Staffordshire Bullterrier: Das Kraftpaket mit dem Herz aus Gold
Kurzinfos & Steckbrief
Der Staffordshire Bullterrier, von Liebhabern weltweit liebevoll „Staffie“ genannt, ist eine der am meisten missverstandenen, aber gleichzeitig loyalsten Hunderassen der Welt. In seiner Heimat Großbritannien zählt er seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Familienhunden und trägt dort stolz den Spitznamen „Nanny Dog“. Dieser bullartige Terrier vereint eine fast athletische Kraft mit einer Sanftmütigkeit gegenüber Menschen, die ihresgleichen sucht. Er ist ein Hund der Extreme: draußen ein unermüdliches Energiebündel, drinnen ein verschmuster Schatten seiner Besitzer. Trotz seiner kompakten Größe ist er ein mutiger Beschützer und ein hochintelligenter Partner für sportliche Menschen.
- Herkunftsland: Großbritannien
- FCI-Standard: Gruppe 3 (Terrier) / Sektion 3 (Bullartige Terrier) / Nr. 76
- Größe: 35,5 cm bis 40,5 cm
- Gewicht: Rüden 12-17 kg | Hündinnen 11-15 kg
- Besonderheit: Extrem hohe Affinität zu Kindern („Nanny Dog“); rechtlich oft als Listenhund geführt
Geschichte: Vom dunklen Erbe zum geliebten Familienmitglied
Die Wurzeln des Staffordshire Bullterriers liegen im frühen 19. Jahrhundert in der englischen Grafschaft Staffordshire. Er entstand aus Kreuzungen zwischen den damals noch deutlich massigeren Bulldoggen und flinken Terriern. Ursprünglich wurde er für die heute zum Glück verbotenen Tierkämpfe gezüchtet. In den engen Arbeitervierteln Englands mussten diese Hunde jedoch nach dem Kampf sofort wieder friedlich in die kinderreichen Familien integriert werden. Aggression gegenüber Menschen bedeutete damals das sofortige Ende der Zuchtlinie.
Diese harte Selektion auf „Menschenfreundlichkeit“ führte dazu, dass der Staffie heute eine fast schon legendäre Geduld gegenüber Kindern besitzt. 1935 wurde die Rasse offiziell vom Kennel Club anerkannt und entwickelte sich schnell vom „Hund der kleinen Leute“ zum geschätzten Ausstellungshund und Begleiter. In Deutschland ist die Geschichte der Rasse jedoch seit den 1990er Jahren von strengen gesetzlichen Regelungen geprägt, die dem Ruf dieses liebevollen Tieres oft nicht gerecht werden.
Erscheinungsbild: Ein Kraftpaket auf kurzen Beinen
Der Staffordshire Bullterrier ist ein glatthäutiger, gut proportionierter Hund von großer Stärke für seine Größe. Sein Körperbau ist muskulös, aktiv und beweglich.
Fell, Farben und Physiologie:
- Der markante Kopf: Kurzer Kopf mit tiefer, breiter Schnauze und sehr ausgeprägten Kiefermuskeln (Wangenmuskulatur). Die dunklen Augen blicken wachsam und freundlich.
- Farbvariationen: Rot, Falb, Weiß, Schwarz oder Blau. Jede dieser Farben kann auch mit Weiß kombiniert auftreten. Zudem ist Gestromt (Brindle) in allen Schattierungen, auch mit Weiß, sehr verbreitet und beliebt.
- Das Haarkleid: Das Fell ist glatt, kurz und dicht. Es liegt fest am Körper an und ist extrem pflegeleicht. Es bietet jedoch wenig Schutz gegen extreme Kälte oder Hitze.
- Die Silhouette: Der Staffie wirkt „bullig“, sollte aber niemals schwerfällig sein. Er ist ein kompakter Kraftsportler.
Wesen: Ein sensibles Energiebündel
Das Wesen des Staffies ist geprägt von Mut, Hartnäckigkeit und einer unerschütterlichen Menschenliebe. Er gilt als sehr zuverlässig und freundlich gegenüber seinen Bezugspersonen. Sein Bedürfnis nach engem Körperkontakt ist fast schon legendär - ein Staffie liegt am liebsten direkt auf den Füßen oder dem Schoß seiner Besitzer.
Er ist hochintelligent und lernfähig, zeigt aber auch den typischen Terrier-Eigensinn. In unbekannten Situationen ist er mutig, aber nicht aggressiv. Ein gut sozialisierter Staffie begegnet der Welt mit Neugierde und einem „Lächeln“. Seine Reizschwelle gegenüber Menschen ist enorm hoch, was ihn zu einem fantastischen Begleiter macht, sofern er geistig und körperlich ausgelastet ist. Ohne Aufgabe kann sein Tatendrang jedoch in zerstörerische Energie umschlagen.

Aufmerksam und treu: Der typische Blick des Staffies
Haltung: Aktivität und Verantwortung
Der Staffordshire Bullterrier ist ein anpassungsfähiger Allrounder. Er kann problemlos in einer Stadtwohnung leben, sofern seine Besitzer bereit sind, mehrmals am Tag aktiv mit ihm zu arbeiten. Er ist kein Hund für Menschen, die Ruhe suchen, sondern für solche, die Action lieben.
Wichtige Aspekte der Haltung:
- Auslastung: Er braucht Bewegung für den Körper und Arbeit für den Kopf. Apportierspiele, Agility, Unterordnung oder die Ausbildung zum Rettungshund liegen ihm sehr.
- Rechtliche Lage: In Deutschland unterliegt der Staffie dem Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz. Er darf nicht importiert werden. In fast allen Bundesländern gilt er als „Listenhund“ (Kategorie 1), was Wesenstige, Leinen- und Maulkorbpflicht sowie erhöhte Steuern bedeuten kann.
- Sozialkontakt: Er braucht engen Familienanschluss. Zwingerhaltung ist für diesen sozialen Hund absolut grausam und charakterzerstörend.
- Andere Hunde: Während er Menschen liebt, kann er gegenüber anderen Hunden - besonders bei schlechter Sozialisierung - dominant auftreten. Eine konsequente Erziehung ist hier Pflicht.
Erziehung: Konsequenz mit viel Liebe
Die Erziehung eines Staffordshire Bullterriers macht Freude, da er sehr schnell lernt und seinem Besitzer gefallen möchte (Will-to-please). Er braucht jedoch von Welpenbeinen an eine klare Führung. Wer einem Staffie einmal nachgibt, wird lange brauchen, um diesen Punkt wieder zu korrigieren.
Härte ist bei diesem sensiblen Kraftpaket völlig fehl am Platz. Er reagiert am besten auf positive Verstärkung, Spiel und Lob. Eine frühe Sozialisierung ist der wichtigste Baustein: Der Welpe sollte so viele freundliche Hunde wie möglich kennenlernen, um später entspannt durch den Alltag zu gehen. Ein gut erzogener Staffie ist ein Musterschüler, der oft auch die Begleithundeprüfung mit Leichtigkeit besteht.
Gesundheit: Robustheit mit kleinen Schwächen
Der Staffie ist grundsätzlich ein sehr robuster und gesunder Hund. Dennoch gibt es rassetypische Erkrankungen, auf die seriöse Züchter testen:
- L-2-HGA: Eine Stoffwechselerkrankung des Gehirns. Seriöse Züchter verpaaren nur Hunde, die nachweislich frei von diesem Gen sind.
- Katarakt (HC): Eine erbliche Form des Grauen Stars. Auch hierfür gibt es Gentests.
- Patellaluxation: Wie bei vielen kleineren, muskulösen Hunden kann die Kniescheibe Probleme machen.
- Hautprobleme: Gelegentlich neigen sie zu Allergien oder Demodex-Milben, was oft mit dem Immunsystem zusammenhängt.
- Lebenserwartung: Ein gesunder Staffie wird meist zwischen 12 und 14 Jahre alt.
Häufige Fragen (FAQ) zum Staffie
Darf ich einen Staffordshire Bullterrier in Deutschland halten?
Ja, unter strengen Auflagen. Die Einfuhr aus dem Ausland ist verboten. Man muss oft ein berechtigtes Interesse nachweisen, einen Sachkundenachweis erbringen und der Hund muss meist einen Wesenstest bestehen.
Ist er wirklich ein Kampfhund?
Historisch wurde er für Kämpfe genutzt, heute ist er ein reiner Begleithund. Sein Wesen gegenüber Menschen ist außergewöhnlich sanft. Der Begriff „Kampfhund“ ist eine rechtliche Kategorie, keine biologische Beschreibung seines Charakters.
Braucht er viel Pflege?
Nein, das kurze Fell ist extrem anspruchslos. Einmal wöchentliches Bürsten reicht völlig aus. Er ist ein sehr sauberer Hund.
Bildergalerie: Staffordshire Bullterrier
Entdecken Sie die Power und Sanftmut des englischen Terriers:









