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Bullterrier: Der charmante „Gladiator“ mit dem Eierkopf

Bullterrier

Der Bullterrier

Kurzinfos & Steckbrief

Der Bullterrier ist ohne Zweifel eine der markantesten Erscheinungen in der Hundewelt. Mit seinem einzigartigen „Downface“ (Eierkopf) und seinem muskulösen, kompakten Körperbau polarisiert er wie kaum eine andere Rasse. Doch hinter der harten Schale verbirgt sich ein extrem sensibler, treuer und oft humorvoller „Clown“, der eine außergewöhnlich enge Bindung zu seinen Menschen aufbaut.

  • Herkunftsland: Großbritannien
  • FCI-Standard: Gruppe 3 (Terrier) / Sektion 3 / Nr. 11
  • Größe: Ca. 40 cm bis 55 cm (keine festen Grenzen, Proportionen entscheidend)
  • Gewicht: Ca. 20 kg bis 35 kg (muss zur Größe passen)
  • Besonderheit: Charakteristisches „Egg-Head“-Profil und schräge Augen

Geschichte und Entstehung: Die Vision von James Hinks

Die Geschichte des modernen Bullterriers ist untrennbar mit dem Namen James Hinks aus Birmingham verbunden. Um 1860 begann er, die damals üblichen „Bull and Terrier“-Kreuzungen (die eher ungeschlacht und grob wirkten) mit dem heute ausgestorbenen White English Terrier und dem Dalmatiner zu veredeln. Sein Ziel war ein „weißer Kavalier“ - ein eleganter, mutiger Hund, der im Ring bestehen konnte, aber gleichzeitig ein vornehmer Begleiter für den Herrn war.

Durch die Einkreuzung des Dalmatiners erhielt die Rasse ihre weiße Farbe und die eleganteren Linien. Später wurden auch Staffordshire Bullterrier eingekreuzt, um wieder mehr Farbe (gestromt, rot) in die Zucht zu bringen. Bis heute erkennt man in der Rasse verschiedene Typen: Manche wirken eher bulldoggenartig schwer (Bully-Typ), andere zeigen die feineren, agileren Züge ihrer Terrier-Ahnen. Seit 2000 wird zudem der Miniature Bullterrier (Schulterhöhe bis 35,5 cm) als eigenständige Rasse geführt.


Erscheinungsbild: Einzigartig und Kraftstrotzend

Das auffälligste Merkmal des Bullterriers ist sein Kopf. Von vorne betrachtet ist er eiförmig und vollständig ausgefüllt, ohne Einbuchtungen oder Absätze. Im Profil zeigt er eine sanfte Kurve vom Oberkopf bis zur Nasenspitze (Downface).

Fell und Farben:

  • Die Augen: Sie sind schmal, schrägliegend und dreieckig, was dem Bullterrier seinen typischen, stechenden und zugleich schelmischen Blick verleiht.
  • Das Haarkleid: Kurz, glatt, hart im Griff und mit einem feinen Glanz. Im Winter kann eine weiche Unterwolle vorhanden sein.
  • Farbvarianten:
    • Reinweiß: Weiße Hunde dürfen Hautpigmentierungen und farbige Abzeichen am Kopf haben.
    • Farbig: Hier muss die jeweilige Farbe (Schwarz gestromt, Rot, Rehbraun oder Tricolor) gegenüber dem Weißanteil vorherrschen.


Wesen: Sensibler Clown mit Dickkopf

Bullterrier weiß stehend

Der Bullterrier: Unverwechselbar in Form und Charakter

Bullterrier werden oft als die „Clowns unter den Hunden“ bezeichnet. Sie besitzen einen ausgeprägten Sinn für Humor und eine unbändige Lebensfreude. Trotz ihres muskulösen Aussehens sind sie im Kern überraschend sensibel. Sie reagieren sehr stark auf die Stimmung ihrer Besitzer und brauchen extrem engen Körperkontakt.

Ein Bullterrier ist temperamentvoll, mutig und eigensinnig. Er besitzt ein gesundes Selbstbewusstsein und hinterfragt gerne den Sinn von Kommandos. Das macht ihn zu einem Partner, der Charakter fordert. Seiner Familie gegenüber ist er unerschütterlich loyal und freundlich. Bei mangelnder Sozialisation kann jedoch der Terrier-typische Eigensinn gegenüber anderen Hunden in Unverträglichkeit umschlagen. Daher ist eine konsequente, aber liebevolle Führung von zentraler Bedeutung.


Haltung: Ansprüche an Mensch und Umwelt

Ein Bullterrier ist kein Hund für die Zwingerhaltung oder für Menschen, die wenig Zeit haben. Er möchte als vollwertiges Mitglied im Haus leben. Aufgrund seiner Energie braucht er viel Bewegung, liebt aber auch ausgiebige Ruhephasen auf dem Sofa - am liebsten direkt auf den Füßen seines Besitzers.

Wichtige Haltungsparameter:

  • Sozialisation: Dies ist das wichtigste Thema beim Bullterrier. Er muss von klein auf lernen, gelassen auf andere Hunde und Tiere zu reagieren.
  • Geistige Auslastung: Da er sehr intelligent ist, langweilt er sich schnell. Suchspiele, Obedience oder Apportiertraining halten ihn bei Laune.
  • Rechtliche Lage: In vielen deutschen Bundesländern wird der (Standard-)Bullterrier als Listenhund (Kategorie 1) geführt. Dies bringt Auflagen wie Leinen- und Maulkorbzwang oder Wesenstests mit sich. Der Miniature Bullterrier ist von diesen Listen meist ausgenommen.


Erziehung: Geduld und Konsequenz

Einen Bullterrier zu erziehen, erfordert Geduld und Kreativität. Mit blindem Gehorsam hat er wenig am Hut. Er braucht einen Besitzer, der souverän führt und ihn motivieren kann. Druck oder gar körperliche Härte führen bei dieser Rasse sofort zur vollständigen Blockade oder Sturheit.

Da Bullterrier körperlich sehr robust sind, merken sie oft nicht, wie viel Kraft sie beim Spielen einsetzen. Ein Abbruchsignal muss daher sicher sitzen. Ein gut erzogener Bullterrier ist ein absolut charmanter Begleiter, der durch seine positive Energie jeden Raum einnimmt.


Gesundheit: Rassetypische Risiken

Wie bei vielen Rassen mit weißem Fell oder spezieller Kopfform gibt es beim Bullterrier einige gesundheitliche Schwachpunkte:

  • Taubheit: Besonders bei reinweißen Hunden sollte auf die Hörfähigkeit (AEP-Test) geachtet werden.
  • Herz- und Nierenerkrankungen: Seriöse Züchter lassen ihre Zuchttiere regelmäßig untersuchen (Herzultraschall/Nierenwerte), da hier eine erbliche Disposition vorliegen kann.
  • Haut und Allergien: Die Rasse neigt gelegentlich zu Hautirritationen oder Futtermittelallergien.
  • Monorchismus: Das Fehlen eines oder beider Hoden im Skrotum kommt gelegentlich vor.
  • Patellaluxation: Besonders beim Miniature Bullterrier ein Thema.


Häufige Fragen (FAQ) zum Bullterrier

Ist der Bullterrier ein Kampfhund?
Historisch gesehen hat die Rasse Wurzeln in den Tierkämpfen des 19. Jahrhunderts. Seit über 100 Jahren wird er jedoch ausschließlich als Begleithund gezüchtet. In vielen Gesetzen wird er dennoch als Listenhund geführt.

Bellt ein Bullterrier viel?
Nein, er gehört eher zu den ruhigeren Zeitgenossen. Wenn er bellt, dann meist aus Freude beim Spielen oder um kurz etwas zu melden.

Wie unterscheidet er sich vom Miniature Bullterrier?
Der Hauptunterschied ist die Größe (Max. 35,5 cm beim Mini). Genetisch sind sie fast identisch, rechtlich wird der Mini in Deutschland jedoch meist wie ein normaler Hund behandelt.


Bildergalerie: Bullterrier

Impressionen des „weißen Kavaliers“:

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4 Gedanken zu „Bullterrier“

  1. Ein Bullterrier war immer mein Wunschhund, leider steht er in Sachsen-Anhalt auf der Rasseliste. Die Bullterrier, die ich kennen lernen konnte, waren sehr freundlich und haben auch viel faxen gemacht. Das hat mir so sehr an dieser Rasse gefallen. Habe mich für einen Boxermischling entschieden, der ist auch sehr lustig. Ein echter Kasperkopf. Dadurch, dass bei ihm schwarzer Labrador mit gemischt hat, ist sein Kopf nicht so eingedrückt. Ein lieber Hund, mit dem ich im Sommer so schön im Wasser toben konnte.

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  2. Liebe Anna
    Wir hatten 20 Jahre lang Bullterrier. Unser Sohn ist mit ihnen aufgewachsen und sie waren ihm die besten Spielkameraden.
    Bullterrier brauchen einen liebevollen Umgang, Familienanschluss und klare Anweisungen. Ich habe sie immer sehr kooperativ und folgsam erlebt. Manchmal mögen sie sich dickköpfig zeigen, dann klappt es eben auf den zweiten Anlauf.
    Auslauf ist eher im unteren Bereich zu sehen. Unsere haben wahnsinnig gerne in der Sonne gedöst, im Ferienhaus Eidechsen gejagt und aus dem Wasser Steine gefischt, weil sie gerne tauchten. Sie waren alle so richtig lustig. Was haben wir mit ihnen Spass gehabt.
    Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass von aussen, also von den Menschen, denen wir begegnet sind beim Spaziergehen zum Beispiel, Anfeindungen kamen. „So ein Kampfhund“….. Da braucht es eine dickes Fell und eine freundliches Antworten.
    Viel Spass mit einem wunderbaren „Bullie“
    Andrea

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    • Also ich kann nur sagen das diese Tiere die unglaublich menschenfreundlich sind und auch grade im umgang mit Kindern sehr einfühlsam.
      Und der Begriff „Kampfhund“ ist für mich mal ein totaler Witz. Mann sollte nicht immer alles glauben was in der Presse und durch gefährliches Halbwissen vermittelt wird. Ich kann mich noch genau an ein Titelbild einer großen Zeitung erinnern die sehr genau über das Thema „Kampfhund“ berichtet hat und dabei nicht einmal wusste wie ein Bullterrier aussieht. Und dieses Gerücht das diese Hunde eine Tonnen Beißkraft haben ist auch totale quatsch! An solche Dimensionen kommt ja grade mal der weiße Hai…
      Wenn man sich wirklich mit diesen Hunden beschäftigt, wird man feststellen das sie die Familienhunde schlecht hin sind. Man muss sich ja nur die Entstehunhgsgeschichte anschauen.

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