Hollandse Herdershond: Das vielseitige Multitalent aus den Niederlanden
Kurzinfos & Steckbrief
Der Hollandse Herdershond, hierzulande meist als Holländischer Schäferhund bekannt, ist ein wahrer Alleskönner. Ursprünglich als Hüte- und Treibhund für die riesigen Schafherden der Niederlande gezüchtet, hat er sich zu einem der fähigsten Dienst- und Sporthunde weltweit entwickelt. Ob im Polizeidienst, bei der Rettungshundearbeit oder als loyaler Familienbegleiter - seine Anpassungsfähigkeit ist legendär. Mit seinem charakteristischen gestromten Fell und seinem wachen Geist ist er die perfekte Wahl für aktive Menschen, die einen Hund mit „Will to please“ suchen.
- Herkunftsland: Niederlande
- FCI-Standard: Gruppe 1 (Hüte- und Treibhunde) / Sektion 1 / Nr. 223
- Größe: Rüden 57-62 cm | Hündinnen 55-60 cm
- Gewicht: ca. 23 kg bis 30 kg
- Besonderheit: Drei unterschiedliche Fellvarietäten (Kurz-, Lang- und Rauhaar)
Geschichte: Vom Arbeitshund der Heide zum modernen Diensthund
Die Wurzeln des Hollandse Herdershond liegen im 19. Jahrhundert. Damals waren die Niederlande geprägt von Landwirtschaft und großen Heidegebieten, in denen riesige Schafherden weideten. Der Schäferhund musste vielseitig sein: Er trieb die Herden, hielt sie von den Feldern fern, bewachte den Hof und zog gelegentlich sogar kleine Karren. Er war der „Hund des armen Mannes“ - genügsam, robust und intelligent.
Als die Schafhaltung zurückging, drohte die Rasse fast zu verschwinden. Doch Kynologen erkannten das Potenzial dieses unermüdlichen Arbeiters. Im Gegensatz zu den Nachbarrassen (wie dem Deutschen oder dem Belgischen Schäferhund) legte man in den Niederlanden großen Wert darauf, die ursprüngliche Vielseitigkeit und Gesundheit zu erhalten. Heute ist der „Hollander“ besonders im KNPV (Königlich Niederländischer Polizeihundeverein) und in Sportkreisen hochgeschätzt, wobei er außerhalb der Benelux-Staaten noch immer ein Geheimtipp geblieben ist.
Erscheinungsbild: Die Dreifaltigkeit des Fells
Das auffälligste Merkmal des Holländischen Schäferhundes ist seine Stromung (Brindle). Während andere Schäferhunde oft einfarbig oder gesattelt sind, wirkt der Herder durch seine goldene oder silberne Stromung fast wie ein kleiner Tiger. Sein Körperbau ist athletisch, trocken und gut bemuskelt.
Die drei Varietäten im Detail:
- Kurzhaar: Die am weitesten verbreitete Form. Das Fell ist hart, anliegend und besitzt eine dichte Unterwolle. Er wird oft wegen seiner Agilität im Polizeidienst bevorzugt.
- Langhaar: Das Haar ist am ganzen Körper lang, glatt und anliegend. Es fühlt sich eher derb an. Besonders an den Läufen (Fahnen) und der Rute ist die Behaarung üppig.
- Rauhaar: Ein rustikaler Typ mit dichtem, hartem und zerzaustem Haar. Er besitzt einen markanten Bart und buschige Augenbrauen. Farblich sind hier neben der Stromung auch Pfeffer-Salz, Blaugrau und Gelbbraun erlaubt.
Wesen: Ein wacher Geist in einem fitten Körper
Der Charakter des Holländischen Schäferhundes lässt sich mit den Worten treu, aktiv und hochintelligent zusammenfassen. Er ist ein extrem aufmerksamer Wächter, der jede Veränderung in seiner Umwelt sofort registriert. Er gilt als sehr anhänglich gegenüber seiner Familie und zeigt eine hohe Kooperationsbereitschaft.
Es gibt jedoch feine Nuancen zwischen den Varietäten: Die Kurzhaar-Variante gilt oft als „triebiger“, reaktionsschneller und ernsthafter in der Arbeit, weshalb sie die erste Wahl für den Schutzdienst ist. Die Lang- und Rauhaar-Typen gelten im Vergleich oft als etwas gelassener, freundlicher und im Alltag verträglicher. Allen gemeinsam ist jedoch der Wunsch nach einer Aufgabe - ein Hollandse Herdershond ohne Beschäftigung wird sich schnell eigene (und oft unerwünschte) Aufgaben suchen.
Haltung: Der Naturbursche im modernen Alltag
Der Holländische Schäferhund ist im Grunde ein Naturbursche. Er liebt das Landleben, weite Flächen und den Aufenthalt im Freien. Er ist jedoch kein sturer Hofhund, sondern ein sehr anpassungsfähiger Begleiter. Auch als Stadthund kann er glücklich werden, sofern seine Bedürfnisse erfüllt werden.
Ansprüche an die Auslastung:
- Viel Auslauf: Tägliches Toben, Laufen und Spielen ist Pflicht. Er ist ein toller Partner für Jogger oder Radfahrer.
- Hundesport: Ob Agility, Obedience, IGP oder Rettungshundearbeit - der Herder glänzt in fast jeder Disziplin. Er braucht die geistige Herausforderung, um ausgeglichen zu bleiben.
- Familienleben: Er ist sehr tolerant gegenüber Kindern und lässt sich gerne knuddeln. Er möchte am liebsten überall dabei sein.
- Wachinstinkt: Er meldet zuverlässig, ist aber kein nervöser Kläffer. Seine Wachsamkeit ist angeboren und muss meist nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden.
Erziehung: Intelligenz als Herausforderung
Einen Hollandse Herdershond zu erziehen, macht Freude, erfordert aber Konsequenz und Fingerspitzengefühl. Da er extrem schnell lernt, begreift er auch kleinste Nachlässigkeiten sofort und nutzt diese für sich aus. Er ist kein Hund für stupiden Drill; er braucht Abwechslung und Motivation.
Eine frühe Sozialisierung ist wichtig, um seine natürliche Wachsamkeit und Skepsis gegenüber Fremdem gesund zu formen. Da er eine hohe Auffassungsgabe besitzt, lernt er Kommandos oft in Rekordzeit. Wer ihm eine faire, souveräne Führung bietet, bekommt einen Partner, der für seinen Besitzer durchs Feuer geht. Er ist ein „Denker“, der mitarbeiten möchte.
Gesundheit und Pflege: Robustheit als Markenzeichen
Der Holländische Schäferhund gehört zu den gesündesten Schäferhunderassen. Da er nie ein Massen-Modehund war, blieb er von vielen Überzüchtungen verschont.
- Pflege: Das Kurz- und Langhaar-Fell ist unkompliziert und muss nur regelmäßig gebürstet werden. Der Rauhaar benötigt gelegentlich fachgerechtes Trimmen (Zupfen), um das abgestorbene Haar zu entfernen.
- Lebenserwartung: Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren ist er ein langlebiger Begleiter.
- Erbkrankheiten: Seriöse Züchter lassen ihre Hunde auf HD und ED untersuchen. Bei der Langhaar-Variante wird zudem gelegentlich auf Schilddrüsenerkrankungen geachtet.
Häufige Fragen (FAQ) zum Hollandse Herdershond
Ist der Holländische Schäferhund für Anfänger geeignet?
Nur bedingt. Er braucht Menschen, die aktiv sind und Zeit in sein Training investieren. Ein erfahrener Trainer an der Seite kann Anfängern jedoch helfen, mit seinem Arbeitseifer umzugehen.
Was ist der Unterschied zum Malinois?
Der Malinois (Belgischer Schäferhund) ist oft noch reaktiver und spezialisierter auf den Schutzdienst. Der Holländer gilt oft als etwas „besonnener“, obwohl die Kurzhaar-Linien sich sehr ähnlich sind.
Bellt der Holländische Schäferhund viel?
Er ist ein aufmerksamer Wächter und schlägt an, wenn es nötig ist. Bei guter Auslastung ist er im Haus jedoch ein sehr ruhiger und angenehmer Mitbewohner.
Bildergalerie: Hollandse Herdershond
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Foto: ©Dogs/Fotolia









