Angeleinte Hunde sollten sich NICHT grüßen, Warum das so wichtig ist

„Der muss doch mal Hallo sagen!“, „Die wollen doch nur spielen!“, „Lass sie doch mal schnüffeln!“ – Sätze, die fast jeder Hundehalter schon hundertmal gehört hat. Meist von Menschen, die selbst keinen Hund haben oder von Menschen die das eben schon immer so machen, aber auch von Menschen deren Hund selbst Frust auslebt, wenn er den Leinenkontakt nicht gewährt bekommt. Die traurige Wahrheit: Genau diese „netten“ Begegnungen sind einer der Hauptgründe, warum so viele Hunde an der Leine aggressiv, ängstlich oder gestresst werden. Das ist kein Zufall, das liegt in der Natur der Hunde.
Warum Leinenkontakt oft schiefgeht
Auch wenn das auf dem ersten Blick nicht immer sichtbar ist, so macht ein unangenehmer Leinenkontakt etwas mit einem Hund. Als intelligentes, soziales Wesen, wird er auch durch unangenehme Gefühle beeinflusst. Wenn zwei Hunde frei laufen, regeln sie Distanz, Tempo und Grußritual selbst. Sobald eine Leine dazwischen ist, passiert Folgendes:
- 🚫 Die natürliche Fluchtdistanz wird künstlich verkürzt – der Hund kann nicht mehr weg.
- 🐕 Die Körpersprache wird blockiert – Schwanz, Ohren, gesamte Körperhaltung sind eingeschränkt.
- 🔗 Der Hund steht unter Dauerzug oder Dauerbremse → Frust baut sich auf (Frustrationsaggression).
- 😰 Der andere Hund kommt frontal und schnell näher – das empfinden die meisten Hunde als Bedrohung.
Das Ergebnis? Viele Hunde lernen innerhalb weniger Monate: „Wenn ein anderer Hund an der Leine kommt, wird es unangenehm.“ Und um sich dieser aufgezwungenen Situationen zu entziehen, versucht er bald den entgegen kommenden Hunde auf Entfernung zu halten in dem er bellt. Daraus entsteht klassische Leinenaggression oder Leinenreaktivität und die lässt sich nur sehr mühsam wieder abbauen. Ebenfalls sehr unfair: einen freilaufenden Hund auf einen angeleinten Hund zulaufen zu lassen.
Angeleinte Hunde grüßen sich nicht - weder zum „Spaß“, noch „weil sie sich doch kennen“ oder „weil der andere so lieb guckt“.
Die Leinenreichweite ist ein privater Bereich, sie sollte dem Hund Sicherheit bieten
Der Alltag beim Spaziergang - in Ballungsgebieten schnell zum Spießrutenlauf
Das Paradoxe: Die größte Herausforderung auf dem Spaziergang sind oft nicht aggressive Hunden - sondern viele „nette“ Hundehalter. Die es vielleicht gut meinen oder einfach nicht besser wissen und mit ihrem Verhalten dennoch andere in unangenehme Situationen bringen und einem monatelanges Training kaputt machen können. „Die müssen doch mal spielen“, „Der tut nix!“ Die, die beleidigt sind, wenn du höflich sagst: „Nein danke, wir grüßen nicht.“
Es braucht auch keinen Grund, warum man keinen Kontakt möchte. Dieser Wunsch sollte einfach so respektiert werden, alles andere ist übergriffig.
Man kann es so deutlich sagen: Die meisten Probleme an der Leine entstehen nicht durch die Hunde selbst, sondern durch die Menschen, die glauben, Hunde müssten sich immer und überall „sozial austauschen“. Das ist nicht hündisch. Das ist menschliche Projektion. Hunde riechen über sehr weite Distanz gut, sie müssen sich nicht direkt gegenüberstehen.
Ob es auch eine Ausnahme gibt? Ja, aber nur unter Hunden, die sich außerhalb des Leinenkontaktes vorher schon SEHR gut kennen und sich mögen. Aber auch hier besteht die Gefahr des Verhedderns und der eingeschränkten Bewegung/Kommunikation.
Was stattdessen wirklich hilft
1. Klare Kommunikation nach außen
„Nein danke, wir grüßen nicht.“ freundlich, aber bestimmt. Wer das nicht akzeptiert, ist selbst das Problem.
2. Körperliche Distanz schaffen
Abstand halten (mind. 3–5 Meter), Hund an kurze Leine nehmen, seitlich vorbeigehen, ggf. die Straßenseite wechseln. Viele Hunde entspannen sich sofort, wenn sie merken: „Herrchen/Frauchen regelt das.“
3. Den eigenen Hund stärken
Bevor es eng wird: „Schau mich an“, Leckerli, Lob, weitergehen. So lernt der Hund: „Wenn ein anderer Hund kommt, passiert bei mir was Positives - ich muss nicht reagieren.“
Aktion Gelber Hund 🟨 - das internationale Signal „Kein Kontakt bitte!“
Seit Jahren gibt es die einfache, aber wirkungsvolle Aktion Gelber Hund: Ein gelbes Halstuch, gelbes Band an der Leine, gelbes Geschirr oder ein gelbes Schildchen bedeutet:
- 🚫 Kein Kontakt erwünscht
- 🐕 Der Hund hat schlechte Erfahrungen, ist krank, ängstlich, läufig, in der Reha oder einfach nicht sozial verträglich an der Leine
- 🙏 Bitte Abstand halten und nicht ansprechen / fragen
Gelb = „Bitte respektiere meine Grenzen“ – ein internationales, sofort verständliches Signal. Je mehr Leute das nutzen und respektieren, desto entspannter wird der Alltag für alle.
Respekt vor den Grenzen des Hundes
Hunde müssen nicht jeden anderen Hund grüßen. Sie müssen nicht „sozialisiert“ werden, indem man sie ständig in stressige Leinenbegegnungen zwingt. Das Gegenteil ist richtig: Je konsequenter wir als Menschen Grenzen setzen und Abstand schaffen, desto entspannter und sicherer werden unsere Hunde an der Leine.
Ähnliches gilt übrigens auch für den Freilauf. Treffe ich mit meinem Hund, auf einen anderen Hund der an der Leine geht, so sollte es selbstverständlich sein, den eigenen Hund auch anzuleinen. Weitere Regeln finder ihr auch in unserem Hundeknigge.
Wer das verstanden hat, muss nicht mehr vor anderen Hunden fliehen - sondern nur noch vor den Menschen, die es nicht verstehen wollen. Und das wird von Jahr zu Jahr weniger - hoffentlich. 🐾

Quellen & weiterführende Infos (Stand Februar 2026)
- Aktion Gelber Hund – offizielle Seite & internationale Verbreitung
- Turid Rugaas – „Über die Körpersprache des Hundes“ & Leinenstress
- Dr. Ute Heberer & Sophia Yin – Stresssignale & Leinenaggression
- Praktische Erfahrungen









