Briard (Berger de Brie): Ein Herz aus Gold unter rauem Fell
Geschichte und Herkunft: Der arbeitende Aristokrat
Der Briard, in seiner Heimat Frankreich Berger de Brie genannt, ist eine alte französische Schäferhunderasse mit einer beeindruckenden Tradition. Schon im 14. Jahrhundert wurden Hunde dieses Typs schriftlich erwähnt. Ursprünglich war er ein reiner Arbeitshund, dessen Aufgabe es war, Schafherden zu treiben und vor Raubtieren wie Wölfen zu schützen. Er musste flink genug zum Treiben und mutig genug zum Kämpfen sein.
Interessanterweise war der Briard nicht nur auf den Feldern anzutreffen. Bekannte Persönlichkeiten wie Karl der Große, Napoleon und Thomas Jefferson schätzten diese Hunde. Während der beiden Weltkriege leisteten Briards wertvolle Dienste als Meldehunde und Sanitätshunde, die Verwundete auf dem Schlachtfeld aufspürten. Diese geschichtliche Belastung hat den Briard zu dem gemacht, was er heute ist: ein loyaler, belastbarer und extrem vielseitiger Partner.
Erscheinungsbild: Zottelig, kraftvoll und elegant
Der Briard ist ein rustikaler, muskulöser Hund von beachtlicher Größe. Sein auffälligstes Merkmal ist das lange, trockene Fell, das an Ziegenhaar erinnert („Gras-de-chèvre“). Es ist leicht gewellt und bildet charakteristische Strähnen.
Die Farben: Anerkannt sind die Farben:
- Schwarz (Noir): Tiefschwarz, ohne grauen Schimmer.
- Fauve: Ein warmes Hellbraun, oft mit schwarzer Maske und dunklen Haarspitzen (Charbonnierung).
- Grau und Blau: Seltener, aber im Standard vorgesehen.
Einzigartiges Merkmal: Die Doppelkrallen
Ein wichtiges Rassemerkmal des Briards sind die doppelten Afterkrallen an den Hinterbeinen. Diese sitzen tief und müssen knöchern mit dem Lauf verbunden sein. Historisch sollten sie dem Hund in unwegsamem Gelände oder im Kampf mit Beutegreifern mehr Halt geben.
Wesen: Ein intelligenter Beschützer mit Charakter
Der Briard ist alles andere als ein langweiliger Begleiter. Er ist temperamentvoll, wachsam und besitzt einen ausgeprägten Schutztrieb. Er bewacht Haus, Hof und Familie selbstständig und mit großer Ernsthaftigkeit. Fremden gegenüber ist er meist reserviert, taut aber auf, sobald er jemanden als Freund akzeptiert hat.
Er ist extrem intelligent und lernt sehr schnell, besitzt aber auch den typischen „Terrier-Eigensinn“ unter den Schäferhunden. Ein Briard möchte verstehen, warum er eine Aufgabe ausführen soll. Er ist seinen Menschen gegenüber überaus sanftmütig, treu und sucht oft engen Körperkontakt - er wird oft als „Herz aus Gold unter rauem Fell“ bezeichnet.
Haltung: Kein Hund für Stubenhocker
Wer sich für einen Briard entscheidet, muss sich bewusst sein, dass dieser Hund Arbeit braucht. Ein unterforderter Briard wird unglücklich und kann aufgrund seines Schutztriebs schwierig werden. Er ist kein Hund für die reine Wohnungshaltung in der Stadt, es sei denn, man verbringt täglich viele Stunden aktiv mit ihm in der Natur.
Beschäftigungsmöglichkeiten:
- Hundesport: Er glänzt in Agility, Obedience und im Vielseitigkeitssport (VPG).
- Fährtenarbeit: Seine Nase ist hervorragend, was ihn auch zu einem guten Rettungshund macht.
- Hüten: Wenn möglich, ist die Arbeit an Schafen die ultimative Auslastung.
- Ausdauer: Er ist ein perfekter Begleiter zum Joggen, Wandern oder Radfahren.
Erziehung: Nichts für Anfänger
Aufgrund seiner Intelligenz und seines Schutztriebs gehört der Briard in die Hände von Menschen mit Hundeerfahrung. Er braucht eine konsequente, aber liebevolle Führung. Druck oder Härte quittiert der sensible Franzose mit Sturheit oder Meideverhalten. Er braucht einen „Chef“, der souverän und sicher auftritt. Besonders wichtig ist eine frühe und umfassende Sozialisierung, um seine Skepsis gegenüber Fremden und anderen Hunden in die richtigen Bahnen zu lenken.
Fellpflege: Ein kleiner Vollzeitjob
Das prächtige Fell des Briards ist zwar wetterfest, erfordert aber intensivste Pflege. Wer keine Lust auf Bürsten und Kämmen hat, sollte sich gegen diese Rasse entscheiden.
- Regelmäßigkeit: Mindestens einmal pro Woche (besser öfter) muss der Hund bis auf die Haut durchgebürstet werden. Eine Sitzung kann gut 1 bis 2 Stunden dauern.
- Verfilzungen: Besonders hinter den Ohren und an den Beinen neigt das Fell zum Filzen.
- Schmutzmagnet: Im langen Fell bleiben Blätter, Zweige und Schlamm hängen. Der Briard trägt nach jedem Regenspaziergang den halben Garten mit ins Haus.
- Doppelkrallen: Diese müssen regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden, da sie sich nicht von selbst ablaufen.
Gesundheit und Lebenserwartung
Der Briard ist eine vitale und robuste Rasse mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 10 bis 12 Jahren. Dennoch gibt es rassetypische Krankheiten, auf die seriöse Züchter testen:
- HD (Hüftgelenksdysplasie): In der Zucht wird streng auf gesunde Hüften geachtet.
- Magendrehung: Wie bei vielen großen Rassen ein Risiko. Fütterung in kleinen Portionen und Ruhe nach dem Essen sind Pflicht.
- CSNB (Nachtblindheit): Eine genetisch bedingte Augenerkrankung, für die es einen Gentest gibt.
- Ektopischer Ureter (EU): Eine Fehlbildung der Harnleiter, die zu Inkontinenz führen kann.
Häufige Fragen (FAQ) zum Briard
Ist der Briard kinderlieb?
Ja, er gilt als sehr geduldig und schützend gegenüber Kindern der eigenen Familie. Er wird oft zum „Hüter“ der Kleinen, sollte aber aufgrund seiner Größe und seines Temperaments nie unbeaufsichtigt bleiben.
Haart der Briard viel?
Überraschenderweise verliert er sehr wenig Haar, da die abgestorbene Unterwolle im Deckhaar hängen bleibt. Deshalb ist das Bürsten so wichtig - man holt die Haare aktiv mit der Bürste heraus.
Kann man einen Briard scheren?
Man sollte es vermeiden. Das Fell dient als Isolierung gegen Hitze und Kälte. Scheren zerstört die Struktur des Haares und die Schutzfunktion geht verloren.
Ist er ein guter Wachhund?
Ein exzellenter. Der Briard meldet nicht nur, er ist im Ernstfall auch bereit, seine Familie und sein Revier aktiv zu verteidigen.
Bildergalerie: Briard / Berger de Brie
Impressionen der temperamentvollen französischen Hütehunde:










Wir haben einen Briard/Bernersennenmix. Eine Ausgebildete Besuchs und Therapiehündin. Wir leben alle in einer Stadtwohnung u. das stellt für die Hündin kein Problem dar, da wir mindestens tägl. 3-4 Std. unterwegs sind.