Neufundländer: Der sanftmütige Bär und Lebensretter der Meere

Der Neufundländer
Kurzinfos & Steckbrief
Der Neufundländer ist der Inbegriff des „sanften Riesen“. Ursprünglich als unermüdlicher Arbeitshunde für Fischer gezüchtet, beeindruckt er heute als loyaler Familienhund, der für seine Liebe zum Wasser und seinen instinktiven Rettungstrieb weltberühmt ist.
- Herkunftsland: Kanada (Insel Neufundland)
- FCI-Standard: Gruppe 2.2 (Molosser / Berghunde) / Nr. 50
- Größe: Rüden ca. 71 cm | Hündinnen ca. 66 cm (Großwüchsigkeit erwünscht)
- Gewicht: Rüden ca. 68 kg | Hündinnen ca. 54 kg
- Besonderheit: Ausgeprägte Schwimmhäute und wasserabweisendes Fell
Geschichte: Der treue Gefährte der Kabeljaufischer
Die Geschichte des Neufundländers ist eng mit der rauen Atlantikküste Kanadas verknüpft. Auf der Insel Neufundland entwickelten sich diese Hunde aus der Kreuzung einheimischer Hunde mit den großen Bärenhunden, die von den Wikingern oder späteren europäischen Fischern mitgebracht wurden.
Sie waren weit mehr als nur Haustiere: Neufundländer halfen den Fischern beim Einholen der schweren Netze, apportierten über Bord gegangene Gegenstände und retteten unzählige Menschen vor dem Ertrinken. Ihre enorme Kraft machte sie zudem zu wertvollen Zughunden, die schwere Lasten wie Holz oder Fischkarren durch unwegsames Gelände zogen. Im 19. Jahrhundert wurde der Neufundländer in Europa zum Symbol für Edelmut und Tapferkeit - nicht zuletzt durch den Dichter Lord Byron, der seinem Neufundländer „Boatswain“ eines der berühmtesten Grabgedichte der Welt widmete.
Erscheinungsbild: Massive Kraft und wasserdichtes Fell
Ein Neufundländer wirkt auf den ersten Blick wie ein Bär. Er besitzt einen massiven Körper, einen breiten Kopf mit kleinen, eng anliegenden Ohren und einen sanften, fast melancholischen Gesichtsausdruck.
Das Fell - Ein technisches Wunderwerk: Um in den eiskalten Gewässern des Nordatlantiks zu überleben, hat die Natur den Neufundländer perfekt ausgestattet:
- Struktur: Er besitzt ein langes, dichtes Stockhaar. Das Deckhaar ist mäßig lang und gerade, während die Unterwolle so fein und dicht ist, dass sie kaum Wasser an die Haut lässt.
- Schwimmhäute: Zwischen den Zehen besitzt der Neufundländer stark ausgeprägte Hautlappen, die wie Paddel wirken und ihn zu einem der schnellsten und ausdauerndsten Schwimmer unter den Hunden machen.
- Farben:
- Schwarz: Die klassische Farbe, oft mit kleinen weißen Abzeichen an Brust oder Zehen.
- Braun: Von Schokolade bis Bronze, möglichst einheitlich getönt.
- Weiß-Schwarz: Diese Variante wird oft auch als Landseer-Typ bezeichnet (wobei der Landseer heute eine eigene FCI-Rasse ist). Die Flecken sollten klar abgegrenzt sein.
Wesen: Ein Herz aus Gold mit einem Schuss Eigensinn

Der Charakter des Neufundländers lässt sich mit einem Wort beschreiben: Gelassenheit. Er ist kaum aus der Ruhe zu bringen und zeigt gegenüber Menschen und anderen Tieren eine fast grenzenlose Geduld. Dies macht ihn zu einem der besten Familienhunde für Haushalte mit Kindern.
Obwohl er sehr lernfreudig und dem Menschen zugewandt ist, besitzt er einen gewissen Eigensinn. Er ist kein Hund für blinden Gehorsam; er denkt mit und wägt manchmal ab, ob ein Kommando gerade sinnvoll ist. Sein ausgeprägter Schutztrieb ist defensiv - er muss nicht beißen oder knurren, seine schiere Präsenz und sein instinktives Bestreben, „sein“ Rudel aus Gefahrenzonen (insbesondere Wasser) wegzuschieben, reichen meist aus.
Haltung: Platzbedarf und die Liebe zum Element Wasser
Aufgrund seiner Größe und seines dichten Fells stellt der Neufundländer spezifische Anforderungen an sein Zuhause. Er ist definitiv kein Hund für eine Etagenwohnung. Ein Haus mit einem großen, sicher eingezäunten Garten ist Grundvoraussetzung.
Was ein Neufundländer-Besitzer wissen muss:
- Kühlung: Neufundländer leiden extrem unter Sommerhitze. Sie brauchen im Sommer Zugang zu kühlen Räumen (Fliesen) und Schatten.
- Sauberkeit: Wer einen Neufundländer hält, muss mit Schlamm, Haaren und gelegentlichen Sabberflecken leben können. Das dichte Fell trägt nach dem Spaziergang oft den halben Wald mit ins Haus.
- Aufgabe: Er ist ein Arbeitshund! Zugabeit (Bollerwagen ziehen) oder - noch besser - Wasserarbeit sind ideal. Viele Neufundländer blühen erst richtig auf, wenn sie im See oder Meer trainieren dürfen.
Erziehung: Geduld führt zum Ziel
Die Erziehung eines Neufundländer-Welpen muss früh beginnen, denn ein 70-Kilo-Hund, der an der Leine zieht, ist kaum zu bändigen. Glücklicherweise ist er sehr sensibel für die Stimme seines Besitzers. Er reagiert hervorragend auf positive Bestärkung und viel Lob.
Härte ist bei diesem sensiblen Riesen völlig fehl am Platz und würde nur dazu führen, dass er sich stur stellt. Besonders wichtig ist die Sozialisierung mit anderen Hunden, damit er trotz seiner Kraft lernt, vorsichtig mit kleineren Artgenossen umzugehen.
Gesundheit und Pflege: Ein Vollzeitjob
Die Pflege eines Neufundländers ist zeitintensiv. Sein Fell neigt zum Verfilzen, besonders hinter den Ohren und an den Innenseiten der Läufe.
- Bürsten: Mehrmals wöchentliches, gründliches Bürsten bis auf die Haut ist Pflicht, um Hautprobleme zu vermeiden.
- Gelenke: Wie bei allen Riesenrassen sind HD (Hüftgelenksdysplasie) und ED (Ellbogendysplasie) ein Thema. Welpen sollten im ersten Jahr keine Treppen steigen und nicht überlastet werden.
- Herz: Gelegentlich treten Herzprobleme wie Subaortenstenose auf; Züchter sollten ihre Tiere schallen lassen.
- Magendrehung: Da der Neufundländer zu den tiefbrüstigen Rassen gehört, ist die Gefahr einer Magendrehung gegeben. Mehrere kleine Mahlzeiten und Ruhe nach dem Fressen sind lebenswichtig.
Häufige Fragen (FAQ) zum Neufundländer
Sabbern Neufundländer wirklich so viel?
Es gibt Linien mit trockeneren Lefzen, aber generell gehört das Sabbern (besonders nach dem Trinken oder bei Hitze) zur Rasse dazu. Ein Handtuch sollte immer bereitliegen.
Ist der Neufundländer ein guter Wachhund?
Er bewacht sein Territorium durch Anwesenheit. Er ist selten aggressiv, aber ein Einbrecher wird es sich bei einem grollenden 70-kg-Hund zweimal überlegen.
Wie alt werden Neufundländer?
Leider ist die Lebenserwartung wie bei vielen sehr großen Hunden mit etwa 8 bis 10 Jahren eher gering.
Kann man ihn im Sommer scheren?
Davon raten Experten meist ab, da das Fell auch als Isolierung gegen Hitze dient. Besser ist es, die Unterwolle gründlich herauszubürsten („auswollen“).
Bildergalerie: Neufundländer
Impressionen der gemütlichen Bären:









