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Bullmastiff: Der sanftmütige Wächter mit dem Herz aus Gold

Der Bullmastiff: Kraftvoll, wachsam und loyal

Der Bullmastiff

Kurzinfos & Steckbrief

Der Bullmastiff ist ein imposantes Kraftpaket aus Großbritannien, das ursprünglich als „Gamekeeper’s Night Dog“ (Nachtwächterhund der Förster) weltberühmt wurde. Er vereint die Masse des Mastiffs mit der Agilität und dem Feuer der Bulldogge. Trotz seines wehrhaften Aussehens ist er heute vor allem als sanftmütiger, loyaler und nervenstarker Familienhund bekannt.

  • Herkunftsland: Großbritannien
  • FCI-Standard: Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer, Molossoide) / Sektion 2.2 / Nr. 157
  • Größe: Rüden 63,5-68,5 cm | Hündinnen 61-66 cm
  • Gewicht: Rüden bis 59 kg | Hündinnen bis ca. 50 kg
  • Besonderheit: Hohe Reizschwelle und enorme Nervenstärke

Geschichte: Der stille Wächter der englischen Wälder

Die Geschichte des Bullmastiffs ist eng mit dem England des 19. Jahrhunderts verknüpft. Damals hatten Förster und Landbesitzer massiv mit Wilderern zu kämpfen. Sie benötigten einen Hund, der schnell genug war, um einen Menschen einzuholen, kräftig genug, um ihn zu stellen, aber - und das war entscheidend - nicht so aggressiv, dass er den Wilderer zerfleischte. Der Hund sollte den Eindringling lediglich fixieren, bis der Förster eintraf.

Man kreuzte den massigen, aber eher langsamen Mastiff (60 %) mit der mutigen, bissigen und agilen Bulldogge (40 % - wohlgemerkt die damalige, sportlichere Arbeits-Bulldogge). Das Ergebnis war der perfekte Schutzhund für die Nacht. Der Bullmastiff lernte, lautlos zu arbeiten und den Gegner mit seinem Körpergewicht zu Boden zu drücken. Erst 1924 wurde er vom britischen Kennel Club offiziell als Rasse anerkannt. Seinen Job als Jagdhüter hat er heute längst gegen einen Platz auf dem Familiensofa eingetauscht.


Erscheinungsbild: Kompakt, muskulös und ausdrucksstark

Ein Bullmastiff wirkt wie ein massiver Fels. Sein Körperbau ist quadratisch und zeigt eine enorme Substanz, ohne dabei jedoch plump oder unbeweglich zu wirken. Sein breiter Schädel mit der markanten schwarzen Maske verleiht ihm einen ernsten, aber gütigen Ausdruck.

Fell, Farben und Maske:

  • Das Haarkleid: Das Fell ist kurz, hart und wetterbeständig. Es liegt glatt am Körper an und ist extrem pflegeleicht.
  • Farbvariationen: Erlaubt sind alle Nuancen von Gestromt (Brindle), Rehbraun (Fawn) oder Rot.
  • Die Maske: Unverzichtbar für den Standard ist die schwarze Maske an Fang und Augen, die den markanten Kopf betont. Ein kleines weißes Abzeichen an der Brust wird toleriert, ist aber nicht das Ziel der Zucht.
  • Körperbau: Tiefe Brust, muskulöse Schultern und ein gerader, kräftiger Rücken kennzeichnen den „Kraftsportler“ unter den Hunden.


Wesen: Ein Fels in der Brandung

Bullmastiff Portrait

Der Bullmastiff: Kraftvoll, wachsam und loyal

Hinter der beeindruckenden Muskulatur verbirgt sich ein extrem loyaler und anhänglicher Charakter. Der Bullmastiff ist bekannt für seine hohe Reizschwelle. Ihn bringt so schnell nichts aus der Fassung. Er beobachtet seine Umwelt genau und entscheidet souverän, ob eine Situation eine Reaktion erfordert.

Sanftmut gegenüber Kindern: Innerhalb der Familie gilt er als absolut geduldig und kinderlieb. Er lässt sich von tobenden Kindern kaum beeindrucken und agiert oft als sanfter „Aufpasser“. Im Haus verhält er sich erstaunlich ruhig und unaufdringlich, während er im Freien eine lebhafte und spielfreudige Seite zeigen kann.

Wachsamkeit: Sein Schutzinstinkt ist angeboren. Er verteidigt Haus und Hof zuverlässig, ohne dabei ein Kläffer zu sein. Wenn ein Bullmastiff anschlägt, hat er meist einen sehr guten Grund dafür.


Haltung: Platz und Struktur

Obwohl der Bullmastiff im Haus ruhig ist, benötigt er aufgrund seiner schieren Größe ausreichend Platz. Eine kleine Stadtwohnung im vierten Stock ohne Aufzug ist für seine Gelenke absolut ungeeignet.

Was bei der Haltung wichtig ist:

  • Sozialisierung: Aufgrund seiner Kraft und seines Schutzinstinkts ist eine frühe und umfassende Sozialisierung (Welpenschule, Kontakt zu vielen Menschen und Hunden) lebensnotwendig.
  • Bewegungsdrang: Sein Drang nach Bewegung ist eher mäßig. Er liebt regelmäßige, gemütliche Spaziergänge, ist aber kein Partner für Marathontraining oder exzessiven Hundesport bei Hitze.
  • Rechtliches: In einigen deutschen Bundesländern wird der Bullmastiff als Listenhund (Kategorie 2) geführt. Halter müssen hier oft einen Wesenstest oder Sachkundenachweis erbringen.


Erziehung: Souveränität statt Härte

Ein Bullmastiff braucht eine klare, konsequente Führung. Da er sehr intelligent ist, merkt er sofort, wenn sein Besitzer unsicher ist. Er reagiert jedoch sehr sensibel auf Druck oder Härte - mit lautem Anschreien erreicht man bei diesem Hund nur Sturheit.

Die Erziehung sollte auf positiver Verstärkung und gegenseitigem Vertrauen basieren. Ein gut erzogener Bullmastiff ist ein absolut verlässlicher Begleiter, der sich durch seine Nervenstärke auszeichnet. Man sollte jedoch immer im Hinterkopf behalten, dass man am Ende einer Leine 60 kg Kraft führt - Leinenführigkeit ist daher das A und O von Anfang an.


Gesundheit: Worauf man achten muss

Wie bei vielen großen und schweren Rassen gibt es gesundheitliche Schwachstellen, die man als Halter kennen sollte:

  • Gelenke: Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED) sind Themen, die durch eine gute Zuchtwahl und moderates Wachstum im Welpenalter kontrolliert werden müssen.
  • Magendrehung: Eine akute Lebensgefahr für große Hunde. Füttern Sie lieber mehrere kleine Portionen am Tag und achten Sie auf strikte Ruhe nach dem Essen.
  • Augen: Gelegentlich treten Lidfehlstellungen wie Ektropium (Hängelid) oder Entropium (Roll-Lid) auf.
  • Kreuzbandriss: Aufgrund der hohen körperlichen Masse können Bänderverletzungen bei abrupten Bewegungen vorkommen.
  • Lebenserwartung: Leider liegt diese bei großen Molossern oft nur zwischen 8 und 10 Jahren.


Häufige Fragen (FAQ) zum Bullmastiff

Ist der Bullmastiff ein Kampfhund?
Nein, historisch gesehen war er ein Schutzhund für Förster. Da er jedoch kräftig ist, steht er in einigen Bundesländern auf der Liste potenziell gefährlicher Hunde. Sein Wesen ist jedoch bei guter Führung friedfertig und loyal.

Sabbert ein Bullmastiff viel?
Wie bei vielen Hunden mit lockeren Lefzen kann es nach dem Trinken oder bei Vorfreude auf Futter durchaus zum Sabbern kommen. Im Vergleich zu einer Englischen Dogge hält es sich jedoch meist im Rahmen.

Ist er für Anfänger geeignet?
Bedingt. Er ist zwar sanftmütig, aber seine schiere Kraft erfordert Menschen, die wissen, wie man einen Hund souverän führt und von klein auf konsequent sozialisiert.


Bildergalerie: Bullmastiff

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