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Westfälische Dachsbracke: Der niederläufige Jagdprofi mit der feinen Nase

Die Westfälische Dachsbracke: Kompakt, ausdauernd und freundlich.

Die Westfälische Dachsbracke

Kurzinfos & Steckbrief

Die Westfälische Dachsbracke ist ein kleines, aber oho-starkes Kraftpaket aus dem Herzen Deutschlands. Als niederläufige Variante der Deutschen Bracke wurde sie gezielt für die Jagd in schwierigem Gelände und kleineren Revieren entwickelt. Sie ist die Verkörperung eines passionierten Laufhundes, der trotz seiner kurzen Beine über eine beeindruckende Ausdauer verfügt. Doch hinter dem konzentrierten Jäger verbirgt sich ein überaus freundlicher und anhänglicher Charakter, der sie zu einem wunderbaren Familienmitglied macht. Wer die Westfälische Dachsbracke versteht, gewinnt einen treuen Gefährten, der draußen durch seine hervorragende Nase und drinnen durch sein ausgeglichenes Gemüt besticht.

  • Herkunftsland: Deutschland
  • FCI-Standard: Gruppe 6 (Lauf- und Schweißhunde) / Sektion 1.3 / Nr. 100
  • Größe: 30 cm bis 38 cm (Rüden und Hündinnen)
  • Gewicht: ca. 20 kg bis 24 kg
  • Besonderheit: Hervorragende Eignung für die Schweißarbeit und die laute Jagd.

Geschichte: Das Erbe der alten Sauerländer Bracke

Die Westfälische Dachsbracke ist das Ergebnis einer bewussten züchterischen Verkleinerung der Deutschen Bracke. Ende des 19. Jahrhunderts veränderten sich die Jagdbedingungen in Deutschland: Große Reviere wurden seltener, und die Jagd in unwegsamem, dichten Unterholz erforderte einen Hund, der niedriger gebaut war. Man suchte ein Tier, das dem Wild zwar lauthals folgt, aber aufgrund seiner kürzeren Beine langsamer ist, sodass das Wild nicht zu stark unter Stress gerät und der Jäger dem Geschehen zu Fuß folgen kann.

Besonders interessant ist ihre Rolle als „Urahnin“: Die Westfälische Dachsbracke war maßgeblich an der Entstehung der schwedischen Drever beteiligt. Sie ist ein echtes deutsches Kulturgut, das vor allem in Jägerkreisen hochgeschätzt wird, aber aufgrund ihrer Spezialisierung außerhalb der Jagd selten anzutreffen ist. Dennoch hat sie sich über die Jahrzehnte hinweg ihren festen Platz als zuverlässiger und robuster Gebrauchshund bewahrt.


Erscheinungsbild: Kompakt und farbenfroh

Optisch wirkt die Westfälische Dachsbracke wie eine verkleinerte Ausgabe eines großen Laufhundes. Sie ist kräftig gebaut, besitzt einen langen Körper und steht auf stabilen, kurzen Läufen.

Fell, Farbe und typische Brackenabzeichen:

  • Das Haarkleid: Das Fell ist sehr dicht und grob. Es bietet optimalen Schutz gegen Dornen und Nässe. Während es am Kopf und an den Beinen kurz ist, zeigt es sich am Hals und an der Unterseite der Rute etwas länger.
  • Farben: Die klassische Dreifarbigkeit ist das Markenzeichen. Die Grundfarbe reicht von Rot bis Gelb mit einem schwarzen Mantel auf dem Rücken.
  • Brackenabzeichen: Unverwechselbar sind die weißen Abzeichen: Eine weiße Blesse am Kopf, ein weißer Fang mit geschlossenem Kragen, weiße Brust, weiße Läufe und die typische weiße Rutenspitze („Quaste“).
  • Der Ausdruck: Mit ihren langen, breiten Behängen (Ohren) und dem treuen, braunen Blick strahlt sie eine sanfte Ernsthaftigkeit aus.


Wesen: Die sanfte Seele im Jägergewand

Westfälische Dachsbracke - Jagdhund stehend

Die Westfälische Dachsbracke: Kompakt, ausdauernd und freundlich.

Das Wesen der Westfälischen Dachsbracke überrascht viele, die nur den Jagdhund in ihr sehen. Sie gilt als außergewöhnlich freundlich, anhänglich und treu. Innerhalb ihrer Familie ist sie ein ruhiger Pol, der die Nähe zu seinen Menschen genießt und sich eng an seine Bezugspersonen bindet.

In der Arbeit hingegen zeigt sie eine ganz andere Seite: Sie ist konzentriert, ausdauernd und mutig. Ihr Jagdtrieb ist angeboren und stark ausgeprägt. Besonders bemerkenswert ist ihr Finderwille und ihre Spurtreue. Sie ist ein „Sichtjäger“ und „Spurlauter“ - das bedeutet, sie zeigt dem Jäger durch lautes Bellen an, wenn sie auf einer frischen Fährte ist. Trotz dieser Ernsthaftigkeit bei der Arbeit ist sie im Alltag niemals aggressiv und verträgt sich in der Regel sehr gut mit anderen Artgenossen.


Haltung: Aktivität ist der Schlüssel zum Glück

Obwohl die Westfälische Dachsbracke heute oft als Familienhund geschätzt wird, darf man niemals vergessen, dass sie ein Arbeitshund ist. Langeweile ist ihr größter Feind. Sie eignet sich sowohl für das Landleben als auch für die Stadt, sofern der Besitzer bereit ist, ihren Bewegungsdrang zu stillen.

Anforderungen an den Halter:

  • Nasenarbeit: Ihre Nase ist ihr wichtigstes Werkzeug. Suchspiele, Mantrailing oder Fährtenarbeit sind ideal, um sie geistig auszulasten, wenn sie nicht jagdlich geführt wird.
  • Auslauf: Sie braucht tägliche, lange Spaziergänge. Dabei sollte man bedenken, dass sie aufgrund ihres Jagdtriebs in wildreichen Gebieten oft an der Leine bleiben muss.
  • Erziehung: Der Rückruf ist das A und O. Da sie beim Fährtenlesen oft in einen Tunnelblick verfällt, muss das Abrufen von klein auf konsequent trainiert werden.
  • Ruhephasen: Wenn sie draußen ausgepowert wurde, ist sie im Haus ein angenehmer, schmusiger Mitbewohner, der gerne auf seinem Platz entspannt.


Erziehung: Mit Motivation statt Zwang

Die Westfälische Dachsbracke ist intelligent und lernwillig. Sie kooperiert gerne mit ihrem Menschen, besitzt aber auch eine gewisse Selbstständigkeit - eine Eigenschaft, die für einen Hund, der allein auf der Fährte arbeitet, überlebenswichtig ist.

Die Erziehung sollte auf positiver Verstärkung und Lob basieren. Auf Härte reagiert sie sensibel und könnte sich stur stellen. Wer sie jedoch motiviert und ihr zeigt, dass Zusammenarbeit Spaß macht, bekommt einen gelehrigen Partner. Da sie sehr sozial ist, sollte sie frühzeitig an verschiedene Umweltreize und andere Tiere gewöhnt werden. Geduld ist wichtig, denn eine Dachsbracke folgt oft erst ihrer Nase und dann dem Kommando - hier ist konsequentes Training gefragt.


Gesundheit und Pflege: Robust und langlebig

Die Westfälische Dachsbracke gehört zu den sehr gesunden Rassen, was auf die strenge Selektion als Gebrauchshund zurückzuführen ist.

  • Pflege: Das grobe Fell ist extrem pflegeleicht. Gelegentliches Bürsten reicht aus, um Schmutz und lose Haare zu entfernen. Nach Spaziergängen im Wald sollte sie auf Zecken kontrolliert werden.
  • Ohren: Wegen der langen Schlappohren sollte man diese regelmäßig auf Entzündungen oder Fremdkörper (z. B. Grannen) prüfen.
  • Lebenserwartung: Mit 10 bis 15 Jahren ist sie ein langlebiger Begleiter, der oft bis ins hohe Alter fit bleibt.
  • Ernährung: Als aktiver Hund braucht sie eine hochwertige Ernährung, neigt aber bei Unterforderung schnell zu Übergewicht, was die Gelenke belasten könnte.


Häufige Fragen (FAQ) zur Westfälischen Dachsbracke

Muss die Westfälische Dachsbracke jagdlich geführt werden?
Es ist ihr Idealzustand. Wenn sie nicht jagt, muss sie zwingend durch Suchspiele, Fährtentraining oder Hundesport (z. B. Zielobjektsuche) geistig ausgelastet werden.

Ist sie für Anfänger geeignet?
Bedingt. Aufgrund ihres starken Jagdtriebs und ihrer Eigenständigkeit erfordert sie Menschen, die bereit sind, viel Zeit in das Training und die Auslastung zu investieren.

Verträgt sie sich mit Kindern?
Ja, sie gilt als sehr kinderlieb und geduldig. Sie ist ein toller Familienhund, der gerne am Trubel teilnimmt.


Bildergalerie: Westfälische Dachsbracke

Entdecken Sie den charmanten Laufhund in Aktion:


Foto: Stute.s/Wikipedia/CC Lizenz

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