Norwegischer Elchhund: Der unerschrockene Jäger der Wikinger

Der Norwegische Elchhund
Kurzinfos & Steckbrief
Der Norwegische Elchhund, in seiner Heimat als Norsk Elghund bekannt, ist weit mehr als nur ein Jagdhund - er ist ein nationales Symbol Norwegens und ein lebendiges Erbe der Wikingerzeit. Dieser nordische Spitz wurde über Jahrtausende darauf selektiert, unter den härtesten Bedingungen Skandinaviens Elche und sogar Bären zu stellen. Er existiert in zwei Varietäten: dem weitaus bekannteren grauen Elchhund und dem selteneren, etwas kleineren schwarzen Elchhund. Beide zeichnen sich durch Mut, unbändige Energie und eine tiefe Loyalität gegenüber ihrem Besitzer aus. Für aktive Menschen, die einen eigenständigen Naturburschen suchen, ist er der ideale Begleiter.
- Herkunftsland: Norwegen
- FCI-Standard: Gruppe 5 (Spitze und Hunde vom Urtyp) / Sektion 2 / Nr. 242 (Grau) & Nr. 286 (Schwarz)
- Größe: Rüden 47-52 cm | Hündinnen 44-49 cm (Idealmaße je nach Varietät)
- Gewicht: ca. 15 kg bis 24 kg
- Besonderheit: Enorme Ausdauer und ein ausgeprägter Jagd- und Bellinstinkt
Geschichte: Ein Begleiter seit Anbeginn der Zeit
Die Geschichte des Norwegischen Elchhundes lässt sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Archäologische Funde in Skandinavien haben Skelette von Hunden zutage gefördert, die dem heutigen Elchhund in ihrer Struktur fast identisch sind. Er diente den Wikingern nicht nur als Jagdbegleiter, sondern auch als furchtloser Wächter ihrer Siedlungen. In der rauen Natur Norwegens war ein Hund lebensnotwendig, der Elche über weite Strecken verfolgen und sie so lange durch Bellen am Platz binden konnte, bis der Jäger eintraf.
Während der Graue Elchhund (Norsk Elghund Grå) der klassische Vertreter ist, wurde der Schwarze Elchhund (Norsk Elghund Sort) im 19. Jahrhundert als spezialisierte, agilere Variante für die Jagd in dichten Wäldern und unwegsamem Gelände entwickelt. Heute ist die graue Varietät der Nationalhund Norwegens und wird dort nicht nur jagdlich, sondern auch bei der Armee und im Katastrophenschutz geschätzt.
Erscheinungsbild: Kompakt, kräftig und wetterfest
Der Norwegische Elchhund ist ein typischer Spitz mit einem kurzen, kompakten Körper, aufrechten Ohren und einer fest über dem Rücken eingerollten Rute. Er strahlt Stabilität und enorme Kraft aus.
Die Unterschiede der Varietäten:
- Grauer Elchhund (FCI 242): Er ist der größere von beiden. Sein Fell ist grau in verschiedenen Nuancen, wobei die schwarzen Spitzen der Deckhaare die Tönung bestimmen. Er hat hellere Abzeichen an Brust, Bauch und Beinen sowie die charakteristischen "geschirrförmigen" Zeichnungen an den Schultern.
- Schwarzer Elchhund (FCI 286): Er ist kleiner, leichter und wirkt quadratischer. Sein Fell ist glänzend tiefschwarz. Ein kleiner weißer Fleck an Brust oder Pfoten wird toleriert, ist aber nicht das Ideal.
- Das Fell: Beide besitzen ein mittellanges, dickes und grobes Deckhaar ohne Locken. Die Unterwolle ist extrem dicht und weich, was sie unempfindlich gegenüber eisigen Winden und Nässe macht.
Wesen: Mutig, eigenständig und energiegeladen

Der Norwegische Elchhund: Kraftvoll, wetterfest und wachsam
Das Wesen des Norwegischen Elchhundes ist geprägt von Mut und Unerschrockenheit. Er fürchtet sich weder vor wehrhaftem Wild noch vor unbekannten Situationen. Da er bei der Jagd oft kilometerweit entfernt vom Jäger agieren muss, hat er sich eine große Portion Eigenständigkeit bewahrt. Er ist kein Hund, der permanent auf Anweisungen wartet - er denkt mit und trifft eigene Entscheidungen.
Innerhalb seiner Familie ist er jedoch ein treuer und loyaler Gefährte. Er besitzt eine hohe Reizschwelle gegenüber Kindern, solange diese seinen Freiraum respektieren. Sein Wachtrieb ist hervorragend entwickelt; er meldet Besucher zuverlässig an. Da er als "Stöberhund" selektiert wurde, der Wild durch Bellen stellt, nutzt er seine Stimme gern und lautstark. Dieser Belltrieb muss in einer modernen Umgebung von Welpenbeinen an kanalisiert werden.
Haltung: Der Platz unter freiem Himmel
Ein Norwegischer Elchhund ist kein Wohnungshund. Er braucht Platz, frische Luft und eine Umgebung, die seinem aktiven Geist gerecht wird. Am wohlsten fühlt er sich auf einem Grundstück mit sicher eingezäuntem Garten, wo er patrouillieren und die Umgebung beobachten kann.
Worauf man bei der Haltung achten sollte:
- Auslastung: Ein jagdlich geführter Hund ist meist ausgeglichen. Wird er als Begleithund gehalten, ist tägliche Schwerstarbeit gefragt: Lange Wanderungen, Zugarbeit oder anspruchsvolle Nasenarbeit sind Pflicht.
- Jagdtrieb: Der Trieb ist tief verwurzelt. Ein Freilauf im Wald ist aufgrund seiner Tendenz, weite Kreise zu ziehen und Fährten zu verfolgen, oft nur schwer möglich.
- Wetterfestigkeit: Dank seines Fells liebt er Kälte und Schnee. Sommerliche Hitze macht ihm hingegen schwer zu schaffen; hier braucht er unbedingt kühle Rückzugsorte.
- Fellpflege: Abgesehen vom Fellwechsel ist das Haar pflegeleicht. Zweimal im Jahr verliert er jedoch enorme Mengen an Unterwolle und muss täglich gebürstet werden.
Erziehung: Liebevolle Konsequenz für schlaue Köpfe
Einen Elchhund zu erziehen, erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl. Er ist hochintelligent, besitzt aber den typischen nordischen Stolz. Kadavergehorsam wird man bei ihm vergeblich suchen. Er reagiert am besten auf eine Erziehung mit positiver Verstärkung und logischen Aufgaben. Wer versucht, ihn mit Härte zu brechen, wird auf Granit beißen - er würde sich schlichtweg stur stellen.
Besonderes Augenmerk sollte auf das Antijagdtraining und die Kontrolle der Bellfreudigkeit gelegt werden. Er lernt schnell, was von ihm verlangt wird, behält sich aber immer das Recht vor, eine Anweisung auf ihre Sinnhaftigkeit zu prüfen. Eine gute Hundeschule mit Erfahrung in nordischen Rassen ist für Anfänger dringend zu empfehlen.
Gesundheit: Robustheit als Standard
Der Norwegische Elchhund gehört zu den gesündesten Hunderassen überhaupt. Da er über Jahrtausende auf Funktionalität und Überleben selektiert wurde, sind Erbkrankheiten selten.
- Lebenserwartung: Mit 12 bis 15 Jahren ist er ein langlebiger Partner.
- Ernährung: Er ist ein extrem guter Futterverwerter. Besitzer müssen strikt auf das Gewicht achten, da er bei zu wenig Bewegung schnell zu Übergewicht neigt, was die Gelenke belastet.
- Krankheiten: Vereinzelt kommen Hüftgelenksdysplasie (HD) oder Nierenzysten vor, was in der seriösen Zucht jedoch streng überwacht wird.
Häufige Fragen (FAQ) zum Norwegischen Elchhund
Ist der Norwegische Elchhund für Anfänger geeignet?
Nur für sehr aktive Anfänger, die bereit sind, viel Zeit in Erziehung und Auslastung zu stecken. Sein Eigensinn und Jagdtrieb können Unerfahrene schnell an ihre Grenzen bringen.
Bellt ein Elchhund viel?
Ja, das Bellen gehört zu seiner ursprünglichen Arbeit (das Wild "stellen"). Er ist ein kommunikativer Hund, der sein Territorium und seine Freude lautstark meldet.
Verträgt er sich mit anderen Haustieren?
In der Regel ja, wenn er von klein auf sozialisiert wurde. Aufgrund des Jagdtriebs sollte man jedoch bei kleinen Haustieren wie Kaninchen oder Katzen Vorsicht walten lassen.
Bildergalerie: Norwegischer Elchhund
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