Greyhound: Der majestätische Sprinter unter den Windhunden

Der Greyhound
Kurzinfos & Steckbrief
Der Greyhound ist der Inbegriff von Schnelligkeit, Eleganz und aristokratischer Anmut. Als schnellste Hunderasse der Welt erreicht er Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h und gilt als der ultimative Sichtjäger. Doch hinter dem Image des Hochleistungsathleten verbirgt sich ein erstaunlich ruhiger, sanftmütiger und sensibler Begleiter, der im Haus am liebsten stundenlang auf der weichsten Couch schlummert. Ein Hund der Kontraste, der eine tiefe Bindung zu seinen Menschen aufbaut.
- Herkunftsland: Großbritannien
- FCI-Standard: Gruppe 10 (Windhunde) / Sektion 3 / Nr. 158
- Größe: Rüden 71-76 cm | Hündinnen 68-71 cm
- Gewicht: ca. 27 kg bis 40 kg (je nach Linie)
- Besonderheit: Schnellstes Landsäugetier nach dem Geparden
Geschichte: Von den Pharaonen in den britischen Adel
Die Wurzeln des Greyhounds reichen weit über 4.000 Jahre zurück. Abbildungen in altägyptischen Grabmälern zeigen Hunde, die dem heutigen Greyhound verblüffend ähnlich sehen. Über den Nahen Osten und das antike Griechenland gelangten diese Windhunde schließlich nach Großbritannien. Dort wurden sie über Jahrhunderte vom Adel für die Hetzjagd (Coursing) auf Niederwild, insbesondere Hasen, perfektioniert.
Lange Zeit war der Besitz eines Greyhounds per Gesetz dem Adel vorbehalten. Erst mit der Industrialisierung und der Einführung von Hunderennen auf kreisförmigen Bahnen in den 1920er Jahren wurde die Rasse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Heute unterscheidet man oft zwischen der „Show-Linie“ (eleganter, größer) und der „Racing-Linie“ (kompakter, extrem muskulös). Trotz seiner Vergangenheit im Rennsport wird der Greyhound heute weltweit vor allem als loyaler und anpassungsfähiger Familienhund geschätzt.
Erscheinungsbild: Anatomie für Höchstgeschwindigkeiten
Jeder Zentimeter des Greyhounds ist auf Effizienz und Schnelligkeit ausgelegt. Sein Körperbau ist das Ergebnis jahrtausendelanger Selektion auf aerodynamische Perfektion. Er besitzt eine tiefe Brust für ein gewaltiges Lungen- und Herzvolumen sowie eine extrem schlanke Taille.
Fell, Farben und physische Besonderheiten:
- Das Haarkleid: Das Fell ist kurz, fein, dicht und liegt eng an. Da Greyhounds kaum Körperfett und ein sehr dünnes Fell besitzen, sind sie extrem kälteempfindlich, aber auch sehr sauber und geruchsarm.
- Farbenvielfalt: Der Standard ist großzügig: Schwarz, Weiß, Rot, Blau, Falb (Fawn) sowie alle Schattierungen von Gestromt. Auch Scheckungen auf weißem Grund sind sehr häufig.
- Muskulatur: Besonders die Hinterhand ist extrem kräftig ausgebildet, was dem Greyhound seine katapultartige Beschleunigung ermöglicht.
- Der Kopf: Langgestreckt mit kaum merklichem Stop und kleinen, feinen Rosenohren, die bei Aufmerksamkeit leicht aufgerichtet werden.
Wesen: Der "45-Meilen-pro-Stunde-Couch-Potato"

Der Charakter des Greyhounds überrascht viele Menschen, die ihn nur von der Rennbahn kennen. Er ist ein stolzer, liebevoller und anschmiegsamer Hund. Im Haus verhält er sich außergewöhnlich ruhig, fast schon katzenartig. Er bellt selten und genießt es, stundenlang weich gebettet zu schlafen. Er ist sehr sensibel und reagiert fein auf die Stimmungen seiner Besitzer.
Sobald er jedoch im Freien ist und einen Bewegungsreiz wahrnimmt, erwacht sein ausgeprägter Jagd- und Hetztrieb. Als Sichtjäger reagiert er auf alles, was schnell flüchtet. In diesem Moment ist er oft nicht mehr ansprechbar, da sein Instinkt die volle Kontrolle übernimmt. Seiner Familie gegenüber ist er treu ergeben und sucht aktiv den engen Körperkontakt.
Haltung: Zwischen Sprint und Schlummer
Entgegen der landläufigen Meinung braucht ein Greyhound nicht stundenlang am Tag zu rennen. Er ist ein Sprinter, kein Marathonläufer. Kurze, intensive Sprints (Power-Walking oder kontrolliertes Rennen) lasten ihn oft mehr aus als kilometerlange Wanderungen.
Wichtige Haltungshinweise:
- Leinenzwang: Ein Freilauf ohne Leine ist aufgrund des Jagdtriebs in ungesichertem Gelände fast nie möglich. Er sieht Beute auf Distanzen, die der Mensch nicht wahrnimmt, und ist in Sekundenbruchteilen außer Sichtweite.
- Rennverein/Coursing: Um seinem Bewegungsdrang gerecht zu werden, empfiehlt sich der Anschluss an einen Windhundrennverein, wo er auf einer gesicherten Bahn seiner Leidenschaft nachgehen kann.
- Kälteschutz: Im Winter oder bei Regen braucht ein Greyhound zwingend einen Hundemantel, da er ohne Unterwolle und Fettpolster sehr schnell auskühlt.
- Wohnungshaltung: Wegen seiner ruhigen Art eignet er sich überraschend gut für die Haltung in einer Stadtwohnung, sofern er draußen sprinten darf.
Erziehung: Sanfte Führung für sensible Seelen
Die Erziehung eines Greyhounds erfordert Geduld und viel Liebe. Er ist intelligent und möchte gefallen, verträgt aber keinen harten Drill oder laute Worte. Er lernt am besten durch positive Bestärkung und eine vertrauensvolle Bindung. Seine Unabhängigkeit als Sichtjäger bedeutet jedoch, dass ein 100-prozentiger Abruf bei Wildsichtung oft ein utopisches Ziel bleibt.
Eine frühe Sozialisierung ist wichtig, damit er verschiedene Umweltreize und auch kleinere Hunderassen kennenlernt, die er im Jagdrausch sonst fälschlicherweise als Beute interpretieren könnte. Ein gut erzogener Greyhound ist ein charmanter, unkomplizierter Begleiter, der durch seine vornehme Zurückhaltung besticht.
Gesundheit: Besonderheiten des Vollblut-Athleten
Der Greyhound ist im Grunde robust, hat aber physiologische Besonderheiten, die jeder Halter und Tierarzt kennen sollte:
- Greysperre: Eine gefährliche Stoffwechselerkrankung (Rhabdomyolyse), die nach extremer körperlicher Überlastung auftreten kann. Symptome sind steife Gänge und dunkler Urin. Sofortige tierärztliche Hilfe ist nötig.
- Narkoseempfindlichkeit: Greyhounds verstoffwechseln Medikamente anders als andere Hunde. Narkosen müssen speziell dosiert werden.
- Zahnhygiene: Die Rasse neigt vermehrt zu Zahnstein und Zahnfleischentzündungen, regelmäßige Pflege ist daher ratsam.
- Blutwerte: Greyhounds haben natürlicherweise höhere Hämatokrit-Werte und niedrigere Thrombozytenzahlen als andere Hunde - dies ist bei Blutuntersuchungen oft normal für die Rasse.
Häufige Fragen (FAQ) zum Greyhound
Ist der Greyhound ein guter Anfängerhund?
Ja, wenn man seinen Jagdtrieb akzeptiert und ihn an der Leine führt. Seine Sanftmut und Ruhe machen ihn im Alltag sehr unkompliziert.
Braucht er einen Garten?
Ein Garten ist toll, aber wichtiger ist der Zugang zu einer gesicherten Rennfläche. In der Wohnung ist er einer der ruhigsten Hunde überhaupt.
Versteht er sich mit Katzen?
Das ist individuell sehr verschieden. Es gibt viele Greyhounds (besonders ehemalige Rennhunde), die erfolgreich an Katzen gewöhnt wurden, aber der Jagdinstinkt muss immer im Hinterkopf bleiben.
Bildergalerie: Greyhound
Leider noch keine Fotos, sende doch eines ein? Impressionen des edlen Sprinters:









