Hunde Erziehung

Wie trainiere ich meinem Hund das Anspringen ab?

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Hund springt Menschen an: Ursachen verstehen und effektiv abgewöhnen

Hund springt zur Begrüßung an einem Menschen hoch
Was beim Welpen noch süß aussieht, wird beim erwachsenen Hund oft zum Problem.

Selbst bei ansonsten hervorragend trainierten Begleitern bleibt das Anspringen oft eine hartnäckige „Baustelle“. Ob bei der Heimkehr des Besitzers oder bei der Begegnung mit Fremden im Park - das Hochspringen ist für viele Hunde die Standard-Begrüßung. Doch während ein kleiner Welpe dabei noch entzückt, kann ein 30-Kilo-Hund mit schmutzigen Pfoten schnell für Unmut oder sogar Unfälle sorgen.

Aber was ist eigentlich der Grund dafür, dass man das Anspringen so schwer loswird? In diesem Ratgeber tauchen wir tief in die Hundepsychologie ein und zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie dieses Verhalten korrigieren und durch höfliche Alternativen ersetzen.

Warum springen Hunde Menschen an? Die biologischen Ursachen

Hunde tun dies hauptsächlich zur Begrüßung und aus purer Freude. Je temperamentvoller ein Hund ist, desto eher neigt er dazu, sein Gegenüber „auf Augenhöhe“ willkommen zu heißen. Es gibt jedoch Hunde, die von Natur aus ruhiger sind und dieses Verhalten kaum zeigen - daher kennt nicht jeder Besitzer dieses Problem.

Der Ursprung: Das Lefzenbelecken

Das Verhalten ist tief in den Genen unserer Haushunde verankert. Welpen beginnen mit dem Anspringen bereits beim Züchter. Es ist ein instinktgesteuertes Verhalten, um an die Lefzen der Mutter zu gelangen. In der freien Natur belecken Wolfswelpen die Mundwinkel der Alttiere, um diese zum Vorwürgen von Nahrung zu animieren. Da wir Menschen deutlich größer sind als Hunde, müssen sie hochspringen, um unser Gesicht - das Äquivalent zu den Lefzen - zu erreichen. Dieses Verhalten war für die wölfischen Vorfahren überlebenswichtig und wird daher schon sehr früh im Leben positiv besetzt.

Die Belohnungsfalle: Warum wir das Verhalten unbewusst fördern

Es ist oft das typisch menschliche Verhalten, welches das Anspringen erst so richtig festigt. Hunde lernen über Erfolg: Ein Verhalten, das sich lohnt, wird wiederholt.

Die Generalisierung beim Welpen

Fast jeder Mensch freut sich über einen niedlichen Welpen. Wenn das kleine Knäuel wedelnd hochspringt, reagieren wir instinktiv: Wir schauen ihn an, lächeln, sprechen mit hoher Stimme („Na, wer bist du denn?“) und streicheln ihn. Für den Hund ist das die maximale Belohnung: Aufmerksamkeit. Der Welpe lernt schnell: „Menschen lieben es, wenn ich an ihnen hochklettere.“ Er generalisiert dieses Wissen und wendet es bei jedem Menschen an, den er trifft.

Negative Aufmerksamkeit ist auch Aufmerksamkeit

Ein häufiger Fehler bei erwachsenen Hunden: Der Besitzer schimpft, schubst den Hund weg oder sagt energisch „Nein!“. Für viele Hunde, die auf soziale Interaktion brennen, ist selbst dieses Wegschieben eine Form von körperlicher Zuwendung. Das Ziel des Hundes - Kontakt zum Menschen - wurde erreicht.

Schritt für Schritt: So gewöhnen Sie das Anspringen ab

Das Ziel des Trainings ist es, dem Hund klarzumachen, dass Anspringen zum sofortigen Ende jeder Interaktion führt, während Ruhe und „alle vier Pfoten auf dem Boden“ belohnt werden.

1. Die Strategie des Ignorierens

Sobald der Hund zum Sprung ansetzt, drehen Sie sich wortlos weg. Machen Sie sich „langweilig“. Keine Worte, kein Blickkontakt, keine Hände am Hund. Erst wenn der Hund mit allen Pfoten auf dem Boden steht (oder sich idealerweise setzt), drehen Sie sich ihm zu und begrüßen ihn ruhig.

2. Die „Alternative“ etablieren

Ein Hund kann nicht gleichzeitig sitzen und springen. Trainieren Sie ein bombensicheres „Sitz“. Die neue Regel lautet: Begrüßung findet nur statt, wenn das Hinterteil den Boden berührt. Loben Sie den Hund sofort, wenn er sich in der Erwartung der Begrüßung hinsetzt.

3. Das Umfeld instruieren (Die größte Schwierigkeit)

Hier liegt oft die größte Hürde. Sie müssen Menschen in Ihrer Umgebung konsequent anweisen, den Hund zu ignorieren. Leider folgen oft Sätze wie: „Ach, das macht mir nichts aus!“ oder „Bei mir darf er das ruhig...“. Hier müssen Sie standhaft bleiben. Erklären Sie kurz und knapp: „Wir trainieren gerade, bitte ignorieren Sie ihn, bis er sitzt.“ Werden Sie zum Anwalt Ihres Trainingserfolgs!

Spezialtipps für den Alltag

Besuchssituationen an der Tür

Wenn es an der Tür klingelt, ist die Aufregung am höchsten. Nutzen Sie eine Hausleine. So können Sie verhindern, dass der Hund den Gast erreicht, bevor er sich beruhigt hat. Der Gast darf den Hund erst beachten, wenn dieser entspannt ist.

Begegnungen beim Spaziergang

Wenn Ihnen Menschen entgegenkommen, führen Sie Ihren Hund frühzeitig auf die abgewandte Seite oder lassen Sie ihn am Rand absitzen, während die Personen vorbeigehen. Bestätigen Sie das ruhige Verhalten mit hochwertigen Leckerlis.

Warum Strafe oft nach hinten losgeht

Methoden wie das „Knie hochziehen“ oder das „Auf die Hinterpfoten treten“ sind nicht nur tierschutzwidrig, sondern oft kontraproduktiv. Sie zerstören das Vertrauensverhältnis und können bei sensiblen Hunden Angst vor Händen oder Menschen auslösen. Ein souveränes Ignorieren und das Belohnen von Alternativverhalten sind wissenschaftlich belegt die nachhaltigeren Wege.

Fazit: Geduld führt zum Erfolg

Einen anspringenden Welpen finden fast alle niedlich, bei einem erwachsenen Hund heißt es dann schnell, er sei unerzogen. Da das Verhalten beim Welpen instinktiv verankert ist, erfordert die Umkonditionierung Zeit und absolute Konsequenz von allen Familienmitgliedern.

Es lohnt sich, standhaft zu bleiben. Die nächsten 10 bis 15 Jahre mit einem Hund, der jede Begegnung entspannt und mit allen vier Pfoten auf dem Boden meistert, sind die Belohnung für ein paar Wochen hartes Training.

Foto: risch / pixelio.de

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