Field Spaniel: Der edle und seltene Aristokrat unter den Stöberhunden

Field Spaniel: Sanftmütig und tüchtig
Kurzinfos & Steckbrief
Der Field Spaniel ist eine der seltensten und exklusivsten Spaniel-Rassen der Welt. Ursprünglich als schwerere und längere Variante des Cocker Spaniels gezüchtet, besticht er heute durch eine harmonische Mischung aus Eleganz, Ausdauer und einem unvergleichlich sanftmütigen Wesen. Er ist ein spezialisierter Jagdgebrauchshund, der für seine feine Nase und seinen Arbeitseifer im dichten Unterholz geschätzt wird, sich aber im privaten Umfeld als äußerst feinfühliger und loyaler Gefährte zeigt.
- Herkunftsland: Großbritannien
- FCI-Standard: Gruppe 8 (Apportier-, Stöber- und Wasserhunde) / Sektion 2 / Nr. 123
- Größe: ca. 45 cm Schulterhöhe
- Gewicht: ca. 18 kg bis 25 kg
- Besonderheit: Beinahe ausgestorben; bekannt für seinen edlen, „nachdenklichen“ Ausdruck
Geschichte: Von der Show-Übertreibung zur Wiedergeburt
Die Geschichte des Field Spaniels ist eine Mahnung an die Hundezucht. Im späten 19. Jahrhundert wurde die Rasse aus dem Cocker Spaniel entwickelt, mit dem Ziel, einen größeren und kräftigeren Jagdhund zu schaffen. Leider verfielen die damaligen Züchter dem Extremismus: Sie züchteten Hunde, die extrem langgestreckt und so kurzbeinig waren, dass sie für die tatsächliche Jagdarbeit kaum noch zu gebrauchen waren. Dies führte dazu, dass die Rasse fast völlig von der Bildfläche verschwand.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Field Spaniel vor dem endgültigen Aus. Nur durch die Bemühungen weniger engagierter Liebhaber und die gezielte Einkreuzung von English Springer Spaniels konnte die Rasse gerettet und physisch wieder „gesundgezüchtet“ werden. Der moderne Field Spaniel ist heute ein quadratisch-kompakter, funktionaler Jagdhund, der die besten Eigenschaften seiner Vorfahren in sich vereint. Trotz seiner Qualitäten bleibt er eine Rarität, die oft im Schatten seiner berühmteren Cousins steht.
Erscheinungsbild: Edle Linien und seidiges Haar
Der Field Spaniel wirkt edel und gut proportioniert. Er strahlt eine natürliche Würde aus, die durch seinen langen, trockenen Kopf und seine tief angesetzten, befederten Ohren unterstrichen wird. Sein Körperbau ist kräftig und auf Ausdauer ausgelegt.
Fell, Farben und Strukturen:
- Das Haarkleid: Das Fell ist eines seiner schönsten Merkmale. Es ist lang, glatt, seidig und glänzend. Es darf niemals lockig, kurz oder drahtig sein. Eine dichte Unterwolle macht den Hund wetterfest und schützt ihn bei der Arbeit im Wasser oder im nasskalten Gebüsch.
- Die Farben: Zulässig sind Schwarz, Leberbraun (ein sattes Dunkelbraun) oder geschimmelt. All diese Farben können mit Loh-Zeichnungen (Tan-Abzeichen) vorkommen. Wichtig für den Standard: Klassische schwarz-weiße oder braun-weiße Scheckungen, wie man sie vom Springer Spaniel kennt, sind beim Field Spaniel nicht erlaubt.
- Die Befederung: An der Brust, unter dem Bauch und an den Rückseiten der Läufe ist das Haar länger und bildet eine elegante Befederung.
Wesen: Der feinfühlige Charakterkopf
Der Field Spaniel gilt als gelehrig, lebhaft und ausgesprochen feinfühlig. Er ist kein Hund für ein lautes oder hektisches Umfeld. Innerhalb seiner Familie zeigt er sich als anhänglicher und treuer Begleiter, der eine sehr enge Bindung zu seinen Bezugspersonen aufbaut. Er besitzt ein spürbares Bedürfnis nach Harmonie.
Bei der Arbeit verwandelt sich der sanfte Hausgenosse in einen selbstständigen, tüchtigen und ausdauernden Jäger. Er stöbert mit großer Leidenschaft und bringt eine natürliche Ruhe in die Suche ein, die ihn von dem oft quirligeren Cocker Spaniel unterscheidet. Er denkt mit und arbeitet kooperativ mit seinem Führer zusammen, braucht aber aufgrund seiner Sensibilität eine sanfte, aber konsequente Anleitung.
Haltung: Ein Naturbursche für das Landleben
Ein Field Spaniel ist kein Hund für die Stadt. Seine Wurzeln liegen in der freien Natur, und er braucht den täglichen Kontakt zu Wald und Flur. Eine Haltung in einer Stadtwohnung ohne Garten oder ohne direkten Zugang zu weiten Auslaufflächen würde seinem Bewegungsdrang nicht gerecht werden.
Was ein Field Spaniel-Besitzer bieten sollte:
- Bewegung: Er braucht täglich viel Auslauf. Ausgedehnte Spaziergänge, bei denen er schnüffeln und die Umwelt erkunden darf, sind essenziell.
- Geistige Auslastung: Als intelligenter Stöberhund liebt er Nasenarbeit. Mantrailing, Fährtenarbeit oder Dummy-Training sind ideale Möglichkeiten, ihn auch außerhalb der Jagd zu fördern.
- Sozialer Anschluss: Er hasst es, isoliert zu sein. Er möchte ein vollwertiges Mitglied der Familie sein und am Alltag teilhaben.
- Wetterfestigkeit: Dank seines Fells macht ihm Regen oder Kälte wenig aus - er ist ein echter Naturbursche.
Erziehung: Mit Sanftmut zum Erfolg
Die Erziehung eines Field Spaniels erfordert eine ruhige und geduldige Hand. Härte oder laute Kommandos schüchtern diesen sensiblen Hund lediglich ein und führen dazu, dass er sich verschließt. Er reagiert hervorragend auf positive Verstärkung, Lob und Leckerlis.
Da er ein selbstständiger Jäger ist, sollte besonderes Augenmerk auf den Rückruf gelegt werden. Wenn er eine interessante Fährte in der Nase hat, kann sein Fokus sehr stark werden. Eine frühe Sozialisierung ist wichtig, damit er seine natürliche Zurückhaltung gegenüber Fremden nicht in Unsicherheit wandelt. Ein gut erzogener Field Spaniel ist ein Muster an Gehorsam und ein unaufdringlicher Begleiter.
Gesundheit und Pflege: Seide braucht Aufmerksamkeit
Der Field Spaniel ist eine robuste Rasse, die bei guter Pflege ein Alter von 10 bis 12 Jahren (gelegentlich auch älter) erreicht.
- Fellpflege: Das lange, seidige Fell neigt zu Verfilzungen, besonders in den befederten Bereichen. Tägliches Bürsten ist ratsam, um Schmutz und Kletten nach Spaziergängen zu entfernen.
- Ohrenpflege: Wie bei allen Spaniels sind die langen Schlappohren ein potenzieller Herd für Entzündungen. Sie sollten regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden.
- Rassetypische Themen: Aufgrund des kleinen Genpools achten verantwortungsvolle Züchter besonders auf die Vermeidung von HD (Hüftgelenksdysplasie) und Augenerkrankungen.
Häufige Fragen (FAQ) zum Field Spaniel
Wie unterscheidet sich der Field Spaniel vom Cocker Spaniel?
Der Field Spaniel ist etwas größer, schwerer und wirkt in seinem ganzen Wesen gesetzter und ruhiger. Er ist seltener und hat eine edlere, weniger "kindliche" Ausstrahlung als der Cocker.
Ist er als Familienhund geeignet?
Ja, er ist ein hervorragender Familienhund für aktive Menschen. Er ist geduldig und freundlich, braucht aber unbedingt eine Aufgabe für seine Nase.
Gibt es ihn auch in Weiß?
Nein, reine Weißanteile sind nur als kleine Flecken an der Brust erlaubt. Schecken in Schwarz-Weiß oder Braun-Weiß sind beim Field Spaniel laut Standard nicht zugelassen.
Bildergalerie: Field Spaniel
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