Keine Kommentare

Ca de Bou: Der loyale Kraftprotz von der Insel Mallorca

Ca de Bou Mallorca Dogge stehend

Ca de Bou: Treu, mutig, gelassen

Kurzinfos & Steckbrief

Der Ca de Bou, auch bekannt als Perro de Presa Mallorquín oder Mallorca-Dogge, ist ein beeindruckender Molosser mit einer tief verwurzelten Geschichte auf den Balearen. Sein Name bedeutet übersetzt schlicht „Stierhund“. Einst als unerschrockener Helfer der Metzger und im Stierkampf eingesetzt, präsentiert er sich heute als nervenstarker, treuer Begleiter, der seine Familie über alles schätzt und mit ruhiger Souveränität beschützt.

  • Herkunftsland: Spanien (Mallorca)
  • FCI-Standard: Gruppe 2 (Molossoide) / Sektion 2.1 / Nr. 249
  • Größe: Rüden 55-58 cm | Hündinnen 52-55 cm
  • Gewicht: Rüden 35-38 kg | Hündinnen 30-34 kg
  • Besonderheit: Kurzer, massiver Kopf und ausgeprägter Kiefer (Bullenbeißer-Erbe)

Geschichte: Vom Metzgerhund zum Insel-Nationalstolz

Die Ursprünge des Ca de Bou lassen sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Als König Jakob I. von Aragón die Balearen eroberte, brachten die Siedler große, wehrhafte Hunde mit. Diese vermischten sich im Laufe der Jahrhunderte mit lokalen Hütehunden und vermutlich auch mit Hunden der englischen Händler, die während der Besetzung Minorcas Bulldoggen-Typen auf die Inseln brachten.

Der Ca de Bou war ein klassischer Arbeitshund. Er half Metzgern, widerspenstige Stiere bei der Schlachtung zu bändigen, bewachte Bauernhöfe und wurde leider auch für Tierkämpfe eingesetzt. Mit dem Verbot der Kämpfe und der Modernisierung der Landwirtschaft wäre die Rasse beinahe ausgestorben. In den 1980er Jahren begann ein engagiertes Wiederaufbauprojekt, um den echten mallorquinischen Typ zu bewahren. Heute ist er ein geschätzter Nationalstolz Spaniens und ein Beispiel für die Wandlung vom Kampfhund zum ausgeglichenen Familienbegleiter.


Erscheinungsbild: Kompakte Kraft und Athletik

Der Ca de Bou ist ein kräftiger, aber keineswegs schwerfälliger Molosser. Seine Statur ist muskulös und kompakt, wobei er eine enorme physische Präsenz ausstrahlt. Besonders markant ist sein Kopf, der fast quadratisch wirkt und einen kräftigen Unterkiefer besitzt.

Fell, Farben und Physiologie:

  • Das Haarkleid: Das Fell ist kurz und dicht. Es liegt fest am Körper an und ist eher rau in der Textur. Dies macht ihn sehr wetterfest und pflegeleicht.
  • Farben: Die Palette reicht von gestromt (am beliebtesten bei den Einheimischen) über Falbtöne, Goldgelb, Sandfarben und Beige bis hin zu Schwarz. Weiß ist nur an Brust und Pfoten in begrenztem Maße zulässig.
  • Die Augen: Die dunklen Augen blicken wachsam und intelligent, strahlen aber eine tiefe Ruhe aus.
  • Die Ohren: Die typischen Rosenohren sind klein und hoch angesetzt, was dem Hund seinen wachen Gesichtsausdruck verleiht.


Wesen: Der loyale Wächter mit Nerven aus Stahl

Hinter dem imposanten Äußeren des Ca de Bou verbirgt sich ein sanftmütiges und absolut loyales Wesen. Seine Treue gegenüber seiner Familie ist legendär. Er möchte am liebsten überall dabei sein und baut eine tiefe emotionale Bindung zu seinen Menschen auf.

Trotz seines historischen Erbes als Schutzhund ist er heute ein ausgeglichener und nervenstarker Zeitgenosse. Er lässt sich nicht so leicht provozieren und zeigt eine hohe Reizschwelle, was ihn besonders im Umgang mit Kindern zu einem geduldigen Partner macht. Fremden gegenüber ist er jedoch distanziert und unbestechlich. Er beobachtet genau und entscheidet souverän, ob eine Situation eine Reaktion erfordert. Seine Wachsamkeit ist angeboren, nicht aggressiv, aber dennoch unmissverständlich.


Haltung: Mitten im Geschehen

Der Ca de Bou ist ein ausgesprochener Familienhund. Eine Zwingerhaltung oder soziale Isolation wäre für dieses sensible Kraftpaket fatal. Er braucht den engen Kontakt zu seinem "Rudel" und einen festen Platz im Haus.

Was ein Ca de Bou braucht:

  • Auslastung: Er ist temperamentvoller, als er im Ruhezustand wirkt. Er liebt lange Spaziergänge, Spieleinheiten und Toben. Auch für Suchspiele oder leichtes Agility ist er zu haben.
  • Aufgabe: Er liebt es, etwas bewachen zu dürfen. Ein Haus mit Garten ist ideal, da er dort seinem natürlichen Wachinstinkt nachgehen kann.
  • Klima: Aufgrund seines kurzen Fells verträgt er Hitze gut, schätzt aber im Winter bei extremer Kälte einen geschützten Ruheplatz.


Erziehung: Klare Führung für einen starken Charakter

Die Erziehung eines Ca de Bou erfordert Souveränität und Konsequenz. Er ist intelligent und lernt schnell, besitzt aber den typischen Molosser-Dickkopf. Er führt Kommandos gerne aus, wenn er seinen Besitzer respektiert und die Regeln klar definiert sind.

Härte ist völlig fehl am Platz - der Ca de Bou braucht eine liebevolle Führung, die seine Sensibilität berücksichtigt. Eine frühe Sozialisierung ist extrem wichtig, um ihn an andere Hunde und Menschen zu gewöhnen und seine Wachsamkeit in kontrollierte Bahnen zu lenken. Wer sein Vertrauen gewinnt, bekommt einen Partner, der für ihn durchs Feuer geht. Er ist aufgrund seiner Nervenstärke für konsequente Anfänger geeignet, die bereit sind, mit einem starken Hund zu arbeiten.


Gesundheit: Worauf man beim "Mallorquiner" achten sollte

Insgesamt gilt der Ca de Bou als robuste und gesunde Rasse. Dennoch bringen seine Größe und sein Gewicht spezifische Anforderungen mit sich:

  • Gelenke: Wie bei allen Molossern sollte auf Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED) geachtet werden. Eine gesunde Ernährung und moderate Belastung im Welpenalter sind entscheidend.
  • Atmung: Da er zu den eher kurzköpfigen (brachyzephalen) Rassen gehört, sollte man auf eine gute Nasenbildung achten. Seriöse Züchter legen Wert auf freie Atemwege.
  • Zahnpflege: Der kräftige Kiefer sollte regelmäßig kontrolliert werden, da Zahnfehlstellungen bei Molossern vorkommen können.
  • Lebenserwartung: Im Durchschnitt erreicht er ein Alter von 10 bis 12 Jahren.


Häufige Fragen (FAQ) zum Ca de Bou

Ist der Ca de Bou ein Listenhund?
In Deutschland ist die Regelung je nach Bundesland unterschiedlich. In einigen Ländern wird er als gefährlich vermutet eingestuft, in anderen nicht. Halter sollten sich vorab bei ihrer zuständigen Behörde informieren.

Verträgt er sich mit anderen Haustieren?
Bei frühzeitiger Sozialisierung ist das Zusammenleben mit Katzen oder anderen Hunden meist problemlos. Innerhalb der Familie ist er sehr verträglich.

Sabbert ein Ca de Bou viel?
Im Vergleich zu anderen Molossern wie dem Mastiff hält sich das Sabbern beim Ca de Bou in Grenzen, tritt aber nach dem Trinken oder bei Hitze durchaus auf.


Bildergalerie: Ca de Bou

Lassen Sie sich von der Ausstrahlung der Mallorca-Dogge begeistern:

Foto: ©otsphoto/Fotolia

Copyright

Alle Texte auf dieser Webseite (hundeseite.de) sind urheberrechtlich geschützt. Eine Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Nutzung jeglicher Inhalte ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung ausdrücklich untersagt.

Schreibe einen Kommentar