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Hunde Longieren - Training und Aufbau

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Wer bisher dachte, nur Pferde könnten longiert werden, der hat einen der spannendsten Trends in der Hundeerziehung verpasst. Hunde-Longieren ist weit mehr als nur „im Kreis laufen“ - es ist Kommunikation auf höchstem Niveau, die fast ausschließlich über Körpersprache funktioniert. In diesem Artikel erfährst du, wie du die Bindung zu deinem Hund stärkst und eine faszinierende Distanzkontrolle aufbaust.

Der Ursprung und die Wirkung des Longierens

Ursprünglich in Skandinavien um 1960 zur Ausdauerförderung von Polizeihunden entwickelt, hat sich das Longieren heute zu einer der effektivsten Methoden zur Bindungsarbeit gewandelt. Es ist eine artgerechte Beschäftigung, die rassebedingte Bedürfnisse wie Hüten, Jagen oder Revieren in kontrollierte Bahnen lenkt.

Durch die räumliche Trennung (das Absperrband) lernt der Hund, sich nicht auf physischen Druck, sondern auf die Körpersprache und mentale Präsenz seines Besitzers zu verlassen. Das Ergebnis ist eine „mentale Leine“, die auch im Alltag bei Begegnungen mit Artgenossen oder Wildtieren für mehr Sicherheit sorgt.

Hund läuft konzentriert am Longierzirkel

Materialliste: Das brauchst du für dein Training

Ein strukturierter Aufbau ist die halbe Miete. Du benötigst:

  • Zelthaken: Ca. 16 Stück (stabile Ausführung, keine flachen Heringe!).
  • Absperrband: Reißfest und gut sichtbar für den Hund.
  • Gummihammer: Zum leichten Versenken der Haken im Boden.
  • Schleppleine: Als Zentrierhilfe für den Radius (5m bis 10m).
  • Triebhilfe: Ein Futterdummy oder Spielzeug, das dein Hund besonders liebt.

Anleitung: So erstellst du den Zirkel

  1. Zentrum fixieren: Schlage einen Haken in die Mitte und hänge die Radius-Leine ein.
  2. Radius festlegen: Gehe zum Ende der Leine und markiere den ersten Außenpunkt.
  3. Kreis stecken: Laufe mit gespannter Leine im Kreis und setze alle 2-3 Schritte einen Haken. Wichtig: Die Haken-Kanten müssen nach innen zeigen, um Verletzungen an den Pfoten zu vermeiden!
  4. Band spannen: Wickle das Absperrband stramm um jeden Haken. Ein schlaffes Band verliert seine optische Barrierewirkung.

Die ersten Schritte: So startest du richtig

Beim ersten Mal steht der Hund meist verwirrt vor dem Band. Deine Aufgabe ist es, ihn außerhalb des Kreises zu führen, während du dich innerhalb bewegst. Am Anfang darfst du noch nah am Rand mitlaufen. Belohne jede Orientierung zu dir sofort mit Futter oder Spiel. Ziel ist es, dass der Hund lernt: „Ich bleibe draußen, schaue aber immer wieder zu meinem Menschen in der Mitte.“

Häufige Fehler beim Longieren

Damit das Training erfolgreich ist, solltest du folgende Stolperfallen vermeiden:

  • Zu viel Sprache: Versuche, so wenig wie möglich zu reden. Dein Körper muss die Richtung und das Tempo vorgeben.
  • Falsche Position: Stehst du zu weit vor dem Hund, bremst du ihn aus. Stehst du zu weit hinter ihm, treibst du ihn unbewusst weg.
  • Zu lange Einheiten: Longieren ist geistig extrem anstrengend. 10 Minuten intensives Training entsprechen einem langen Spaziergang.

Vielfältige Varianten für Fortgeschrittene

Sobald die Basis sitzt, kannst du das Training variieren:

  • Kooperatives Longieren: Baue Distanz-Kommandos (Sitz, Platz, Steh) aus der Bewegung ein.
  • Koordinatives Longieren: Platziere Spielzeug oder Futter im Kreisinneren. Der Hund darf den Reiz erst auf dein Signal hin beachten.
  • Beschäftigungslongieren: Integriere Tunnel, Hürden oder Slalom-Stangen außerhalb des Zirkels.
  • Freilongieren: Wenn die mentale Bindung stark genug ist, entfernst du das Absperrband komplett.

Eine sensationelle Auslastung

Longieren ist für fast jeden Hund geeignet - vom agilen Hütehund bis zum Senior. Sogar für Menschen mit körperlichen Einschränkungen (z. B. Rollstuhlfahrer) ist es eine hervorragende Möglichkeit, den Hund geistig und körperlich zu fordern. Es ist einfach sensationell zu sehen, wie die Kommunikation zwischen Mensch und Tier allein über die Körpersprache wächst.

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