Was wirklich für das Scheren von langhaarigen Hunden spricht
Gerade im Frühjahr und Sommer stellen sich viele Hundehalter dieselbe Frage:
👉 Sollte man einen Hund scheren lassen – ja oder nein?
Während wir Menschen unsere Kleidung täglich an die Temperaturen anpassen, bleibt unseren Hunden diese Möglichkeit verwehrt. Besonders langhaarige Hunderassen mit dichter Unterwolle geraten bei steigenden Temperaturen schnell an ihre körperlichen Grenzen.
Wie kommen Hunde mit dem Jahreszeitenwechsel zurecht?
Kurzhaarige Hunde kommen mit wechselnden Temperaturen meist gut zurecht. Im Winter kann man sie bei Bedarf mit einem Mantel unterstützen, da ihr Fell kaum isoliert.
Ganz anders sieht es bei langhaarigen Hunden aus:
Im Winter sind sie oft besonders aktiv, verspielt und wetterfest. Doch sobald die Temperaturen im Frühjahr auf etwa 18 Grad Celsius steigen, zeigt sich häufig ein anderes Bild:
- reduzierte Aktivität
- starkes, schnelles Hecheln
- Rückzug auf kühle Liegeplätze wie Fliesen oder nackte Böden
Diese Beobachtungen werfen eine berechtigte Frage auf:
Verbessert das Scheren eines Hundes seine Lebensqualität?

Warum viele Hundehalter das Scheren ablehnen
In Gesprächen mit Hundehaltern langhaariger Rassen stoßen Vorschläge zum Scheren oft auf Ablehnung – von Skepsis bis Entsetzen. Um diesen Argumenten auf den Grund zu gehen, habe ich mich intensiv mit den häufigsten Aussagen gegen das Scheren beschäftigt und dazu auch die erfahrene Hundefriseurin Silke Hartauer, mit über 23 Jahren Berufserfahrung, befragt.
Die häufigsten Argumente gegen das Hundescheren – und was wirklich stimmt
1. „Das Fell wächst danach anders nach und verfilzt“
Dafür gibt es keine pauschale Grundlage. Häufig liegt der Grund eher darin, dass nach der Schur weniger gebürstet wird. Vernachlässigte Fellpflege kann zu Verfilzungen führen – unabhängig davon, ob ein Hund geschoren wurde oder nicht.
2. „Man zerstört die natürliche Klimaanlage des Hundes“
Dieses Argument hält einer genaueren Betrachtung nicht stand.
Dichte Unterwolle schützt zwar vor Kälte, verhindert aber gleichzeitig die Abgabe von Körperwärme. Gerade im Frühjahr und Sommer kann es dadurch zu einem gefährlichen Wärmestau direkt auf der Haut kommen.
Zudem ist der extreme Fellbehang vieler Rassen kein Naturzustand, sondern Ergebnis gezielter Zucht. Ursprüngliche Arbeitshunde wie Collies oder Briards hatten deutlich kürzeres, funktionales Fell – pflegeleicht und wetterfest.
3. „Kurze Haare reizen die Haut“
Nach der Schur können kurze Stichelhaare kurzfristig irritieren. Dieses Problem lässt sich jedoch leicht vermeiden, etwa durch ein Bad nach dem Scheren. Andernfalls müssten auch alle Kurzhaarrassen dauerhaft Hautprobleme haben – was nicht der Fall ist.
4. „Nach dem Scheren bildet sich mehr Unterwolle“
Dafür existieren keine wissenschaftlichen Belege. Auch aus jahrzehntelanger Praxiserfahrung konnte dies nicht bestätigt werden.
5. „Ausdünnen des Fells reicht aus“
Stark verdichtete Unterwolle lässt sich nicht ausdünnen, ohne sie zu rupfen. Das ist für den Hund unangenehm und nicht vergleichbar mit einer Schur.
6. „Hunde werden nach der Schur depressiv“
Eine abrupte Komplettschur kann tatsächlich verunsichern. Dieses Risiko lässt sich jedoch minimieren, indem das Fell schrittweise gekürzt wird und man den Hund dabei genau beobachtet.
Positive Veränderungen nach dem Scheren eines Hundes
Bei vielen langhaarigen Hunden wurden nach der Schur folgende Veränderungen beobachtet:
- deutlich mehr Aktivität und Bewegungsfreude
- weniger Hecheln
- besseres allgemeines Wohlbefinden
- gesteigertes Sozialverhalten
- veränderte, bewusst kühlere Liegeplatzwahl
- verbesserte Kommunikation mit Artgenossen
- höhere Akzeptanz von Geschirr, Berührungen und Pflege
- die Haut wird wieder als wichtiges Sinnesorgan genutzt
Fazit: Lebensqualität statt Schönheitsideal
Das Scheren von Hunden, insbesondere von langhaarigen Rassen mit viel Unterwolle, sollte kein Tabuthema sein. Entscheidend ist nicht das äußere Erscheinungsbild, sondern das Wohlbefinden des Hundes.
Argumente gegen das Scheren sollten kritisch hinterfragt werden – vor allem dann, wenn sie auf Tradition, Optik oder Zuchtidealen beruhen. Denn diese dürfen niemals auf Kosten der Lebensqualität des Hundes gehen.
👉 Beobachte deinen Hund genau. Sein Verhalten zeigt dir meist sehr deutlich, ob er sich mit seinem Fell wirklich wohlfühlt.









