Pyrenäenberghund: Der sanfte weiße Riese aus den Wolken

Der Pyrenäenberghund
Kurzinfos & Steckbrief
Der Pyrenäenberghund, auch Patou genannt, ist eine imposante Erscheinung. Er vereint kraftvolle Eleganz mit einem unbestechlichen Schutztrieb und gilt als einer der edelsten Herdenschutzhunde der Welt.
- Herkunftsland: Frankreich
- FCI-Standard: Gruppe 2.2 (Molosser / Berghunde) / Nr. 137
- Größe: Rüden 70-80 cm | Hündinnen 65-75 cm
- Felltyp: Lang, dicht, wetterfest mit starker Unterwolle
- Besonderheit: Doppelte Afterkrallen an den Hinterläufen
Geschichte: Vom Hirtenhelfer zum Hund der Könige
Die Geschichte des Pyrenäenberghundes reicht weit in die Antike zurück. Seit Jahrtausenden wird er in den französischen Pyrenäen eingesetzt, um Schafherden vor Bären und Wölfen zu schützen. Er lebte das ganze Jahr über bei der Herde und lernte so, völlig eigenständig Entscheidungen zu treffen - eine Eigenschaft, die ihn bis heute auszeichnet.
Im 17. Jahrhundert erlebte die Rasse einen glanzvollen Aufstieg: Der französische Adel entdeckte die majestätischen Hunde für sich. König Ludwig XIV. ernannte den Pyrenäenberghund sogar zum „Königlichen Hund Frankreichs“. Von den einsamen Bergweiden zog der „Patou“ in die prachtvollen Schlösser ein, um dort als prestigeträchtiger Wachhund zu dienen. Trotz dieses aristokratischen Ausflugs blieb er im Herzen immer ein unbestechlicher Arbeitshunde der Berge.
Erscheinungsbild: Majestätische Größe in strahlendem Weiß
Der Pyrenäenberghund beeindruckt durch seine enorme Größe und seinen kräftigen, aber dennoch eleganten Körperbau. Er wirkt nie plump, sondern stets beweglich und erhaben.
Fell und Farben: Sein Haarkleid ist eine Anpassung an das extreme Hochgebirgsklima:
- Struktur: Das Deckhaar ist lang, schlicht und eher hart. Die Unterwolle ist sehr dicht und fein. An den Hosen, der Rute und am Hals (Mähne) ist das Fell besonders lang und buschig.
- Farbe: Die Grundfarbe ist Reinweiß. Viele Hunde haben jedoch graue, blassgelbe oder dachsfarbene Flecken am Kopf, an den Ohren und am Rutenansatz. Diese Abzeichen werden im Alter oft blasser.
- Doppelkrallen: Ein wichtiges Rassemerkmal sind die doppelten Afterkrallen an den Hinterläufen. Diese sind knöchern mit dem Bein verbunden und sollten niemals entfernt werden, da sie zum Standard gehören.
Wesen: Ein intelligenter Wächter mit eigenem Kopf

Das Wesen des Pyrenäenberghundes ist geprägt von Selbstbewusstsein und Sanftmut. Er ist kein Hund, der Befehle im Minutentakt ausführt. Als Herdenschutzhund ist er darauf programmiert, Gefahren selbst zu erkennen und abzuwehren. Innerhalb seiner Familie zeigt er sich als treuer, geduldiger und sehr liebevoller Gefährte.
Fremden gegenüber ist er von Natur aus reserviert und wachsam. Er beobachtet genau und entscheidet eigenständig, ob ein Besucher willkommen ist. Sein Schutzinstinkt ist defensiv: Er droht meist nur durch seine Anwesenheit und tiefes Bellen. Erst wenn die Gefahr massiv wird, greift er ein. Er ist kein nervöser Kläffer, aber seine Stimme ist aufgrund seiner Größe sehr kraftvoll und weithin hörbar.
Haltung: Viel Platz für ein großes Territorium
Die Haltung eines Pyrenäenberghundes in einer Stadtwohnung ist nicht artgerecht. Dieser Hund braucht Raum und eine Aufgabe. Ein großes, sicher eingezäuntes Grundstück, das er als sein Territorium betrachten und bewachen kann, ist für sein Wohlbefinden unerlässlich.
Besondere Anforderungen:
- Bewegungsdrang: Er ist kein Hochleistungssportler, liebt aber ausgiebige Wanderungen in gemächlichem Tempo. Er erkundet gerne seine Umgebung.
- Klima: Hitze verträgt der Patou aufgrund seines dicken Fells nur schlecht. Er braucht im Sommer kühle Rückzugsorte. Kälte und Schnee hingegen bereiten ihm größte Freude.
- Wachsamkeit: Halter sollten bedenken, dass der Hund besonders in der Dämmerung und nachts seine Wachsamkeit intensiviert. Dies kann in eng besiedelten Gebieten zu Problemen mit der Nachbarschaft führen.
Erziehung: Führung durch Souveränität
Die Erziehung erfordert eine autoritäre, aber niemals harte Persönlichkeit. Mit Druck erreichen Sie bei einem Pyrenäenberghund gar nichts - er wird sich stur stellen. Man muss ihn mit Geduld und Konsequenz davon überzeugen, dass Zusammenarbeit lohnenswert ist.
Frühe Sozialisierung ist das A und O. Der Welpe muss viele verschiedene Menschen, Tiere und Geräusche kennenlernen, damit sein Schutztrieb später nicht in übermäßige Skepsis umschlägt. Er lernt Kommandos schnell, führt sie aber oft mit einer gewissen "philosophischen Verzögerung" aus, um den Sinn zu prüfen. Ein Kadavergehorsam ist dieser Rasse völlig fremd.
Gesundheit: Schutz für die Gelenke
Der Pyrenäenberghund ist robust, doch seine Größe bringt spezifische Risiken mit sich:
- Wachstumsphase: Die wichtigste Zeit ist das erste Lebensjahr. Um Skeletterkrankungen wie HD (Hüftgelenksdysplasie) oder ED (Ellbogendysplasie) vorzubeugen, darf der Junghund keinesfalls körperlich überlastet werden. Treppensteigen und langes Laufen am Fahrrad sind tabu.
- Ernährung: Eine moderate Fütterung ist entscheidend. Zu schnelles Wachstum durch zu energiereiches Futter schädigt die Gelenke dauerhaft.
- Magendrehung: Wie bei allen großen Rassen sollte die Tagesration auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilt werden, gefolgt von einer strikten Ruhepause.
- Fellpflege: Das Fell ist selbstreinigend. Regelmäßiges Bürsten (einmal pro Woche) reicht aus, um die Unterwolle zu lüften und loses Haar zu entfernen. Während des Fellwechsels ist tägliches Bürsten ratsam.
Häufige Fragen (FAQ) zum Pyrenäenberghund
Ist der Pyrenäenberghund ein guter Familienhund?
Ja, er ist sehr sanft zu Kindern und loyal zur Familie. Er braucht jedoch Besitzer, die seinen Schutztrieb managen können.
Bellt er viel?
Er bellt, um sein Territorium anzuzeigen. In der Stille der Nacht kann dies sehr weit tragen, was in Wohngebieten beachtet werden muss.
Wie viel frisst ein so großer Hund?
Überraschenderweise ist er ein guter Futterverwerter und braucht im Verhältnis zu seiner Größe oft weniger Energie als manch kleinere, quirligere Rasse.
Verträgt er sich mit anderen Haustieren?
Wenn er sie als Teil seiner "Herde" akzeptiert hat, wird er sie gegen alles und jeden verteidigen.
Bildergalerie: Pyrenäenberghund
Impressionen der weißen Wächter aus Frankreich:









