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Tornjak: Der unbestechliche Wächter der Dinarischen Alpen

Tornjak - Bosnisch-Herzegowinischer und Kroatischer Schäferhund

Der Tornjak

Kurzinfos & Steckbrief

Der Tornjak ist ein kraftvoller, majestätischer Herdenschutzhund, der seit Jahrhunderten die Viehherden in Bosnien-Herzegowina und Kroatien vor Wölfen und Bären schützt.

  • Herkunftsland: Kroatien / Bosnien-Herzegowina
  • FCI-Standard: Gruppe 2.2 (Molosser / Berghunde) / Nr. 355
  • Größe: Rüden 65-70 cm | Hündinnen 60-65 cm (+/- 2 cm Toleranz)
  • Gewicht: Ca. 35-50 kg (je nach Größe und Geschlecht)
  • Verwendung: Herdenschutzhund, Wachhund

Geschichte: Ein antikes Erbe aus den Bergen

Der Tornjak gehört zu den ältesten Herdenschutzhunderassen des Balkans. Schriftliche Erwähnungen dieser Hunde lassen sich bis in das Jahr 1067 zurückverfolgen. Der Name leitet sich vom bosnisch-kroatischen Wort „tor“ ab, was so viel wie „Einfriedung für Schafe“ oder „Pferch“ bedeutet. Wie sein Name schon sagt, war er der treue Wächter, der die Herde innerhalb und außerhalb des Pferchs vor Raubtieren schützte.

Über Jahrhunderte blieb die Rasse nahezu unverändert, da sie in den abgelegenen Bergregionen isoliert gezüchtet wurde. Erst in den 1970er Jahren begann man mit der gezielten Erfassung und Reinzucht, um den Tornjak vor dem Aussterben zu bewahren, da die traditionelle Wanderschäferei zurückging. Heute ist er ein Nationalstolz in Bosnien-Herzegowina und Kroatien und wurde 2017 offiziell und endgültig von der FCI anerkannt.


Erscheinungsbild: Ein imposanter Mantel gegen die Kälte

Der Tornjak ist ein großer, kräftiger und fast quadratisch gebauter Hund. Trotz seiner Masse wirkt er nicht plump, sondern beweglich und ausdauernd. Sein Gang ist majestätisch und kraftvoll.

Fellbeschaffenheit und Farben: Das doppelte Haarkleid des Tornjak ist sein Schutzschild gegen die extremen Witterungsbedingungen der Dinarischen Alpen.

  • Struktur: Das Deckhaar ist lang, dicht und grob. Es schützt vor Nässe, während die extrem dichte, wollige Unterwolle im Winter die Körperwärme speichert. Besonders markant ist die Mähne um den Hals und die reich behaarte Rute.
  • Farbe: Die vorherrschende Grundfarbe ist Weiß. Typisch sind bunte Flecken oder Platten in Schwarz, Braun oder Gelb. Es gibt auch Exemplare mit schwarzem Mantel und weißen Abzeichen. Die Symmetrie der Flecken ist weniger wichtig als die Klarheit der Farben.
  • Pflege: Trotz der Länge ist das Fell schmutzabweisend. Ein gründliches Bürsten ist vor allem während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst nötig, da der Tornjak dann enorme Mengen an Unterwolle verliert.


Wesen: Eigenständig, mutig und unbestechlich

Tornjak - Bosnisch-Herzegowinischer und Kroatischer Schäferhund

Das Wesen des Tornjaks ist geprägt von seiner ursprünglichen Aufgabe. Als Herdenschutzhund ist er darauf selektiert, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Er wartet nicht auf ein Kommando, wenn er eine Gefahr für sein „Rudel“ oder sein Territorium erkennt.

Gegenüber seiner Familie ist er sanftmütig, loyal und zeigt ein ruhiges Temperament. Er gilt als sehr intelligent und beobachtet seine Umgebung genau. Fremden gegenüber ist er jedoch von Natur aus misstrauisch und distanziert. Sein Schutztrieb ist angeboren und wird aktiviert, sobald er eine Bedrohung wahrnimmt. Dabei agiert er defensiv-wachsam, ist aber bereit, im Ernstfall mit großer Entschlossenheit einzugreifen. Er ist kein Hund, der bedingungslosen Gehorsam zeigt; er kooperiert eher auf Basis von Respekt und Vertrauen.


Haltung: Ein Hund für das weite Land

Die Haltung eines Tornjaks ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die nicht unterschätzt werden darf. Er ist absolut kein Hund für die Stadt oder eine enge Mietwohnung. Seine Instinkte würden in einer belebten Umgebung schnell zu Konflikten führen, da er Passanten oder Postboten als Eindringlinge einstufen könnte.

Ideale Bedingungen:

  • Grundstück: Ein großes, sicher eingezäuntes Areal ist Grundvoraussetzung. Der Tornjak braucht Platz, um sein Revier abzulaufen und zu kontrollieren.
  • Aufgabe: Er braucht das Gefühl, gebraucht zu werden. Bewachen liegt ihm im Blut. Er fühlt sich am wohlsten, wenn er viel Zeit im Freien verbringen kann.
  • Sozialisierung: Aufgrund seines Misstrauens gegenüber Fremden ist eine extrem frühe und umfassende Sozialisierung mit Menschen, anderen Tieren und verschiedenen Umweltreizen lebensnotwendig.


Erziehung: Kompetenz statt Dominanz

Die Erziehung eines Tornjaks erfordert Erfahrung mit Herdenschutzhunden. Ein Tornjak wird niemals „Stöckchen holen“, nur um seinem Besitzer zu gefallen. Er hinterfragt den Sinn von Befehlen. Druck oder körperliche Härte bewirken bei dieser Rasse das Gegenteil: Der Hund schaltet auf stur und bricht die Zusammenarbeit ab.

Erfolgreich ist man mit Geduld, Souveränität und positiver Bestärkung. Man muss als Halter eine natürliche Autorität ausstrahlen, die der Hund akzeptieren kann. Ein Tornjak muss lernen, dass der Mensch die Situationen bewertet und entscheidet, wer das Grundstück betreten darf. Diese Kontrolle über den Schutztrieb ist das wichtigste Ziel der Ausbildung.


Gesundheit: Die Robustheit eines Gebirgshundes

Der Tornjak gilt als sehr gesunde und widerstandsfähige Rasse. Da er über Jahrhunderte auf Leistung und Überleben unter harten Bedingungen selektiert wurde, gibt es kaum rassespezifische Erbkrankheiten.

  • Hüftgelenksdysplasie (HD): Wie bei allen großen Rassen sollte auf die Gelenkgesundheit der Elterntiere geachtet werden.
  • Magendrehung: Aufgrund des tiefen Brustkorbs besteht ein Risiko. Fütterung nach Ruhephasen und in kleineren Portionen ist ratsam.
  • Ernährung: Er ist ein guter Futterverwerter. Eine zu schnelle Aufzucht als Welpe durch zu energiereiches Futter sollte vermieden werden, um Knochenschäden vorzubeugen.


Häufige Fragen (FAQ) zum Tornjak

Ist der Tornjak als Familienhund geeignet?
Nur für sehr erfahrene Halter mit den passenden räumlichen Gegebenheiten. Er ist ein loyaler Partner, aber sein Schutztrieb erfordert Management.

Wie viel Bewegung braucht er?
Er ist kein Läufer wie ein Husky, aber er braucht tägliche Patrouillengänge und Beschäftigung. Er verbringt gerne viel Zeit im Freien, auch bei Kälte.

Ist der Tornjak aggressiv?
Nein, ein gut sozialisierter Tornjak ist ein ruhiger Beobachter. Aggression zeigt er nur bei einer echten Bedrohung seines Territoriums oder seiner Familie.

Kann man ihn im Hundesport führen?
Nur bedingt. Agility oder Obedience auf Wettbewerbsniveau widersprechen seinem Naturell. Fährtenarbeit oder Wanderungen (Dogtrekking) liegen ihm eher.


Bildergalerie: Tornjak

Impressionen des bosnisch-kroatischen Hirtenhundes:

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