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Hokkaido (Hokkaido Inu): Der unerschütterliche Urtyp aus dem Norden Japans

Hokkaido Inu Hokkaido Hund

Hokkaido: Stolz, mutig und eigenständig

Kurzinfos & Steckbrief

Der Hokkaido, oft auch als Hokkaido Inu oder Ainu-Ken bezeichnet, ist eine der sechs ursprünglichen japanischen Hunderassen („Nihon Ken“). Beheimatet auf der nördlichsten Insel Japans, verkörpert er die pure Urwüchsigkeit und Kraft eines nordischen Jagdhundes. Er ist bekannt für seine enorme Zähigkeit, seinen unbändigen Mut gegenüber wehrhaftem Wild wie Bären und seine unerschütterliche Loyalität gegenüber seinem Herrn. Der Hokkaido ist kein Hund für jedermann - er ist ein hochspezialisierter „Ein-Mensch-Hund“, der eine klare Führung und ein tiefes Verständnis für das ursprüngliche Wesen der Spitze erfordert.

  • Herkunftsland: Japan
  • FCI-Standard: Gruppe 5 (Spitze und Hunde vom Urtyp) / Sektion 5 / Nr. 261
  • Größe: Rüden 48,5-51,5 cm | Hündinnen 45,5-48,5 cm
  • Gewicht: ca. 20 kg bis 30 kg (funktionaler Jagdtyp)
  • Besonderheit: Nationales Naturdenkmal Japans seit 1937

Geschichte: Der Begleiter des Ainu-Volkes

Die Wurzeln des Hokkaido reichen weit in die Geschichte Japans zurück. Er wird mit den Ainu in Verbindung gebracht, dem indigenen Volk der Insel Hokkaido, das diese Hunde vermutlich schon vor Tausenden von Jahren bei der Einwanderung aus dem Norden mitbrachte. In der rauen, wilden Natur der nördlichen Bergwälder war der Hokkaido weit mehr als nur ein Begleiter: Er war ein unersetzlicher Partner bei der Jagd auf Hirsche und den gefährlichen Braunbären.

Seine Fähigkeit, selbst widrigsten Witterungsverhältnissen, tiefem Schnee und eisiger Kälte zu trotzen, machte ihn zur Legende. Im Jahr 1937 wurde die Rasse offiziell zum nationalen Naturdenkmal Japans erklärt. Trotz seiner Bedeutung blieb er außerhalb Japans eine absolute Seltenheit. Sein ursprünglicher Charakter wurde über die Jahrhunderte kaum verändert, da er durch die geografische Isolation der Insel Hokkaido rein gezüchtet wurde. Er gilt als die wohl wildeste und ursprünglichste unter den japanischen Rassen.


Erscheinungsbild: Kompakt, kräftig und wetterfest

Der Hokkaido ist ein mittelgroßer Hund von robuster Statur. Er wirkt sehr ausgewogen und muskulös. Seine Anatomie spiegelt seine Funktion als ausdauernder Bergläufer wider: Er besitzt eine tiefe Brust, eine gute Knochenstärke und einen kraftvollen Nacken.

Fellbeschaffenheit und Farben:

  • Zweilagiges Haarkleid: Das Fell ist perfekt an das arktische Klima angepasst. Das Deckhaar ist hart, gerade und eher kurz, während die Unterwolle extrem weich und dicht ist. Dieses Doppelhaar schützt den Hund vor Feuchtigkeit und extremer Kälte.
  • Farbenpracht: Der Hokkaido kommt in vielen Farben vor: Sesam (rot-fawn mit schwarzen Haarspitzen), Rot, Weiß, Schwarz, Schwarzloh oder Gestromt. Die Maske ist oft hell gezeichnet, was seinen vornehmen Ausdruck unterstreicht.
  • Physiologie: Typisch sind die kleinen, stehenden Ohren und die buschige Rute, die entweder eingerollt oder sichelförmig über dem Rücken getragen wird. Besonders auffällig ist die oft tiefschwarze Pigmentierung der Zunge - ein Merkmal, das man sonst vor allem vom Chow-Chow kennt.


Wesen: Treue bis in den Tod

Das Wesen des Hokkaido ist geprägt von einer tiefen Ernsthaftigkeit und Würde. Er ist ein Hund mit einer hohen Intelligenz und einem extremen Mut. In brenzligen Situationen reagiert er blitzschnell und zeigt keine Furcht, was ihn zu einem erstklassigen Personenschutzhund macht. Er besitzt einen starken eigenen Willen und eine Tendenz zur Dominanz.

Die wohl markanteste Eigenschaft ist seine Bindung als „Ein-Mensch-Hund“. Er konzentriert seine gesamte Loyalität meist auf eine einzige Person. Dieser gegenüber zeigt er sich treu, fügsam und anhänglich. Als klassischer Familienhund ist er aufgrund seiner Reserviertheit und seines hohen Kontrollanspruchs weniger gut geeignet. Er ist im Haus ruhig und vornehm, im Einsatz jedoch explosiv und energiegeladen.


Haltung: Ein Leben in der Natur gefordert

Die Haltung eines Hokkaidos stellt hohe Ansprüche an das Umfeld. Er ist kein Stadthund. Das Leben in einer engen Wohnung zwischen Beton und Verkehrslärm widerspricht seinem Naturell zutiefst. Er braucht Weite, frische Luft und eine Umgebung, in der er seine Sinne einsetzen kann.

Das ideale Umfeld für einen Hokkaido:

  • Platzbedarf: Ein Haus auf dem Land mit einem großen, sicher eingezäunten Grundstück ist ideal. Hier kann er patrouillieren und seinen Wachtrieb ausleben.
  • Bewegungsdrang: Normale Spaziergänge reichen ihm nicht aus. Er ist ein ausdauernder Wanderer und liebt anspruchsvolle Touren in unebenem Gelände.
  • Soziale Isolation: Er sollte idealerweise als Einzelhund gehalten werden. Seine Dominanz gegenüber Artgenossen macht ein Zusammenleben in einem Rudel oft schwierig.
  • Jagdtrieb: Als ehemaliger Bärenjäger besitzt er einen massiven Jagdtrieb. Ein Freilauf ist aufgrund seiner Eigenständigkeit oft nur in sicherem Gelände möglich.


Erziehung: Eine Aufgabe für Kenner

Der Hokkaido gehört ausschließlich in die Hände eines erfahrenen Hundehalters. Er verzeiht keine Fehler in der Führung. Wer versucht, diesen Hund durch bloße Dominanz oder Härte zu brechen, wird auf Granit beißen. Die Erziehung erfordert eine souveräne Persönlichkeit, die dem Hund Sicherheit vermittelt und gleichzeitig klare Grenzen setzt.

Da er intelligent ist, lernt er schnell, hinterfragt aber den Sinn von Wiederholungen. Er möchte eine Aufgabe haben, die ihn fordert. Eine frühe Sozialisierung ist überlebenswichtig, um seine natürliche Abneigung gegen Fremde und seine Dominanz gegenüber anderen Hunden in kontrollierbare Bahnen zu lenken. Wer sein Vertrauen gewinnt, erhält einen Gefährten, der unbestechlich ist.


Gesundheit und Pflege: Die Robustheit eines Bergdogs

Der Hokkaido gilt als eine der gesündesten japanischen Rassen überhaupt. Er wurde jahrtausendelang nach Vitalität und Arbeitsfähigkeit selektiert.

  • Pflege: Das Fell ist selbstreinigend. Nur während des Fellwechsels (zweimal im Jahr) verliert er enorme Mengen an Unterwolle und muss täglich gebürstet werden.
  • Lebenserwartung: Mit 12 bis 15 Jahren erreicht er ein für seine Größe stattliches Alter.
  • Gesundheit: Rassetypische Krankheiten sind kaum bekannt. Gelegentlich sollte auf HD (Hüftdysplasie) geachtet werden, was jedoch in der seriösen Zucht streng kontrolliert wird.


Häufige Fragen (FAQ) zum Hokkaido

Ist der Hokkaido gefährlich?
Er ist kein aggressiver Hund, aber sehr wehrhaft und territorial. Ohne erfahrene Führung kann sein Schutztrieb und seine Dominanz zu Problemen führen.

Verträgt er sich mit Kindern?
In der Regel ist er Kindern gegenüber eher distanziert. Er ist kein Spielkamerad im klassischen Sinne und sollte mit Kindern nie unbeaufsichtigt gelassen werden.

Kann man ihn als Zweithund halten?
Davon wird meist abgeraten. Er ist ein ausgeprägter Individualist und schätzt die exklusive Aufmerksamkeit seines Besitzers.


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Foto: Magdalena Niemiec/CC Lizenz

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