Cão Fila de São Miguel: Der unerschrockene Rindertreiber der Azoren
Kurzinfos & Steckbrief
Der Cão Fila de São Miguel (FSM) ist ein Kraftpaket vom Atlantik. Beheimatet auf der Azoreninsel São Miguel, wurde dieser Hund für eine der härtesten Aufgaben der Landwirtschaft gezüchtet: das Treiben von halbwüchsigem Milchvieh unter rauen Bedingungen. Er ist ein Hund für Kenner - intelligent, unbestechlich und von einer Loyalität geprägt, die ihresgleichen sucht. In Deutschland noch immer eine Rarität, fasziniert er durch seine ursprüngliche Art und seine markante Gestromung.
- Herkunftsland: Portugal (Azoren)
- FCI-Standard: Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer - Molosser) / Sektion 2.1 / Nr. 340
- Größe: Rüden 50-60 cm | Hündinnen 48-58 cm
- Gewicht: Rüden 25-35 kg | Hündinnen 20-30 kg
- Besonderheit: Instinktiver "Tiefbeißer" beim Treiben; charakteristische runde Ohren (oft historisch kupiert)
Geschichte: Der "Cowboy" der Atlantikinseln
Die Geschichte des Cão Fila de São Miguel ist untrennbar mit der Viehwirtschaft auf den Azoren verbunden. Seit dem 15. Jahrhundert dienten diese Hunde den dortigen Bauern als unverzichtbare Helfer. In der Isolation der Inseln entwickelte sich ein Hundetyp, der Elemente von molossoiden Hunden (die mit den Siedlern kamen) und den lokalen Hütehunden vereinte.
Auf São Miguel mussten die Hunde das Vieh nicht nur treiben, sondern die Herden auf den weitläufigen Weiden auch gegen Diebe und Raubtiere verteidigen. Dies prägte ihren Schutztrieb und ihr gesundes Misstrauen gegenüber Fremden. Traditionell wurden die Ohren der Hunde rund kupiert, um sie bei Kämpfen mit wehrhaftem Vieh vor Verletzungen zu schützen - ein Merkmal, das heute in vielen europäischen Ländern verboten ist, aber im Ursprungsland noch zum typischen Erscheinungsbild gehört.
Erscheinungsbild: Kompakte Kraft im gestromten Gewand
Der Fila de São Miguel ist ein mittelgroßer, robuster Hund, der mehr Kraft ausstrahlt, als seine Maße vermuten lassen. Er ist muskulös, ohne massig zu wirken, und zeigt eine enorme Beweglichkeit.
Fellbeschaffenheit und Farben:
- Struktur: Das Fell ist kurz, glatt und dicht. Es fühlt sich eher rau an. Besonders charakteristisch ist die leichte Fransung am Rutenansatz und an den Rückseiten der Schenkel.
- Farben: Die Rasse ist immer gestromt. Die Grundfarben variieren von Falb über Sandfarben (Grau) bis hin zu verschiedenen Gelbtönen (hell bis dunkel). Weiße Abzeichen an der Stirn, der Brust oder den Pfoten sind häufig und zulässig.
- Die Rute: Sie ist hoch angesetzt und kräftig. Bei arbeitenden Hunden auf den Azoren wird sie oft kurz kupiert, was in Deutschland jedoch untersagt ist.
Wesen: Intelligent, wachsam und oft missverstanden
Der Cão Fila de São Miguel ist ein Hund mit ausgeprägtem Temperament. Er gilt fälschlicherweise oft als aggressiv - ein Ruf, der seiner Geschichte als unbestechlicher Wächter geschuldet ist. Tatsächlich ist kein Fila von Geburt an aggressiv; sein Verhalten ist das Ergebnis von Erziehung und Umwelt.
Die Arbeitsweise: Als Treiber von Milchvieh hat er eine faszinierende Technik entwickelt: Er beißt instinktiv tief in die Fesseln der Tiere, um das empfindliche Euter nicht zu verletzen. Flieht ein Tier jedoch, springt er instinktiv höher. Diese hohe Intelligenz und Aufnahmefähigkeit machen ihn zu einem exzellenten Arbeitshund, der blitzschnell auf Situationen reagiert.
Innerhalb seiner Familie ist er treu und lässt sich gut führen. Er baut eine sehr enge Bindung zu seinem Besitzer auf. Fremden gegenüber bleibt er jedoch rassetypisch misstrauisch. Er braucht die Bestätigung seiner Familie, dass ein Fremder keine Gefahr darstellt, um in einen neutralen Modus zu wechseln.
Erziehung: Sozialisierung als Fundament
Für den Fila de São Miguel ist eine intensive Sozialisierung im Welpenalter der absolute Schlüssel zu einem problemlosen Leben in der Gesellschaft. Wenn er früh lernt, dass andere Menschen und Hunde keine Bedrohung sind, bleibt er lebenslang sozial und neutral.
Herausforderungen in der Ausbildung:
- Schutztrieb: Sein instinktiver Schutztrieb ist stark. Halter müssen lernen, diesen Schalter von Anfang an zu kontrollieren.
- Konsequenz: Er braucht eine klare Führung. Aufgrund seiner Intelligenz erkennt er Schwächen in der Hierarchie sofort und übernimmt im Zweifelsfall selbst die Entscheidungsgewalt.
- Beschäftigung: Ein unterforderter Fila wird sich eigene Aufgaben suchen. Agility, Obedience oder Fährtenarbeit sind hervorragende Möglichkeiten, seinen Arbeitseifer in positive Bahnen zu lenken.
Haltung: Kein Hund für bequeme Menschen
Der Fila de São Miguel ist ein Gebrauchshund durch und durch. Er ist zwar familientauglich, braucht aber "Arbeit" und viel Bewegung. Er ist kein Hund für die reine Wohnungshaltung in der Großstadt ohne entsprechende Auslastung.
Was ein Halter bieten sollte:
- Platz: Ein Haus mit einem sicher eingezäunten Garten ist ideal. Er liebt es, sein Territorium zu beobachten.
- Aktivität: Tägliche mentale und körperliche Forderung ist Pflicht. Er ist ein toller Partner für sportliche Menschen.
- Erfahrung: Aufgrund seines Schutztriebs und seines Misstrauens ist er nur bedingt für Anfänger geeignet. Man sollte die Körpersprache von Hüte- und Treibhunden lesen können.
Gesundheit und Pflege: Robust wie die Azorenküste
Die Rasse gilt als extrem robust und wenig anfällig für Krankheiten.
- Fellpflege: Das kurze Fell ist sehr pflegeleicht. Gelegentliches Bürsten reicht aus, um abgestorbene Haare zu entfernen.
- Witterung: Er ist unempfindlich gegenüber Wind und Wetter. Sein dichtes, raues Fell bietet guten Schutz.
- HD/ED: Wie bei allen mittelgroßen bis großen Arbeitsrassen sollte bei der Zuchtwahl auf die Gelenkgesundheit (Hüftgelenks- und Ellbogendysplasie) geachtet werden.
Häufige Fragen (FAQ) zum Fila de São Miguel
Ist der Fila de São Miguel ein Kampfhund?
Nein. Er ist ein klassischer Treib- und Hirtenhund. Er steht in den meisten deutschen Bundesländern nicht auf der Rasseliste, erfordert aber aufgrund seiner Kraft und Wachsamkeit eine verantwortungsbewusste Führung.
Warum beißt er beim Treiben tief?
Dies ist eine spezialisierte Eigenschaft, um Rinder zu treiben, ohne das wertvolle Euter der Milchkühe zu verletzen. Er fixiert sich instinktiv auf die Fesseln der Tiere.
Wie verträgt er sich mit anderen Hunden?
Bei guter Sozialisierung ist er neutral. Ohne diese kann er aufgrund seines territorialen Wesens gegenüber fremden Hunden sehr dominant auftreten.
Bildergalerie: Cão Fila de São Miguel
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