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Mastino Napoletano: Der ehrfurchtgebietende Wächter aus dem antiken Rom

Mastino Napoletano - Italienische Dogge Ein Koloss voller Würde

Der Mastino Napoletano

Kurzinfos & Steckbrief

Der Mastino Napoletano ist eine der beeindruckendsten und geschichtsträchtigsten Hunderassen der Welt. Mit seinem gewaltigen Körperbau, dem massigen Kopf und der charakteristischen, losen Haut ist er die Verkörperung von Kraft und Unbeugsamkeit. Als direkter Nachfahre der antiken römischen Molosser blickt er auf eine Jahrtausende alte Tradition als Krieger und Wächter zurück. Heute ist er ein loyaler, fast schon stoisch ruhiger Familienbegleiter, der jedoch aufgrund seiner Physis und seines territorialen Instinkts nur in die Hände absolut erfahrener Hundehalter gehört. Er ist kein Hund für jedermann, sondern ein Partner für Menschen, die seine urwüchsige Art und seinen Schutzinstinkt zu schätzen wissen.

  • Herkunftsland: Italien
  • FCI-Standard: Gruppe 2 (Molosser) / Sektion 2.2 / Nr. 197
  • Größe: Rüden 65-75 cm | Hündinnen 60-68 cm
  • Gewicht: Rüden 60-70 kg | Hündinnen 50-60 kg (oft schwerer)
  • Besonderheit: Charakteristische Faltenbildung und lockere Haut als Schutzpanzer

Geschichte: Vom Kolosseum in die Villen Kampaniens

Die Wurzeln des Mastino Napoletano reichen bis in die Blütezeit des Römischen Reiches zurück. Seine Vorfahren, die „Canis Pugnaces“, begleiteten die Legionen Roms auf ihren Feldzügen durch ganz Europa und kämpften in den Arenen des Kolosseums gegen wilde Tiere und Gladiatoren. Während viele molossoide Rassen in Europa aus diesen Kriegshunden hervorgingen, blieb der Mastino in der Region um Neapel und am Fuße des Vesuvs nahezu unverändert erhalten.

Über Jahrhunderte dienten diese Giganten den Bauern und Gutsbesitzern Kampaniens als unbestechliche Wächter für Haus und Vieh. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rasse durch den Kynologen Piero Scanziani „wiederentdeckt“ und systematisch gezüchtet. 1949 erfolgte die offizielle Anerkennung durch die FCI. Sein archaisches Aussehen hat ihm den Ruf eines „lebenden Fossils“ eingebracht, doch hinter der martialischen Fassade steckt ein tiefgründiger Charakter, der durch die italienische Geschichte geformt wurde.


Erscheinungsbild: Die Ästhetik der Masse und Falten

Der Mastino Napoletano ist ein schwerer, massiger und untersetzter Hund, dessen Körperlänge die Schulterhöhe deutlich übertrifft. Seine Erscheinung wird dominiert von dem gewaltigen Kopf und der außergewöhnlich losen Haut.

Fell, Haut und Farbvarianten:

  • Die Haut: Das markanteste Merkmal ist die reichlich vorhandene, lose Haut, die besonders am Kopf tiefe Falten bildet und am Hals eine ausgeprägte Doppelwamme formt. Diese Haut diente früher im Kampf als Schutzschild gegen Bisse.
  • Das Haarkleid: Das Fell ist kurz, hart, rau und glatt. Es besitzt einen feinen Glanz und ist sehr dicht.
  • Farbpalette: Erlaubt sind einfarbige Töne in Grau (Bleigrau), Schwarz, Blau, Falb oder Hirschrot (Braun). Auch gestromte Exemplare sind häufig zu sehen. Kleine weiße Abzeichen an der Brust und an den Zehenspitzen werden toleriert.
  • Der Gang: Typisch für den Mastino ist ein langsamer, fast bärenhafter Gang. Er wirkt in der Bewegung eher bedächtig, kann aber bei Bedarf eine überraschende Explosivität entwickeln.


Wesen: Ein Fels in der Brandung

Mastino Napoletano - Italienische Dogge Profil

Der Mastino Napoletano: Ein Koloss voller Würde

Das Wesen des Mastino Napoletano ist geprägt von einer erstaunlichen Gelassenheit und Ruhe. Er ist kein Hund, der grundlos bellt oder Nervosität zeigt. Er ist sich seiner physischen Überlegenheit voll bewusst und strahlt ein enormes Selbstbewusstsein aus. In seiner Familie gilt er als absolut treu, anhänglich und kinderlieb, sofern er von klein auf gut sozialisiert wurde.

Sein territorialer Instinkt ist jedoch tief in seinen Genen verankert. Er bewacht sein Revier und seine Menschen mit einer unbestechlichen Ernsthaftigkeit. Fremden gegenüber verhält er sich reserviert und beobachtend. Ein Mastino muss nicht aggressiv sein, um abzuschrecken - seine schiere Präsenz reicht meist aus. Er ist ein intelligenter Hund, der jedoch eine gewisse „molossoide Sturheit“ besitzt und Befehle nur ausführt, wenn er seinen Besitzer als souveräne Führungsperson respektiert.


Haltung: Eine Frage der Verantwortung und des Platzes

Der Mastino Napoletano ist definitiv kein Hund für Anfänger. Seine Haltung erfordert nicht nur physische Kraft, sondern vor allem mentale Stärke und viel Platz. Eine Stadtwohnung im dritten Stock ist für diesen Koloss absolut ungeeignet.

Herausforderungen im Alltag:

  • Platzbedarf: Ein Haus mit einem großen, sicher eingezäunten Grundstück ist ideal. Er braucht einen Ort, an dem er patrouillieren und seine Wächterrolle ausleben kann.
  • Sabber-Faktor: Aufgrund der schweren Lefzen neigt der Mastino stark zum Sabbern, besonders nach dem Trinken oder bei Aufregung. Ein Handtuch sollte stets griffbereit sein.
  • Kosten: Futter, Medikamente (Dosierung nach Gewicht!) und Tierarztkosten sind bei einem 70-kg-Hund ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor.
  • Kraft: Schon ein junger Mastino entwickelt eine enorme Zugkraft. Eine solide Ausbildung zur Leinenführigkeit ist überlebenswichtig, da man diesen Hund im Ernstfall nicht allein über physische Kraft halten kann.


Erziehung: Führung durch Ruhe und Konsequenz

Einen Mastino zu erziehen bedeutet, sein Vertrauen zu gewinnen. Er reagiert sehr sensibel auf die Stimmung seines Besitzers. Harte Erziehungsmethoden oder Gewalt führen bei ihm zu Sturheit oder Misstrauen. Er braucht eine liebevolle, aber absolut konsequente Führung.

Besonders wichtig ist die frühe Sozialisierung. Der Welpe muss so viele positive Kontakte wie möglich mit fremden Menschen, anderen Hunden und verschiedenen Umgebungen knüpfen. Nur so kann sein natürlicher Schutztrieb in kontrollierte Bahnen gelenkt werden. Ein gut erzogener Mastino ist ein sanftmütiger Riese, der seine Kraft niemals missbraucht.


Gesundheit: Die Kehrseite der extremen Optik

Leider hat die Zucht auf extreme Merkmale (sehr viele Falten, extrem hohes Gewicht) der Gesundheit der Rasse nicht immer gutgetan.

  • Hautpflege: Die tiefen Falten müssen regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gereinigt werden, um Entzündungen oder Pilzinfektionen vorzubeugen.
  • Gelenke: Wie alle Riesenrassen neigt der Mastino zu HD (Hüftgelenksdysplasie) und ED (Ellbogendysplasie). Ein langsames Wachstum im Welpenalter ist entscheidend.
  • Augen: Aufgrund der lockeren Haut kommt es häufig zu Lidfehlstellungen (Entropium/Ektropium) oder dem sogenannten „Cherry Eye“.
  • Lebenserwartung: Mit durchschnittlich 8 bis 10 Jahren ist seine Lebenszeit leider begrenzt.


Häufige Fragen (FAQ) zum Mastino Napoletano

Ist der Mastino Napoletano gefährlich?
Er ist ein ernsthafter Wachhund. Bei guter Sozialisierung und Erziehung ist er ein friedlicher Begleiter. In den falschen Händen kann sein Schutztrieb jedoch gefährlich werden.

Braucht er viel Auslauf?
Sein Bewegungsdrang ist moderat. Er ist kein Hund für Marathonläufer, braucht aber tägliche, gemütliche Spaziergänge zur Erhaltung seiner Muskulatur.

Ist er als Familienhund geeignet?
Ja, er ist sehr loyal und sanft zu seinen Familienmitgliedern. Aufgrund seiner Masse sollte er jedoch nicht unbeaufsichtigt mit kleinen Kindern gelassen werden.


Bildergalerie: Mastino Napoletano

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