Bracco Italiano: Der aristokratische Vorstehhund mit dem sanften Blick
Kurzinfos & Steckbrief
Der Bracco Italiano, auch als Italienischer Vorstehhund bekannt, ist eine der ältesten Jagdhunderassen Europas. Mit seinem markanten Kopf, den langen Behängen und seinem fast melancholischen Ausdruck wirkt er wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Er ist ein hocheffizienter Jagdgebrauchshund, der durch seine enorme Ausdauer, seinen exzellenten Geruchssinn und sein sanftmütiges, loyales Wesen besticht.
- Herkunftsland: Italien
- FCI-Standard: Gruppe 7 (Vorstehhunde) / Sektion 1 / Nr. 202
- Größe: Rüden 58-67 cm | Hündinnen 55-62 cm
- Gewicht: ca. 25 kg bis 40 kg
- Besonderheit: Einzigartiger, raumgreifender Trab und sehr lange Ohren
Geschichte: Ein Hund der Könige und Medicis
Die Wurzeln des Bracco Italiano lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen, was ihn zu einem der Urväter der Vorstehhunde macht. Bereits im 4. und 5. Jahrhundert v. Chr. gab es Erwähnungen von Hunden, die ihm in Form und Arbeitsweise ähnelten. Seine goldene Ära erlebte der Bracco jedoch während der italienischen Renaissance. Berühmte Familien wie die Medicis und die Gonzagas züchteten diese Hunde und verschenkten sie als kostbare Präsente an europäische Königshäuser.
Ursprünglich wurde er zur Vogeljagd mit Netzen eingesetzt; später passte man seine Fähigkeiten an die Jagd mit Feuerwaffen an. Es bildeten sich zwei Hauptlinien: der leichtere "Bracco aus dem Piemont" und der kräftigere "Bracco aus der Lombardei". Im 20. Jahrhundert wurden beide Schläge im heutigen Rassestandard vereint. Der Bracco Italiano ist heute nicht nur ein Symbol für italienische Jagdtradition, sondern auch ein Beispiel für den Erhalt eines funktionalen und zugleich ästhetischen Kulturguts.
Erscheinungsbild: Skulpturale Ästhetik
Der Bracco Italiano besitzt eine fast statuenhafte Erscheinung. Sein Körperbau ist kräftig und harmonisch, wobei er eine enorme Kraft ausstrahlt, ohne dabei schwerfällig zu wirken. Seine Silhouette ist unverwechselbar.
Fell, Farben und Physiologie:
- Der Kopf: Er ist schmal und lang. Die scharf abgezeichneten Lefzen und die sehr langen, tief angesetzten Ohren verleihen ihm sein charakteristisches Gesicht.
- Das Haarkleid: Das Fell ist kurz, dicht, glatt und glänzend. Es liegt eng am Körper an und betont die darunter liegende Muskulatur.
- Farben:
- Weiß (einfarbig selten)
- Weiß mit orangefarbenen oder braunen Flecken
- Weiß-Orange gesprenkelt (Melato) oder Weiß-Braun gesprenkelt (Roano-Marrone)
- Der Trab: Einzigartig für den Bracco ist sein schneller, raumgreifender Trab. In dieser Gangart kann er stundenlang das Gelände nach Wild absuchen, wobei er den Kopf hoch trägt, um Witterung aus der Luft aufzunehmen.
Wesen: Sensibler Arbeiter mit Tiefgang
Der Bracco Italiano wird oft als sanftmütig, loyal und überdurchschnittlich intelligent beschrieben. Er besitzt ein sehr gutes Auffassungsvermögen und lernt extrem schnell. Im Haus ist er ein ruhiger, fast unauffälliger Zeitgenosse, der die Nähe seiner Menschen sucht und eine sehr enge Bindung zu seinem „Herrchen“ oder „Frauchen“ eingeht.
Als Jagdhund ist er gehorsam, zuverlässig und fügsam. Er möchte seinem Führer gefallen (Will to Please), ist dabei aber sensibler als manch andere Vorstehhunderasse. Härte oder laute Töne verträgt er schlecht - er braucht eine feinfühlige, aber klare Führung. Sein psychisches Gleichgewicht macht ihn zu einem angenehmen Begleiter, der im Einsatz jedoch 100 % Fokus und Leidenschaft zeigt.
Haltung: Jagdpassion trifft Familienanschluss
Man sollte sich keinen Bracco Italiano anschaffen, wenn man lediglich einen Hund für gemütliche Spaziergänge sucht. Er ist durch und durch ein Jagdgebrauchshund. Seine Leidenschaft für die Suche und das Vorstehen liegt ihm im Blut.
Was ein Bracco Italiano benötigt:
- Aufgabe: Idealerweise wird er jagdlich geführt. Alternativ braucht er einen anspruchsvollen Ersatz wie Mantrailing, Fährtenarbeit oder intensive Dummy-Arbeit.
- Bewegung: Er braucht viel Auslauf, am besten in abwechslungsreichem Gelände, wo er seine Nase einsetzen kann.
- Familienleben: Trotz seiner jagdlichen Passion ist er kein Hund für den Zwinger. Er braucht den Kontakt zu seinen Menschen im Haus, um sein sanftes Wesen voll entfalten zu können.
- Platz: Aufgrund seiner Größe und seines Bewegungsdrangs ist ein Haus mit Garten in ländlicher Umgebung die ideale Wohnsituation.
Erziehung: Führung mit Fingerspitzengefühl
Die Erziehung eines Bracco Italiano ist meist sehr erfolgreich, da er sehr kooperativ ist. Da er jedoch ein „Spätentwickler“ ist (er ist oft erst mit drei Jahren geistig voll ausgereift), braucht der Halter Geduld.
Konsequenz ohne Härte ist das Erfolgsgeheimnis. Er reagiert sehr gut auf positive Verstärkung. Da er ein Jagdhund ist, muss von Welpenbeinen an auf den Rückruf geachtet werden, besonders wenn er eine interessante Witterung in der Nase hat. Ein gut sozialisierter Bracco ist gegenüber anderen Hunden und Tieren meist sehr verträglich und souverän.
Gesundheit und Pflege: Robust und pflegeleicht
Der Bracco Italiano gilt als robuste und kraftvolle Rasse. Er ist ein "Gebrauchshund", bei dem die Vitalität im Vordergrund steht.
- Fellpflege: Das kurze Fell ist extrem pflegeleicht. Gelegentliches Bürsten reicht aus, um abgestorbene Haare zu entfernen und den Glanz zu erhalten.
- Ohren: Aufgrund der langen, schweren Hängeohren sollte man diese regelmäßig kontrollieren und reinigen, um Entzündungen durch mangelnde Belüftung vorzubeugen.
- Ektropium/Entropium: Wie bei vielen Rassen mit loser Gesichtshaut können gelegentlich Lidfehlstellungen auftreten.
- Lebenserwartung: Bei guter Pflege erreichen diese Hunde oft ein Alter von 12 bis 14 Jahren.
Häufige Fragen (FAQ) zum Bracco Italiano
Ist der Bracco Italiano als reiner Familienhund geeignet?
Ja, aber nur, wenn er einen adäquaten Ersatz für die Jagd bekommt. Ein unterforderter Bracco kann unglücklich werden oder unerwünschte Verhaltensweisen entwickeln.
Sabbert ein Bracco Italiano?
Aufgrund seiner recht lockeren Lefzen neigt er - besonders nach dem Trinken oder wenn Futter in Sicht ist - durchaus zum Speicheln. Dies sollte man als Liebhaber dieser Rasse gelassen sehen.
Ist er für Anfänger geeignet?
Für engagierte Anfänger, die bereit sind, mit dem Hund jagdlich oder sportlich zu arbeiten und seine Sensibilität verstehen, kann er ein wunderbarer Ersthund sein.
Bildergalerie: Bracco Italiano
Impressionen des edlen Italieners:
Foto: ©katamount/Fotolia









