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Petit Bleu de Gascogne: Der edle Melancholiker mit der feinen Nase

Petit Bleu de Gascogne - Kleiner Blauer Gascogne Laufhund

Der Petit Bleu de Gascogne: Edel, ausdauernd und blauschimmernd

Kurzinfos & Steckbrief

Der Petit Bleu de Gascogne ist weit mehr als nur eine „kleine“ Ausgabe eines Jagdhundes. Er ist ein stolzer Vertreter einer der ältesten und edelsten Laufhunderassen Frankreichs. Sein charakteristisches, blauschimmerndes Fell und sein sanftmütiger, fast melancholischer Blick machen ihn unverwechselbar. Ursprünglich für die Flintenjagd in der Gascogne gezüchtet, besticht er durch eine phänomenale Nase und eine außergewöhnliche Ausdauer. Er ist ein passionierter Meutehund, der im Feld durch Konzentration glänzt und zu Hause durch seine gutmütige, anschmiegsame Art besticht. Ein echter französischer Aristokrat, der Arbeit und Eleganz perfekt vereint.

  • Herkunftsland: Frankreich
  • FCI-Standards: Petit (Nr. 31), Grand (Nr. 22), Griffon (Nr. 32)
  • Größe (Petit): Rüden 52-58 cm | Hündinnen 50-56 cm
  • Gewicht (Petit): ca. 23 kg bis 26 kg
  • Besonderheit: Schieferblauer Schimmer durch schwarz-weiße Tüpfelung

Geschichte: Die blauen Hunde der Gascogne

Die Geschichte des Petit Bleu de Gascogne ist untrennbar mit seinem großen Bruder, dem Grand Bleu de Gascogne, verbunden. Diese Rassegruppe gehört zu den ältesten Laufhunden Europas und soll bereits im 14. Jahrhundert existiert haben. Während der Grand Bleu primär für die Großwildjagd (Wolf, Wildschwein, Hirsch) eingesetzt wurde, entstand der Petit Bleu durch die gezielte Selektion kleinerer Individuen für die Jagd auf Niederwild wie Hasen und Kaninchen.

Der Name „Bleu“ (Blau) rührt von der einzigartigen Farbmischung her: Die feine schwarze Tüpfelung auf weißem Grund erzeugt optisch einen schieferblauen Schimmer. In der Gascogne, einer Region im Südwesten Frankreichs, wurden diese Hunde wegen ihrer „feinen Nase“ und ihrer Fähigkeit, eine Fährte auch unter schwierigsten Bedingungen zu halten, hoch geschätzt. Der Griffon Bleu de Gascogne stellt eine rauhaarige Variante dar, die besonders für dorniges und unwegsames Gelände entwickelt wurde. Trotz der Spezialisierung blieben diese Hunde stets Meutehunde, was ihr heutiges Sozialverhalten maßgeblich prägt.


Erscheinungsbild: Aristokratische Züge und blauer Schimmer

Der Petit Bleu de Gascogne ist ein wohlproportionierter Hund, der Kraft und Eleganz vereint. Sein Körperbau ist funktional, ausgelegt auf stundenlange Arbeit in verschiedenstem Terrain.

Die Merkmale der Gascogne-Hunde:

  • Die Farbe: Das Fell ist vollständig schwarz-weiß getüpfelt, was den typischen blauen Schimmer ergibt. Schwarze Platten können vorkommen. Besonders charakteristisch ist die Kopfzeichnung: Zwei schwarze Flecken bedecken die Ohren und Augen, lassen aber eine weiße Blesse auf dem Schädel frei. Oft findet sich in dieser Blesse ein kleiner schwarzer „Schönheitsfleck“.
  • Lohfarbene Abzeichen: Über den Augen (Vieräugl), an den Backen, Innenseiten der Ohren und an den Läufen finden sich lohfarbene (kupferfarbene) Markierungen.
  • Das Fell: Beim Petit und Grand Bleu ist das Haar kurz, dicht und eng anliegend. Der Griffon Bleu hingegen trägt ein hartes, rauhaariges Fell (Draht- oder Zottelhaar).
  • Lange Ohren: Typisch für französische Laufhunde sind die tief angesetzten, langen und gefalteten Hängeohren, die oft über die Nasenspitze hinausreichen.


Wesen: Sanftmütig im Haus, passioniert im Feld

Das Wesen des Petit Bleu de Gascogne zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Ausgeglichenheit aus. Er ist ein hochspezialisierter Jagdhund mit einem exzellenten Geruchssinn. Im Einsatz zeigt er sich konzentriert und beharrlich. Er ist ein „Scenthound“ (Spürhund), der eher bedächtig und sicher als hektisch schnell arbeitet.

Als klassischer Meutehund ist er extrem gesellig und verträglich mit Artgenossen. Er braucht die Interaktion mit anderen Hunden und fühlt sich in Einzelhaltung oft einsam. Seinem Besitzer gegenüber ist er loyal, anschmiegsam und gutmütig. Er lernt schnell und zeigt im Vergleich zu anderen Meutehunden eine recht hohe Unterordnungsbereitschaft. Er möchte gefallen, bewahrt sich aber immer eine gewisse Eigenständigkeit, die für die Fährtenarbeit notwendig ist.


Haltung: Ein Leben voller Bewegung und Gemeinschaft

Der Petit Bleu de Gascogne ist kein Hund für die Stadt. Er ist ein Naturtalent, das Bewegung, Gerüche und Gemeinschaft braucht. Er ist ein ausdauernder Läufer, der täglich gefordert werden möchte.

Was ein Halter beachten sollte:

  • Auslastung: Wenn er nicht jagdlich geführt wird, braucht er dringend Ersatzbeschäftigung. Mantrailing, Fährtenarbeit oder lange Wanderungen in der Natur sind ideal.
  • Jagdtrieb: Der Trieb ist angeboren und stark. Ein Freilauf in wildreichen Gebieten ist oft schwierig, da er, sobald die Nase am Boden ist, die Welt um sich herum vergisst.
  • Meutementalität: Er liebt die Gesellschaft anderer Hunde. In einem Mehrhundehaushalt blüht er sichtlich auf.
  • Stimme: Wie viele Laufhunde besitzt er ein klangvolles, tiefes Bellen („Geläut“), das er bei einer Fährte oder Aufregung gern nutzt.


Erziehung: Folgsamkeit durch Vertrauen

Die Erziehung eines Petit Bleu de Gascogne gestaltet sich oft einfacher als bei anderen Laufhunderassen, da er eine natürliche Folgsamkeit mitbringt. Er reagiert gut auf positive Verstärkung und möchte die Verbindung zu seinem Menschen halten. Dennoch darf man nicht vergessen, dass er ein Spezialist ist. Stupider Drill langweilt ihn; er braucht Aufgaben, die seine Nase fordern.

Besonderes Augenmerk muss auf das Rückruftraining gelegt werden. Da er für das eigenständige Verfolgen von Fährten gezüchtet wurde, muss er früh lernen, dass der Kontakt zum Besitzer Priorität hat. Wer ihn mit Konsequenz und viel Liebe führt, bekommt einen Partner, der im Haus ein ruhiger Pol und draußen ein begeisterter Abenteurer ist.


Gesundheit und Pflege: Robustheit aus Frankreich

Die Hunde aus der Gascogne gelten als sehr robust und wenig anfällig für rassetypische Erbkrankheiten. Sie wurden über Jahrhunderte auf Gesundheit und Arbeitsleistung selektiert.

  • Fellpflege: Das kurze Fell des Petit Bleu ist extrem pflegeleicht. Gelegentliches Bürsten reicht aus. Der Griffon Bleu benötigt etwas mehr Pflege (Zupfen/Bürsten), um das drahtige Haar gesund zu halten.
  • Ohrenkontrolle: Wegen der langen Hängeohren sollten diese regelmäßig auf Verschmutzungen oder Entzündungen kontrolliert werden, da das Klima im Gehörgang feucht-warm ist.
  • Gelenke: Beim Grand Bleu (der größeren Variante) sollte aufgrund des Gewichts auf HD (Hüftdysplasie) geachtet werden. Der Petit Bleu ist hier weniger anfällig.
  • Lebenserwartung: Der Petit Bleu de Gascogne wird im Schnitt 12 bis 14 Jahre alt.


Häufige Fragen (FAQ) zum Petit Bleu de Gascogne

Ist der Petit Bleu de Gascogne als reiner Familienhund geeignet?
Ja, aber nur, wenn er wie ein Jagdhund ausgelastet wird. Er braucht viel Nasenarbeit und Bewegung. Ohne Aufgabe kann er unglücklich oder unruhig werden.

Warum heißt er „Blauer“ Gascogne-Laufhund?
Der Name kommt von der dichten schwarzen Tüpfelung auf weißem Untergrund. Aus der Ferne betrachtet vermischen sich diese Farben für das menschliche Auge zu einem schieferblauen Schimmer.

Verträgt er sich mit Katzen?
Innerhalb des Hauses kann eine Gewöhnung gelingen, da er sehr sanftmütig ist. Draußen wird er eine rennende Katze jedoch instinktiv als Beute bzw. Fährte betrachten.


Bildergalerie: Bleu de Gascogne

Eindrücke der aristokratischen Laufhunde:

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