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Laekenois: Der seltene Rauhaarkönig unter den Belgiern

Rauhaariger Laekenois stehend

Der Laekenois

Kurzinfos & Steckbrief

Der Laekenois (auch Lakenois oder Laeken genannt) ist die rauhaarige und gleichzeitig seltenste der vier belgischen Schäferhund-Varietäten.

  • Herkunftsland: Belgien
  • FCI-Standard: Gruppe 1.1 (Schäferhunde) / Nr. 15
  • Größe: Rüden ca. 62 cm | Hündinnen ca. 58 cm (+/- Toleranz)
  • Gewicht: Rüden 25-30 kg | Hündinnen 20-25 kg
  • Felltyp: Rauhaarig, hart, trocken und zerzaust

Geschichte: Der Wächter der königlichen Bleichen

Der Laekenois teilt seine Wurzeln mit dem Malinois, Tervueren und Groenendael. Während die anderen Varietäten nach Regionen oder Schlössern benannt wurden, erhielt der Laekenois seinen Namen vom Schloss Laeken (Château de Laeken), der Residenz der belgischen Königin Marie Henriette.

Die Geschichte dieser Hunde ist eng mit der Textilindustrie verknüpft. In der Region um Antwerpen wurden sie eingesetzt, um auf den großen Wiesen die wertvolle Leinwäsche zu bewachen, die dort zum Bleichen in der Sonne ausgelegt wurde. Ihr wetterfestes, drahtiges Fell schützte sie bei der Arbeit im Freien vor Wind und Regen. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg dienten sie als mutige Meldehunde. Trotz seiner herausragenden Arbeitsqualitäten blieb der Laekenois immer im Schatten des Malinois und gilt heute als absolute Rarität innerhalb der belgischen Schäferhunde.


Erscheinungsbild: Rustikaler Charme mit Charakter

Wer den Laekenois zum ersten Mal sieht, erkennt sofort den typischen Körperbau eines Belgiers: quadratisch, stolz und hochelegant. Doch sein Fell verleiht ihm ein völlig anderes, fast uriges Aussehen. Es wirkt "zerzaust", was ihm eine sympathische, beinahe freche Note verleiht.

Fellbeschaffenheit und Farben: Das markanteste Merkmal ist zweifellos das Haarkleid.

  • Struktur: Das Fell ist rau, hart und trocken. Es hat eine Länge von etwa 6 cm am gesamten Körper. Besonders wichtig ist die reichlich vorhandene Unterwolle, die den Hund bei jeder Witterung isoliert.
  • Farbe: Die Farbe ist Sandfarben bis Blassrot. Wie seine Verwandten besitzt auch der Laekenois schwarze Haarspitzen (Charbonnage), vor allem an der Schnauze und an der Rute.
  • Gesicht: Das Gesicht zeigt Ansätze von Bart und Augenbrauen, ohne jedoch die Sicht zu behindern oder den Kopf plump wirken zu lassen.


Wesen: Ein wachsamer Geist mit viel Energie

Rauhaariger Laekenois stehend

Der Laekenois ist ein belgischer Arbeitshunde-Profi. Er vereint die Intelligenz des Tervueren mit der Härte und dem Arbeitseifer des Malinois. Er ist extrem aufgeweckt, mutig und besitzt einen natürlichen Beschützerinstinkt. Innerhalb seiner Familie zeigt er sich als treuer, anhänglicher und oft sehr sensibler Gefährte.

Seine Wachsamkeit ist legendär. Er entgeht nichts, was auf seinem Territorium geschieht. Da er jedoch sehr intelligent ist, neigt er dazu, Situationen eigenständig zu bewerten. Ohne eine Aufgabe kann diese Intelligenz dazu führen, dass er beginnt, Dinge zu "regeln", die eigentlich in die Hand des Besitzers gehören. Er ist ein Hund, der gefordert werden will - sowohl körperlich als auch geistig.


Laekenois Kopfstudie

Haltung: Aktivität ist kein Hobby, sondern Pflicht

Einen Laekenois als reinen Familien- oder Begleithund zu halten, ist möglich, erfordert aber ein enormes Engagement. Dieser Hund ist kein "Nebenher-Läufer". Er braucht tägliche Auslastung, die über normales Gassigehen weit hinausgeht.

Einsatzbereiche und Sport: Durch sein lebhaftes Temperament glänzt er in fast allen Sparten:

  • Vielseitigkeitssport (IGP): Er steht dem Malinois in puncto Triebkraft kaum nach.
  • Agility & Obedience: Seine Wendigkeit und schnelle Auffassungsgabe machen ihn hier zum Star.
  • Rettungshunde-Arbeit: Sein Mut und seine Ausdauer sind ideal für die Trümmer- oder Flächensuche.
  • Hüten: Auch wenn er heute selten an Schafen arbeitet, steckt der Instinkt tief in ihm.


Erziehung: Klare Kommunikation und Respekt

Die Erziehung eines Laekenois ist eine Aufgabe für Menschen mit Hundeerfahrung. Er lernt blitzschnell - leider auch Fehler. Da er sensibel reagiert, sollte die Ausbildung über positive Verstärkung und Motivation erfolgen. Druck oder Härte quittiert er oft mit Sturheit oder Meideverhalten.

Eine frühe Sozialisierung ist beim Laekenois besonders wichtig. Da er von Natur aus reserviert gegenüber Fremden sein kann, muss er früh lernen, dass keine Gefahr von Unbekanntem ausgeht. Ein gut erzogener Laekenois ist ein souveräner Begleiter, der in jeder Situation cool bleibt.


Gesundheit und Pflege: Das pflegeleichte Rauhaar

Der Laekenois gilt als die robusteste der belgischen Varietäten. Da die Rasse nie ein "Modehund" war, ist der Genpool gesund und kräftig.

  • Fellpflege: Das raue Fell ist erstaunlich pflegeleicht. Es sollte regelmäßig gebürstet werden, um abgestorbene Haare zu entfernen. Zweimal im Jahr empfiehlt sich ein professionelles Trimming (Zupfen), damit das Fell seine harte Struktur behält.
  • Lebenserwartung: Er erreicht meist ein Alter von 12 bis 14 Jahren.
  • Hüftgelenksdysplasie (HD): Wie bei allen größeren Arbeitshunden sollte man auf eine Untersuchung der Elterntiere achten.


Häufige Fragen (FAQ) zum Laekenois

Warum ist der Laekenois so selten?
Sein rustikaler Look entsprach früher nicht dem Schönheitsideal der breiten Masse. Er blieb ein Hund für Spezialisten und Kenner der Arbeitsszene.

Ist der Laekenois für Anfänger geeignet?
In der Regel nein. Er braucht eine sichere Führung und viel Beschäftigung, was Erstanfänger oft an ihre Grenzen bringt.

Bellt ein Laekenois viel?
Er ist ein aufmerksamer Wächter. Er bellt, wenn es nötig ist, sollte aber nicht zum Kläffer erzogen werden.

Verträgt er sich mit Kindern?
Ja, er ist in der Regel sehr kinderlieb und schützend, solange die Kinder respektvoll mit ihm umgehen und er seine Ruhephasen bekommt.


Bildergalerie: Laekenois

Impressionen der rauen Belgier:

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