Slowakischer Rauhbart: Der vielseitige Jagdprofi aus dem Osten

Der Slowakische Rauhbart
Kurzinfos & Steckbrief
Der Slowakische Rauhbart, in seiner Heimat Slovenský Hrubosrstý Stavač genannt, ist eine noch relativ junge, aber hochspezialisierte Hunderasse. Als klassischer Allround-Vorstehhund vereint er die besten Eigenschaften europäischer Jagdhunde: Er besitzt die Härte eines Deutsch-Drahthaars, die Eleganz eines Weimaraners und die Wasserfreude eines Pudelpointers. Sein markantes Äußeres mit dem typischen Bart und den buschigen Brauen verleiht ihm ein fast schon philosophisches Aussehen, doch im Feld ist er ein hocheffizienter Arbeiter. Der Rauhbart ist ein Spezialist für die Hände von Jägern, die einen robusten, leichtführigen und treuen Begleiter für Wald, Feld und Wasser suchen.
- Herkunftsland: Slowakei
- FCI-Standard: Gruppe 7 (Vorstehhunde) / Sektion 1 / Nr. 320
- Größe: Rüden 62-68 cm | Hündinnen 57-64 cm
- Gewicht: ca. 25 kg bis 35 kg
- Besonderheit: Extrem wetterfestes Rauhhaar und hervorragender Apportiertrieb
Geschichte: Die Entstehung eines modernen Allrounders
Die Geschichte des Slowakischen Rauhbarts ist ein Zeugnis gezielter kynologischer Arbeit im 20. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand in der damaligen Tschechoslowakei der Wunsch, einen neuen, vielseitigen Vorstehhund zu schaffen, der den spezifischen klimatischen und geografischen Anforderungen der Region gewachsen war. Die Basis bildeten Kreuzungen zwischen dem Böhmisch Rauhbart (Český Fousek) und dem Weimaraner. Später wurde auch der Deutsch-Drahthaar eingekreuzt, um die Härte des Fells und die jagdliche Schärfe zu festigen.
Ursprünglich wurde die Rasse im Register als rauhaariger Typ des Weimaraners geführt. Erst 1982 erkannte die FCI den Slowakischen Rauhbart als eigenständige Rasse an. Das Zuchtziel war von Anfang an klar definiert: Ein Hund, der nach dem Schuss ebenso brillant arbeitet wie davor, der Raubzeugschärfe besitzt und gleichzeitig leichtführig genug für den engen Kontakt zum Jäger ist. Heute ist der Rauhbart in seiner Heimat ein Nationalstolz und findet unter passionierten Jägern in ganz Europa immer mehr Beachtung.
Erscheinungsbild: Robustheit in Silbergrau
Der Slowakische Rauhbart ist ein großer Hund von edler Statur. Er wirkt kräftig und muskulös, besitzt aber eine fließende Eleganz, die an sein Weimaraner-Erbe erinnert. Sein raues Haarkleid verleiht ihm ein wetterfestes, rustikales Aussehen.
Fell, Farben und Physiologie:
- Das Haarkleid: Das Fell ist ca. 4 cm lang, rau, hart und liegt eng an. Es wird durch eine dichte Unterwolle ergänzt, die den Hund vor Nässe und Kälte schützt. Das markanteste Merkmal ist der Bart am Fang sowie die buschigen Augenbrauen, die dem Hund einen sehr ausdrucksstarken Blick verleihen.
- Farbvariationen: Der Grundton ist ein attraktives Silbergrau (wie beim Weimaraner) oder Sandfarben in verschiedenen Nuancen. Er kommt einfarbig vor, ist aber häufig getüpfelt oder mit größeren weißen Platten versehen.
- Körperbau: Er besitzt einen tiefen Brustkorb, einen geraden Rücken und eine kräftige Muskulatur. Seine Bewegungen sind kraftvoll, koordiniert und ausdauernd.
Wesen: Der freundliche Profi mit dem „Will to Please“

Der Slowakische Rauhbart: Charakterstark und arbeitsfreudig
Das Wesen des Slowakischen Rauhbarts ist geprägt von einer bemerkenswerten Ausgeglichenheit. Er ist ein freundlicher und menschenbezogener Hund, der die Nähe zu seinem Führer sucht. Im Gegensatz zu manch anderen rauhaarigen Vorstehhunden gilt er als besonders leichtführig und gehorsam. Er möchte seinem Menschen gefallen, was die Ausbildung im Vergleich zu eigenwilligeren Rassen erleichtert.
In der jagdlichen Arbeit zeigt er sich als passionierter Profi. Er besitzt einen ausgezeichneten Geruchssinn und zeigt ein festes, ausdauerndes Vorstehen. Seine Wasserfreude ist bemerkenswert; er apportiert mit Leidenschaft und Ausdauer. Trotz seines sanften Wesens im Haus besitzt er im Feld die nötige Robustheit und Härte, um auch in schwierigem Gelände oder bei der Arbeit an wehrhaftem Raubzeug seinen Dienst zu verrichten.
Haltung: Ein Leben für die Jagd
Der Slowakische Rauhbart ist ein reiner Jagdgebrauchshund. Seine Haltung als reiner Familien- oder Begleithund ohne jagdliche Auslastung ist nicht empfehlenswert und wird seinem Wesen nicht gerecht. Er braucht eine Aufgabe, die seine Sinne und seinen Körper fordert.
Ansprüche an die Führung:
- Jagdlicher Einsatz: Er sollte unbedingt jagdlich geführt werden. Seine Talente liegen in der Feldsuche, dem Vorstehen und vor allem in der Wasserarbeit und dem Apportieren.
- Bewegungsdrang: Der Rauhbart ist ein Langstreckenläufer. Tägliche ausgiebige Bewegung in der Natur ist für seine körperliche Gesundheit unerlässlich.
- Familienanschluss: Trotz seiner jagdlichen Passion ist er ein sehr sozialer Hund. Er braucht den engen Kontakt zu seiner Familie und sollte nicht im Zwinger isoliert werden. Er ist im Haus ruhig und unauffällig, wenn er draußen arbeiten durfte.
- Platzbedarf: Ein Haus mit großem Garten in ländlicher Umgebung ist ideal für diesen großen, aktiven Hund.
Erziehung: Kluge Führung führt zum Erfolg
Dank seiner Intelligenz und Arbeitswilligkeit lässt sich der Slowakische Rauhbart hervorragend ausbilden. Er begreift schnell, was von ihm verlangt wird. Dennoch braucht er eine konsequente Hand. Die Ausbildung sollte früh beginnen und auf positiver Verstärkung sowie einer klaren Hierarchie basieren.
Besonderes Augenmerk sollte auf die Frühsozialisierung gelegt werden, damit der Hund lernt, seine jagdliche Passion zu kontrollieren und sich in verschiedenen Umgebungen souverän zu verhalten. Da er sehr sensibel auf die Stimmung seines Führers reagiert, ist eine ruhige, souveräne Ausbildungsmethode ohne Härte am effektivsten. Ein gut ausgebildeter Rauhbart ist im Revier ein Präzisionswerkzeug und im Alltag ein vorbildlicher Begleiter.
Gesundheit und Pflege: Robust wie Draht
Der Slowakische Rauhbart gilt als eine sehr robuste und gesunde Rasse. Da er über Jahrzehnte nach strengen Leistungskriterien selektiert wurde, sind Erbkrankheiten selten.
- Fellpflege: Das raue Fell ist weitgehend selbstreinigend. Gelegentliches Bürsten reicht aus, um lose Haare zu entfernen. Der Bart sollte nach dem Fressen oder nach dem Arbeiten im Wasser regelmäßig gereinigt werden, um Futterreste oder Kletten zu entfernen.
- Gelenke: Wie bei allen großen Rassen wird in der seriösen Zucht auf Hüftgelenksdysplasie (HD) geachtet. Käufer sollten auf entsprechende Zertifikate der Elterntiere achten.
- Ohrenpflege: Die Schlappohren sollten regelmäßig kontrolliert werden, da das Klima im Gehörgang feucht-warm ist und Entzündungen begünstigen kann.
- Lebenserwartung: Ein gesunder Slowakischer Rauhbart wird im Schnitt 12 bis 14 Jahre alt.
Häufige Fragen (FAQ) zum Slowakischen Rauhbart
Kann man einen Slowakischen Rauhbart ohne Jagdschein halten?
Es ist schwierig. Da er ein hochspezialisierter Arbeitshund ist, wird er ohne jagdliche Auslastung oft unzufrieden. Ersatzbeschäftigungen wie Mantrailing oder intensive Dummyarbeit sind möglich, aber der jagdliche Einsatz ist das Ideal.
Wie unterscheidet er sich vom Deutsch-Drahthaar?
Der Slowakische Rauhbart ist oft etwas leichtführiger und in seinem Wesen sanfter als der sehr scharfe Deutsch-Drahthaar. Zudem unterscheidet er sich optisch durch die silbergraue Farbe des Weimaraners.
Ist er kinderlieb?
Ja, innerhalb der Familie gilt er als sehr geduldig und freundlich. Er ist ein exzellenter Familienbegleiter, sofern er seine jagdlichen Aufgaben hat.
Bildergalerie: Slowakischer Rauhbart
Entdecken Sie die Vielseitigkeit des slowakischen Vorstehhundes:









