Keine Kommentare

Bouvier des Flandres: Der sanfte Riese mit dem unerschütterlichen Schutzinstinkt

Bouvier des Flandres stehend

Der Bouvier des Flandres: Kraftvoll und würdevoll

Kurzinfos & Steckbrief

Der Bouvier des Flandres (Flandrischer Treibhund) ist eine imposante Erscheinung, die Kraft, Intelligenz und Gelassenheit in sich vereint. Ursprünglich als unentbehrlicher Helfer der flandrischen Bauern gezüchtet, hat er sich heute weltweit einen Namen als exzellenter Schutz- und Diensthund sowie als loyaler Familienbegleiter gemacht. Sein markanter Bart und seine wetterfeste Statur machen ihn unverkennbar.

  • Herkunftsland: Belgien / Frankreich (Flandern)
  • FCI-Standard: Gruppe 1 (Hüte- und Treibhunde) / Sektion 2 / Nr. 191
  • Größe: Rüden 62-68 cm | Hündinnen 59-65 cm
  • Gewicht: Rüden 35-40 kg | Hündinnen 27-35 kg
  • Besonderheit: Charakteristischer Bart und buschige Augenbrauen; enorme physische Kraft

Geschichte: Vom "Kuhhirten" zum Helden des Weltkriege

Der Name Bouvier stammt vom französischen Wort „boeuf“ (Rind) ab und bedeutet übersetzt schlicht „Kuhhirte“. In den weiten Ebenen Flanderns war er das Mädchen für alles auf den Bauernhöfen: Er trieb das Vieh, bewachte den Hof und wurde sogar als Zughund vor Milch- und Gemüselaster gespannt. Da Schönheit für die Bauern zweitrangig war, selektierten sie ausschließlich auf Arbeitswillen, Robustheit und Intelligenz.

Während des Ersten Weltkriegs wäre die Rasse fast ausgelöscht worden, da Flandern zum Schlachtfeld wurde. Der Bouvier bewährte sich dort jedoch als Melde- und Sanitätshund und rettete zahllosen Soldaten das Leben. Einem belgischen Offizier namens Kapitän Darby ist es zu verdanken, dass die Zucht nach dem Krieg mit den wenigen überlebenden Tieren neu aufgebaut wurde. Heute ist er besonders in den Niederlanden, Belgien und Frankreich ein hochgeschätzter Diensthund bei der Polizei.


Erscheinungsbild: Kompakt, rau und ausdrucksstark

Der Bouvier des Flandres wirkt auf den ersten Blick wie ein Fels in der Brandung. Er ist ein kräftig gebauter, kurzgekoppelter Hund, der den Eindruck von massiver Stärke vermittelt, ohne dabei plump zu wirken.

Die rassetypischen Merkmale:

  • Das Fell: Es ist rauhaarig, spröde und trocken. Mit einer Länge von etwa 6 cm bildet es zusammen mit der dichten Unterwolle einen optimalen Schutz gegen Nässe und Kälte.
  • Das Gesicht: Bart und Augenbrauen sind das Markenzeichen des Bouviers. Sie verleihen ihm einen fast menschlichen, weisen Ausdruck. Die Augenbrauen schützen die Augen vor Dreck und Ästen bei der Arbeit.
  • Farben: Meist Grau-schattiert oder gestromt, oft mit einer Tendenz zum Schwarzen. Ein kleiner weißer Stern auf der Brust wird toleriert.
  • Körperbau: Der Rücken ist kurz und kräftig, die Läufe sind stark bemuskelt. Früher wurden Rute und Ohren oft kupiert, was heute in den meisten europäischen Ländern glücklicherweise verboten ist.


Wesen: Ein Fels in der Brandung

Der Charakter des Bouviers ist geprägt von einer tiefen inneren Ruhe und Ausgeglichenheit. Er ist kein Hund, der grundlos bellt oder nervös reagiert. Er beobachtet seine Umwelt genau und entscheidet souverän, ob eine Situation eine Reaktion erfordert.

Innerhalb seiner Familie ist er außergewöhnlich kinderfreundlich und geduldig. Er liebt den engen Kontakt und sucht sich oft eine spezifische Bezugsperson aus, der er auf Schritt und Tritt folgt. Trotz seiner Anhänglichkeit bewahrt er sich einen gewissen Eigensinn. Er ist kein blinder Befehlsempfänger, sondern ein Hund, der den Sinn einer Aufgabe verstehen möchte. Fremden gegenüber ist er zunächst reserviert und zurückhaltend, zeigt aber sofort seinen kühnen Schutzinstinkt, wenn er seine Liebsten in Gefahr glaubt.


Haltung: Platz für einen Arbeitseifer

Ein Bouvier des Flandres ist kein Hund für eine kleine Stadtwohnung im vierten Stock. Er braucht Raum, idealerweise ein Haus mit einem sicher eingezäunten Garten, den er bewachen darf. Er fühlt sich im Freien wohl, braucht aber für sein seelisches Wohlbefinden den direkten Zugang zum Familienleben.

Ansprüche an den Halter:

  • Auslastung: Wer einen Bouvier privat hält, muss ihm eine Aufgabe geben. Er eignet sich hervorragend für Fährtenarbeit, Schutzsport, Obedience oder als Begleiter beim Wandern und Joggen.
  • Aufmerksamkeit: Er ist ein sehr sozialer Hund. Vernachlässigung oder Isolierung in einem Zwinger quittiert er mit Sturheit und Traurigkeit.
  • Wächterrolle: Sein Instinkt, das Territorium zu bewachen, ist angeboren. Besitzer sollten dies durch klare Regeln kanalisieren können.


Erziehung: Geduld führt zum Ziel

Die Erziehung eines Bouviers benötigt mehr Zeit als beispielsweise die eines Schäferhundes. Er ist ein Spätentwickler und braucht etwa drei Jahre, um geistig voll auszureifen. Konsequenz, Ruhe und viel Geduld sind die Schlüssel zum Erfolg.

Er reagiert sehr empfindlich auf Ungerechtigkeit oder harte Strafen. Ein souveräner Halter, der durch positive Bestärkung führt, wird jedoch einen Partner gewinnen, der im Ernstfall bedingungslos für ihn einsteht. Da er eine Bezugsperson bevorzugt, sollte die gesamte Familie in die Regeln einbezogen werden, damit der "Dickkopf" des Bouviers nicht die Oberhand gewinnt.


Gesundheit und Pflege: Ein robustes Erbe

Der Bouvier gilt als gesundheitlich sehr widerstandsfähig. Seine Lebenserwartung von bis zu 14 Jahren ist für einen Hund dieser Gewichtsklasse überdurchschnittlich.

  • Gelenke: Wie bei allen großen Rassen muss auf Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED) geachtet werden. Im Welpenalter ist moderate Bewegung entscheidend.
  • Fellpflege: Das rauhaarige Fell benötigt Pflege. Es sollte regelmäßig gebürstet werden, um Verfilzungen der Unterwolle zu vermeiden. Etwa drei- bis viermal im Jahr sollte ein professionelles Trimmen oder Scheren erfolgen.
  • Magen: Aufgrund des tiefen Brustkorbs besteht ein Risiko für Magendrehungen. Mehrere kleine Mahlzeiten und Ruhe nach dem Essen sind Pflicht.


Häufige Fragen (FAQ) zum Bouvier des Flandres

Ist der Bouvier für Anfänger geeignet?
Nur für sehr engagierte Anfänger, die bereit sind, eine gute Hundeschule zu besuchen. Sein Eigensinn und seine Kraft erfordern eine souveräne Führung.

Haart ein Bouvier des Flandres viel?
Durch das rauhaarige Fell haart er verhältnismäßig wenig, da tote Haare im Fell hängen bleiben. Regelmäßiges Bürsten ist jedoch notwendig, um das Fell gesund zu halten.

Ist er ein guter Wachhund?
Ja, er ist einer der besten Wachhunde. Sein Schutzinstinkt ist natürlich und muss nicht extra trainiert werden - er sollte jedoch kontrolliert werden.


Bildergalerie: Bouvier des Flandres

Impressionen des flandrischen Treibhundes:

Foto: ©CallallooAlexis/Fotolia

Copyright

Alle Texte auf dieser Webseite (hundeseite.de) sind urheberrechtlich geschützt. Eine Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Nutzung jeglicher Inhalte ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung ausdrücklich untersagt.

Schreibe einen Kommentar