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Podenco: Der elegante Urtyp und leidenschaftliche Jäger des Mittelmeers


Podenco Ibicenco, Canario und Portugues Vergleich

Kurzinfos & Rassefamilie

Podencos gehören zu den faszinierendsten Hunden der Welt. Als Vertreter des „Urtyps“ haben sie sich über Jahrtausende kaum verändert. Sie sind Windhunde, Stöberhunde und Apportierer in einem - eine Kombination, die sie zu Jagdspezialisten macht.

  • Herkunft: Spanien (Kanaren, Balearen), Portugal, Malta, Italien
  • FCI-Gruppe: Gruppe 5 (Spitze und Urtyp) / Sektion 6 (Urtyp)
  • Größen: Variiert stark von 20 cm (Podengo Pequeno) bis 72 cm (Podenco Ibicenco)
  • Gewicht: ca. 20-25 kg (mittlere/große Schläge)
  • Besonderheit: Jagen mit Sicht, Gehör und Nase („Solitärjäger“)

Geschichte: Ein Erbe der Pharaonen

Die Wurzeln der Podencos reichen weit in die Antike zurück. Wer Grabmalereien im alten Ägypten betrachtet, erkennt sofort die Silhouette eines Podencos: die großen Stehohren, der schlanke Körper und die elegante Rutenhaltung. Es wird vermutet, dass phönizische Händler diese Hunde über das Mittelmeer auf die Inseln und Küsten Spaniens und Portugals brachten.

Dort entwickelten sich durch geografische Isolation verschiedene regionale Schläge, die perfekt an das jeweilige Gelände angepasst sind - vom harten Vulkangestein der Kanaren bis zu den dornigen Gebüschen Portugals. In ihren Heimatländern werden sie bis heute hoch geschätzt, jedoch primär als reine Nutzhunde für die Jagd betrachtet, was ihren Einzug in europäische Wohnzimmer als Familienhunde oft über den Tierschutz ermöglichte.


Die Vielfalt der Podenco-Rassen

Unter dem Begriff „Podenco“ fassen wir mehrere offiziell anerkannte Rassen zusammen, die sich in Größe und Fellstruktur unterscheiden:

RasseGröße (ca.)Herkunft
Podenco Ibicenco58 - 72 cmIbiza / Balearen
Podenco Canario55 - 64 cmKanarische Inseln
Podengo Português20 - 70 cm (3 Größen)Portugal
Pharaonenhund (Kelb tal-Fenek)53 - 63 cmMalta
Cirneco dell’Etna42 - 50 cmSizilien

Erscheinungsbild: Funktionalität trifft Ästhetik

Allen Podencos gemeinsam ist der sehnige, fast fettfreie Körperbau, der an einen Windhund erinnert. Sie sind extrem wendig und können aus dem Stand beeindruckende Höhen überspringen.

Merkmale und Fellvariationen:

  • Ohren: Das markanteste Merkmal sind die großen, stehenden Fledermausohren. Sie dienen nicht nur dem exzellenten Gehör, sondern auch der Thermoregulation in heißem Klima.
  • Fellstrukturen: Je nach Rasse gibt es glattes (Kurzhaar), rauhaariges oder seltener auch langhaariges Fell. Das Rauhaar bietet besonderen Schutz vor Dornen und Gestrüpp.
  • Farben: Vorherrschend sind Weiß- und Rottöne, von hellem Gelb bis zu tiefem Mahagoni. Oft sind sie gescheckt oder haben weiße Platten.
  • Die Augen: Die bernsteinfarbenen oder hellbraunen Augen verleihen ihnen einen fast magischen, durchdringenden Blick.

Wesen: Die „Katze“ unter den Hunden

Das Wesen des Podencos ist ein faszinierender Widerspruch. Im Haus sind sie oft extrem ruhig, verschmust und fast katzenartig - sie lieben weiche Liegeplätze und Sonnenbäder. Sobald sie jedoch draußen sind, erwacht der Jagdinstinkt.

Sie sind hochintelligent und eigenständig. Ein Podenco wurde darauf gezüchtet, kilometerweit entfernt vom Jäger autark zu jagen. Diese Selbstständigkeit macht sie zu einer Herausforderung in der Erziehung, da sie den Sinn eines Befehls stets gegen die Attraktivität einer vorbeihuschenden Maus abwägen.


Verwendung und Jagdstil: Die Sinne im Einklang

Im Gegensatz zu reinen Windhunden, die nur auf Sicht jagen, nutzt der Podenco alle Sinne. Er stöbert mit der Nase, ortet Kaninchen mit seinen riesigen Ohren im Gebüsch und verfolgt sie dann mit hoher Geschwindigkeit auf Sicht. Auf den Kanaren ist die Jagd in Kombination mit Frettchen üblich: Der Podenco ortet das Wild, das Frettchen treibt es aus dem Bau, und der Podenco fängt es blitzschnell ab.


Haltung: Freiheit an der langen Leine

Einen Podenco zu halten bedeutet, sich auf ein Leben mit einem Spezialisten einzulassen.

  • Der Freilauf-Konflikt: Aufgrund des extremen Jagdtriebs ist ein Freilauf in Wald und Feld oft unmöglich. Selbst ein perfekt erzogener Podenco kann bei Wildsicht „abschalten“. Eine 5-10 Meter Schleppleine ist oft der ständige Begleiter.
  • Sicherheit im Garten: Podencos sind wahre Ausbrecherkönige. Ein Garten muss nicht nur eingezäunt, sondern hoch eingezäunt sein (mindestens 1,80 m bis 2,00 m), da sie aus dem Stand sehr hoch springen können.
  • Auslastung: Nur spazieren gehen reicht nicht. Podencos brauchen Sprints (z. B. auf eingezäunten Windhundausläufen) und Kopfarbeit wie Fährtenlesen oder Mantrailing.

Erziehung: Mit Sanftmut und Humor

Bei einem Podenco erreicht man mit Druck oder Härte absolut nichts. Diese Hunde sind hochsensibel. Eine Erziehung muss auf Vertrauen und positiver Motivation basieren. Erwarten Sie keinen Kadavergehorsam - ein Podenco kooperiert, weil er Sie mag, nicht weil er muss.

Besonders wichtig ist das Training des Rückrufs von Welpenbeinen an, auch wenn dieser niemals eine 100%ige Garantie bietet. Man sollte zudem lernen, die Körpersprache des Hundes zu lesen: Wenn die Ohren nach vorne klappen und der Körper erstarrt, ist der Hund geistig bereits auf der Jagd.


Häufige Fragen (FAQ) zum Podenco

Sind Podencos für Anfänger geeignet?
Nur für sehr engagierte Anfänger, die bereit sind, sich intensiv mit dem Thema Jagdtrieb und Schleppleinentraining auseinanderzusetzen.

Kann man einen Podenco mit Katzen halten?
Innerhalb des Hauses akzeptieren sie eigene Katzen oft als Rudelmitglieder. Draußen im Garten wird die eigene Katze jedoch meist gejagt.

Braucht ein Podenco im Winter einen Mantel?
Ja, besonders die kurzhaarigen Varietäten haben kaum Unterfett und keine Unterwolle. Sie frieren bei Nässe und Kälte sehr schnell.

Wie viel Bewegung braucht er wirklich?
Er braucht weniger Dauerlauf als vielmehr die Möglichkeit zu kurzen, intensiven Sprints und viel Nasenarbeit.


Bildergalerie: Podenco Vielfalt

Die eleganten Jäger in ihren verschiedenen Varianten:

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5 Gedanken zu „Podenco“

  1. Immer wieder lese ich etwas irreführende Beschreibungen, wenn es um Podencos geht, diese gehört leider auch dazu.
    Zum Freilauf: Man kann einen Podenco sehr wohl frei laufen lassen, muss nur rechtzeitig damit anfangen und darf nicht von vorn herein ängstlich bei diesem Thema sein. Dafür braucht man auch keine Hundeschule, die Bindung ist entscheident. Daher ist vllt die einzige Einschränkung, dass eben diese Bindung vorhanden sein muss. Bei anderen kann (und darf) mein Podenco nicht frei laufen, es funktioniert einfach nicht zuverlässig.
    Zur Haltung: Hier liest man immer wieder den Mythos mit dem Garten. Ein großer Garten ist toll für jeden Hund, ist aber nur ein Bonus und ändert nichts an den Bedürfnissen eines jeden Hundes. Die Zeit die ein Hund seinem Halter abverlangt ändert sich durch einen Garten nicht. Leider verstehen viele Hundehalter (und Tierschutzorganisationen) dies nicht und am Ende wird der Garten zu einem übnerdimensionalen Zwinger für unausgelastete Hunde von faulen Haltern.
    Mein Podenco lebt in einer Wohngemeinschaft in einer Großstadt größtenteils in meinem WG-Zimmer, kriegt aber jeden Tag Auslastung und Auslauf pur. Einen Garten brauchen wir nicht, Wälder aber schon.
    Zur Härte: Man liest immer wieder, dass Podencos nur mit positiver Konditionierung zu erziehen seien. Auch das ist nicht richtig bzw. vermittelt einen falschen Eindruck. Man kann auch einen Podenco abstrafen, wenn er z.b. als Jungspund meint die Möbel anzuknabbern. Auf ungerechtfertigte Bestrafung reagieren Podencos allerdings sensibeler als andere Hunde.

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  2. Hallo,
    über den Tierschutz wurde uns ein kleiner Rüde mit 1,5 Jahren als Jack-Dackel-Mix übergeben, Irgendwann hat uns jemand erklärt, dass wir uns mit einen Podenco Andaluz Maneto einen sehr anspuchsvollen Hund ins Haus geholt haben. Wir waren nur Terriererfahren und konnten mit dieser Information ersteinmal nichts anfangen, aber man wächst mit seinen Aufgaben. Die neue Erkenntnis über seine Rasse war sehr hilfreich manche Verhaltenweisen für uns verständlich zu machen. Wir stellten fest, der Podenco ist, wie oft beschrieben, ein ganz besonderer Schatz und ein Geschenk. Man muß sich sein Vertrauen verdienen. Wer einmal einen so intelligenten, kreativen, liebevollen Hund, mit unglaublicher Persönlichkeit hat, der kann mit einem „normalen“ Befehlsempfänger nur noch bedingt etwas anfangen. Um unseren Mini-Podenco auch im Kopf auszulasten, und das braucht er, machen wir zusätzlich Dogdancing und Tricktraining. Und ich kann bestätigen, dass das Training wirklich nur mit positiver Bestätigung erfolgreich ist. Er hat so viel Spaß dran, dass er auch zu Hause das Training regelrecht einfordert. Auch am „kreativen Formen“ hat er Spaß, allerdings ist er schnell gefrustet, Geduld ist nicht seine Stärke. Härte und klassisches Unterwerfungstraining würde unsere sensible Seele nur verstören und unser inniges Vertrauensverhältnis belasten. Und ist es nicht ein schönes Gefühl, wenn der Hund Spaß am Arbeiten hat und nicht nur aus Angst gehorcht. Unser Kleiner läuft übrigens auf Wiesen und Felder ohne Leine, dank konsequentem Abruftraining (und Superleckerli), nur in der Stadt und im Wald ist er angeleint. Auch in der näheren Nachbarschaft, wegen der Katzen, ich will es mir mit den Nachbarn nicht verderben! 🙂
    Man kann unseren Podenco nicht zwingen, nur freundlich zur Zusammenarbeit überreden.
    Einmal Podenco, immerwieder Podenco

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  3. Hallo!
    Mein Podenco Canario ist in Wald und Flur nicht ansprechbar. Er hat die Nase nur im Gras. Offline geht leider nicht, nur in eingezäunten Gelände.
    Ansonsten ist er im Haus total unproblematisch und ruhig.
    Er hat keinerlei Agressionen gegenüber Mensch und Artgenossen, ist allerdings reserviert und vorsichtig.
    Zum Thema Härte bei der Erziehung hat meine Vorschreibrin schon geschrieben.
    Allerdings bin ich der Meinung, dass Hund auf den Rücken werfen schon eine unzumutbare Härte für jeden Hund darstellt. Das geht garnicht.

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  4. Meine Podenca Portugues medio-Hündin ist ein toller, sehr gelehriger und dankbarer Hund, die ich durch konsequente Arbeit (Hundeschule) erzogen habe (sie war 1 Jahr alt, als ich sie bekam) und nun trotz Jagdtrieb sehr gut ohne Leine laufen lassen kann. Es ist reine Erziehungssache, die nicht durch Härte oder Schläge, sondern durch Unterwürfigkeit in Form von „auf den Rücken werfen“ erzogen werden kann. Sie sind im Hause kaum zu merken, genießen die frische Luft im Garten und sind sehr lauffreudig am Fahrrad. Mein Tip: konsequentes und ständiges Training. Auslastbar durch Kopfarbeit (durch Fahrradfahren z.B. ist sie nicht ausgelastet). Durch ihre Lernbereitschaft kann man ihr Dinge beibringen, die „die Welt nicht braucht“ wie z.B. Rolle oder Männchen machen, Dogdancing oder anderes. Aber es lastet sie -gerade in den Wintermonaten, wo sie nicht so viel draußen sind- enorm aus. Natürlich muss ich beim Freilauf enorm aufpassen, dass sie nicht hinter Wind hinterher läuft. Hat sie einmal ein Wind entdeckt, ist sie nur abzurufen, bevor sie schon hinterher sprintet. Bis dahin ist sie abrufbar. Danach werden Ohren geschlossen und nur das Wild anvisiert. Aber es ist Sache des Halters, entsprechend aufzupassen und rechtzeitig abzurufen. Hat man das Herz eines Podencos gewonnen, kann man stolz auf sich sein und hat einen wunderbaren, liebevollen und dankbaren Hund. Fazit: nicht alle Podencos sind nicht ableinbar bzw. nicht abrufbar. Wir gehen lediglich nur an viel befahrenen Straßen an der Leine, sonst laufen sie immer frei herum.

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  5. Kann mich der Beschreibung nur anschließen, dass Podencos wirklich sehr lauffreudig aber leider auch extrem freiheitsliebend sind. Wenn man den Lauftrieb durch anleinen einschränkt können sie sehr zickig werden. Daher mache ich mit meiner Podi Emmy Zughundesport – und wie man auf meiner HP sehen kann liebt sie das über alles! Endlich kann sie so schnell rennen wie sie Lust hat, wird dafür auch noch gelobt und angefeuert, und wenn mal Wild den Weg kreuzt kann man sie kontrolliert ausbremsen. Kann ich nur weiter empfehlen!

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