Pointer: Der aristokratische Vorstehhund aus Großbritannien
Kurzinfos & Steckbrief
Der Pointer, oft auch als English Pointer bezeichnet, gilt unter Kennern als der „Porsche“ unter den Vorstehhunden. Sein Name ist Programm: „to point“ (zeigen) beschreibt seine spektakuläre Fähigkeit, beim Auffinden von Wild wie erstarrt in einer Skulptur-ähnlichen Pose zu verharren und mit der Nase direkt auf die Beute zu zeigen. Mit seiner athletischen Statur, dem konkaven Nasenprofil und seinem enormen Vorwärtsdrang ist er ein hochspezialisierter Jagdhund, der für die Arbeit in weitem, offenem Gelände geschaffen wurde. Doch hinter dem passionierten Jäger verbirgt sich ein äußerst sensibler, freundlicher und fast schon zerbrechlich wirkender Familiengefährte, der eine tiefe Bindung zu seinen Menschen sucht.
- Herkunftsland: Großbritannien
- FCI-Standard: Gruppe 7 (Vorstehhunde) / Sektion 2 / Nr. 1
- Größe: Rüden 63-69 cm | Hündinnen 61-66 cm
- Gewicht: ca. 25 kg bis 30 kg
- Besonderheit: Spektakuläres „Vorstehen“ und extrem feine Nase für weite Entfernungen
Geschichte: Vom spanischen Import zum britischen Perfektionisten
Die Wurzeln des Pointers liegen vermutlich im sonnigen Spanien. Es wird angenommen, dass der „Perro de Punta“ im frühen 18. Jahrhundert von heimkehrenden Offizieren nach dem Spanischen Erbfolgekrieg nach Großbritannien gebracht wurde. In England traf dieser spanische Vorstehhund auf ein Klima und eine Jagdkultur, die nach mehr Schnelligkeit und Eleganz verlangten. Durch Einkreuzungen von Foxhounds, Greyhounds und möglicherweise Settern veredelten die britischen Züchter den einst schwerfälligen Hund zum heutigen Hochleistungsathleten.
Besonders die Einführung der modernen Schusswaffen veränderte das Anforderungsprofil: Der Hund sollte das Federwild nicht mehr nur finden, sondern es in weiten Feldern schnell lokalisieren und dem Jäger durch Vorstehen anzeigen. Der Pointer wurde so zum unverzichtbaren Partner bei der Moorjagd auf Rebhühner und Moorhühner. Seine Eleganz und seine faszinierende Arbeitsweise machten ihn schon früh zu einem begehrten Motiv in der Kunst - kaum eine andere Rasse wurde so oft auf klassischen Jagdgemälden verewigt wie der Pointer.
Erscheinungsbild: Die Ästhetik der Aerodynamik
Der Pointer ist ein Hund, bei dem jedes Detail auf Schnelligkeit und Effizienz ausgelegt ist. Sein Körperbau ist sehnig, muskulös und wirkt dennoch federleicht. Er strahlt eine fast schon aristokratische Würde aus.
Fell, Farben und Physiologie:
- Das Haarkleid: Das Fell ist kurz, glatt, fein und fest anliegend. Es besitzt einen natürlichen Glanz, bietet jedoch wenig Schutz gegen dorniges Gebüsch oder eisige Kälte - der Pointer ist ein Schönwetter-Jäger für offene Flächen.
- Farbvielfalt: Üblich sind Weiß mit leberfarbenen (braunen), zitronenfarbenen (lemon) oder schwarzen Flecken. Auch Einfarbigkeit oder Tricolor-Varianten sind im Standard vorgesehen.
- Der Kopf (Dish-Face): Einzigartig ist das Kopfprofil. Der Stop ist deutlich ausgeprägt, und der Nasenrücken verläuft leicht konkav nach oben (aufgeworfene Nase). Dies unterstützt den Pointer dabei, Witterung aus der Luft optimal aufzunehmen.
- Die Rute: Sie ist am Ansatz kräftig und verjüngt sich zur Spitze hin. In der Bewegung wird sie meist in Verlängerung der Rückenlinie getragen.
Wesen: Ein hochempfindlicher Profi
Das Wesen des Pointers ist von einer bemerkenswerten Dualität geprägt. Draußen im Feld ist er eine Maschine - fokussiert, ausdauernd und getrieben von einer unbändigen Jagdpassion. Er arbeitet mit „hoher Nase“ und sucht den Wind nach Partikeln ab. Wenn er Wild wittert, erstarrt er in einer Pose, die an eine gespannte Feder erinnert - ein Anblick, der jeden Naturliebhaber in Staunen versetzt.
Im Haus zeigt sich der Pointer von seiner sensiblen und sanftmütigen Seite. Er ist äußerst freundlich, anhänglich und braucht den engen Kontakt zu seiner Familie. Pointer gelten als sehr folgsam, reagieren aber empfindlich auf eine harte Hand oder eine laute Stimme. Sie sind soziale Wesen, die sich gut mit Artgenossen verstehen und im Umgang mit Kindern meist sehr geduldig und vorsichtig sind. Ihr „Will-to-Please“ ist stark ausgeprägt, solange ihre Bedürfnisse nach Bewegung und Nasenarbeit gestillt werden.

Fokussiert: Der Pointer bei der Arbeit
Haltung: Nur für Menschen mit „Jagdfieber“
Der Pointer ist kein Hund für die Stadtwohnung und erst recht kein Hund für Menschen mit einem passiven Lebensstil. Er wurde über Generationen darauf selektiert, weite Räume in hohem Tempo abzusuchen. Ein Leben ohne diese Freiheit wird seinem Wesen nicht gerecht.
Ansprüche an das Zuhause:
- Jagdliche Führung: Der Pointer sollte im Idealfall jagdlich geführt werden. Nur hier kann er seine Instinkte - das Suchen, Finden und Vorstehen - wirklich ausleben.
- Ersatzbeschäftigung: Wird er nicht gejagt, ist extremer Hundesport wie Mantrailing, Rettungshundearbeit oder sehr ausgedehntes Joggen und Radfahren unumgänglich. Er braucht eine Aufgabe für seine Nase.
- Platzbedarf: Ein Haus mit einem großen, sicher eingezäunten Grundstück ist wichtig. Er braucht die Möglichkeit, sich auch zwischendurch frei bewegen zu können.
- Kälteempfindlichkeit: Aufgrund seines extrem dünnen Fells ohne Unterwolle friert der Pointer schnell. Im Winter ist oft ein Hundemantel nötig, und im Haus liebt er es warm und weich.
Erziehung: Sanfte Führung für schnelle Lerner
Die Erziehung eines Pointers ist aufgrund seiner Intelligenz und Folgsamkeit eigentlich unkompliziert - wäre da nicht der enorme Jagdtrieb. Sein Radius ist von Natur aus groß, und er entfernt sich im Feld oft weit von seinem Besitzer. Ein intensives Rückruftraining von Welpenbeinen an ist überlebenswichtig.
Da der Pointer sehr sensibel ist, sollte die Erziehung ausschließlich über positive Verstärkung und Motivation erfolgen. Härte führt bei dieser Rasse dazu, dass der Hund die Zusammenarbeit verweigert oder ängstlich wird. Ein Pointer möchte als Partner behandelt werden. Wer lernt, seine Körpersprache zu lesen, wird fasziniert sein, wie fein dieser Hund auf leiseste Signale reagiert.
Gesundheit und Pflege: Robustheit mit wenig Haaren
Der Pointer gilt als robuste Rasse, die aufgrund ihrer Arbeitsselektion eine gute Grundgesundheit mitbringt. Dennoch gibt es rassetypische Aspekte:
- Fellpflege: Minimaler Aufwand. Gelegentliches Abreiben mit einem Noppenhandschuh reicht aus. Er haart mäßig, aber die kurzen Haare können sich hartnäckig in Polstern festsetzen.
- Ohrenkontrolle: Die Schlappohren sollten regelmäßig auf Entzündungen kontrolliert werden, da das Klima im Gehörgang feucht-warm ist.
- Gesundheitliche Risiken: Wie bei vielen großen Hunden kommt HD (Hüftdysplasie) vor. Selten treten Hautprobleme oder Schilddrüsenerkrankungen auf.
- Lebenserwartung: Ein gesunder Pointer wird meist zwischen 12 und 14 Jahre alt.
Häufige Fragen (FAQ) zum Pointer
Kann man einen Pointer als reinen Familienhund halten?
Das ist schwierig und nur für sehr aktive Menschen zu empfehlen, die bereit sind, täglich mehrere Stunden in die körperliche und geistige (Nasen-)Auslastung zu investieren. Ein unterforderter Pointer wird im Haus unruhig oder entwickelt Zerstörungswut.
Bellt ein Pointer viel?
Nein, der Pointer ist im Haus in der Regel ein sehr ruhiger und angenehmer Mitbewohner. Er ist kein klassischer Wachhund.
Wie groß ist sein Jagdtrieb?
Extrem hoch. Er ist ein Spezialist für Federwild. Sobald er draußen ist, schaltet er in den Jagdmodus. Ein Freilauf ohne Leine erfordert ein exzellentes Training und ein sicheres Umfeld.
Bildergalerie: English Pointer
Erleben Sie die dynamische Eleganz des britischen Vorstehhundes:









