Harrier: Der unermüdliche und gesellige Langstreckenläufer Englands

Harrier: Ein athletischer Meutehund
Kurzinfos & Steckbrief
Der Harrier ist eine faszinierende britische Laufhunderasse, die oft als das „Bindeglied“ zwischen dem kleineren Beagle und dem kräftigen English Foxhound bezeichnet wird. Er wurde über Jahrhunderte hinweg für die ausdauernde Jagd auf Hasen (englisch: „hare“) in der Meute gezüchtet. Sein athletischer Körperbau, sein freundliches Wesen und seine außergewöhnliche soziale Kompetenz machen ihn zu einem erstklassigen Arbeitshund. In der Privathaltung ist er ein seltener Gast, der aufgrund seines enormen Bewegungsdrangs und seiner Jagdpassion höchste Ansprüche an seine Besitzer stellt.
- Herkunftsland: Großbritannien
- FCI-Standard: Gruppe 6 (Laufhunde) / Sektion 1.2 / Nr. 295
- Größe: 48 cm bis 55 cm (Idealhöhe 48-50 cm)
- Gewicht: ca. 22 kg bis 27 kg
- Besonderheit: Ausgeprägtes Sozialverhalten durch jahrhundertelange Meutehaltung
Geschichte: Die Kunst der Hasenjagd zu Pferd
Die Wurzeln des Harriers lassen sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Rasse entstand aus dem Bedürfnis, einen Hund zu züchten, der schnell genug war, um mit Pferden Schritt zu halten, aber langsam genug, um von Jägern zu Fuß oder auf gemächlichen Pferden begleitet werden zu können. Sein Name leitet sich direkt von seiner Hauptbeute ab, dem Hasen (Hare), obwohl er historisch auch für die Fuchsjagd eingesetzt wurde.
In England war der Harrier über Jahrhunderte ein fester Bestandteil der ländlichen Kultur. Die Meutejagd mit Harriers galt als volksnäher als die exklusive Fuchsjagd des Hochadels. Da diese Hunde fast ausschließlich in großen Meuten in Zwingern gehalten wurden, stand die Selektion auf soziale Verträglichkeit und Ausdauer immer an erster Stelle. Aggressives Verhalten innerhalb der Meute führte konsequent zum Ausschluss aus der Zucht. Dies hat den Harrier zu einem der verträglichsten Hunde gegenüber Artgenossen gemacht, ihn aber auch stark auf die Gemeinschaft geprägt.
Erscheinungsbild: Die Anatomie eines Langstreckenläufers
Optisch gleicht der Harrier einem kräftigen Beagle auf längeren Beinen. Sein Körperbau ist funktional und zeigt keine Übertreibungen. Er ist eine reine „Gebrauchsmaschine“ für die Jagd, was ihm eine natürliche, rustikale Eleganz verleiht.
Fellbeschaffenheit und Farben:
- Das Haarkleid: Das Fell ist glatt, dicht anliegend und nicht zu kurz. Es bietet optimalen Schutz gegen Dornen, Gestrüpp und feuchtes britisches Wetter. Es ist extrem pflegeleicht und selbstreinigend.
- Farben: Der Harrier zeigt die typischen Meutehund-Farben. Erlaubt sind alle Farbtönungen von Schwarz bis Orange auf weißem Grund. Am häufigsten sieht man die klassische Dreifarbigkeit (Tricolor) mit einem schwarzen Mantel auf der Oberseite des Rückens und lohfarbenen Abzeichen an Kopf und Beinen.
- Physiologie: Er besitzt kräftige, gerade Läufe und einen tiefen Brustkorb für ein großes Lungenvolumen. Die Ohren sind v-förmig, hängend und eher kurz angesetzt, was Verletzungen im Unterholz vorbeugt.
Wesen: Gesellig, sanft und passioniert
Der Harrier ist ein äußerst geselliger, freundlicher und ausgeglichener Hund. Durch seine Vergangenheit als Meutehund ist er darauf programmiert, Konflikte innerhalb einer Gruppe zu vermeiden. Er ist verträglich mit fast jedem Hund und zeigt sich auch Menschen gegenüber offen und ohne Aggression. Harrier gelten als intelligente Hunde, die jedoch eine gewisse Eigenständigkeit besitzen - eine notwendige Eigenschaft, um bei der Jagd Fährten selbstständig zu lösen.
Hinter der sanften Fassade verbirgt sich jedoch ein passionierter Jäger. Sobald seine feine Nase eine interessante Fährte aufnimmt, vergisst der Harrier oft alles um sich herum. Sein Jagdtrieb ist genetisch tief verankert und mit einer enormen Ausdauer gepaart. Er ist kein Hund, der nur "ein bisschen" spazieren geht; er möchte rennen, erkunden und seine Sinne einsetzen.
Haltung: Eine Herausforderung für aktive Menschen
Die Haltung eines Harriers als reiner Familienbegleithund ist anspruchsvoll. Da er fast ausschließlich als Gebrauchsjagdhund gezüchtet wird, ist sein Bewegungsdrang gigantisch. Er eignet sich nicht für das Leben in einer Stadtwohnung oder für Menschen mit einem passiven Lebensstil.
Was ein Harrier-Besitzer wissen muss:
- Bewegung: Er braucht täglich mehrere Stunden Aktivität. Joggen, Radfahren oder stundenlange Wanderungen sind das Mindestmaß, um ihn körperlich auszulasten.
- Nasenarbeit: Da er ein Laufhund ist, muss auch sein Kopf gefordert werden. Mantrailing, Fährtenarbeit oder Zielobjektsuche sind ideale Beschäftigungen, die seinem Naturell entsprechen.
- Sozialkontakt: Er sollte nicht als Einzelhund ohne regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen gehalten werden. Ein Zweithund ist für den geselligen Harrier oft ein großer Gewinn.
- Jagdtrieb: Ein Ableinen in wildreichen Gebieten ist bei den meisten Harriern riskant. Ein sicher eingezäunter Garten ist für den Freilauf daher fast unverzichtbar.
Erziehung: Kooperation durch Verständnis
Harrier sind intelligent und lernwillig, aber sie besitzen den typischen "Dickkopf" der Meutehunde. Sie wurden darauf gezüchtet, Spuren eigenständig zu verfolgen, nicht um jeden Befehl sofort im Kadavergehorsam auszuführen. Die Erziehung erfordert daher viel Geduld, Konsequenz und vor allem positive Verstärkung.
Besonderes Augenmerk muss auf das Rückruftraining gelegt werden. Da der Harrier ein Sicht- und Spurjäger ist, ist der "Point of no Return" erreicht, sobald er eine warme Fährte in der Nase hat. Eine frühe Sozialisierung und eine klare Bindung an den Halter sind entscheidend, damit er den Menschen im Zweifel wichtiger nimmt als die Fährte.
Gesundheit: Die Robustheit eines Arbeiters
Dank der funktionalen Zuchtselektion ist der Harrier eine sehr gesunde und robuste Rasse. Erbkrankheiten sind aufgrund des kleinen Genpools und der strengen Arbeitsselektion eher selten.
- Pflege: Das kurze Fell braucht kaum Pflege. Gelegentliches Bürsten reicht aus. Wichtig ist die Kontrolle der Schlappohren, um Entzündungen vorzubeugen.
- Hüftdysplasie: Wie bei allen mittelgroßen Laufhunden sollte auf HD geachtet werden, wobei die Rasse hier allgemein als unauffällig gilt.
- Lebenserwartung: Ein gesunder Harrier kann 12 bis 15 Jahre alt werden.
Häufige Fragen (FAQ) zum Harrier
Was ist der Unterschied zwischen einem Beagle und einem Harrier?
Der Harrier ist deutlich größer (ca. 10-15 cm mehr Schulterhöhe) und athletischer gebaut. Während der Beagle oft für die Jagd zu Fuß gedacht war, ist der Harrier schnell genug für Jäger zu Pferd.
Bellt der Harrier viel?
Harrier haben eine klangvolle, tiefe Stimme, die sie bei der Jagd (das "Geben von Laut") einsetzen. Im Haus sind sie eher ruhig, können aber bei Unterforderung zu lautstarker Beschwerde neigen.
Kann man einen Harrier mit Katzen halten?
Aufgrund des Jagdtriebs ist das schwierig. In der Regel werden Harrier Katzen im Haus nur akzeptieren, wenn sie von Welpenbeinen an mit ihnen aufgewachsen sind. Draußen bleibt die Katze jedoch ein Jagdobjekt.
Bildergalerie: Harrier
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