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Bloodhound: Der sanfte Detektiv mit der unfehlbaren Nase

Bloodhound Bluthund

Der Bloodhound (Bluthund)

Kurzinfos & Steckbrief

Der Bloodhound, im deutschen Sprachraum auch als Bluthund oder St. Hubertushund bekannt, ist der unangefochtene Spezialist unter den Spürhunden. Mit seinem unverwechselbaren Äußeren - geprägt durch tiefe Falten und lange Hängeohren - und seinem sanftmütigen Wesen ist er eine der beeindruckendsten Erscheinungen der Hundewelt. Er ist kein Hund für jedermann, sondern ein Partner für Menschen, die einen eigenständigen, hochspezialisierten Arbeitshunde-Typ zu schätzen wissen.

  • Herkunftsland: Belgien (Ardennen)
  • FCI-Standard: Gruppe 6 (Laufhunde) / Sektion 1.1 / Nr. 84
  • Größe: Rüden 64-72 cm | Hündinnen 58-66 cm
  • Gewicht: Rüden bis 54 kg | Hündinnen bis ca. 48 kg
  • Besonderheit: Bester Geruchssinn aller Hunderassen; "Gerichtsverwertbare" Fährtenarbeit

Geschichte: Die Erbschaft des Heiligen Hubertus

Die Geschichte des Bloodhounds reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits im 7. Jahrhundert züchtete der heilige Hubertus (St. Hubert), Schutzpatron der Jagd, in seinem Kloster in den belgischen Ardennen große, schwarz-lohfarbene Laufhunde. Diese "St. Hubertushunde" waren für ihre Ausdauer und ihre feine Nase berühmt. Wilhelm der Eroberer brachte die Vorfahren dieser Hunde 1066 nach England, wo sie weiter veredelt wurden.

Der Name "Bloodhound" leitet sich übrigens nicht von einer vermeintlichen Blutrünstigkeit ab, sondern von "Blooded Hound" - was so viel bedeutet wie ein Hund von reinem Blut (Adelszucht). Über Jahrhunderte wurden sie zur Jagd auf Großwild eingesetzt. Später entdeckte man ihre Fähigkeit, menschliche Fährten über Tage hinweg zu verfolgen. In den USA erlangten sie Berühmtheit durch ihren Einsatz bei der Suche nach entflohenen Sträflingen oder vermissten Personen. Die Fährtenarbeit eines gut ausgebildeten Bloodhounds ist vor US-Gerichten bis heute als Beweismittel anerkannt.


Erscheinungsbild: Eine Ikone der Melancholie

Der Bloodhound ist ein schwerer, kraftvoller Laufhund von großer Erhabenheit. Seine Bewegungen sind rhythmisch, schwingend und wirken mühelos, selbst in schwierigem Gelände. Sein Kopf ist sein markantestes Merkmal.

Fell, Haut und Farben:

  • Die Haut: Sie ist extrem dünn und hängt am Kopf in tiefen Falten herab. Dies dient einem funktionalen Zweck: Die Falten fangen Geruchspartikel am Boden ein und wirbeln sie zur Nase hoch.
  • Die Behänge: Die Ohren sind extrem lang, tief angesetzt und fühlen sich samtig-weich an.
  • Farbvariationen: Black and Tan (Schwarz und Loh), Liver and Tan (Leberfarben und Loh) sowie einfarbig Rot. Bei den zweifarbigen Hunden variiert der dunkle Anteil zwischen einem vollständigen Mantel und einem Sattel.
  • Das Fell: Es ist kurz, dicht und harsch - perfekt als Schutz gegen Brombeerranken und widriges Wetter.


Wesen: Der sanftmütige Dickkopf

Bloodhound Bluthund St. Hubertushund braun

Der Bloodhound: Würdevoller Blick und unvergleichlicher Spürsinn

Der Bloodhound ist ein Inbegriff von Sanftmut und Gelassenheit. Im Haus verhält er sich ruhig, fast unauffällig und ist seiner Familie gegenüber extrem anhänglich. Aggressionen sind ihm völlig fremd; er gilt als einer der verträglichsten Hunde gegenüber Artgenossen und anderen Tieren.

Doch lassen Sie sich nicht täuschen: Sobald er eine Spur aufgenommen hat, ist er fokussiert und fast unaufhaltsam. Ein Bloodhound besitzt einen enormen Eigensinn. Er wurde gezüchtet, um Kilometer um Kilometer einer Fährte zu folgen, ohne auf Anweisungen zu warten. Diese Unabhängigkeit macht ihn in der Erziehung zu einer Herausforderung. Zudem ist er für seine tiefe, klangvolle Stimme bekannt, die er einsetzt, wenn er eine Spur "gibt".


Haltung: Viel Platz für eine große Nase

Ein Bloodhound ist kein Wohnungshund. Er braucht Platz, am besten ein großes Grundstück in ländlicher Umgebung. Er liebt es, draußen zu sein und seine Umgebung abzuschnüffeln. Dennoch braucht er engen Familienanschluss, da er emotional sehr sensibel ist.

Anforderungen an den Alltag:

  • Nasenarbeit: Wer einen Bloodhound hält, sollte sich für Mantrailing oder Fährtenarbeit begeistern. Ein Bloodhound, der seine Nase nicht benutzen darf, verkümmert geistig.
  • Bewegungsdrang: Trotz seiner scheinbaren Gemütlichkeit ist er ein ausdauernder Läufer. Er braucht tägliche, lange Spaziergänge.
  • Sauberkeit: Potenzielle Halter müssen mit Sabber leben können. Aufgrund der losen Hängelefzen neigt der Bloodhound zum Speicheln, besonders nach dem Trinken oder Fressen.
  • Sicherheit: Ein Bloodhound an der Leine ist ein Kraftpaket. Wenn er eine interessante Spur wittert, ist er kaum zu halten. Ein sicher eingezäunter Garten ist ein Muss.


Erziehung: Eine Frage der Geduld

Einen Bloodhound erzieht man nicht mit Drill. Er reagiert auf harten Druck mit völliger Blockade. Seine Erziehung erfordert unendliche Geduld, Humor und viel Motivation. Er lernt zwar schnell, sieht aber oft keinen Sinn darin, Kommandos sofort auszuführen, wenn es am Boden interessantere Gerüche gibt.

Besonders die Leinenführigkeit muss früh trainiert werden. In der Pubertät kann der Bloodhound sehr stur sein. Eine souveräne, liebevolle Führung ist der einzige Weg, um diesen Hund zur Kooperation zu bewegen. Er ist ein Partner, kein Untertan.


Gesundheit und Pflege: Faltenpflege ist Pflicht

Die markante Optik des Bloodhounds bringt einige spezielle Pflegebedürfnisse mit sich:

  • Faltenreinigung: Die tiefen Hautfalten am Kopf müssen regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden, um Entzündungen vorzubeugen.
  • Augen und Ohren: Die langen Ohren sind anfällig für Infektionen, da kaum Luft an den Gehörgang kommt. Auch die Augen (Ektropium-Gefahr durch hängende Lider) sollten täglich kontrolliert werden.
  • Gelenke: Wie bei allen großen Rassen ist die Hüftgelenksdysplasie (HD) ein Thema. Ein moderates Wachstum im Welpenalter ist entscheidend.
  • Magendrehung: Ein hohes Risiko für Hunde mit tiefem Brustkorb. Ruhe nach dem Fressen ist lebenswichtig.


Häufige Fragen (FAQ) zum Bloodhound

Ist der Bloodhound für Anfänger geeignet?
Eher nein. Seine schiere Kraft, sein Eigensinn und die speziellen Anforderungen an die Nasenarbeit erfordern viel Engagement und Erfahrung im Umgang mit eigenständigen Jagdhunden.

Warum heißt er Bluthund?
Der Name stammt von "Blooded Hound" ab und bezieht sich auf seine edle Abstammung aus den Klöstern des Hochadels, nicht auf das Jagen nach Blut.

Kann man einen Bloodhound im Garten halten?
Er liebt den Garten als Auslauf, braucht aber als sehr anhänglicher Hund unbedingt den Schlafplatz im Haus bei seinen Menschen.


Bildergalerie: Bloodhound

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