichte und einer der fähigsten Herdenschutzhunde der Welt. Sein Charakter ist geprägt von Stolz, Unabhängigkeit und einer tiefen, fast schon stoischen Ruhe. Er wurde über Jahrtausende darauf selektiert, Herden in den unwegsamen Regionen der Abruzzen und der Maremma völlig autark gegen Wölfe und Bären zu verteidigen. Für den richtigen Besitzer ist er ein loyaler, sanftmütiger Gefährte, doch seine Haltung erfordert tiefes Verständnis für sein territoriales und eigenständiges Wesen.
- Herkunftsland: Italien
- FCI-Standard: Gruppe 1 (Hüte- und Treibhunde) / Sektion 1 / Nr. 201
- Größe: 60 cm bis 73 cm (Rüden meist größer als Hündinnen)
- Gewicht: 30 kg bis 45 kg
- Besonderheit: Angeborener, hoch entwickelter Schutztrieb und extreme Wetterfestigkeit
Geschichte: Die Vereinigung zweier Welten
Die Geschichte des Maremmano Abruzzese ist eng mit der "Transumanza" verbunden, der traditionellen Fernweidewirtschaft in Italien. Über Jahrhunderte trieben Hirten ihre Schafe im Sommer in die kühlen Abruzzen und im Winter in die flacheren Ebenen der Maremma. In den Bergen arbeiteten die großen, kräftigen Abruzzen-Hirtenhunde, während in der Ebene ein etwas kleinerer Schlag, der Maremma-Hirtenhund, verbreitet war.
Lange Zeit wurden diese als zwei getrennte Rassen betrachtet, bis sie im Jahr 1958 offiziell unter dem heutigen Namen vereinigt wurden. Das Ziel war es, die besten Eigenschaften beider Schläge - die Kraft des Bergdogs und die Beweglichkeit des Flachlandhundes - zu kombinieren. In Italien wird er bis heute als unverzichtbarer Schutz vor Wölfen geschätzt. Seine weiße Farbe war dabei stets funktional: So konnten die Hirten den Hund in der Dunkelheit oder im dichten Getümmel der Schafe sofort vom dunkel behaarten Wolf unterscheiden.
Erscheinungsbild: Ein imposanter Schutzpanzer aus weißem Fell
Der Maremmano ist ein großer, kräftiger Hund von majestätischer Statur. Er erinnert in seiner Erscheinung fast an einen Eisbären. Sein gesamtes Gebäude strahlt Ausdauer und Widerstandsfähigkeit aus.
Fell und Farben:
- Die Farbe: Das Haarkleid ist immer Weiß. Leichte Schattierungen in Elfenbein, blassem Orange oder Zitrone werden toleriert, Reinweiß ist jedoch das Ideal.
- Die Textur: Das Fell ist mittellang, reichlich und eher hart. Es besitzt eine dichte Unterwolle, die den Hund selbst bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt warm hält. Diese Rasse liebt es, draußen im Schnee zu liegen und zeigt eine bemerkenswerte Resistenz gegen Witterungseinflüsse.
- Physiologie: Ein markanter Kopf mit dreieckigen Hängeohren und dunklen, mandelförmigen Augen verleiht ihm seinen typischen, würdevollen Ausdruck. Die schwarze Pigmentierung der Nase und Lefzen bildet einen harten Kontrast zum weißen Pelz.
Wesen: Der eigenständige Denker
Das Wesen des Maremmano ist stolz und unabhängig. Er ist kein Hund, der Befehle im Kadavergehorsam ausführt. Herdenschutzhunde mussten über Generationen hinweg in unvorhergesehenen Situationen eigenständig die Initiative ergreifen. Er wägt ab, analysiert und handelt dann nach eigenem Ermessen. Sein territorialer Instinkt ist auf höchstem Niveau entwickelt und angeboren.
Innerhalb seiner Familie ist er sanft, anhänglich und fast schon rührend im Umgang mit Kindern oder bekannten Haustieren wie Katzen. Er schließt sich seinen Menschen eng an, braucht aber keine ständige Bestätigung. Fremden gegenüber ist er zurückhaltend, vorsichtig und distanziert. Er verteidigt mutig alles, was er als zu seinem Revier gehörig betrachtet. Ein Maremmano lässt sich nicht durch Leckerlis von seiner Aufgabe ablenken.
Haltung: Raum für Freiheit und Familienanschluss
Der Maremmano Abruzzese ist kein Hund für jedermann. Eine Haltung in einer Stadtwohnung ohne Garten ist für diese Rasse eine Qual. Er braucht die große Weite und ein Territorium, das er bewachen kann. Ein großer Garten oder ein Hof sind Grundvoraussetzung.
Was ein Halter bieten muss:
- Territorium: Er braucht einen Ort, an dem er seine Wächterrolle ausleben darf. Er bevorzugt es oft, nachts draußen zu bleiben und Wache zu halten.
- Familienkontakt: Trotz seiner Unabhängigkeit braucht er die Nähe zu seinem Herrn. Schließen Sie ihn nicht aus; er muss spüren, dass er Teil der Familie ist.
- Besuchermanagement: Gewöhnen Sie ihn früh daran, dass Besuch willkommen ist. Erklären Sie Gästen, wie sie sich verhalten sollen (nicht stürmisch bedrängen, den Hund kommen lassen).
- Respekt: Ein Maremmano-Halter sollte niemals mit Gewalt demonstrieren, wer das Sagen hat. Das würde das Vertrauen dieses stolzen Tieres zerstören. Souveräne Führung ist das Ziel.

Früh übt sich: Ein junger Maremmano
Erziehung: Integration von der ersten Stunde an
Wenn Sie einen Maremmano-Welpen zu Hause aufnehmen, fangen Sie sofort mit der Integration an. Er muss lernen, wer zur Familie gehört, inklusive Kinder und anderer Haustiere. Lassen Sie Kinder jedoch niemals unbeaufsichtigt mit dem Welpen allein - beide Seiten müssen den richtigen Umgang miteinander lernen.
In der Erziehung ist langsame Steigerung der Schlüssel. Fordern Sie im zarten Welpenalter noch nicht zu viel Gehorsam ein, sondern setzen Sie auf Bindung und Vertrauen. Dank seiner Intelligenz und Intuition wird es dem Maremmano nicht schwerfallen, sich gut zu benehmen, wenn er seinen Besitzer respektiert. Sperren Sie ihn niemals weg, wenn Besuch kommt; er muss lernen, dass sein Territorium unter Ihrer Kontrolle steht, nicht unter seiner alleinigen Herrschaft.
Gesundheit und Pflege: Robustheit als Standard
Der Maremmano gilt als eine der gesündesten und resistentesten Hunderassen. Er ist ein Naturbursche, der kaum Pflege benötigt.
- Fellpflege: Das mittellange Fell ist weitgehend selbstreinigend. Gelegentliches Bürsten reicht aus. Während des Fellwechsels verliert er jedoch viel Unterwolle.
- Hitzeempfindlichkeit: Während er Kälte liebt, sucht er bei großer Hitze Schattenplätze auf. Hier sollte auf ausreichende Kühlung geachtet werden.
- Lebenserwartung: Er erreicht oft ein Alter von 12 bis 13 Jahren.
Häufige Fragen (FAQ) zum Maremmano Abruzzese
Ist der Maremmano für Anfänger geeignet?
Nein. Sein starker Schutztrieb und seine Unabhängigkeit erfordern Erfahrung im Umgang mit Herdenschutzhunden oder sehr eigenständigen Rassen.
Bellt ein Maremmano viel?
Er ist ein territorialer Wächter. Er bellt nicht ohne Grund, meldet aber Unregelmäßigkeiten in seinem Revier zuverlässig an - besonders nachts.
Kann man ihn in der Stadt halten?
Das ist aufgrund seines Platzbedarfs und seines territorialen Verhaltens extrem schwierig und wird nicht empfohlen.
Bildergalerie: Maremmano Abruzzese
Eindrücke dieser großartigen italienischen Hirtenhunde:
Vielen Dank für die Rassebeschreibung an Casabianca.biz.









Sehr interessant, befasse mich zum ersten Mal mit dieser Rasse. Eher zufällig, weil ich auf einen Maremmano-Mix in einer Vermittlungsstelle gestoßen bin. Ich halte immer wieder mal Ausschau nach einem Zweithund, der zu unserem Rüden (Spitz-Hirtenhund-Mix) passen könnte. Unser Rüde ist mir zu ruhig (er bellt äußerst selten) und eigentlich zu zutraulich gegenüber Fremden. Unser früherer Hund hat da viel besser „aufgepasst“, darum würde ich mir einen Zweithund wünschen, der dieses Verhalten ergänzt. Vom Aussehen her erinnern mich die Bilder vom Maremmano an einen Golden Retriever. So einen haben wir im erweiterten Familienkreis. Mich würde interessieren, ob ein Maremmano auch so sabbert wie ein Goldie? Und, ob er auch so wasserliebend ist? Kann mir hierzu jemand hier etwas sagen?
Eine tolle Hunderasse, die mich sehr fasziniert. Ist er für eine Wohnung geeignet mit großem Balkon? Oder für ein Reihenhaus mit 200-300qm Garten?
Und wie genau unterscheidet der Hund einen willkommenden Gast und einen Eindringling? Ich denke, wenn man angegriffen wird und man wehrt sich, wird er Hund sicher wissen, dass er seinen Besitzer beschützen muss.
Wie ist das aber beim Spazierengehen? Ist er gegenüber fremden Hunden und Menschen aggressiv? Lässt er sich auf einem Feld bzw. einer großen Hundewiese auch ohne Leine führen? Hat auch jemand Erfahrung mit dem Tierarzt bei dieser Hunderasse?
Und wenn die Familie Zuwachs bekommt, wie reagiert er auf das Neugeborene?
Ich hoffe, jemand hat Erfahrung.
Liebe Grüße,
Liliana
Hallo, ein maremmano braucht eine „aufgabe“ wie zb die bewachung einer herde oder eines großen grundstücks. 1000 quadratmeter sind NICHT ausreichend.
Ein großes problem stellt die sozialisierung dar und er wird meist nicht aufs wort gehorchen. (Maremmanos hinterfragen die Sinnhaftigkeit eines kommandos. Wenn du zb platz sagst, 5m mit dem hund gehst und erneut platz sagst, wird er mit 99%iger wahrscheinlichkeit dies NICHT machen. Es ist SEHR schwierig ihn so zu erziehen, dass er nach dem freilassen auf kommando zurückkommt.
Ohne intensive sozialisierung wird er Fremde mit Gebelle und Vorsicht begegnen und im hintergrund bleiben um „die situation zu analysieren“. Bei gefahr im verzug schützt ein maremmano „stufenweise“. Weg versperren- bellen- knurren etc. Bei Familienzuwachs mit erneuter sozialisierung anfangen.
Maremmanos fressen weniger, als man es von großen hunden gewohnt ist.
Ps. Hab selbst seit 6 jahren einen maremmano
P.s.s. sie besitzen eine ähnliche variation von belllauten wie Huskies
wie erkenne ich das mein maremano reinrassig ist
ich habe ihn aus einer tierstation aus spanien bekommen
gruß brigitte
Ich warte auch gerade auf einen Marommano-Welpen; mir ist es eigentlich egal, ob er reinrassig ist, weil es so tolle Hnde sind. Aber meistens werden diese Hunde zu mehreren eingesetzt, so daß wahrscheinlich kein anderer dazwischenkommt. Ansonsten gibt es in Google verschiedene Beschreibungen, was wie groß oder lang sein muß, oder wie ddie verschiedenen Körperteile zueinander stehen müssen.
Viele Grüße
Gitta