„Die wollen doch nur mal Hallo sagen!“ – ein Satz, den viele Hundehalter nur zu gut kennen. Doch Sozialkontakt an der Leine ist alles andere als harmlos. Im Gegenteil: Begegnungen zwischen angeleinten Hunden bergen erhebliche Risiken und sollten grundsätzlich vermieden werden.
Eine einfache Regel: Kein Hundekontakt an der Leine
Die Regel ist simpel und eindeutig:
👉 Hunde an der Leine haben an anderen Hunden nichts zu suchen.
Das gilt besonders:
- wenn der andere Hund ebenfalls angeleint ist
- wenn die Hunde sich nicht kennen
- wenn nicht vorher gefragt wurde
Ein „Bitte nein“ sollte eigentlich völlig ausreichen. Da diese Bitte jedoch oft auf Unverständnis stößt, folgen hier die wichtigsten sachlichen Gründe, warum Sozialkontakte an der Leine tabu sein sollten.
Wozu dient die Hundeleine eigentlich?
Eine einfache Frage: Was ist der Zweck einer Hundeleine?
Eine Leine ist ein Hilfsmittel, um den Hund zu führen – Richtung, Tempo und Abstand werden vom Menschen vorgegeben. Die Hundeleine ist nicht dafür da, dass der Hund den Menschen zu Artgenossen zieht. Das gilt ganz besonders für die weit verbreitete Flexileine.
Wer führt hier eigentlich wen?
Die Leinenreichweite ist ein privater Bereich
Die Leine gibt dem Hund einen begrenzten Bewegungsradius – seinen persönlichen Schutzbereich. In diesem Bereich sollte:
- der Hund sich sicher fühlen dürfen
- kein fremder Hund ungefragt eindringen
Wird dieser Bereich ständig verletzt, kann das fatale Folgen haben:
- Der Hund nimmt die Leine und den Menschen nicht mehr ernst
- Er wird unsicher oder ängstlich
- Im schlimmsten Fall entwickelt er Angst- oder Leinenaggression
Die Leine bietet dem Hund Sicherheit
Viele Hunde empfinden die Leine als Schutz. Die fühlbare Verbindung zum Menschen gibt Sicherheit und Orientierung. Werden diese Hunde regelmäßig von fremden Hunden bedrängt, verlieren sie dieses Vertrauen.
👉 Die Folge:
Der Hund empfindet weder die Leine noch seinen Menschen als verlässlichen Schutz.
„An die Leine nehmen“ ist eine aktive Handlung
Einen Hund anzuleinen bedeutet:
- Ich gebe Richtung und Tempo vor
- Ich fordere Aufmerksamkeit und Orientierung an mir
Lässt man den Hund an der Leine zu anderen Hunden hinziehen, passiert meist das Gegenteil:
Der Hund zerrt – und der Mensch folgt.
So lernt der Hund:
„Wenn ich nur stark genug ziehe, komme ich ans Ziel.“
Das Ergebnis: Leinenführigkeit adé.
Verletzungen sind vorprogrammiert
Treffen sich zwei angeleinte Hunde, steigt das Verletzungsrisiko erheblich:
- Hunde springen (auch spielerisch) ins Halsband
- Leinen verheddern sich
- besonders gefährlich: Roll- und Flexileinen
Nicht nur Hunde sind gefährdet. Auch Menschen riskieren:
- Zerrungen
- Schürfwunden
- Stürze
Wer schon einmal einen 40-kg-Hund mit voller Motivation in die Leine springen hatte, weiß, wovon die Rede ist.
Hunde riechen weiter, als die Leine reicht
„Die müssen sich doch beschnuppern können“ – wirklich?
Hunde haben einen extrem ausgeprägten Geruchssinn. Mantrailer, Rettungs- und Drogenspürhunde sind der beste Beweis dafür. Ein Hund muss nicht direkt am Hinterteil eines anderen stehen, um:
- Geschlecht
- Stimmung
- Gesundheitszustand
wahrzunehmen.
👉 Ein Hund bekommt auch ohne direkten Kontakt alle relevanten Informationen.
Die Leine verhindert normale Körpersprache
Ein Hund, der an der Leine zu einem anderen zieht, zeigt oft:
- nach vorne gelehnte Haltung
- starren Blick
- Hecheln oder Keuchen
Diese Körpersprache wird vom Gegenüber häufig als Bedrohung oder Aggression interpretiert. Knurrt oder maßregelt der andere Hund daraufhin, ist das Entsetzen groß – obwohl der Konflikt hausgemacht ist.
Fazit: Kein Sozialkontakt an der Leine
Natürlich kann es gut gehen, wenn sich zwei angeleinte Hunde kurz beschnuppern.
Aber es muss nicht.
Es gibt keinen vernünftigen Grund, angeleinte Hunde zueinander zu lassen. Wenn Sozialkontakt erwünscht und sinnvoll ist, dann:
- ohne Leine
- mit ausreichend Abstand
- nach vorherigem Fragen
Und ganz wichtig:
👉 Ein „Nein“ ist immer zu akzeptieren.
Wer seinem Hund Sozialkontakte ausschließlich an der Leine ermöglichen kann, sollte seine Haltungsbedingungen grundsätzlich hinterfragen. Rücksicht, Respekt und Sicherheit stehen immer an erster Stelle – für Hund und Mensch.
Infografik:










