Barsoi: Der aristokratische Windhund der russischen Zaren
Kurzinfos & Steckbrief
Der Barsoi, auch bekannt als Russischer Windhund, ist eine der majestätischsten Erscheinungen der Hundewelt. Er vereint die Anmut eines Models mit der Explosivität eines Sprinters. Ursprünglich für die Hetzjagd auf Wölfe gezüchtet, besticht er heute als sanftmütiger, fast schon philosophischer Begleiter, der im Haus durch noble Zurückhaltung und im Freien durch atemberaubende Schnelligkeit überzeugt.
- Herkunftsland: Russland
- FCI-Standard: Gruppe 10 (Windhunde) / Sektion 1 / Nr. 193
- Größe: Rüden 75-85 cm | Hündinnen 68-78 cm
- Gewicht: ca. 35 kg bis 48 kg (je nach Größe)
- Besonderheit: Seidiges, langes Fell und extreme Sprintschnelligkeit
Geschichte: Ein Geschenk für Könige und Zaren
Die Geschichte des Barsoi ist untrennbar mit dem russischen Hochadel verbunden. Schon seit dem 15. Jahrhundert wurde die Rasse für die großangelegte Parforcejagd gezüchtet. Russische Großfürsten und Zaren unterhielten riesige Zwinger mit Hunderten von Tieren. Die Jagd mit Barsois war ein gesellschaftliches Ereignis von gigantischem Ausmaß, bei dem die Hunde oft paarweise oder in Trios (die sogenannte „Swora“) eingesetzt wurden, um Wölfe, Füchse und Hasen zu hetzen.
Ein Barsoi galt als kostbares Geschenk und wurde oft zwischen Herrscherhäusern getauscht. Da die russische Aristokratie die Zucht streng kontrollierte, entwickelte sich ein sehr homogener, hocheleganter Typ. Die Russische Revolution im Jahr 1917 hätte beinahe das Ende der Rasse bedeutet, da sie als Symbol des verhassten Adels galt. Glücklicherweise hatten Exporttiere nach Westeuropa und in die USA den Fortbestand gesichert, sodass wir heute diese lebenden Kunstwerke weiterhin bewundern können.
Erscheinungsbild: Die Ästhetik des Windes
Der Barsoi ist ein großwüchsiger, schmaler Hund mit einer unverwechselbaren, leicht gewölbten Rückenlinie. Sein ganzer Körper ist auf aerodynamische Effizienz ausgelegt. Sein Kopf ist extrem schmal und lang, was ihm eine fast schon elfengleiche Optik verleiht.
Fell, Farben und Besonderheiten:
- Die Textur: Das Haar ist seidig, weich und geschmeidig. Es bildet Wellen oder große, lockere Locken, darf aber niemals kraus wirken. An den Ohren und dem Fang ist es kurz, während es am Hals (Kragen) und an der Rute (Fahne) besonders üppig wächst.
- Farben: Es sind Kombinationen aller Farben erlaubt, außer Blau und Schokoladenbraun. Besonders beliebt sind weiße Hunde mit Scheckung oder fast reinweiße Exemplare. Schwarz-gewolkte Farben weisen oft eine edle dunkle Maske auf.
- Physiologie: Ein Barsoi besitzt ein riesiges Herz und ein Lungenvolumen, das für extreme Kurzzeitleistungen optimiert ist. Seine Augen sind so positioniert, dass er ein fast 270-Grad-Sichtfeld abdeckt - ideal für einen Sichtjäger.
Wesen: Der noble Stoiker
Im Haus ist der Barsoi kaum zu bemerken. Er verhält sich ruhig, fast schon unauffällig und liebt weiche Liegeplätze. Er ist ein Hund der leisen Töne. Seiner Familie gegenüber ist er treu ergeben, zeigt dies aber nicht durch stürmische Begrüßungen, sondern durch subtile Nähe.
Fremden gegenüber ist der Barsoi meist reserviert und distanziert. Er ignoriert Unbekannte oft völlig, was ihm einen Ruf als „hochmütig“ eingebracht hat. In Wahrheit ist es jedoch einfach seine Art der vornehmen Zurückhaltung. Er besitzt einen angeborenen Schutztrieb, der jedoch sehr diskret ist. Sobald er jedoch draußen ist und eine Bewegung am Horizont wahrnimmt, ändert sich sein Wesen schlagartig: Der ruhige Hausgenosse wird zum hochkonzentrierten Jäger.
Haltung: Platz für weite Sprünge
Die Haltung eines Barsoi ist weniger kompliziert, als man bei dieser Größe vermuten könnte, sofern man seinen Grundbedürfnissen gerecht wird. Er ist kein Hund für die Stadtmitte, es sei denn, man hat Zugang zu großen, gesicherten Freilaufflächen.
Was ein Barsoi braucht:
- Bewegung: Er muss nicht stundenlang am Rad laufen (was für seine Gelenke eher belastend ist), sondern braucht die Möglichkeit, ab und zu in vollem Galopp über eine Wiese zu fegen. Coursing oder Windhundrennen auf einer Rennbahn sind ideale Hobbys.
- Leinenführung: Da er ein Sichtjäger ist, kann man ihn in den seltensten Fällen überall frei laufen lassen. Ein flitzendes Kaninchen in 300 Metern Entfernung wird er sehen, bevor sein Besitzer es bemerkt - und dann ist er weg.
- Komfort: Aufgrund seines geringen Körperfettanteils benötigt ein Barsoi unbedingt weiche Schlafplätze, um Liegeschwielen und Gelenkschmerzen vorzubeugen.
Erziehung: Sensibilität ist Trumpf
Einen Barsoi erzieht man nicht mit Drill oder Druck. Er ist ein sensibler Hund, der bei harter Behandlung völlig dichtmacht. Er braucht eine geduldige, konsequente und liebevolle Führung. Er lernt schnell, hinterfragt aber den Sinn von ständigen Wiederholungen.
Er wird niemals den Kadavergehorsam eines Schäferhundes zeigen. Ein Barsoi kooperiert aus Zuneigung und Respekt, nicht aus Unterwürfigkeit. Besonders wichtig ist das Antijagdtraining von Welpenbeinen an, auch wenn man den Instinkt eines Windhundes niemals ganz ausschalten kann. In der Wohnung ist er einer der angenehmsten Mitbewohner, die man sich vorstellen kann.
Gesundheit und Pflege: Seide braucht Pflege
Trotz seines zarten Aussehens ist der Barsoi eine robuste Rasse mit einer für seine Größe erstaunlichen Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren.
- Fellpflege: Das seidige Fell muss regelmäßig gebürstet werden, um Verfilzungen - besonders hinter den Ohren und an den Hosen - zu vermeiden. Ein Bad ist nur selten nötig.
- Magendrehung: Wie alle großen Hunde mit tiefem Brustkorb neigt der Barsoi zur Magendrehung. Füttern Sie kleine Portionen und achten Sie auf strikte Ruhepausen nach dem Fressen.
- Ernährung: Er benötigt hochwertiges Futter, das seinen speziellen Stoffwechsel unterstützt, sollte aber niemals zu schwer werden, um die Gelenke und das Herz nicht zu belasten.
Häufige Fragen (FAQ) zum Barsoi
Ist der Barsoi für Anfänger geeignet?
Bedingt. Er ist zwar im Haus sehr unkompliziert, erfordert aber draußen aufgrund seines Jagdtriebs und seiner Größe viel Management und Verständnis für die Windhund-Natur.
Kann man einen Barsoi ableinen?
Nur in absolut gesichertem (eingezäuntem) Gelände oder wenn man eine sehr übersichtliche Umgebung ohne Wildvorkommen hat. Sein Sichtjäger-Instinkt ist extrem stark.
Bellt ein Barsoi viel?
Nein, er ist ein sehr ruhiger Hund. Er schlägt zwar an, wenn Fremde das Grundstück betreten, ist aber kein Kläffer.
Bildergalerie: Barsoi
Lassen Sie sich von der Grazie des russischen Windhundes verzaubern:
Foto: Pleple2000/CC Lizenz









