Bobtail: Der gemütliche Zottelkopf mit dem Bärengang
Geschichte: Vom Viehtreiber zum TV-Star
Der Old English Sheepdog, besser bekannt als Bobtail, ist eine der markantesten Hunderassen Englands. Seine genaue Herkunft liegt teilweise im Dunkeln, doch man vermutet, dass europäische Schäferhunde (wie der Ovtcharka oder der Briard) mit englischen Hütehunden gekreuzt wurden.
Der Name „Bobtail“ (kurzer Schwanz) stammt aus einer Zeit, in der Arbeitshunde in England von der Steuer befreit waren. Um diese Hunde zu kennzeichnen, wurde ihnen die Rute kupiert. Heute ist das Kupieren in den meisten europäischen Ländern verboten, doch der Name ist geblieben. Berühmt wurde die Rasse weltweit auch durch die Popkultur - ob in Walt Disney Filmen oder als Werbegesicht für Dulux-Farben, der Bobtail ist der Inbegriff des gemütlichen, aber wachsamen Begleiters.
Erscheinungsbild: Ein Kraftpaket im Pelzmantel
Der Bobtail ist ein kräftiger, quadratisch gebauter Hund, der durch sein extrem üppiges Haarkleid deutlich massiger wirkt, als er eigentlich ist. Eine Besonderheit im Körperbau ist die ansteigende Rückenlinie: Die Lendenpartie liegt höher als der Widerrist, was ihm seinen charakteristischen, leicht rollenden Gang verleiht.
Fell und Farben: Das Fell ist das Markenzeichen der Rasse. Es ist reichlich, von guter, harter Textur, zottig und völlig frei von Locken. Die Unterwolle bildet ein wasserdichtes Polster.
- Farben: Alle Schattierungen von Grau, Grizzle (Graumeliert) oder Blau. Der Kopf, der Hals, die Vorderläufe und die Unterseite des Bauches sollten weiß sein (mit oder ohne Flecken).
- Unerwünscht: Jede Schattierung von Braun ist laut Standard nicht zugelassen.
Wesen: Das vierbeinige Kindermädchen
Hinter der bärigen Fassade verbirgt sich ein überaus treuer, herzlicher und sensibler Charakter. Der Bobtail hängt sehr an seinen Besitzern und möchte am liebsten überall dabei sein. Er ist ein echtes Energiebündel, das keine Gelegenheit zum Spielen und Toben auslässt. Trotz seines Temperaments ist er im Haus ein ruhiger und angenehmer Zeitgenosse.
Als ehemaliger Hütehund hat er die Eigenschaft, seine „Schäfchen“ (die Familie) zusammenzuhalten. Bei Spaziergängen achtet er penibel darauf, dass niemand verloren geht. Besonders legendär ist seine Liebe zu Kindern. Er ist geduldig, verspielt und extrem wachsam, was ihm den Beinamen „vierbeiniges Kindermädchen“ eingebracht hat. Er passt auf, dass den Kleinsten nichts passiert, ohne dabei aggressiv zu sein.
Haltung: Viel Platz für ein großes Herz
Ein Bobtail braucht Platz - nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch wegen seines Bewegungsdrangs. Er liebt es, sich frei in der Natur zu bewegen und braucht regelmäßige, ausgiebige Spaziergänge an der frischen Luft. Eine Stadthaltung ist möglich, sofern man ihm täglich mehrere Stunden Auslauf und Beschäftigung garantiert.
Er ist ein idealer Familienhund, der jedoch konsequent, aber liebevoll erzogen werden muss. Der Bobtail ist intelligent und lernt schnell, kann aber auch einen gewissen Eigensinn zeigen, wenn er den Sinn eines Kommandos nicht versteht. Härte ist bei diesem sensiblen Hund absolut kontraproduktiv.
Fellpflege: Die Königsdisziplin
Man darf sich keinen Illusionen hingeben: Die Fellpflege eines Bobtails ist ein Vollzeit-Hobby.
- Zeitaufwand: Planen Sie mehrere Stunden pro Woche für das Bürsten und Kämmen ein. Das Fell neigt extrem zum Verfilzen, besonders wenn es feucht wird.
- Hygiene: Nach dem Spaziergang sammeln sich im zottigen Fell Blätter, kleine Zweige und Schlamm. Auch der Bart muss nach dem Fressen oder Trinken regelmäßig gereinigt werden.
- Profi-Tipp: Viele Besitzer lassen sich die richtige Kämmtechnik vom Züchter oder einem spezialisierten Groomer zeigen. Ein vernachlässigter Bobtail muss oft komplett geschoren werden, was für die Haut und den Schutz des Hundes katastrophal ist.
Gesundheit: Worauf man achten sollte
Der Bobtail ist grundsätzlich eine robuste Rasse, kann aber für einige genetische Probleme anfällig sein. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 10 bis 12 Jahren.
- Hüftgelenksdysplasie (HD): Wie bei vielen großen Rassen ein Thema; achten Sie auf geprüfte Elterntiere.
- Augenerkrankungen: Grauer Star (Katarakt) oder PRA kommen gelegentlich vor.
- MDR1-Defekt: Eine Medikamentenunverträglichkeit, die bei vielen Hütehunden verbreitet ist.
- Hitzeempfindlichkeit: Durch das dicke Fell leiden Bobtails im Sommer stark. Schatten und Ruhepausen sind an heißen Tagen lebenswichtig.
Häufige Fragen (FAQ) zum Bobtail
Sieht der Bobtail überhaupt etwas durch die Haare?
In der Natur schützen die Haare die Augen vor Wind und Wetter. Als Familienhund sollte man die Haare über den Augen jedoch vorsichtig mit einem Haargummi hochbinden oder leicht kürzen, damit er eine freie Sicht hat.
Ist der Bobtail für Anfänger geeignet?
Ja, wenn man den enormen Pflegeaufwand nicht unterschätzt. Er ist leichtführig und möchte gefallen, was die Erziehung erleichtert.
Haart ein Bobtail viel?
Obwohl er so viel Fell hat, verliert er wenig Haare in der Wohnung - vorausgesetzt, man bürstet die abgestorbene Unterwolle regelmäßig heraus.
Bellt der Bobtail viel?
Er ist wachsam, aber kein Kläffer. Wenn er jedoch anschlägt, ist seine Stimme tief und klangvoll - fast wie das Geräusch von zwei zusammenstoßenden Tontöpfen.
Bildergalerie: Bobtail (Old English Sheepdog)
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