English Setter: Der elegante Gentleman mit der feinen Nase

Der English Setter
Kurzinfos & Steckbrief
Der English Setter gilt als eine der elegantesten Hunderassen der Welt. Mit seinem seidigen Fell, dem graziösen Gangwerk und seinem sanftmütigen Blick ist er der Inbegriff des britischen Vorstehhundes. Er vereint jagdliche Höchstleistung mit einem unvergleichlich charmanten Wesen im Familienalltag.
- Herkunftsland: Großbritannien (England)
- FCI-Standard: Gruppe 7.2.2 (Britische und Irische Vorstehhunde) / Nr. 2
- Größe: Rüden 65-68 cm | Hündinnen 61-65 cm
- Gewicht: ca. 25 kg bis 30 kg
- Besonderheit: Die einzigartige „Belton“-Tüpfelung des Fells
Geschichte: Von den Mooren Englands in die Herzen der Welt
Die Geschichte des English Setters reicht weit zurück und ist eng mit der Jagd auf Federwild verbunden. Schon im 14. Jahrhundert gab es Berichte über „Setting Dogs“, die darauf trainiert waren, Wildvögel in den Heideflächen aufzuspüren. Der Name „Setter“ leitet sich von der Arbeitsweise ab: Fand der Hund Wild, blieb er nicht stehen, sondern „setzte“ sich nieder (oder legte sich flach hin), um dem Jäger das Auswerfen eines Netzes über Hund und Beute zu ermöglichen.
Die moderne Zucht, wie wir sie heute kennen, wurde maßgeblich von Edward Laverack geprägt, der im 19. Jahrhundert den Grundstein für den heutigen Typ legte (daher oft auch „Laverack-Setter“ genannt). Später differenzierte Richard Purcell Llewellin eine etwas kleinere, leichtere Arbeitslinie aus. Heute ist der English Setter sowohl ein geschätzter Jagdbegleiter als auch ein stolzer Vertreter auf Hundeausstellungen und ein geliebter Familienhund.
Erscheinungsbild: Seidige Pracht und „Belton“-Muster
Ein English Setter besticht durch seine mittlere Größe, die klare Linienführung und eine fast aristokratische Ausstrahlung. Er wirkt athletisch und flink, ohne dabei seine Eleganz einzubüßen.
Das Fell und die Farben:
- Struktur: Das Haar ist lang, seidig und leicht gewellt. Besonders schön sind die „Fransen“ (Befederung) an den Rückseiten der Läufe, am Bauch und an der Rute (die sogenannte Fahne).
- Farben (Belton): Die Farben sind beim Setter etwas ganz Besonderes. Man nennt die Tüpfelung „Belton“ (nach einem Dorf in Northumberland). Es gibt:
- Blue Belton: Schwarz und Weiß
- Orange Belton: Orange und Weiß
- Lemon Belton: Zitronenfarben und Weiß
- Liver Belton: Leberfarben und Weiß
- Tricolor: Schwarz, Weiß und Lohfarbene Abzeichen
Wesen: Sanftmut trifft auf Jagdeifer

Der English Setter wird oft als einer der sanftmütigsten Jagdhunde beschrieben. Er ist ausgesprochen freundlich, gutmütig und besitzt eine hohe soziale Intelligenz. Aggression ist ihm fremd - er geht offen auf Menschen und Artgenossen zu.
Im Haus zeigt er sich als ruhiger und ausgeglichener Mitbewohner, der gerne auf dem Sofa entspannt (wenn er darf). Sobald er jedoch die Haustür verlässt, erwacht sein Jagdinstinkt. Seine Nase ist ständig am Boden oder im Wind, und sein Bewegungsdrang ist enorm. Er braucht die Freiheit, weiträumig zu suchen, was in wildreichen Gebieten eine gute Erziehung und oft auch eine Schleppleine erfordert.
Haltung: Ein Sportler für aktive Naturfreunde
Einen English Setter zu halten bedeutet, sich auf ein aktives Outdoor-Leben einzulassen. Dieser Hund ist kein Begleiter für kurze Runden um den Block. Er benötigt täglich mindestens zwei Stunden intensive Bewegung, idealerweise mit der Möglichkeit zum Freilauf oder zur Nasenarbeit.
Die perfekte Umgebung:
- Platzbedarf: Eine Wohnung ist möglich, sofern die Auslastung stimmt, aber ein Haus mit Garten ist für diesen freiheitsliebenden Hund ideal.
- Familienanschluss: Der Setter ist sehr anhänglich. Eine Zwingerhaltung kommt für diese sensible Rasse absolut nicht infrage. Er möchte bei seinen Menschen sein und am Alltag teilhaben.
- Eignung: Er ist ein hervorragender Familienhund und zeigt sich gegenüber Kindern geduldig und verspielt.
Beschäftigung: Mehr als nur Laufen
Da der English Setter ein spezialisierter Jagdhund ist, muss er geistig gefordert werden, um nicht zu verkümmern.
- Nasenarbeit: Mantrailing, Fährtensuche oder Dummy-Arbeit sind perfekt, um seinen Geruchssinn auszulasten.
- Jagdersatztraining: Da er ein Vorstehhund ist, liebt er Spiele, bei denen er seine Konzentration einsetzen kann. Das Üben des „Vorstehens“ an Reizangeln oder Spielzeugen macht ihm großen Spaß.
- Hundesport: Agility oder Canicross bieten ihm die nötige körperliche Power.
Pflege: Wellness für die Seide
Das prächtige Fell des English Setters erfordert regelmäßige Aufmerksamkeit.
- Bürsten: Um Verfilzungen in den seidigen Fransen zu vermeiden, sollte der Hund mindestens drei- bis viermal pro Woche gründlich gebürstet werden. Nach Spaziergängen müssen Kletten und Zweige sofort entfernt werden.
- Ohren: Wie alle Schlappohr-Rassen neigt auch der Setter zu Ohrentzündungen. Regelmäßige Kontrollen und Reinigung sind unerlässlich.
- Pfoten: Die Haare zwischen den Ballen sollten gekürzt werden, um zu verhindern, dass sich Schmutz oder Eisklumpen festsetzen.
Gesundheit: Robust, aber nicht ohne Risiken
Grundsätzlich ist der English Setter eine gesunde Rasse. Dennoch gibt es genetische Veranlagungen, die man kennen sollte:
- HD & ED: Hüft- und Ellenbogendysplasie werden durch seriöse Zuchtauslese minimiert.
- Taubheit: Gelegentlich treten Fälle von einseitiger oder beidseitiger Taubheit auf. Verantwortungsvolle Züchter lassen Welpen mittels AEP-Test untersuchen.
- Schilddrüsenunterfunktion: Ein Thema, das bei dieser Rasse vorkommen kann und die Vitalität beeinflusst.
- CLAD: Eine Immunschwächekrankheit, auf die seriöse Züchter testen (Canine Leukocyte Adhesion Deficiency).
Häufige Fragen (FAQ) zum English Setter
Kann man den Jagdtrieb kontrollieren?
Ja, durch konsequentes Antijagdtraining lässt sich der Trieb meist gut händeln. Ein 100%iger Rückruf bei Sichtung eines Fasans bleibt jedoch eine Herausforderung.
Ist der English Setter ein guter Wachhund?
Nein. Er meldet zwar vielleicht einen Besucher, würde diesen aber im nächsten Moment wahrscheinlich freudig schwanzwedelnd begrüßen. Er ist viel zu freundlich für einen Schutzhund.
Wie viel Beschäftigung braucht er wirklich?
Neben körperlicher Bewegung braucht er täglich etwa 20-30 Minuten konzentrierte Kopfarbeit (z.B. Suchspiele), um abends zufrieden in den Schlaf zu finden.
Bildergalerie: English Setter
Eleganz in Bewegung - Impressionen des English Setters:









