Scottish Terrier: Der eigenwillige „Gentleman“ aus den Highlands
Kurzinfos & Steckbrief
Der Scottish Terrier, liebevoll „Scottie“ genannt, ist eine der markantesten Erscheinungen in der Welt der Hunde. Mit seinem charakteristischen Bart, den buschigen Augenbrauen und seiner würdevollen, fast stoischen Haltung wirkt er wie ein kleiner, vierbeiniger Gentleman im Tweed-Anzug. Doch unter diesem aristokratischen Äußeren verbirgt sich ein waschechter Arbeitsterrier, der ursprünglich in den rauen schottischen Highlands gezüchtet wurde, um in den Bauen von Dachsen und Füchsen zu jagen. Er ist ein Hund von großer Unabhängigkeit, Mut und Loyalität. Der Scottish Terrier ist kein Hund für jedermann; er ist eine Persönlichkeit, die Respekt fordert und seinem Besitzer eine treue, wenn auch eigensinnige Partnerschaft bietet.
- Herkunftsland: Großbritannien (Schottland)
- FCI-Standard: Gruppe 3 (Terrier) / Sektion 2 (Niederläufige Terrier) / Nr. 73
- Größe: 25 cm bis 28 cm
- Gewicht: 8,5 kg bis 10,5 kg
- Besonderheit: Würdevolle „Die-Hard“-Attitüde; wetterfestes Doppelhaarkleid
Geschichte: Der „unbeugsame“ Jäger der Highlands
Die Geschichte des Scottish Terriers ist tief in der schottischen Erde verwurzelt. Über Jahrhunderte hinweg gab es in den Highlands verschiedene Typen von Terriern, die alle unter dem Namen „Skye Terrier“ zusammengefasst wurden. Erst im späten 19. Jahrhundert begannen Züchter, die verschiedenen Schläge zu differenzieren. Der Scottish Terrier, wie wir ihn heute kennen, wurde speziell für die Jagd auf wehrhaftes Wild in den felsigen Cairngorm-Bergen selektiert.
Sein Ruf als unnachgiebiger Jäger brachte ihm den Spitznamen „Die-Hard“ ein. Er musste in der Lage sein, allein in einem dunklen Bau gegen einen Dachs zu bestehen - eine Aufgabe, die enorme körperliche Stärke und geistige Unabhängigkeit erforderte. Im frühen 20. Jahrhundert erlangte die Rasse Weltruhm, nicht zuletzt durch prominente Besitzer wie Franklin D. Roosevelt, dessen Scottie „Fala“ zum berühmtesten Hund Amerikas wurde. Heute ist er seltener bei der Jagd, aber als charakterstarker Begleithund weltweit geschätzt.
Erscheinungsbild: Quadratisch, praktisch, charismatisch
Der Scottish Terrier ist ein niederläufiger Hund, dessen gedrungener Körperbau enorme Kraft vermuten lässt. Er ist so gebaut, dass er sich flink durch dichtes Unterholz und enge Gänge bewegen kann.
Fell, Farben und Physiologie:
- Das Haarkleid: Er besitzt ein doppeltes Haarkleid. Das Unterhaar ist kurz, dicht und weich, während das Deckhaar rau, drahtig und fest anliegend ist. Diese Kombination macht ihn absolut wetterfest - ein Muss für das schottische Klima.
- Farbvarianten: Die meisten Menschen assoziieren den Scottie mit der Farbe Schwarz. Doch er ist auch in Weizenfarben oder Gestromt (Brindle) in allen Schattierungen anerkannt.
- Der Kopf: Der Kopf ist lang und wird von einem markanten Bart und buschigen Augenbrauen geziert. Die Ohren sind klein, spitz und aufrecht stehend, was ihm einen ständig aufmerksamen Ausdruck verleiht.
- Die Rute: Sie ist von mäßiger Länge, am Ansatz dick und verjüngt sich zur Spitze hin. Sie wird aufrecht getragen und sollte niemals über den Rücken gebogen sein.
Wesen: Ein stolzer Geist mit eigener Meinung
Das Wesen des Scottish Terriers ist geprägt von Stolz, Unabhängigkeit und Mut. Er ist kein Hund, der jedem Fremden sofort freudig um den Hals fällt. Auf Unbekannte wirkt er oft reserviert, unnahbar und fast schon arrogant. Er beobachtet erst einmal aus der Distanz, bevor er sein Urteil fällt.
Gegenüber seiner Familie ist er jedoch treu, anhänglich und sehr feinfühlig. Er besitzt eine typische Terrier-Eigenständigkeit: Er trifft gerne eigene Entscheidungen und hinterfragt Kommandos, wenn sie ihm nicht sinnvoll erscheinen. Er ist weder aggressiv noch ängstlich, zeigt aber bei Provokationen eine beeindruckende Unerschrockenheit. Sein Temperament ist ruhig und überlegt, was ihn von vielen quirligeren Terrierrassen unterscheidet.
Haltung: Ein robuster Begleiter für Kenner
Der Scottish Terrier ist ein aktiver Begleiter, der trotz seiner kurzen Beine gerne draußen unterwegs ist. Er ist anpassungsfähig und kann sowohl in einer Stadtwohnung als auch auf dem Land glücklich sein, solange er geistig und körperlich gefordert wird.
Was ein Scottie-Besitzer beachten sollte:
- Bewegungsdrang: Er ist kein Marathonläufer, liebt aber lange, abwechslungsreiche Spaziergänge. Er ist ein Entdecker, der gerne schnüffelt und seine Umgebung erkundet.
- Jagdtrieb: Seine Wurzeln als Baujäger kann er nicht verleugnen. Kleintiere oder Eichhörnchen lösen oft sofort seinen Jagdinstinkt aus. Ein Freilauf ist daher nur in sicherem Gelände oder bei perfektem Gehorsam möglich.
- Wachsamkeit: Er ist sehr aufmerksam und meldet Ungewöhnliches zuverlässig. Dabei ist er jedoch kein dauerhafter Kläffer, sondern ein gezielter Melder.
- Sozialisierung: Aufgrund seiner reservierten Art gegenüber Fremden und anderen Hunden ist eine frühe und umfassende Sozialisierung entscheidend.
Erziehung: Führung durch Konsequenz und Respekt
Die Erziehung eines Scottish Terriers erfordert Geduld und eine konsequente Hand. Er ist hochintelligent, aber sein „Will-to-please“ ist weit weniger ausgeprägt als bei einem Retriever. Er arbeitet mit seinem Menschen zusammen, wenn er Respekt empfindet und die Regeln klar und fair sind.
Druck oder Härte führen bei diesem stolzen Hund nur dazu, dass er sich völlig verschließt. Positive Verstärkung und Abwechslung sind der Schlüssel zum Erfolg. Er braucht jemanden, der seinen Eigensinn mit Humor nimmt, aber dennoch die Grenzen klar definiert. Ein gut erzogener Scottie ist ein angenehmer, unaufdringlicher Begleiter, der sich in jeder Situation würdevoll zu benehmen weiß.
Gesundheit und Pflege: Bartpflege und Gesundheitsvorsorge
Der Scottish Terrier ist grundsätzlich ein robuster Hund, hat jedoch als Rasse einige spezifische Punkte, die man kennen sollte.
- Fellpflege: Das Fell muss regelmäßig (ca. alle 8-12 Wochen) professionell getrimmt werden, um die drahtige Struktur und die Wetterfestigkeit zu erhalten. Scheren schadet der Haarqualität. Der Bart und die Augenbrauen müssen regelmäßig gekämmt werden, um Verfilzungen und Futterreste zu vermeiden.
- Rassespezifische Krankheiten: Statistisch gesehen hat der Scottish Terrier ein höheres Risiko für Blasenkrebs. Auch die „Scottie Cramp“ (eine neurologische Störung der Bewegungskoordination bei Aufregung) und vWD (eine Blutgerinnungsstörung) kommen vor. Seriöse Züchter lassen ihre Tiere auf Erbkrankheiten testen.
- Lebenserwartung: Ein gesunder Scottie wird meist zwischen 12 und 15 Jahre alt.
Häufige Fragen (FAQ) zum Scottish Terrier
Ist der Scottish Terrier ein Anfängerhund?
Bedingt. Aufgrund seines Eigensinns braucht er eine konsequente Führung. Für engagierte Anfänger, die bereit sind, in eine gute Hundeschule zu gehen und den Charakter der Terrier zu lieben, ist er ein toller Partner.
Haart ein Scottish Terrier viel?
Wenn er regelmäßig getrimmt wird, verliert er kaum Haare in der Wohnung. Die abgestorbenen Haare müssen beim Trimmen von Hand entfernt werden.
Verträgt er sich mit Kindern?
Innerhalb der Familie ist er meist sehr loyal. Er ist jedoch kein Spielzeug und schätzt einen respektvollen Umgang. Er passt oft besser zu älteren Kindern, die seine Grenzen akzeptieren.
Bildergalerie: Scottish Terrier
Entdecken Sie den markanten Charme des schottischen Jägers:









