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Norrbottenspets: Der flinke und furchtlose Vogeljäger Schwedens

Norrbottenspets Nordic Spitz stehend

Der Norrbottenspets: Klein, aber oho!

Kurzinfos & Steckbrief

Der Norrbottenspets, im englischsprachigen Raum oft als Nordic Spitz bekannt, ist ein wahrer Schatz der schwedischen Kynologie. Als kleinster der nordischen Jagdspitze besticht er durch eine Kombination aus unbändiger Energie, messerscharfer Intelligenz und einem außergewöhnlich freundlichen Wesen. Ursprünglich gezüchtet, um in den dichten Wäldern Nordschwedens Federwild aufzuspüren und dem Jäger anzuzeigen, hat er sich heute weltweit einen Platz als vielseitiger Begleithund erobert. Er ist kein Hund für Couchpotatoes, sondern ein kleiner Athlet, der das Abenteuer unter freiem Himmel liebt und seine Menschen mit seiner aufgeweckten Art jeden Tag aufs Neue begeistert.

  • Herkunftsland: Schweden
  • FCI-Standard: Gruppe 5 (Spitze und Hunde vom Urtyp) / Sektion 2 / Nr. 276
  • Größe: Rüden ideal 45 cm | Hündinnen ideal 42 cm (+/- 2 cm Toleranz)
  • Gewicht: ca. 12 kg bis 15 kg
  • Besonderheit: Hervorragender „Bellender Vogelhund“ (Auer- und Birkwild)

Geschichte: Die Wiederauferstehung eines nordischen Jägers

Die Wurzeln des Norrbottenspets liegen in der historischen Provinz Norrbotten im Norden Schwedens sowie in den angrenzenden Gebieten Finnlands (Lappland). Über Jahrtausende dienten kleine Spitze den dort ansässigen Menschen als Jagdgehilfen und Wächter. Ihr Hauptaufgabengebiet war die Jagd auf Waldhühner wie das Auerwild und das Birkhuhn, aber auch die Jagd auf wertvolle Pelztiere wie den Marder oder das Eichhörnchen gehörte zu ihrem Repertoire.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stand die Rasse kurz vor dem endgültigen Aussterben. Durch die Modernisierung der Jagdwaffen und den Rückgang der Pelzjagd sanken die Bestandszahlen so drastisch, dass der schwedische Kennel Club die Rasse 1948 für ausgestorben erklärte. Nur der Hartnäckigkeit einiger Jäger im hohen Norden ist es zu verdanken, dass isolierte Restbestände überlebten. In den 1960er Jahren wurde ein Rettungsprogramm gestartet, und 1967 wurde der Norrbottenspets offiziell wieder als Rasse anerkannt. Heute ist er nicht nur in Schweden beliebt, sondern findet auch in Nordamerika und Mitteleuropa immer mehr Anhänger.


Erscheinungsbild: Kompakte Kraft in Reinweiß und Rot

Der Norrbottenspets ist ein kleiner, fast quadratisch gebauter Spitz, der trotz seiner handlichen Größe eine beachtliche Kraft und Wendigkeit ausstrahlt. Seine Bewegungen sind flink, federnd und zeugen von großer Ausdauer.

Fell, Farben und Physiologie:

  • Das Haarkleid: Das Fell ist eher kurz, gerade und abstehend. Es ist ein typisches Doppelfell mit dichter Unterwolle, das perfekt gegen die klirrende Kälte des schwedischen Winters isoliert. Die Textur ist hart und schmutzabweisend.
  • Farben: Die Grundfarbe ist immer Reinweiß. Darauf finden sich gut abgegrenzte, regelmäßige und idealerweise großflächige Flecken. Die Farbe dieser Flecken variiert in allen Nuancen zwischen Gelb und dunklem Rot.
  • Der Kopf: Er hat einen keilförmigen Kopf mit aufrecht stehenden, spitzen Ohren, die ihm einen ständig wachsamen und neugierigen Ausdruck verleihen. Die Augen sind mandelförmig und dunkelbraun.
  • Die Rute: Typisch für einen Spitz wird die Rute hoch angesetzt und in einem lockeren Bogen über dem Rücken oder seitlich davon getragen.


Wesen: Ein fröhliches Energiebündel

Das Wesen des Norrbottenspets wird als lebhaft, freundlich und extrem aufmerksam beschrieben. Er ist ein Hund, dem nichts entgeht. Im Gegensatz zu manch anderen nordischen Rassen, die oft als distanziert oder stur gelten, ist der Norrbottenspets sehr menschenbezogen und sucht den Anschluss an seine Familie.

Bei der Jagd zeigt er eine enorme Passion. Er ist ein sogenannter „Beller“: Er stöbert den Vogel am Boden auf, treibt ihn auf einen Baum und verbellt ihn dort so lange, bis der Jäger herannaht. Dabei zeigt er eine bemerkenswerte Furchtlosigkeit, ohne jemals aggressiv zu sein. Im Alltag ist er ein ruhiger und angenehmer Mitbewohner, sofern sein Bedürfnis nach Bewegung und geistiger Beschäftigung gestillt wird. Er ist wachsam, aber kein grundloser Kläffer - er meldet lediglich Ungewöhnliches zuverlässig an.


Haltung: Ein Partner für Aktive

Obwohl der Norrbottenspets heute meist als Begleithund gehalten wird, steckt in ihm noch immer der leidenschaftliche Jäger. Eine Haltung in einer kleinen Stadtwohnung ist möglich, aber nur unter der Bedingung, dass er täglich mehrere Stunden körperlich und geistig gefordert wird.

Was ein Halter bieten sollte:

  • Auslauf: Lange Spaziergänge, Wanderungen oder Joggingrunden sind für ihn das Größte. Er liebt es, die Natur mit allen Sinnen zu erkunden.
  • Beschäftigung: Da er früher spielerisch jagen musste, eignen sich heute Hundesportarten wie Agility, Nasenarbeit (Mantrailing) oder Trickdogging hervorragend, um ihn auszulasten.
  • Familienanschluss: Er möchte Teil der Familie sein und ist sehr kinderlieb. Er genießt Streicheleinheiten ebenso sehr wie Action im Freien.
  • Wachhundqualitäten: Durch seine aufmerksame Art ist er ein exzellenter Wächter für Haus und Hof, der Besucher freundlich, aber bestimmt ankündigt.


Erziehung: Klugheit, die Führung braucht

Die Erziehung eines Norrbottenspets ist für Menschen mit Hundeerfahrung ein Vergnügen. Er lernt extrem schnell und möchte seinem Menschen gefallen. Dennoch darf man seinen nordischen Eigensinn nicht unterschätzen. Er braucht eine konsequente, aber liebevolle Führung. Härte oder Drill führen bei diesem sensiblen Hund nur dazu, dass er sich verschließt.

Da der Jagdtrieb angeboren ist, sollte das Abruftraining von Welpenbeinen an höchste Priorität haben. Seine Neigung, Funde durch Bellen zu melden, sollte frühzeitig in kontrollierte Bahnen gelenkt werden, damit er nicht zum „Nachbarschaftsschreck“ wird. Wer ihn mit Geduld und Humor erzieht, bekommt einen Partner, der für ihn durchs Feuer geht.


Gesundheit und Pflege: Robust und langlebig

Der Norrbottenspets gilt als eine der gesundesten und robustesten Hunderassen überhaupt. Da er über Jahrtausende auf reine Leistung und Überleben in einer harten Umwelt selektiert wurde, sind Erbkrankheiten extrem selten.

  • Pflege: Sein kurzes Fell ist extrem pflegeleicht. Gelegentliches Bürsten reicht aus, um lose Haare zu entfernen. Er haart mäßig, im Fellwechsel zweimal im Jahr jedoch etwas stärker.
  • Robustheit: Er ist unempfindlich gegenüber Kälte und Regen, braucht aber bei sommerlicher Hitze kühle Rückzugsorte.
  • Lebenserwartung: Mit 12 bis 15 Jahren ist er ein langlebiger Begleiter, der oft bis ins hohe Alter fit und verspielt bleibt.


Häufige Fragen (FAQ) zum Norrbottenspets

Ist der Norrbottenspets für Anfänger geeignet?
Bedingt. Er ist zwar freundlich und lernwillig, braucht aber aufgrund seines Jagdtriebs und seiner Energie eine konsequente Führung und viel Auslastung. Aktive Anfänger können mit ihm glücklich werden.

Bellt der Norrbottenspets viel?
Rassetypisch meldet er Dinge gern durch Bellen. Mit guter Erziehung lässt sich dies jedoch so steuern, dass er kein „Kläffer“ wird.

Hat er einen starken Jagdtrieb?
Ja, der Jagdtrieb auf Vögel und Kleintiere ist tief verwurzelt. Ein Freilauf ist oft nur in sicherem Gelände oder nach intensivem Training möglich.


Bildergalerie: Norrbottenspets

Eindrücke des flinken Schweden:


Foto: Summer05/CC Lizenz/Wikipedia

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