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Lagotto Romagnolo: Der italienische Lockenkopf mit der Supernase

Lagotto Romagnolo

Kurzinfos & Steckbrief

Der Lagotto Romagnolo ist weit mehr als nur ein „Hund mit Locken“. Als einzige spezialisierte Trüffelsuchhunderasse der Welt kombiniert er eine jahrtausendealte Geschichte mit einer außergewöhnlichen Arbeitsintelligenz und einem Wesen, das ihn zum perfekten Partner für aktive Familien macht.

  • Herkunftsland: Italien (Romagna)
  • FCI-Standard: Gruppe 8.3 (Wasserhunde) / Nr. 298
  • Größe: Rüden 43-48 cm | Hündinnen 41-46 cm
  • Gewicht: ca. 11 kg bis 16 kg
  • Besonderheit: Haart nicht, ideal für viele Allergiker, spezialisierter Trüffelhund

Geschichte: Vom Sumpfretriever zum Trüffelspezialisten

Die Wurzeln des Lagotto Romagnolo reichen bis in das 7. Jahrhundert v. Chr. zurück. Ursprünglich wurde er in den sumpfigen Lagunen der Romagna in Norditalien als Wasserhund eingesetzt. Seine Aufgabe war es, geschossenes Wassergeflügel aus den eiskalten Gewässern zu apportieren. Sein Name leitet sich vom dialektalen Wort „Càn Lagòt“ ab, was so viel wie „Wasserhund“ bedeutet.

Als die großen Sumpfgebiete im 19. Jahrhundert trockengelegt wurden, verlor der Lagotto sein ursprüngliches Einsatzgebiet. Doch die Menschen in der Romagna entdeckten eine neue, wertvolle Fähigkeit: seine phänomenale Nase. Durch gezielte Zuchtauslese wurde sein Jagdtrieb (das Verfolgen von Wild) fast vollständig unterdrückt, während sein Konzentrationsvermögen auf Gerüche im Boden maximiert wurde. So wurde er zum unangefochtenen Experten für die Suche nach den kostbaren Trüffeln.


Erscheinungsbild: Ein wetterfester Naturbursche

Der Lagotto ist ein mittelgroßer, quadratisch gebauter Hund mit einem kräftigen Skelett. Sein auffälligstes Merkmal ist jedoch sein Haarkleid, das ihn wie ein Kuscheltier aussehen lässt.

Das besondere Fell:

  • Struktur: Das Haar ist wollig, lockig und bildet einen dichten Ringel-Look. Besonders wichtig ist die feine, absolut wasserabweisende Unterwolle, die ihn früher vor der Kälte der Lagunen schützte.
  • Allergikerfreundlich: Der Lagotto unterliegt keinem saisonalen Fellwechsel. Die Haare fallen nicht aus, sondern verfangen sich in den Locken. Das macht ihn für viele (nicht alle!) Hundehaarallergiker sehr gut verträglich.
  • Pflege: Das Fell wächst kontinuierlich. Um schmerzhafte Verfilzungen bis auf die Haut zu vermeiden, muss der Lagotto etwa zweimal im Jahr komplett geschoren werden. Regelmäßiges Abtasten auf Kletten nach dem Spaziergang ist Pflicht.
  • Farben: Die Palette reicht von Schmutzigweiß über Orange, Braun geschimmelt bis hin zu Dunkelbraun. Oft haben sie braune oder orangefarbene Flecken oder Masken.


Wesen: Fröhlich, intelligent und arbeitswillig

Lagotto Romagnolo beim Trüffelsuchen

Der Lagotto Romagnolo wird oft als „Sonnenschein auf vier Pfoten“ bezeichnet. Sein Wesen ist geprägt von einer lebhaften Intelligenz und einer tiefen Bindung zu seinen Menschen. Er ist kein Hund, der nur nebenher läuft; er möchte Teil des Teams sein.

Er ist friedlich, verspielt und zeigt keinerlei aggressives Verhalten. Innerhalb der Familie ist er äußerst verschmust und benötigt engen Kontakt. Da er sehr wachsam ist, meldet er ungewöhnliche Geräusche zuverlässig durch Bellen an, neigt aber bei richtiger Auslastung nicht zum Dauerkläffertum. Fremden gegenüber kann er anfangs eine gesunde Portion italienische Skepsis zeigen, taut aber meist schnell auf.


Haltung: Kopfarbeit ist das A und O

Wer sich einen Lagotto zulegt, sollte wissen: Dieser Hund ist ein Arbeitshund im Körper eines Teddybären. Ein einfacher Spaziergang um den Block reicht ihm nicht aus. Wenn sein Gehirn nicht gefordert wird, sucht er sich selbst Beschäftigung - was oft zulasten der Wohnungseinrichtung oder des Gartens geht.

Ideale Beschäftigungsformen:

  • Nasenarbeit: Ob echte Trüffelsuche, Mantrailing oder einfache Leckerlie-Suche im Garten - seine Nase ist sein wichtigstes Werkzeug.
  • Apportieren: In Anlehnung an seine Herkunft liebt er es, Dummys aus dem Gebüsch oder dem Wasser zu holen.
  • Hundesport: Agility, Obedience oder Flyball sind hervorragende Möglichkeiten, seinen quirligen Körper und seinen hellen Verstand auszulasten.
  • Wasserfreude: Die meisten Lagotti sind wahre Wasserratten und lassen kaum eine Pfütze oder einen Bach aus.


Erziehung: Leichtführig, aber sensibel

Dank seines „Will to Please“ (dem Wunsch, dem Besitzer zu gefallen) gilt der Lagotto als leicht erziehbar. Er versteht Kommandos oft blitzschnell. Dennoch ist er sensibel: Härte oder lautes Gebrüll verträgt er gar nicht - er würde sich verunsichert zurückziehen.

Die Erziehung sollte auf positiver Verstärkung basieren. Da er sehr führerbezogen ist, reicht oft ein lobendes Wort als Belohnung aus. Wichtig ist eine konsequente Sozialisierung im Welpenalter, damit er seine natürliche Wachsamkeit nicht in übermäßige Ängstlichkeit oder Unsicherheit gegenüber Fremden umschlagen lässt.


Gesundheit: Robustheit durch verantwortungsvolle Zucht

Der Lagotto Romagnolo ist eine robuste Rasse mit einer hohen Lebenserwartung. Da die Population weltweit wächst, achten die Zuchtverbände streng auf genetische Tests:

  • JE (Juvenile Epilepsie): Eine Erbkrankheit, die Welpen betreffen kann. Durch Gentests der Elterntiere ist diese heute fast vollständig vermeidbar.
  • LSD (Lagotto Storage Disease): Eine neurologische Stoffwechselerkrankung, auf die seriöse Züchter ebenfalls testen.
  • HD & Patella: Wie bei allen aktiven Rassen sollten die Gelenke der Elterntiere untersucht sein.
  • Ohrenpflege: Da in den Gehörgängen Haare wachsen, müssen diese regelmäßig kontrolliert werden, um Ohrentzündungen vorzubeugen.


Häufige Fragen (FAQ) zum Lagotto Romagnolo

Muss man mit einem Lagotto Trüffel suchen?
Nein, aber man sollte ihm eine alternative Form der Nasenarbeit bieten. Ein Lagotto ohne Suchaufgaben ist oft nur ein „halber“ Hund.

Ist er wirklich für Allergiker geeignet?
Oft ja, da er keine Haare verliert. Da Allergiker aber auch auf Speichel oder Hautschuppen reagieren können, sollte man unbedingt Zeit beim Züchter verbringen, um die Reaktion zu testen.

Wie oft muss er zum Friseur?
Ein- bis zweimal im Jahr sollte er kurz geschoren werden (ca. auf 3-5 mm). Dazwischen muss er nicht gebürstet werden wie andere Langhaarhunde, aber man sollte ihn nach Waldspaziergängen auf Äste und Kletten im Fell untersuchen.


Bildergalerie: Lagotto Romagnolo

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