Deerhound: Der majestätische Hirschhund aus den schottischen Highlands
Kurzinfos & Steckbrief
Der Deerhound, oft als der „König der Hunde“ bezeichnet, ist eine der beeindruckendsten Erscheinungen der Windhundwelt. Seine Wurzeln liegen tief in der Geschichte Schottlands, wo er als exklusiver Begleiter des Adels für die Hetzjagd auf Rotwild gezüchtet wurde. Er vereint die enorme Schnelligkeit eines Greyhound mit der Robustheit und dem wetterfesten Fell, das für die rauen Highlands überlebenswichtig war. Ein Hund von zeitloser Eleganz und unerschütterlicher Sanftmut.
- Herkunftsland: Großbritannien (Schottland)
- FCI-Standard: Gruppe 10 (Windhunde) / Sektion 2 / Nr. 164
- Größe: Rüden mind. 76 cm | Hündinnen mind. 71 cm
- Gewicht: Rüden ca. 45,5 kg | Hündinnen ca. 36,5 kg
- Besonderheit: Raues, wetterfestes Fell und eine enorme Sprungkraft
Geschichte: Der privilegierte Jäger der Clans
Die Geschichte des Deerhounds ist untrennbar mit dem schottischen Hochadel verbunden. Bereits im Mittelalter war der Besitz dieser Hunde ein Privileg, das zeitweise sogar gesetzlich geregelt war: Niemand unter dem Rang eines Grafen (Earl) durfte einen Deerhound halten. Diese Exklusivität führte dazu, dass der Hirschhund fast als Symbol für den Clan-Adel galt.
Seine Aufgabe war hochspezialisiert und körperlich extrem fordernd. Anders als die kleineren Terrier sollte der Deerhound das Rotwild in den weiten, hügeligen Heidelandschaften nicht nur aufspüren, sondern im schnellen Lauf einholen und stellen („Deer Stalking“). Mit dem Ende des Clan-Systems und der Einführung moderner Schusswaffen verlor die Rasse ihren ursprünglichen Verwendungszweck und stand Mitte des 19. Jahrhunderts kurz vor dem Aussterben. Dank engagierter Liebhaber wie Archibald und Duncan McNeill wurde die Rasse gerettet und ihre unvergleichliche Kombination aus Kraft und Anmut bewahrt.
Erscheinungsbild: Die Ästhetik der Funktionalität
Der Deerhound wirkt wie eine größere, rauhaarige Version des Greyhound, verfügt jedoch über eine stärkere Knochensubstanz. Seine Erscheinung ist geprägt von langen, eleganten Linien und einer tiefen Brust, die Platz für ein gewaltiges Herz-Lungen-Volumen bietet.
Fellbeschaffenheit und Farben:
- Das Haarkleid: Das Fell ist struppig, harsch und eng anliegend, was dem Hund einen rustikalen Look verleiht. Es ist so beschaffen, dass Regen und Wind kaum zur Haut durchdringen können. An Kopf, Brust und Bauch ist das Haar etwas weicher.
- Farben: Am meisten geschätzt wird ein dunkles Blaugrau. Zulässig sind jedoch auch hellere Grautöne, gestromtes Fell sowie sandfarbene oder rotbräunliche Nuancen. Schwarze Masken und dunkle Ohren sind typisch.
- Körperbau: Die langen Gliedmaßen und die enorme Rückenwölbung ermöglichen es dem Deerhound, im Galopp gewaltige Distanzen zu überbrücken. Seine Rute ist lang und wird fast bis zum Boden reichend getragen.
Wesen: Der „sanfte Riese“ mit Jagdleidenschaft
Das Wesen des Deerhounds wird oft als würdevoll und aristokratisch beschrieben. Im Haus ist er ein Musterbeispiel an Gelassenheit. Er schätzt weiche Liegeplätze und verbringt Stunden damit, ruhig zu dösen. Er ist extrem menschenbezogen und entwickelt ein feines Gespür für die Stimmungen innerhalb seiner Familie.
Sobald er jedoch weites Gelände unter den Pfoten hat, erwacht sein ausgeprägter Jagdtrieb. Als Sichtjäger reagiert er blitzschnell auf alles, was sich bewegt. Er ist mutig und ausdauernd, zeigt dabei aber niemals unnötige Aggression. Gegenüber Fremden ist er meist freundlich und zurückhaltend, was ihn - trotz seiner Größe - zu einem eher ungeeigneten Wachhund macht. Er überzeugt durch Stille und Präsenz, nicht durch Bellen.
Haltung: Viel Raum für Galoppaden
Einen Deerhound zu halten bedeutet, seinem enormen Bewegungsdrang gerecht zu werden. Er ist kein Hund für die Stadtmitte. Er braucht die Weite und die Möglichkeit, sich regelmäßig im vollen Galopp auszupowern.
Was ein Deerhound-Besitzer bieten sollte:
- Auslauf: Tägliche, lange Spaziergänge sind Pflicht. Eine eingezäunte Wiese, auf der er frei rennen kann, ist die größte Freude für diesen Windhund.
- Sportliche Aktivitäten: Er ist ein geborener Athlet für das Coursing (die Köderhetze). Zudem eignet er sich aufgrund seiner Ausdauer hervorragend als Begleiter bei Ausritten zu Pferd.
- Sozialkontakt: Er braucht den engen Kontakt zu seinen Menschen. Eine Zwingerhaltung ist für diesen sensiblen Hund absolut indiskutabel.
- Komfort: Wegen seiner knochigen Statur benötigt er unbedingt weiche Schlafplätze, um Liegeschwielen an den Gelenken zu vermeiden.
Erziehung: Führung mit Samthandschuhen
Die Erziehung eines Deerhounds erfordert Geduld und viel Liebe. Er ist hochintelligent, aber windhundtypisch eigenständig. Mit Druck oder Härte erreicht man bei ihm gar nichts - er würde sich innerlich zurückziehen.
Der Fokus sollte auf einer starken Bindung und positiver Bestärkung liegen. Da er ein Sichtjäger ist, muss der Rückruf unter Ablenkung besonders intensiv trainiert werden, wobei man sich bewusst sein muss, dass ein startender Deerhound bei Wildsichtung kaum noch zu stoppen ist. In der Wohnung ist er aufgrund seiner ruhigen Art fast „unsichtbar“, draußen braucht er jedoch eine konsequente, vorausschauende Führung.
Gesundheit: Robustheit und Vorsorge
Der Deerhound gilt als relativ robust, doch wie alle Riesenrassen hat er spezifische Schwachstellen, die Beachtung finden sollten:
- Magendrehung: Wie alle Hunde mit tiefem Brustkorb besteht ein Risiko. Mehrere kleine Mahlzeiten und Ruhephasen nach dem Fressen sind lebenswichtig.
- Herzgesundheit: Gelegentlich treten Kardiomyopathien auf; regelmäßige Herzuntersuchungen beim Tierarzt sind empfehlenswert.
- Osteosarkom: Knochenkrebs ist leider ein Thema bei vielen sehr großen Hunderassen.
- Lebenserwartung: Mit 10 bis 12 Jahren erreicht er für seine beachtliche Größe ein schönes Alter.
Häufige Fragen (FAQ) zum Deerhound
Ist der Deerhound ein guter Familienhund?
Ja, er ist extrem geduldig, sanftmütig und kinderlieb. Seine ruhige Art im Haus macht ihn zu einem sehr angenehmen Mitbewohner.
Kann man einen Deerhound ohne Leine laufen lassen?
Das hängt stark vom Jagdtrieb des Einzeltiers und dem Trainingsstand ab. In wildreichen Gebieten sollte er aufgrund seiner Schnelligkeit und des Sichtjäger-Instinkts an der Leine bleiben.
Wie viel frisst ein Deerhound?
Entsprechend seiner Größe benötigt er eine beträchtliche Menge an hochwertigem Futter. Besonders im Wachstum ist eine ausgewogene Nährstoffzufuhr entscheidend, um Gelenkschäden zu vermeiden.
Bildergalerie: Deerhound
Erleben Sie die zeitlose Grazie des schottischen Hirschhundes:









