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Sussex Spaniel: Der gemütliche Gentleman mit der goldenen Nase

Sussex Spaniel - seltener britischer Stöberhund

Der Sussex Spaniel: Einzigartig in Farbe und Charakter

Kurzinfos & Steckbrief

Der Sussex Spaniel ist eine der seltensten und charaktervollsten Spaniel-Rassen der Welt. Mit seinem tiefgelegten Körperbau, dem massiven Kopf und seinem unverwechselbaren, golden glänzenden Fell wirkt er wie ein gemütlicher Professor unter den Jagdhunden. Doch der Schein trügt: Wenn dieser Spaniel eine Fährte aufnimmt, erwacht in ihm ein leidenschaftlicher Stöberhund, der mit tiefer Nase und wedelnder Rute jedes Dickicht durchkämmt. Er ist der einzige Spaniel, der bei der Jagd „gibt Laut“, also seine Funde bellend anzeigt. Heute ist er vor allem ein loyaler, ruhiger Begleiter für Menschen, die Entschleunigung suchen, aber dennoch gerne aktiv in der Natur unterwegs sind. Ein echter britischer Klassiker, der fast in Vergessenheit geraten wäre.

  • Herkunftsland: Großbritannien
  • FCI-Standard: Gruppe 8 (Apportier-, Stöber- und Wasserhunde) / Sektion 2 / Nr. 127
  • Größe: 38 cm bis 41 cm
  • Gewicht: ca. 18 kg bis 23 kg
  • Besonderheit: Einzige Farbe: Goldleberfarben; bellt beim Stöbern

Geschichte: Die Entstehung in der Grafschaft Sussex

Die Geschichte des Sussex Spaniels ist eng mit einem Namen verbunden: Mr. Fuller von Rosehill Park in Sussex. Er begann gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit der Zucht eines Spaniels, der speziell für die Jagd im dichten Unterholz Südenglands geeignet sein sollte. Die Hunde mussten kräftig genug sein, um sich durch dorniges Gestrüpp zu arbeiten, und gleichzeitig so gebaut, dass der Jäger ihnen zu Fuß folgen konnte - im Gegensatz zu den schnelleren Springern oder Settern.

Besonders bemerkenswert ist, dass der Sussex Spaniel während des Zweiten Weltkriegs fast ausgestorben wäre. Es wird berichtet, dass der Bestand auf nur noch sieben Tiere schrumpfte. Dank der engagierten Züchterin Joy Freer konnte die Rasse gerettet werden. Alle heute lebenden Sussex Spaniels lassen sich auf diese kleine Gruppe von Überlebenden zurückführen. Trotz seiner Rettung bleibt er eine „vulnerable native breed“ (eine gefährdete heimische Rasse) und ist selbst in seiner Heimat England seltener zu sehen als viele exotische Rassen.


Erscheinungsbild: Kompakte Kraft und seidiger Glanz

Der Sussex Spaniel unterscheidet sich optisch deutlich von seinen Verwandten. Er ist niedriger gebaut als der Field Spaniel und massiger als der Cocker Spaniel. Seine Silhouette wirkt kraftvoll und bodennah.

Fell, Farbe und Physiologie:

  • Die Farbe: Dies ist sein Markenzeichen. Der Standard schreibt ein sattes Goldleberfarben vor. Das Besondere ist der goldene Schimmer an den Haarspitzen, der dem Hund ein leuchtendes Aussehen verleiht. Andere Farben sind nicht zugelassen.
  • Das Haarkleid: Das Fell ist mittellang, reichlich vorhanden und von seidiger Textur. Es ist entweder glatt oder leicht gewellt. Eine dichte Unterwolle schützt ihn vor Feuchtigkeit und Dornen. Besonders üppig ist die Befransung an den Ohren, der Brust und den Läufen.
  • Der Körperbau: Er ist „tiefgelegt“ mit einem breiten Brustkorb und starken Knochen. Sein Kopf ist massiv mit einem ausgeprägten Stop und langen, tief angesetzten Hängeohren.
  • Der Gang: Typisch für den Sussex ist ein rollender Gang, der durch den breiten Brustkorb und die kurzen Beine entsteht - oft als „Sussex-Roll“ bezeichnet.


Wesen: Der sanfte Sturkopf mit der feinen Nase

Das Wesen des Sussex Spaniels ist geprägt von einer ruhigen, freundlichen Gelassenheit. Er gilt als weniger hektisch als andere Spaniel-Typen. Im Haus verhält er sich unauffällig und schätzt die Gemütlichkeit. Er ist seinen Menschen gegenüber überaus anhänglich und braucht den engen Familienanschluss.

Er gilt als leichtführig, besitzt aber dennoch eine gewisse Terrier-ähnliche Beharrlichkeit. Wenn er eine Spur verfolgt, kann er einen liebenswerten Eigensinn an den Tag legen. Sein Geruchssinn ist phänomenal; er gehört zu den besten Suchhunden seiner Gruppe. Einzigartig ist seine Lautäußerung bei der Arbeit: Während andere Spaniel stumm stöbern, „spricht“ der Sussex und zeigt dem Jäger so akustisch an, wo er sich im dichten Gebüsch gerade befindet. Diese Eigenschaft macht ihn auch im Alltag zu einem Hund, der gerne mit verschiedenen Lauten kommuniziert.


Haltung: Viel Natur und reichlich Bürstenstriche

Der Sussex Spaniel ist ein anpassungsfähiger Begleiter. Er kann in einer Stadtwohnung leben, sofern er täglich genug Zeit im Grünen verbringt. Er ist jedoch kein Hund für Marathonläufer; er bevorzugt ausgiebige Schnüffelspaziergänge in moderatem Tempo.

Was ein Halter wissen sollte:

  • Auslauf: Er braucht regelmäßige Bewegung, um nicht zu Übergewicht zu neigen. Sein liebster Zeitvertreib ist Nasenarbeit - Suchspiele im Wald oder Mantrailing sind ideal.
  • Fellpflege: Das seidige Fell neigt zu Verfilzungen, besonders an den Ohren und „Hosen“. Tägliches Bürsten ist notwendig, um Kletten und Schmutz zu entfernen. Die Haare zwischen den Ballen sollten gekürzt werden.
  • Soziale Verträglichkeit: Er gilt als sehr kinderlieb und verträglich mit anderen Hunden. Seine freundliche Art macht ihn zu einem angenehmen Begleiter in Cafés oder im Urlaub.
  • Lernfähigkeit: Er lernt gerne, braucht aber Motivation. Mit Leckerlis und Lob lässt er sich wunderbar trainieren.


Erziehung: Mit Geduld und Konsequenz zum Erfolg

Die Erziehung eines Sussex Spaniels ist für Menschen mit Einfühlungsvermögen kein Problem. Er möchte gefallen, braucht aber eine klare Struktur. Da er sensibel auf die Stimmung seiner Besitzer reagiert, ist eine harte Hand völlig fehl am Platz. Er würde sich nur zurückziehen und stur stellen.

Besonderes Augenmerk sollte auf den Rückruf gelegt werden. Da er ein Stöberhund ist, kann ihn eine frische Fährte im Wald kurzzeitig alles andere vergessen lassen. Eine frühe Gewöhnung an verschiedene Umweltreize sorgt dafür, dass aus dem welpentypischen Übermut ein souveräner, ruhiger Begleiter wird. Suchspiele sollten von Anfang an in die Erziehung eingebaut werden, um seine natürliche Begabung zu fördern.


Gesundheit: Robustheit und rassetypische Vorsorge

Der Sussex Spaniel ist grundsätzlich ein robuster Hund, hat aber aufgrund seines speziellen Körperbaus und des kleinen Genpools einige Punkte, die beachtet werden sollten.

  • Ohrenpflege: Wie bei allen Spaniels sind die langen Schlappohren anfällig für Entzündungen. Regelmäßige Kontrolle und Reinigung sind Pflicht.
  • Rücken und Gelenke: Aufgrund des langen Rückens sollte man Übergewicht strikt vermeiden, um die Wirbelsäule zu entlasten. Treppensteigen im Welpenalter sollte moderat gehalten werden.
  • PDP1-Mangel: Eine seltene Stoffwechselerkrankung, auf die seriöse Züchter ihre Elterntiere testen lassen.
  • Lebenserwartung: Bei guter Pflege und Ernährung erreicht ein Sussex Spaniel oft ein Alter von 12 bis 13 Jahren.


Häufige Fragen (FAQ) zum Sussex Spaniel

Ist der Sussex Spaniel ein Anfängerhund?
Ja, aufgrund seines leichtführigen und freundlichen Wesens ist er für engagierte Anfänger gut geeignet. Man sollte jedoch den Zeitaufwand für die Fellpflege nicht unterschätzen.

Bellt der Sussex Spaniel viel?
Er ist mitteilungsbedürftiger als viele andere Spaniels. Er neigt dazu, Dinge zu kommentieren, ist aber in der Regel kein nervöser Dauerkläffer.

Wie selten ist die Rasse wirklich?
Sehr selten. Jährlich werden weltweit oft nur wenige hundert Welpen registriert. Wer einen Sussex Spaniel möchte, muss oft lange Wartezeiten bei Züchtern in Kauf nehmen.


Bildergalerie: Sussex Spaniel

Erleben Sie den goldenen Glanz des britischen Stöberhundes:

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